Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica , Synonyme: Reynoutria japonica , Polygonum cuspidatum ), auch Japanknöterich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schling- oder Flügelknöteriche (Fallopia) bzw. Staudenknöteriche (Reynoutria) innerhalb der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). In Europa und in Nordamerika zählt diese Pflanzenart zu den problematischen, invasiven Neophyten. Im Jahr 2025 wurde die Art auf die Unionsliste invasiver Arten aufgenommen. mini|hochkant|Illustration aus Curtis’s Botanical Magazine, Tafel 6503
Beschreibung mini|Fallopia japonica mit wechselständigen Laubblättern. Der Stängel bildet eine Zickzack-Linie und in den oberen, lichtnahen Blattachseln Blütenstände mini|Blüten einer weiblichen Pflanze mini|Geflügelte Früchte mini|Habitus einer gerade erblühenden männlichen Pflanze (in Japan)
Erscheinungsbild Der Japanische Staudenknöterich ist eine sehr schnellwüchsige (wuchernde), sommergrüne und ausdauernde (halb)krautige Pflanze. Als Überdauerungsorgane bildet er Rhizome, durch die oft dichte, ausgedehnte Bestände entstehen. Im Frühling treibt er aus seinen Rhizomen („Wurzelstöcken“, Erdkriechsprossen), oft nesterweise an „Rhizomköpfen“, neue Stängel („Rameten“), die unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Wuchshöhe von 3 bis 4 Metern erreichen, wobei die Pflanze einen Zuwachs von 10 bis 30 Zentimeter pro Tag erreichen kann. Die anfangs aufrechten, bald aber schräg bis waagerecht überhängenden, kahlen, bambusartigen Stängel sind hohl. Weil zum Hochsommer hin die Wipfel der ungemähten Triebe sich in die Waagerechte neigen und die Laubblätter horizontal ausbreiten, wird der Boden unter solch dichten Beständen dermaßen beschattet, dass selbst Graswuchs abstirbt.
Im Spätjahr zieht die Pflanze ein und die Laubblätter werden gelb, beim ersten Frost sterben alle oberirdischen Teile der Pflanze ab. Die sich weit verzweigenden, bald und von Jahr zu Jahr stärker verholzenden Rhizome überleben den Winter problemlos. Sie reichen, obwohl weitgehend horizontal kriechend, oft bis zu 2 m tief in den Boden. Dort scheinen sie manchmal zusätzlich knollenförmige Speicherorgane zu bilden.
Blatt Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel sowie -spreite gegliedert und 5 bis 20 Zentimeter lang. Der bis 3 Zentimeter lange, kahle Blattstiel steht an einer dünnen Ochrea. Die einfache, mit einer Länge von bis zu 12, selten bis 18 Zentimetern und einer Breite von bis zu 8, selten bis 13 Zentimetern breit-eiförmige, leicht ledrige, raue, stumpfe bis abgerundete oder spitze, zugespitzte bis bespitzte, ganzrandige Blattspreite besitzt einen gestutzten bis spitzen oder leicht herzförmigen Spreitengrund. Die Oberseite ist kahl, die winzigen Haare auf den Blattadern der Unterseite sind ohne Lupe kaum zu sehen.
Blütenstand und Blüte mini|Die Rhizome des Japanischen Staudenknöterichs können sich weit ausbreiten und aus vorhandenen Schwachstellen an befestigten Flächen austreiben. Der Japanische Staudenknöterich ist, zumindest in Europa, gynodiözisch, das bedeutet, es kommen neben zwittrigen auch rein weiblich blühende Pflanzen vor. Da die Pflanze außerdem selbststeril ist, d. h. Pflanzen (oder genetisch identische Klone) sich nicht selbst befruchten können, kommt es in Europa nicht zur sexuellen Fortpflanzung, Fortpflanzung ist ausschließlich vegetativ, über Rhizom- oder Stängelbruchstücke, möglich. Dies wurde in Nordeuropa, Skandinavien und in Kontinentaleuropa auch genetisch nachgewiesen. Dennoch sind oft Samen auf der Pflanze ausgebildet, die auch keimfähig sind. Dies wird ermöglicht durch Kreuzbefruchtung, selten durch Sachalin-Staudenknöterich, häufiger entweder durch den so gebildeten Hybriden Fallopia × bohemica (Fallopia japonica × Fallopia sachalinensis) oder den nahe verwandten und oft angepflanzten Schlingknöterich (Fallopia baldschuanica).
Im August beginnt der Japanische Staudenknöterich mit der Ausbildung der lockeren, meist rispigen Blütenstände. Diese erscheinen end- oder achselständig, sie sind zusammengesetzt aus vielen kleinen Blütengruppen zu jeweils fünf bis sechs, die jeweils an einem tutenartigen Tragblatt erscheinen. Die kleinen, funktionell eingeschlechtigen und einen bis drei Zentimeter lang gestielten Blüten mit einfacher Blütenhülle enthalten fünf ungleiche, weißliche bis rötliche Blütenhüllblätter. Die äußeren drei davon sind auf der Außenseite gekielt. Die weiblichen Blüten enthalten einen oberständigen Fruchtknoten mit drei gegabelten Narben und kleine Staminodien. Die männlichen Blüten enthalten acht kurze Staubblätter und einen Pistillode. In Europa sind die männlichen Blüten der typischen Form steril, es wird kein Pollen ausgebildet. Nur bei der var. compacta sollen auch fertile männliche Blüten vorkommen.
Es werden kleine, verkehrt-eiförmige und -herzförmige, dreiflügelige und valvenartige Flügelfrüchte mit breiten Flügeln gebildet.
Chromosomenzahl Die nach Europa eingeschleppten Pflanzen haben achtfachen Chromosomensatz (octoploid), die Chromosomenzahl ist 2n = 8x = 88. Daneben existieren auch morphologisch unterscheidbare, etwas kleinere Pflanzen, die als var. compacta (Hooker fil.)J.P. Bailey beschrieben wurden, mit tetraploidem Chromosomensatz 2n = 4x = 44. In Japan wurden auch hexaploide Pflanzen, mit sechs Chromosomensätzen, nachgewiesen. Pflanzen mit abweichenden Chromosomensätzen in Europa gehören wohl immer zum Hybriden Fallopia × bohemica, oder seltenen Rückkkreuzungen von diesem mit den Elternarten.
Vorkommen im natürlichen Areal Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Japanischen Staudenknöterichs ist das östliche Asien mit Vorkommen in u. a. Japan, Korea, Teilen Chinas und auf Taiwan. In den meisten Ländern Europas, den meisten Staaten der USA, in Teilen Kanadas und auf Neuseeland ist er heute ein Neophyt.
Die Art ist im Japan verbreitet von Hokkaidō im Norden über Honshū, Shikoku, Kyūshū bis zur Insel Amami-Ōshima im Süden. Sie ist überall sehr häufig an Straßenrändern, Waldsäumen und auf Ruderalflächen. Sie wird auch zur Begrünung angepflanzt, etwa auf neu geschobenen Böschungen. Besonders gut untersucht sind die Vorkommen an den Hängen des Vulkans Fuji. Hier wurde bei dem großen Ausbruch 1707 die Vegetation großflächig zerstört und der Grund von meterdicken Asche- und Schlackenlagen verhüllt. Der Staudenknöterich kolonisiert hier als Erstbesiedler diese wüstenartigen Aschenfelder bis in eine Höhe von 2500 Metern, damit oberhalb der lokalen Waldgrenze. Sie ist hier die häufigste Pflanzenart. Sie bildet etwa kreisförmige Flecken von bis zu 100 Quadratmeter Größe. Jeder geht auf einen oder zwei Mutterpflanzen zurück, die sich, als Klone, vegetativ mittels Rhizomen ausbreiten. Die Mutterpflanzen sind genetisch voneinander verschieden, vermutlich stammt damit jeder Flecken von einer oder zwei aus Samen gekeimten Jungpflanzen ab. Damit überwiegt hier, anders als in Europa, die Fernverbreitung mittels Samen. Die Art ist auch auf anderen Vulkanen Japans auf ähnlichen Standorten weit verbreitet. Die hier wachsenden Staudenknöteriche sind niedrigwüchsiger als Pflanzen des Flach- oder Hügellands. Eine taxonomische Abtrennung ist aber nicht möglich.
Auch in niederen Lagen Japans ist die Art sehr häufig. Im Gegensatz zu den invasiven Vorkommen in Europa oder Nordamerika ist sie in Japan sehr beliebt und gilt als wenig problematisch. Die Art wird heute itadori genannt, es finden sich aber in älteren Werken viele Hundert Lokalnamen. Typische Vorkommen sind, neben Ruderalflächen wie Bahn- oder Straßenrändern, auch Grünländer der Grasart Chinaschilf (Miscanthus sinensis), die entweder gemäht oder beweidet, manchmal auch durch Brennen offengehalten werden. Auch in ruderalen Grasländern des Silberhaargrases (Imperata cylindrica) ist sie häufig, ebenso in jungen Pionierwäldern der Amur-Weide (Salix sachalinensis).
Die älteste Erwähnung des Staudenknöterichs findet sich schon im 8. Jahrhundert, im Geschichtswerk Nihonshoki, Abschnitt über den 18. Kaiser (tenno) Hanzei mit dem Beinamen Tajihi-no Mizuhawake. Dieser habe als Kind Wasser aus einem Brunnen erhalten, in den eine Blüte von tajihi hineingefallen sei. tajihi ist ein alter Name des Staudenknöterichs. Erwähnung findet er auch im Gesetzeswerk Engishiki (von 927 n. Chr.). Dort wird er als eine der Pflanzen genannt, die für die Tafel des Kaisers geeignet seien. Junge Triebe des Staudenknöterichs werden bis heute, oft von Kindern, gegessen, in Notzeiten wurden sie als Notnahrung geerntet. Die getrockneten Rhizome fanden Verwendung in der traditionellen Medizin.
Die Vorkommen in China sind ähnlich den japanischen. Angegeben werden Flußtäler, Feldränder und Berghänge von 100 bis 2000 Meter Meereshöhe.
Obwohl manche Autoren den Trivialnamen „Kamtschatka-Knöterich“ für die Art angeben, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Art in Kamtschatka natürlich vorkommt oder vorgekommen ist. Im Standardwerk Flora of Kamtchatka and adjacent islands Band 3 (1930, von Eric Hultén) wird sie nicht erwähnt. Albert N. Steward erwähnt keine Vorkommen in The Polygoneae of Eastern Asia (1930). Im Monumentalwerk Flora of the U.S.S.R (Band 5, V.L. Komarov 1936, übersetzt 1970, S. 535) wird sie nicht für den Russischen Fernen Osten angegeben (ein eingeschlepptes Vorkommen). Auch für die Inselkette der Kurilen gibt es keine Nachweise. Nach Abschätzung des Areals auf klimatischer Grundlage („climatic envelope“-Modell) wäre ausschließlich die Südspitze der Halbinsel klimatisch noch für ein mögliches Vorkommen geeignet.
Ausbreitungsgeschichte in Europa mini|Die oft dicht aneinandergereihten, röhrenförmigen und innen hohlen Stämme des Japanischen Staudenknöterichs haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Bambus.
Diese Pflanzenart wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht und ebenfalls im 19. Jahrhundert in den USA eingeführt. Der Japanische Staudenknöterich zählt damit zu den sogenannten hemerochoren Pflanzen, die gezielt (ethelochor) eingeführt wurden. Auch in der Forstwirtschaft wurde der Japanische Staudenknöterich gezielt angebaut. Er sollte als Äsungspflanze für Rotwild sowie als Deckungspflanze für Fasane dienen. Der Japanische Staudenknöterich wird als Äsung aber nicht angenommen und ist als Deckungspflanze, auf Grund des Blattfalls im Spätherbst, wenig geeignet. Großzügig an seiner Ausbreitung beteiligt waren die Imker, da der Japanische Staudenknöterich im Frühherbst eine exzellente Bienenweide bietet. In Deutschland gilt das Vorkommen als etabliert, wobei sich die Art weiter expansiv ausbreitet.
Im 21. Jahrhundert findet man den Japanischen Staudenknöterich in Mitteleuropa sowohl in Gärten, wegen seines schnellen und hohen Wuchses als Sichtschutz genutzt, als auch im Freiland wild wuchernd. In der Schweiz ist diese Pflanzenart bis auf das Oberengadin in allen Regionen anzutreffen.Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit EFBS: Invasive gebietsfremde Pflanzen Früh erkennen – sofort handeln. Broschüre, 38 Seiten, 3. Auflage April 2015. PDF. Dort wurde er in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten der Schweiz aufgenommen und der Freisetzungsverordnung unterstellt.
Alle europäischen, und nahezu alle nordamerikanischen Vorkommen der Art gehören nach genetischen Untersuchungen zum selben Haplotyp. In Nordamerika trat, sehr selten, ein zweiter Haplotyp auf. Damit ist die genetische Diversität der neophytischen Vorkommen extrem niedrig, vermutlich gehen tatsächlich alle auf die Einfuhr einer einzigen Mutterpflanze zurück (in Nordamerika: zwei). Der europäisch/nordamerikanische Haplotyp wurde auch in Japan bestätigt, das damit auch genetisch als Ausgangsregion nachgewiesen ist. Im Gegensatz dazu ist in Ostasien (Japan, China und Korea) die genetische Diversität weitaus höher, wobei alle chinesischen Vorkommen eine Klade bilden.
Standort und Vergesellschaftung