Olympische Spiele 1928Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Land 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Total 1 9 8 8 25 2 5 5 4 14 3 4 2 2 8 4 2 2 1 5 5 1 2 6 9 6 1 2 4 7 7 1 1 1 3 8 1 1 – 2 9 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 12 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 16 – – 1 1

Die Leichtathletikwettbewerbe bei den IX. Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam fanden vom 29. Juli bis 5. August statt. Erstmals waren auch Frauen teilnahmeberechtigt, wenn auch nur mit fünf Disziplinen. Bei den Männern standen 22 Wettbewerbe auf dem Programm.

Boykott Da die Frauen erst mit Verzögerung geladen worden waren und dann in der Leichtathletik auch nur in fünf Disziplinen starten durften, boykottierten die britischen Leichtathletinnen die Spiele, obwohl sie große Medaillenchancen gehabt hätten. Dabei handelt es sich um den einzigen Boykott in der olympischen Geschichte aus Gründen des Geschlechts.

Stadion mini|hochkant=1.8| Jan Willems, der Architekt des Stadions, erhielt eine Auszeichnung für seine Arbeit. Die Anlagen waren zweckmäßig und nach dem damaligen Zeitgeschmack gefertigt. Die Rundbahn hatte wie heute eine Länge von 400 Metern. Aber nach ihrer Fertigstellung zeigten sich erhebliche Unzulänglichkeiten, durch welche die Austragung der Wettbewerbe in arge Bedrängnis gerieten. Es traten Risse auf in der Oberfläche, ganze Teile sackten ein. Der Initiative des schwedischen Trainers der niederländischen Sportler war es zu verdanken, dass es nicht zu einem Debakel kam. Zusammen mit vierzig Athleten machte er sich an die Arbeit und schaffte es, die Wettkampfanlage bis zum vorgesehenen Beginn der Spiele in einen guten Zustand zu versetzen.

Teilnehmer Nachdem die deutschen Sportler zweimal nach dem Ersten Weltkrieg nicht an den Olympischen Spielen hatten teilnehmen dürfen, wurden sie hier in Amsterdam wieder eingeladen und waren mit dabei. Die großen Nationen mit all ihren Stars und Weltklasseleichtathleten sorgten mit ihren Leistungen für spannende und hochklassige Wettbewerbe.

Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es noch einmal einige Veränderungen. Für die Männer wurden folgende fünf Disziplinen gestrichen: 3000-Meter-Mannschaftslauf Querfeldeinlauf, Einzelwertung Querfeldeinlauf, Mannschaftswertung 10.000-Meter-Gehen Fünfkampf Damit gab es keine Wettbewerbe im Gehen bei diesen Spielen. Diese Disziplin kam vier Jahre später allerdings wieder ins olympische Programm. Abgesehen vom Gehsport war das Wettkampfangebot damit identisch gegenüber heute.

Bei den Frauen, die erstmals an Leichtathletikwettbewerben bei Olympischen Spielen teilnehmen konnten, standen fünf Wettbewerbe auf dem Programm. 3 Laufdisziplinen: 100-Meter-Lauf 800-Meter-Lauf 4-mal-100-Meter-Staffel 1 Sprungwettbewerb: Hochsprung 1 Wurfdisziplin Diskuswurf Mit fünf Konkurrenzen war das Frauenangebot damit sehr reduziert gegenüber dem der Männer, was den oben beschriebenen Boykott der britischen Leichtathletinnen zur Folge hatte. Das Frauenprogramm wuchs dann in den kommenden Jahrzehnten langsam und sukzessive an, bis es abgesehen von kleinen Unterschieden dasselbe wurde wie bei den Männern.

Wetter Leider spielte das Wetter nicht immer so mit, wie die Beteiligten sich das gewünscht hätten. Es war meist kühler als erwartet und manchmal regnete es so stark, dass die Durchführung der Wettbewerbe in Frage stand. Besonders betroffen war der Zehnkampf, bei dem die Athleten sich in ihren Pausen, so gut es ging, unter wasserdichten Zeltplanen verkrochen. Die Kampfrichter wollten den abschließenden 1500-Meter-Lauf am Abend wegen der Regengüsse und der dadurch triefend nassen Bahn eigentlich nicht mehr durchführen. Nur durch gutes Zureden der Athleten, die ihren Wettkampf unbedingt zu Ende bringen wollten, fand dieser Lauf dann doch statt.

Sportliche Erfolge Wie bisher immer führten die Vereinigten Staaten den Medaillenspiegel an. Neun Goldmedaillen gewannen sie. Allerdings hatten sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Die früheren Stärken der US-Amerikaner auf den Sprint- und Mittelstrecken sowie im Hürdenlauf kamen hier nicht zum Tragen. In den Einzellaufwettbewerben gab es nur eine einzige Goldmedaille, die Ray Barbuti über 400 Meter gewann. Stattdessen errangen die US-Athleten im Stoßen/Werfen sowie bei den Sprüngen ihre größten Erfolge. Die nächst stärkste Nation war wiederum Finnland mit fünf Olympiasiegen. Der Abstand zwischen den USA und Finnland war gegenüber den letzten beiden Spielen aber wieder größer geworden. Kanada gewann vier, Großbritannien zwei Goldmedaillen. Und dann folgte im Medaillenspiegel bereits Deutschland mit zwar nur einem Sieg. Aber es gab acht weitere Medaillen und Lina Radke gewann im 800-Meter-Lauf Deutschlands erste Leichtathletikgoldmedaille überhaupt.

Auch dieses Großereignis brachte wieder zahlreiche Rekorde mit sich. Es gab insgesamt dreizehn egalisierte oder neue Weltrekorde und eine Weltbestzeit. Drei Weltrekorde fielen in den fünf Disziplinen der Frauenleichtathletik, die noch in den Kinderschuhen steckte und entsprechenden Nachholbedarf hatte. Darüber hinaus wurden 24 olympische Rekorde aufgestellt oder egalisiert, davon zehn in den Frauen-Disziplinen.

In der folgenden Übersicht sind die Rekorde im Einzelnen aufgelistet. 13 egalisierte oder neue Weltrekorde 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,8 s (egalisiert) – George Weightman-Smith (Südafrika), Vorlauf 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,8 s (egalisiert) – Leighton Dye (USA), Halbfinale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,8 s (egalisiert) – Stephen Anderson (USA), Halbfinale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,6 s (verbessert) – George Weightman-Smith (Südafrika), Halbfinale 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 41,0 s (egalisiert) – USA (Frank Wykoff, James Quinn, Charles Borah, Henry Russell), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel, Männer: 3:14,4 min – USA (George Baird, Emerson Spencer, Fred Alderman, Ray Barbuti), Finale Kugelstoßen, Männer: 15,87 m – John Kuck (USA), Finale Zehnkampf, Männer: 8053,290 P (1920er Wertung) / 6587 P (nach heutiger Wertung von 1985) – Paavo Yrjölä (Finnland) 800-Meter-Lauf, Frauen: 2:16,8 min – Lina Radke (Deutsches Reich), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 49,3 s – Kanada (Fanny Rosenfeld, Ethel Smith, Florence Bell, Myrtle Cook), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 48,4 s – Kanada (Fanny Rosenfeld, Ethel Smith, Florence Bell, Myrtle Cook), Finale Hochsprung, Frauen: 1,595 m – Ethel Catherwood (Kanada), Finale Diskuswurf, Frauen: 39,62 m – Halina Konopacka (Polen), Finale eine Weltbestzeit 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 9:21,8 min – Toivo Loukola (Finnland), Finale 25 olympische Rekorde 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Percy Williams (Kanada), Viertelfinale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Robert McAllister (USA), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Percy Williams (Kanada), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Wilfred Legg (Südafrikanische Union), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Jack London (Großbritannien), Halbfinale 800-Meter-Lauf, Männer: 1:51,8 min – Douglas Lowe (Großbritannien), Finale 1500-Meter-Lauf, Männer: 3:53,2 min – Harri Larva (Finnland), Finale 10.000-Meter-Lauf, Männer: 30:18,8 min – Paavo Nurmi (Finnland) 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 53,4 s – Morgan Taylor (USA), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 53,4 s (egalisiert) – Lord Burghley (Großbritannien), Finale Stabhochsprung, Männer: 4,20 m – Sabin Carr (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 15,75 m – Herman Brix (USA), Qualifikation Diskuswurf, Männer: 47,32 m – Bud Houser (USA), Finale Speerwurf, Männer: 66,60 m – Erik Lundqvist (Schweden), Finale 100-Meter-Lauf, Frauen: 13,0 s (erster olympischer Rekord) – Anni Holdmann (Deutschland), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,8 s (egalisiert) – Hitomi Kinue (Japan), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,8 s (egalisiert) – Leni Junker (Deutschland), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,6 s (verbessert) – Fanny Rosenfeld (Kanada), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,6 s (egalisiert) – Ethel Smith (Kanada), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,4 s (verbessert) – Fanny Rosenfeld (Kanada), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,4 s (egalisiert) – Betty Robinson (USA), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,2 s (verbessert) – Betty Robinson (USA), Finale 800-Meter-Lauf, Frauen: 2:22,4 min – Marie Dollinger (Deutschland), Vorlauf Diskuswurf, Frauen: 39,17 m – Halina Konopacka (Polen), Qualifikation

Bei den Sportlern gab es nicht wie vor vier Jahren die alles überragenden Athleten. Die Medaillen verteilten sich mehr. Die erfolgreichsten Männer waren: Percy Williams, Kanada – 2-mal Gold: 100 und 200 Meter Ray Barbuti, USA – 2-mal Gold: 400 Meter, 4-mal 400 Meter Paavo Nurmi, Finnland – 1-mal Gold: 10.000 Meter, 2-mal Silber: 5000 Meter und 3000 Meter Hindernis Ville Ritola, Finnland – 1-mal Gold: 5000 Meter, 1-mal Silber: 10.000 Meter Bei den Frauen gewannen zwei Athletinnen jeweils eine Gold- und eine Silbermedaille: Betty Robinson, USA – Gold: 100 Meter, Silber: 4-mal 100 Meter Fanny Rosenfeld, Kanada – Gold: 4-mal 100 Meter, Silber: 100 Meter

Außerdem gab es vier Sportler, die bereits bei zuvor ausgetragenen Olympischen Spielen siegreich waren: Paavo Nurmi, Finnland – 10.000 Meter: Wiederholung seines Erfolgs von 1920, 1920 außerdem siegreich im Querfeldeinlauf (Einzel- und Mannschaftswertung), 1924 darüber hinaus siegreich über 1500, 5000 Meter, 3000-Meter-Mannschaftslauf und Querfeldeinlauf (Einzel- und Mannschaftswertung), damit jetzt neunfacher Olympiasieger Ville Ritola, Finnland – 5000 Meter: 1924 siegreich über 10.000 Meter, 3000 Meter Hindernis, Querfeldein Mannschaftswertung, 3000-Meter-Mannschaftslauf, damit jetzt fünffacher Olympiasieger Bud Houser, USA – Diskuswurf: Wiederholung seines Erfolgs von 1924, vor vier Jahren außerdem siegreich im Kugelstoßen, damit jetzt dreifacher Olympiasieger Douglas Lowe, Großbritannien – 800 Meter: Wiederholung seines Erfolgs von 1924, damit jetzt zweifacher Olympiasieger

Resultate Männer 100 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Percy Williams 10,8 2 Jack London 10,9 3 Georg Lammers 10,9 4 Frank Wykoff 11,0 5 Wilfred Legg 11,0 6 Robert McAllister 11,0 Finale: 30. Juli

Das Rennen wurde ohne eigentlichen Favoriten gestartet, auch in den Vor- und Zwischenläufen hatte sich niemand besonders herauskristallisiert. Im Finale war der Kanadier Percy Williams knapp vorn. Er hatte mit seinem Trainer Bob Granger in seinem Hotelzimmer in Amsterdam mit einer an die Wand gelehnten Matratze an seinem noch nicht perfekten Start gefeilt und in Grangers Augen so den letzten Schliff als Grundlage für seine erste Goldmedaille geschaffen.

Ziemlich überraschend kam die Bronzemedaille für Georg Lammers. Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften des Olympiajahres war Lammers nur Dritter, deshalb hatte mit ihm hier niemand gerechnet.

200 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Percy Williams 21,8 2 Walter Rangeley 21,9 3 Helmut Körnig 21,9 4 Jackson Scholz 21,9 5 John Fitzpatrick 22,1 6 Jakob Schüller 22,2 Finale: 1. August

Aufgrund seiner Vorleistungen hieß der Favorit dieses Rennens Helmut Körnig. Im Zwischenlauf hatte er mit 21,6 s den olympischen Rekord egalisiert und dabei den 100-Meter-Olympiasieger Percy Williams geschlagen. Im Halbfinale besiegte Körnig in 21,8 s den Olympiasieger von 1924 Jackson Scholz. Im Finale lag Körnig nach Streckenhälfte vorne, verkrampfte aber auf der Zielgeraden ein wenig und so konnten Williams und auch Walter Rangeley an ihm vorbeiziehen. Percy Williams hatte seine zweite Goldmedaille bei diesen Spielen gewonnen und er war der erste Doppelsieger der beiden Sprintstrecken, der nicht aus den USA kam.

400 m mini|hochkant=1.8|

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Ray Barbuti 47,8 2 James Ball 47,9 3 Joachim Büchner 48,1 4 John Rinkel 48,4 5 Harry Werner Storz 48,8 6 Hermon Phillips 49,0 Finale: 3. August