Bei den X. Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles fanden 29 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt.
Olympische Spiele 1932Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Gesamt 1 16 13 6 35 2 3 4 4 11 3 2 4 2 8 4 2 – 1 3 5 2 – – 2 6 1 3 5 9 7 1 1 2 4 8 1 – 2 3 9 1 – – 1 10 – 2 3 5 11 – 1 – 1 – 1 – 1 13 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1
Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot für die Männer wurde das Gehen (Sport) wieder aufgenommen. Die Streckenlänge betrug jetzt erstmals 50 Kilometer. Damit fehlte im olympischen Männerprogramm gegenüber heute nur noch die Disziplin 20-km-Gehen. Bei den Frauen wurde die einzige Mittelstrecke, der 800-Meter-Lauf, gestrichen, weil die Strecke angeblich zu lang und nicht geeignet für Frauen sei. Neu ins Programm kamen der 80-Meter-Hürdenlauf sowie der Speerwurf. Damit gab es mit den 100 Metern, den 80 Meter Hürden und der 4-mal-100-Meter-Staffel drei Laufdisziplinen, mit dem Hochsprung einen Sprungwettbewerb und dem Diskus- sowie Speerwurf zwei Wurfdisziplinen. Mit jetzt sechs Konkurrenzen war das Frauenangebot damit weiterhin sehr reduziert gegenüber dem der Männer. Es wuchs dann in den kommenden Jahrzehnten langsam und sukzessive an, bis es abgesehen von kleinen Unterschieden dasselbe wurde wie bei den Männern.
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Stadion Das 1921 erbaute und 1923 eröffnete Memorial Coliseum diente und dient vor allem der Austragung von American-Football-Spielen. Es fasst mehr als 90.000 Zuschauer und besaß eine 400-Meter-Rundbahn, die den Leichtathleten optimale Bedingungen bot. 1932 handelte es sich um eine Aschenbahn, die später unter anderem für die Olympischen Spiele 1984 durch eine Kunststoffbahn ersetzt wurde. Sämtliche Anlagen für die Leichtathletik boten den Sportlern optimale Voraussetzungen, die bei diesen Spielen auch zu einer regelrechten Leistungsexplosion führten.
Sportliche Erfolge Diese Spiele gingen in der Leichtathletik als Spiele der Rekorde ein. In dreizehn Disziplinen gab es insgesamt 22 egalisierte oder neue Weltrekorde. In 19 Disziplinen wurden weitere 35 olympische Rekorde aufgestellt. In nur drei Wettbewerben blieben die bisherigen olympischen Rekorde bestehen.
Hier eine Übersicht zu den einzelnen Rekorden. Weltrekorde: 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Eddie Tolan (USA), Finale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Ralph Metcalfe (USA), Finale 400-Meter-Lauf, Männer: 46,2 s – Bill Carr (USA), Finale 800-Meter-Lauf, Männer: 1:49,7 min – Tommy Hampson (Großbritannien), Finale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,4 s (egalisiert) – George Saling (USA), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 51,9 s – Glenn Hardin (USA), Finale. Der irische Olympiasieger Bob Tisdall war zwar 51,7 s gelaufen, hatte jedoch eine Hürde gerissen, womit seine Zeit nach den damaligen Regeln nicht als Rekord anerkannt werden konnte. 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 40,6 s (egalisiert) – USA (Bob Kiesel, Emmett Toppino, Hector Dyer, Frank Wykoff), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 40,0 s – USA (Bob Kiesel, Emmett Toppino, Hector Dyer, Frank Wykoff), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel, Männer: 3:11,8 min – USA (Ivan Fuqua, Edgar Ablowich, Karl Warner, Walter Klinger), Vorlauf 4-mal-400-Meter-Staffel, Männer: 3:08,2 min – USA (Ivan Fuqua, Edgar Ablowich, Karl Warner, Bill Carr), Finale Dreisprung, Männer: 15,72 m – Chūhei Nambu (Japan), Finale Zehnkampf, Männer: 8462,235 P (1912er Wertung) / 6736 P (nach heutiger Wertung von 1985) – James Bausch (USA) 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,9 s (egalisiert) – Stanisława Walasiewicz (Polen), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,9 s (egalisiert) – Stanisława Walasiewicz (Polen), Halbfinale 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,9 s (egalisiert) – Stanisława Walasiewicz (Polen), Finale 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,9 s (egalisiert) – Hilda Strike (Kanada), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 11,7 s – Mildred Didrikson (USA), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 11,7 s – Evelyne Hall (USA), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 47,0 s – USA (Mary Carew, Evelyn Furtsch, Annette Rogers, Wilhelmina von Bremen), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 47,0 s – Kanada (Mildred Fizzell, Lillian Palmer, Mary Frizzell, Hilda Strike), Finale Hochsprung, Frauen: 1,65 m – Jean Shiley (USA), Finale Hochsprung, Frauen: 1,65 m – Mildred Didrikson (USA), Finale Olympische Rekorde: 100-Meter-Lauf, Männer: 10,6 s (egalisiert) – Arthur Jonath (Deutsches Reich), Vorlauf 100-Meter-Lauf, Männer: 10,4 s – Eddie Tolan (USA), Viertelfinale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s – Eddie Tolan (USA), Finale 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s – Ralph Metcalfe (USA), Finale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,5 s – Ralph Metcalfe (USA), Viertelfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,5 s (egalisiert) – Eddie Tolan (USA), Viertelfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,4 s – Carlos Bianchi (Argentinien), Viertelfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,4 s – Arthur Jonath (Deutsches Reich), Viertelfinale 200-Meter-Lauf, Männer: 21,2 s – Eddie Tolan (USA), Finale 400-Meter-Lauf, Männer: 47,2 s – Bill Carr (USA), Halbfinale 1500-Meter-Lauf, Männer: 3:51,2 min – Luigi Beccali (Italien), Finale 5000-Meter-Lauf, Männer: 14:30,0 min – Lauri Lehtinen (Finnland), Finale 5000-Meter-Lauf, Männer: 14:30,0 min – Ralph Hill (USA), Finale 10.000-Meter-Lauf, Männer: 30:11,4 min – Janusz Kusociński (Polen) Marathonlauf, Männer: 2:31:36 h – Juan Carlos Zabala (Argentinien) 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 14,5 s – Jack Keller (USA), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 52,8 s – Glenn Hardin (USA), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 52,8 s (egalisiert) – Bob Tisdall (Irischer Freistaat), Halbfinale 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 9:18,8 min – Tom Evenson (Großbritannien), Vorlauf 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 9:14,6 min – Volmari Iso-Hollo (Finnland), Vorlauf 50-km-Gehen, Männer: 4:50:10 h – Tommy Green (Großbritannien) Stabhochsprung, Männer: 4,315 m – Bill Miller (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 16,005 m – Leo Sexton (USA), Finale Diskuswurf, Männer: 48,23 m – Henri LaBorde (USA), Qualifikation Diskuswurf, Männer: 48,86 m – John Anderson (USA), Qualifikation Diskuswurf, Männer: 49,39 m – John Anderson (USA), Qualifikation Diskuswurf, Männer: 49,49 m – John Anderson (USA), Finale Speerwurf, Männer: 68,18 m – Gottfried Weimann (Deutsches Reich), Qualifikation Speerwurf, Männer: 71,25 m – Matti Järvinen (Finnland), Qualifikation Speerwurf, Männer: 72,71 m – Matti Järvinen (Finnland), Qualifikation 100-Meter-Lauf, Frauen: 12,2 s (egalisiert) – Marie Dollinger (Deutsches Reich), Vorlauf 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 11,8 s – Mildred Didrikson (USA), Vorlauf Diskuswurf, Frauen: 40,12 m – Ruth Osburn (USA), Finale Diskuswurf, Frauen: 40,58 m – Lillian Copeland (USA), Finale Speerwurf, Frauen: 43,69 m – Mildred Didrikson (USA), Finale
Die alles überragende Nation war das Gastgeberland USA mit alleine sechzehn Goldmedaillen. Der Abstand zu Finnland, das bei den beiden vorangegangenen Spielen nahe hatte heranrücken können, war jetzt riesig, drei Olympiasiege errangen die Finnen. Mit Großbritannien, Polen und Irland gab es noch drei Nationen mit jeweils zwei Goldmedaillen.
Bei den Sportlern kristallisierten wie schon vor vier Jahren hier in Los Angeles nicht die alles überragenden Athleten heraus, wie es sie bei früheren Spielen – beispielsweise mit dem Finnen Paavo Nurmi – schon einmal gegeben hatte. In vielen Disziplinen wurden für die damaligen Verhältnisse überragende Leistungen erbracht und die Medaillen verteilten sich unter den einzelnen Athleten. Die erfolgreichsten Männer waren: Eddie Tolan, USA – 2-mal Gold: 100 Meter, 200 Meter Bill Carr, USA – 2-mal Gold: 400 Meter, 4-mal-400-Meter-Staffel Chūhei Nambu, Japan – 1-mal Gold: Dreisprung / 1-mal Bronze: Weitsprung. Die erfolgreichsten Frauen waren: Mildred Didrikson, USA – 2-mal Gold: 80 Meter Hürden, Speerwurf / 1-mal Silber: Hochsprung Wilhelmina von Bremen, USA – 1-mal Gold: 4-mal-100-Meter-Staffel / 1-mal Bronze: 100 Meter. Die erfolgreiche Kombination so unterschiedlicher Disziplinen wie Hürdenlauf, Speerwurf und Hochsprung würde es heute im Bereich der Weltklasse – außer im Mehrkampf – sicherlich nicht mehr geben. Aber Mildred Didrikson war so vielseitig, dass sie in den Anfangsjahren der Frauenleichtathletik Medaillen und Siege in ganz verschiedenen Disziplinen erreichen konnte. Sie kehrte nach diesen Spielen der Leichtathletik den Rücken und wurde nach ihrer Heirat unter dem Namen Mildred Zaharias eine sehr erfolgreiche Golfspielerin.
Außerdem gab es zwei Sportler, die bereits bei zuvor ausgetragenen Olympischen Spielen siegreich waren: Pat O’Callaghan, Irischer Freistaat – Hammerwurf: Wiederholung seines Erfolgs von 1928 Frank Wykoff, USA – 4-mal-100-Meter-Staffel: Wiederholung seines Erfolgs von 1928
Resultate Männer 100 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Eddie Tolan 10,3 WRe/OR 2 Ralph Metcalfe 10,3 WRe/OR 3 Arthur Jonath 10,4 4 George Simpson 10,5 5 Daniel Joubert 10,6 6 Takayoshi Yoshioka 10,7 Finale: 1. August
Olympiasieger wurde Eddie Tolan, der 'Midnight Express', wie sein Spitzname lautete. Ob Tolan jedoch im Ziel wirklich vor Ralph Metcalfe lag, konnte zumindest auch das Zielfoto nicht klären. Ebenso wiesen die aus der elektronischen Zeitmessung hervorgehenden Zeiten für beide Sprinter 10,38 s aus. Die Kampfrichter entschieden sich für Tolan, ohne dass klar wurde, warum. Und so lautet bis heute das offizielle Resultat: Gold für Tolan, Silber für den zeitgleichen Metcalfe, beide mit 10,3 s, was neuen olympischen Rekord und gleichzeitig Einstellung des Weltrekords bedeutete. Die Bronzemedaille gewann der Deutsche Meister Arthur Jonath mit 10,4 s.
200 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Eddie Tolan 21,2 OR 2 George Simpson 21,4 3 Ralph Metcalfe 21,5 4 Arthur Jonath 21,5 5 Carlos Bianchi 21,6 6 William Walters 21,9 Finale: 3. August
Wie schon im 100-Meter-Lauf lief es auch über 200 Meter nicht gerade glücklich für Ralph Metcalfe. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass man ihm die falsche Ablaufmarke zugewiesen hatte, sodass seine Strecke ca. 1,5 Meter länger war als die der anderen Läufer. Eddie Tolan gewann nach den 100 Metern auch diesen Wettbewerb und wurde so Doppelolympiasieger im Sprint. Metcalfe verzichtete auf eine Laufwiederholung. Er meinte dazu, er hätte ja besser aufpassen können, und akzeptierte das Ergebnis mit Bronze für ihn und Silber für George Simpson. Die US-Amerikaner gewannen alle drei Medaillen, Vierter wurde nach seinem dritten Platz über 100 m der Deutsche Arthur Jonath.
400 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Bill Carr 46,2 WR 2 Ben Eastman 46,4 3 Alex Wilson 47,4 4 William Walters 48,2 5 James Gordon 48,2 6 George Golding 48,8 Finale: 5. August
Den Kampf um die Goldmedaille machten die beiden US-Amerikaner Bill Carr und Ben Eastman unter sich aus. Bis Anfang Juli war Eastman, der mit 46,4 s über 440 Yards den bis dahin bestehenden 400-Meter-Weltrekord von 47,0 s deutlich unterboten hatte, der klare Favorit. Aber am 2. Juli 1932 schlug ihn der bis dahin wenig bekannte Bill Carr und so war der Ausgang für dieses Rennen wieder offen. Nach dreihundert Metern lag Eastman mit einer Zehntelsekunde vorn. Am Ende hatte Carr die besseren Reserven und gewann mit neuem Weltrekord die Goldmedaille mit zwei Zehnteln Vorsprung. Dritter wurde eine Sekunde hinter Eastman der Kanadier Alex Wilson, der drei Tage zuvor bereits Silber über 800 Meter gewonnen hatte.
800 m
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Tommy Hampson 1:49,7 WR 2 Alex Wilson 1:49,9 3 Phil Edwards 1:51,5 4 Edwin Genung 1:51,7 5 Edwin Turner 1:52,5 6 Charles Hornbostel 1:52,7 7 John Powell 1:53,1 8 Séra Martin 1:53,6 Finale: 2. August