mini|Ralow Südostansicht (2017). Die Gutsanlage Ralow ist ein landwirtschaftlicher Betrieb in Ralow, Gemeinde Dreschvitz, Landkreis Vorpommern-Rügen. Herrenhaus und Park stehen unter Denkmalschutz.

Geschichte In der Sage wurde vom Ort Ralow als Schlupfwinkel von Klaus Störtebeker am Ende des 14. Jahrhunderts berichtet.

Die ersten urkundlichen Nachweise einer fürstlichen Burg Ralow stammen aus der Zeit des Rügenfürsten Wizlaw III. (1265–1325). Von dieser Burg wurden bislang keine gesicherten Spuren gefunden. In jüngeren Schriftquellen wurden in Ralow nur von Bauern und Kossaten bewirtschaftete Hofstellen erwähnt. mini|Grabanlage von Wilhelm Friedrich Ludwig von Bagevitz (1777–1835) in der Parkanlage Ralow (2017). Vom 13. bis in das 16. Jahrhundert war das Gut im Landeseigentum, danach bei den Familien von Segebaden (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts) und von Hardt. Gustav Friedrich von BagewitzGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1918. Zwölfter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1917, S. 19 f. aus der Rügener Familie von Bagewitz erwarb das Gut 1737 (andere Quellen 1746). Die FamilieRobert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV. bis in das XIX. Jahrhundert. A. Bath, Berlin 1863, S. 550. wurde für 1802 im IV. Rügenschen Ritterschaftlichen Distrikt sowie 1857 in alten Matrikeln erwähnt.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. . Selbstverlag, Berlin 1857, S. 185. Für 1866 wird neben der Familie von Bagewitz die Familie von Harder miterwähnt.Adressbuch der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbsleute und Rittergutsbesitzer von Pommern. . C. Leuch`s & Comp., Nürnberg 1866, S. 75. Die von Bagewitz blieben bis 1872 und hinterließen nachhaltige Spuren.Leopold Freiherr von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten von den in der preussischen Monarchie ansässigen oder zu derselben in Beziehung stehenden fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adeligen Häusern mit der Angabe ihrer Abstammung, ihres Besitzthums, ihres Wappens und der aus ihnen hervorgegangenen Civil- und Militärpersonen, Helden, Gelehrten und Künstler. Band A - D, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 166 ff.Gutshäuser und Schlösser in MV: Gutshaus Ralow. Stand 2022. In deren Zeit wurde 1707 das bestehende Herrenhaus erbaut und der Park angelegt. Ein umfassender Umbau des Anwesens im Stil der historistischen Burgenarchitektur – vermutlich nach ersten eigenen Entwürfen – erfolgte um 1880 nach Plänen von Wilhelm von Mörner, geb. Neumann (Adoption) (Berlin). 1884 war der Geheime Regierungsrat Wilhelm von Mörner Besitzer, Pächter Familie Mau.Paul Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. I. Das Königreich Preußen. Band (II. Lieferung) 2: Provinz Pommern. 2. Auflage, Register S. 279. Nicolai`sche Verlags-Buchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1884, S. 236–237, S. 242–243.

mini|hochkant=0.4|Wappen derer von Esbeck-Platen bei Johann Siebmacher N.F. Danach kaufte die Familie von Esbeck-Platen Gut Ralow, hervorgegangen aus der Familie der Rosalie von Platen auf Capelle (1804–1874) und dem Ernst Friedrich Wilhelm von Esbeck. Der Sohn Wilhelm von Esbeck, 1845 geboren in Capelle, erhielt 1867 vom preußischen König eine Namensvereinigung mit den rügenschen von Platen als „von Esbeck gen. von Platen“. 1904 wurde der Name offiziell in „von Esbeck-Platen“ geändert.Siehe: Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band III, Gesamtreihe GHdA Band 61, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg/Lahn 1975, S. 176. Das Gut Ralow mit regionalen Nebenbesitz und ließ man später durch Pächter bewirtschaften. Im Jahr 1914 bestand das Rittergut Ralow mit Bieck, Landow, Libitz und Rugenhof aus gesamt 403 ha. Pächter waren u. a. Frau Prüssing, F. Stahnke, Otto Berner und Gustav Grahl.Ernst Seyfert: Güter-Adressbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angabe der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen etc. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Nummer: Reg. – Bez. Stralsund. Kreis Grimmen, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 286–287. Gutsherr jener Zeit war der schon zitierte Kammerherr Wilhelm von Esbeck-Platen (1845–1924),BBAW (Hrsg.): Acta Borussica-Online. Praktiken der Monarchie: Wilhelm von Esbeck-Platen, Stand 2025. Besitzer mehrerer Rittergüter auf Rügen.Ernst Seyfert: Güter-Adressbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angabe der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen etc. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Nummer: Reg. – Bez. Stralsund. Kreis Grimmen, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 272–277. auf Gut Kapelle bei Gingst.Gutshäuser und Schlösser in MV: Gut Kapelle. Stand 2025. Eigentlich wollte die Familie von Esbeck-Platen die Besitzungen zum Familienfideikommiss bestimmen, was aber durch den frühen Tod des Sohnes Leutnant d. R. Ernst-Ulrich von Esbeck-Platen († 1914) nicht mehr ging. Letzte Vertreter und Gutsherr war sein Bruder Constantin von Esbeck-Platen (1883–1939), nach 1938 geschieden von seiner FrauHans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel | nach 1400 nobilitiert). 1968. Band VIII, Band 41 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutschen Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1968, , S. 68–69. Renate geb. von Eisenhart-Rothe. 1935 führte dies mit anderen Faktoren zum Konkurs, auch vom Rittergut Kapelle.Hans-Hartwig von Platen: Die Familien von Platen. Geschichte der Familien von Platen. Stammtafeln der Märkischen und Rüganischen Familien von Platen. Band 2, 4. Ausgabe, Selbstverlag, Untereisesheim Dezember 2007/(2008), S. 15–868.

Aufsiedlung des Gutes Ralow Im südlichen Bereich der Gemarkung Ralow wurden danach vier bäuerliche Siedlungsstellen eingerichtet. Das Gutshaus und das übrige Land kaufte der Franzburger Zahnarzt Otto Salomon, der hier trotz seiner jüdischen Religionszugehörigkeit die Zeit des Nationalsozialismus überlebte.Susanna Misgajski: Geschichte jüdischen Lebens auf Rügen. Ein Überblick von den Anfängen bis zur Zeit des Nationalsozialismus. In: Karl-Ewald Tietz u. a.: Eine Insel mit Geschichte. 200 Jahre Landkreis Rügen. Groß Schoritz 2007, ISBN 978-3-931661-06-9, S. 201.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gutsanlage zeitweilig von sowjetischem Militärpersonal belegt. Es erfolgten Teilabbrüche der historistischen Bausubstanz, die die ehemalige Struktur des Gutes stark verunklärten. Das Gut blieb weiterhin in Privatbesitz und wurde landwirtschaftlich genutzt. Das Herrenhaus und der Park waren bereits in der Denkmalliste der DDR als Einzeldenkmale verzeichnet. In der Denkmalliste des Landkreises Vorpommern-Rügen wird Ralow seit 1997 geführt.

Gebäude

Bei dem Gutshaus handelt es sich um einen zweigeschossigen, verputzten Backsteinbau in schlichter, provinzieller Formensprache. Das in der Mitte der Südseite liegende Portal ist mit Putzpfeilern gefasst und schließt mit einem profilierten Schlussstein über einem Korbbogen ab. Die vier Fensterachsen in der westlichen Haushälfte bewahren den ursprünglichen Charakter des 18. Jahrhunderts. Das östliche Drittel des barocken Kernbaus wurde dagegen im 19. Jahrhundert unter Wilhelm von Mörner im Stil der Neugotik verändert. Über ein im gotischen Stil gestaltetes Portal gelangt man von der Parkseite her in eine geräumige Kaminhalle. Über dem Kamin verweist das Wappen des Adelsgeschlechtes von Mörner auf den damaligen Hausherrn. Auf den in blauer Farbe gefassten Wänden zeugen Schriftzüge mit militärischen Parolen in russischer Sprache von der sowjetischen Besatzungszeit.Kamin rechte Seite: „Jeder Soldat muss genau, schnell und ohne Widerrede die Befehle und Anweisungen der Vorgesetzten ausführen. Er muss perfekt seine Waffe beherrschen.“

Hinter einem schmalen Hofplatz befindet sich der Rest eines weiteren unter Wilhelm von Mörner im 19. Jahrhundert errichteten Erweiterungsgebäudes. Da der ursprüngliche Eingang nach 1945 abgebrochen wurde, erfolgt der Zugang jetzt über eine Behelfstreppe von der Westseite. Der Vorraum ist als bizarre Grotte mit Tuffsteingebilden dekoriert. Durch eine Schiebetüre gelangt man in einen Festsaal mit hölzerner Wandtäfelung, reicher, aufwändig gestalteter Stuckdecke und hohen vierteiligen Kastenfenstern. Nach Osten und Süden sind zweiflügelige Holztüren angeordnet, die wegen des Abbruchs der restlichen Gebäudeteile allerdings im Nichts enden. Der Festsaal wird zurzeit als Getreidelager genutzt.

Park Der sich nordöstlich der Gebäude anschließende Park wurde im 18. Jahrhundert als Landschaftspark entlang der Bucht Landower Wedde angelegt. Das 300 m lange und 100 m breite Areal teilt eine Lindenallee, die sich am nordöstlichen Ende spindelförmig um einen kreisrunden Teich erweitert. Bei einer 1986/87 durchgeführten Parkinventur wurde eine Hängeesche (fraxinus excelsior pendula) als botanische Besonderheit hervorgehoben. Im Park befindet sich die Grabanlage von Wilhelm Friedrich Ludwig von Bagevitz (1777–1835).

Wirtschaftsgebäude

Von den ehemals fünf großen Ställen und Scheunen, die um den geräumigen Wirtschaftshof lagen, ist lediglich das nordwestliche Gebäude erhalten geblieben. Bei dem massiv gemauerten Erdgeschoss weisen große Fensterfelder und Tore auf eine Nutzung als Werkstatt und Wagenremise hin. Das Obergeschoss ist in Fachwerktechnik ausgeführt.

Burgwall und Schanzen

Der in Quellen des 18. Jahrhunderts erwähnte slawische Burgwall ist archäologisch nicht nachgewiesen. Die Lage ist unbekannt. Auch die drei in der schwedischen Matrikelkarte verzeichneten Redouten an der Küste westlich der Gutsanlage konnten im Gelände bislang nicht lokalisiert werden.Markus Sommer-Scheffler: Die Befestigungen des 17.-19. Jahrhunderts auf der Insel Rügen. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. Jahrbuch 58-2010. Schwerin 2011, ISBN 978-3-935770-32-3, S. 201, Nr. 57–59.

Sagen

In der Sammlung rügenscher Sagen von Alfred Haas sind die Sagen Der Blindblüser, Begegnung mit dem wilden Jäger und Andere Schlupfwinkel Störtebekers auf Rügen mit Ralow verknüpft.Alfred Haas: Rügensche Sagen. Verlag Arthur Schuster, Stettin 1926, S. 22, 53, 131 f. Die Sage von Störtebeker und den Ralunken auf Ralow wurde vielfach aufgegriffen, verfremdet und dichterisch ausgeschmückt. Der Dichter Ludwig Gotthard Kosegarten verewigte Ralow in seinen Gesängen.

Literatur Sabine Bock: Rügen. Burgen und Schlösser, Kirchen und Kapellen, Rittersitze und Herrenhäuser. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2022. ISBN 978-3-944033-42-6, S. 282–285. Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in Mecklenburg-Vorpommern. Vorpommersche Küstenregion. Henschel Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-89487-222-5, S. 572. Walter Ohle, Gerd Baier: Die Kunstdenkmale des Kreises Rügen. Leipzig 1963, ISBN 3-931483-04-5, S. 455–457.

Weblinks

Alle Burgen-Index: Gutshaus Ralow

Einzelnachweise

Ralow Kategorie:Herrenhaus im Landkreis Vorpommern-Rügen Kategorie:Bauwerk auf Rügen Kategorie:Baudenkmal in Dreschvitz