mini|hochkant|Sepp Blatter (2015) Joseph «Sepp» Blatter (* 10. März 1936 als Josef Blatter in Visp, Kanton Wallis; heimatberechtigt in Ulrichen) ist ein ehemaliger Schweizer Fussballfunktionär. Von 1998 bis 2016 war er Präsident des Weltfußballverbands FIFA.Fédération Internationale de Football Association (FIFA). Internet-Auszug, Handelsregister des Kantons Zürich, abgerufen am 26. November 2017.
Am 2. Juni 2015, wenige Tage nach seiner 4. Wiederwahl als Präsident der FIFA, kündigte Blatter überraschend seinen Rücktritt an und erklärte, die Funktion bis zur Wahl eines Nachfolgers weiter ausüben zu wollen.Fifa-Präsident Blatter tritt zurück. In: welt.de, abgerufen am 3. Juni 2015.
Am 21. Dezember 2015 sperrte die Ethikkommission der FIFA als Folge eines Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung Blatter für acht Jahre für alle mit dem Fussball verbundenen Tätigkeiten und verhängte gegen ihn eine Geldstrafe von 50'000 Schweizer Franken.Fifa sperrt Blatter und Platini für acht Jahre. Spiegel online vom 21. Dezember 2015Urteil der Fifa-Ethikkommission: Was die Sperre für Blatter und Platini bedeutet auf: Spiegel online, 21. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember Die Sperre wurde durch ein Berufungsgericht der FIFA am 24. Februar 2016 von acht auf sechs Jahre reduziert. Am 2. November 2021 wurde bekannt, dass von der Bundesanwaltschaft Anklage gegen Blatter erhoben wurde. Am 8. Juli 2022 wurde er freigesprochen. Dagegen wurde Berufung eingelegt, weshalb es im März 2025 erneut zu einem Prozess kam. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde Blatter vollständig freigesprochen. Der Entscheid wurde rechtskräftig.
Leben Kindheit Am 10. März 1936 wurde Josef Blatter als zweiter Sohn der Eheleute Benjamin und Bertha Blatter im schweizerischen Visp geboren. Er kam im Elternhaus zwei Monate zu früh auf die Welt. Später kolportierte er die Geschichte, dass seine Mutter beim Anblick des schmächtigen Sohnes zu ihrem Mann gesagt haben soll, sofern er bis zum Josephstag überlebt, soll er auf diesen Namen getauft werden. Erst später hatte er sich selbst den Vornamen Joseph Sepp gegeben. Die Familie wohnte beengt in einer einfachen Werkswohnung der Lonza-Werke, in dem der Vater als Velomechaniker gearbeitet hatte. Mit dem ein Jahr älteren Bruder Peter musste er sich ein 1,40 Meter schmales Bett teilen.Der Sonnenkönig aus dem Oberwallis – 24 Fakten, die du über Sepp Blatter (vielleicht) noch nicht gewusst hast. watsonSerie Sepp Blatter, Teil III: Am Anfang war der Blaukittel. HZ
Ausbildung Blatter besuchte die Primarschule in Visp und weitere Schulen in Sitten und Saint-Maurice. Anschliessend studierte er an der HEC Lausanne Volkswirtschaftslehre und schloss 1958 mit dem Diplom ab. Blatter ist Alter Herr der Schweizerischen Studentenverbindung Helvetia, wo er auf den Vulgo Mi-temps (deutsch Halbzeit) getauft wurde.
Persönliches Blatter war dreimal verheiratet. Er hat eine erwachsene Tochter aus erster Ehe und eine Enkelin.Machtnetz Blatter, €uro, 12/2010 Blatter ist heimatberechtigt ursprünglich in Ulrichen, heute Teil der Gemeinde Obergoms.
Fußballkarriere, Funktionär Blatter spielte von 1948 bis 1971 Fußball, beim FC Sierre auch in der 1. Liga der Schweiz.Roger Köppel: «Ich brachte menschliche Wärme» in Weltwoche, 21/2007, abgerufen am 3. Juni 2015 Von 1959 bis 1964 war er Sekretär des Walliser Verkehrsverbandes, von 1964 bis 1966 Zentralsekretär des Schweizerischen Eishockeyverbandes und von 1966 bis 1968 Pressechef der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände. 1968 wechselte er in die Privatwirtschaft und arbeitete bis 1975 als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit des Schweizer Uhrenherstellers Longines. Von 1970 bis 1975 saß er im Vorstand des Fussballvereins Neuchâtel Xamax.
FIFA mini|Generalsekretär Sepp Blatter und Präsident João Havelange anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 1982 Im Sommer 1975 wurde Blatter auf Initiative des späteren Adidas-Vorstandsvorsitzenden Horst Dassler Direktor für Entwicklungsprogramme bei der FIFA. Sein Büro hatte er einige Jahre in der französischen Adidas-Niederlassung und wurde auch zeitweise vom Sportartikelkonzern bezahlt. Abermals durch Förderung Dasslers arbeitete er von 1981 bis 1998 als FIFA-Generalsekretär. 1990 wurden ihm zusätzlich die Befugnisse eines Exekutivdirektors übertragen. Am 8. Juni 1998 wurde Blatter als Nachfolger von João Havelange zum achten Präsidenten der FIFA gewählt. Er setzte sich gegen den UEFA-Präsidenten Lennart Johansson mit 111 zu 80 Stimmen durch. Bei seiner Wiederwahl 2002 setzte er sich mit 139 zu 56 Stimmen gegen Issa Hayatou durch.139 zu 56 Stimmen für den Angeklagten. ksta.de, 29. Mai 2002
In einem Interview mit der schweizerischen SonntagsZeitung eröffnete Blatter 2007, dass er 2006 von der FIFA eine Million US-Dollar als Vergütung bekommen habe.Jean François Tanda: «Wir werden Zwangsabstiege und Ausschlüsse durchsetzen» Interview in: SonntagsZeitung vom 18. Februar 2007, S. 5 (PDF-Datei) Auf dem 57. FIFA-Kongress 2007 in Zürich wurde Blatter per Akklamation bis 2011 in seinem Amt bestätigt. Am 1. Juni 2011 wurde er auf dem 61. FIFA-Kongress mit 186 von 203 Stimmen für eine vierte Amtszeit bis 2015 als FIFA-Präsident wiedergewählt. Sein Gegenkandidat Mohamed bin Hammam zog seine Kandidatur am 29. Mai 2011 zurück. Am 64. FIFA-Kongress im Juni 2014 in São Paulo sprachen sich die FIFA-Delegierten gegen eine Amtszeitbeschränkung und gegen ein Alterslimit für Spitzenfunktionäre der FIFA aus. Der damals 78-jährige Blatter kündigte daraufhin seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Mai 2015 an. Sein Gegenkandidat war Ali bin al-Hussein. Jérôme Champagne und David Ginola erhielten nicht die vorgeschriebenen fünf Empfehlungsschreiben von FIFA-Mitgliedsverbänden.FIFA gibt Kandidaten bekannt. spox.com, 2. Februar 2015 KNVB-Präsident Michael van Praag und Luís Figo zogen ihre Kandidatur vor der Wahl zurück. Am 29. Mai 2015 wurde der 79-jährige Blatter für eine weitere Amtsperiode als Präsident bestätigt, nachdem sein Gegenkandidat bin al-Hussein nach dem ersten Wahlgang seinen Rückzug erklärt hatte. Im ersten Wahlgang holte Blatter 133 von 206 gültigen Stimmen.
Am 2. Juni 2015 kündigte Blatter seinen Rücktritt vom Amt des FIFA-Präsidenten an. Bis zur Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino beim FIFA-Kongress am 26. Februar 2016 in Zürich blieb er im Amt, die Geschäfte wurden aber interimsweise von Issa Hayatou geführt.Infantino wird neuer FIFA-Präsident auf Tagesschau.de, 26. Februar 2016, abgerufen am 27. Februar 2016
Von 1999 bis 2016 war Blatter Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee.Blatter gibt Sitz im IOC auf auf sport1.de, abgerufen am 16. April 2023.
Nach der FIFA Die Wochenzeitung Schweiz am Sonntag gab im Mai 2016 bekannt, dass Blatter regelmäßig für das Blatt schreiben werde. Seine Kolumnen werde dieser zu Bereichen wie «Fussball» und «Sportpolitik» verfassen. Anlässlich der WM 2018, an der er auf einer privaten Einladung Putins einer Gruppenpartie beiwohnte, sagte Blatter gegenüber RT, er sei «noch immer Präsident, aber eben suspendiert». Verschiedene Schweizer Medien berichten, er kommuniziere mit seinem Nachfolger Infantino nur noch «via Anwälte»: Blatter habe bei der FIFA noch «Punkte offen», auf die Infantino nicht einging.
Blatter gehörte dem Initiativkomitee der Neutralitätsinitiative an (Abstimmung September 2026).
Kritik Vorwurf der Misswirtschaft Blatter wurde regelmäßig, auch FIFA-intern, finanzielles Missmanagement vorgeworfen, etwa 1999 durch FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen bezüglich Verlusten von bis zu 100 Millionen US-Dollar im Bereich Marketing. Eine entsprechende Klage wurde durch ein Schweizer Gericht fallen gelassen. Eine interne Untersuchung wurde durch Blatters Veto verhindert und sein Kritiker aus dem Amt entlassen.
FIFA Museum
Im Dezember 2020 hatte der Fussball-Weltverband FIFA Strafanzeige gegen Sepp Blatter und andere Mitglieder der früheren FIFA-Leitung in Zusammenhang mit dem 2016 eröffneten FIFA Museum (ursprünglich FIFA World Football Museum) in Zürich gestellt. Ihnen werden eine ungetreue Geschäftsführung und mutmaßliche Straftaten bei der Finanzierung des Museums vorgeworfen. Gremien des Verbandes wurden falsch über Kosten und Rentabilität des Museums informiert. Laut Generalsekretär Alasdair Bell wurden „mehrere verdächtige Umstände und Führungsversäumnisse“ aufgedeckt, „von denen einige strafrechtlich relevant sein könnten“. Die ehemalige FIFA-Leitung hatte z. B. 140 Millionen Schweizer Franken in die Renovierung und Modernisierung eines Gebäudes gesteckt, die der Organisation gar nicht gehörten. Die FIFA rechnet beim Museum mit einer halben Milliarde Franken Gesamtverlust.
Regelreformen Viele der Änderungen an den Regeln und Statuten der FIFA, die während Blatters Amtszeit eingeführt wurden, stiessen bei Fans, Journalisten, Spielern und Vereinen auf mäßige Resonanz oder wurden kontrovers diskutiert. Beispiele sind etwa laufende Überlegungen zum Umbau der Entscheidungsfindung bei Unentschieden, die strenge Regelauslegung bei einteiligen Trikots der kamerunischen Nationalmannschaft oder die im Jahre 2008 eingeführte Regelung, dass vor Länderspielen in über 2000 m Meereshöhe eine Akklimatisierungsfrist von einer Woche eingehalten wird.
Kommentar zum Frauenfussball 2004 erntete Blatter Kritik von Spielerinnen- und Frauenverbänden für einen Kommentar in einem Interview des Schweizer SonntagsBlicks zum Frauenfussball, nach dem die Sportkleidung der Fussballspielerinnen «femininer» gestaltet werden solle. Diese Maßnahme sollte neue Geldgeber, etwa aus der Kosmetik- und Modeindustrie, anlocken. Blatter verglich seine Idee mit der Entwicklung im Volleyball.
Vorwürfe betreffend Korruption und Schmiergeld Nach der Wahl Blatters zum FIFA-Präsidenten 1998 warf Egidius Braun ihm vor, die nötigen Stimmen für seine Mehrheit gekauft zu haben. Auch kamen andere Gerüchte über Fälle von Korruption vor der Wahl auf. Der englische Enthüllungsautor David Yallop beschreibt in seinem Buch Wie das Spiel verlorenging, wie Blatter angeblich für je 50'000 US-Dollar 22 Stimmen kaufte. Blatter ging gegen das Buch juristisch vor und erwirkte einen Verkaufsstopp in der Schweiz.
Ähnlich kontrovers verlief auch seine Wiederwahl 2002, wieder belastet von Gerüchten über unrechtmäßige Abläufe im Hintergrund. In diesem Zusammenhang veröffentlichte der somalische Delegierte Farah Addo seine Behauptung, dass ihm und anderen Delegierten bei der Wahl 1998 100'000 US-Dollar für eine Stimme für Blatter angeboten wurden. Farah Addo wurde im März 2003 von einem Schweizer Gericht dazu verurteilt, die Wiederholung seiner Aussage einzustellen und 10'000 Schweizer Franken Entschädigung an Blatter zu zahlen.
Der Generalsekretär der FIFA Michel Zen-Ruffinen warf ihm 2002 Amtsmissbrauch vor, und 11 der 24 Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA stellten Strafanzeige gegen Blatter. Die Anzeige wurde von den Justizbehörden in Zürich jedoch nicht weiterverfolgt und sogar als an der Grenze zur falschen Anschuldigung eingestuft. Blatter, der die Vorwürfe vehement bestritt, setzte es durch, dass Zen-Ruffinen daraufhin nach der Fussballweltmeisterschaft 2002 von seinem Posten zurücktrat.David Conn, Swiss authorities missed chance to investigate Fifa’s Sepp Blatter in 2002 in: The Guardian, 22. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015Blatter triumphs on night of long knives in: The Guardian, 31. Mai 2002, abgerufen am 23. Dezember 2015
Kurz vor der FIFA-Präsidentenwahl am 1. Juni 2011 leitete die FIFA-Ethikkommission eine Untersuchung gegen Blatter ein. Sein Gegenkandidat Mohamed bin Hammam beschuldigte ihn, von seinen Schmiergeldzahlungen an Delegierte der Caribbean Football Union gewusst und nichts unternommen zu haben. Am 29. Mai 2011 sprach ihn die Ethikkommission frei.Blatter ist sauber – Bin Hammam suspendiert. 20min.ch, 29. Mai 2011