Leichtathletik bei denXVI. Olympischen Spielen zentriert|80px|Olympische Ringe Informationen Datum: 23. November bis 1. Dezember Wettkampfort: Austragungsort: Melbourne Cricket Ground Entscheidungen: Männer: 24/Frauen: 9 Teilnehmende Nationen: 59 Teilnehmer: Männer: 570/Frauen: 148Official Report 1956, XVI OLYMPIAD MELBOURNE 1956, S. 269 (englisch) digital.la84.org (PDF; 33.358 KB), abgerufen am 21. August 2021 ← Helsinki 1952 Rom 1960 →

200x200px|alt=|zentriert|Logo der Olympischen Spiele 1956 Olympische Spiele 1956Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|alt=|Goldmedaillen 16px|alt=|Silbermedaillen 16px|alt=|Bronzemedaillen Total 1 16 10 5 31 2 5 7 10 22 3 4 2 6 12 4 1 4 2 7 5 1 1 – 2 6 1 – 2 3 7 1 – 1 2 8 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 12 – 5 2 7 13 – 2 – 2 14 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 17 – – 3 3 18 – – 1 1 – – 1 1 Bei den XVI. Olympischen Spielen 1956 in Melbourne fanden 33 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt.

Der Austragungsort und seine Besonderheiten Erstmals fanden die Olympischen Spiele auf dem australischen Kontinent statt. Das hatte zur Folge, dass die Wettkämpfe bedingt durch die Lage Australiens auf der Südhalbkugel zu einem Zeitpunkt ausgetragen wurden, zu dem in Europa und Nordamerika die Leichtathletiksaison ruht – eine ganz besondere Herausforderung für die Athleten aus den Erdteilen der Nordhalbkugel. Der Zeitraum Ende November/Anfang Dezember stellt in den nördlich gelegenen Kontinenten normalerweise eine Übergangsphase zwischen Sommer- und Hallensaison dar. Die Sportler nutzen dies in der Regel für den Einbau besonderer Trainingselemente im Hinblick auf die Vorbereitung auf die kommenden Höhepunkte, was nun natürlich ganz anders abzulaufen hatte.

Teilnehmer und Boykottproblematik Es gab wie schon bei den letzten Spielen in Helsinki zunächst einmal keine Teilnahmebeschränkungen für bestimmte Nationen.

Eine Premiere fand hier statt in Form des Auftretens einer gesamtdeutschen Mannschaft, gebildet von Sportlern aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Dieses Konstrukt war nicht unumstritten und wurde viel diskutiert im IOC, in der Politik und unter den Sportverbänden. Um konkurrenzfähig zu sein, wurden vor allem in der DDR erhebliche Anstrengungen unternommen. Ziel der DDR-Politik war es, den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik Deutschland auszuhebeln, Für die westdeutschen Politiker war eine gesamtdeutsche Mannschaft allerdings immer noch das kleinere Übel im Hinblick auf die mögliche Alternative mit zwei getrennten deutschen Mannschaften. Das Team startete schließlich unter der offiziellen Bezeichnung "Équipe unifiée d'Allemagne" (EUA). Als Hymne einigte man sich etwas zähneknirschend auf Beethovens "Hymne an die Freude". Vom IOC wurde die getroffene Lösung sehr begrüßt.Elke Brick, Die gesamtdeutschen Olympiamannschaften – eine Paradoxie der Sportgeschichte?, Dissertation der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft an der Universität Bielefeld, Mai 2013, S. 114–128 (PDF), abgerufen am 1. Oktober 2017

Eine besondere Problematik entstand darüber hinaus durch zwei Ereignisse mit weltpolitischer Bedeutung, die auch Folgen für die Olympischen Spiele in Melbourne hatte. Im Zusammenhang mit dem ägyptisch-israelischen Krieg kam es zu Boykotten durch Ägypten, Irak, Libanon und Kambodscha.Geschichte der Olympia-Boykotte und -Ausschlüsse, Abschnitt Olympische Sommerspiele 1956 in Melbourne auf sputniknews.com, abgerufen am 1. Oktober 2017

Auswirkungen hatte auch die Invasion Ungarns durch sowjetische Truppen. Boykottandrohungen gab es auf diesem Hintergrund von den Niederlanden, Spanien und der Schweiz. Auch die Politiker in der Bundesrepublik Deutschland zogen in Erwägung, westdeutschen Sportlern die Teilnahme an den Spielen zu untersagen. Die Niederlande, Spanien und zum größten Teil auch die Schweiz machten schließlich ihre Boykottandrohungen wahr, während die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines gesamtdeutschen Teams – wie auch Ungarn selber – dann doch in Melbourne teilnahm. Darüber hinaus entschied sich auch die Volksrepublik China wenige Wochen vor Beginn für ein Fernbleiben von den Spielen, weil der Republik China die Teilnahme gestattet wurde.

Stadion mini|hochkant=1.9| Austragungsort war der Melbourne Cricket Ground, dessen Geschichte bis auf das Jahr 1853 zurückgeht. Verwendung fand und findet das Stadion vor allem für Sportveranstaltungen im Bereich Cricket und Australian Football. Es ist das größte Cricketstadion der Welt.

Für die Leichtathletikveranstaltungen stand eine Aschenbahn mit der üblichen Rundenlänge von vierhundert Metern zur Verfügung.Melbourne Cricket Ground (MCG), Melbourne auf australia.com, abgerufen am 1. Oktober 2017

Wettbewerbe Das Wettbewerbsangebot war bis auf eine kleinere Veränderung identisch mit dem der letzten Spiele in Helsinki. Es gab 24 Disziplinen im Männerbereich und 9 für die Frauen, die sich immer noch mit 3 Einzellaufangeboten – 100 Meter, 200 Meter und 80 Meter Hürden – begnügen mussten. Weiterhin gab es keine einzige Mittel- oder Langstrecke. Im Laufbereich wurde darüber hinaus nur noch die 4-mal-100-Meter-Staffel ausgetragen. Mit Hoch- und Weitsprung gab es weiterhin zwei Sprungdisziplinen sowie mit Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf drei Stoß- und Wurfwettbewerbe.

Verändert wurde einzig die Länge der kürzeren Gehstrecke im Männerprogramm. Die Distanz wurde von bisher 10 auf 20 Kilometer verdoppelt. Bis heute – Stand August 2021 – hat sich im Bereich der olympischen Männerdisziplinen nichts mehr verändert. Bei den Frauen dagegen standen noch zahlreiche Ergänzungen für die Zukunft an.

Sportliche Erfolge Das Leistungsniveau war auch bei dieser Großveranstaltung hoch. Es gab acht neue oder eingestellte Weltrekorde in sechs Disziplinen. Darüber hinaus wurde der olympische Rekord in 24 Disziplinen 57-mal verbessert oder egalisiert. Weltrekorde im Einzelnen: 200-Meter-Lauf, Männer: 20,6 s (egalisiert) – Bobby Morrow (USA), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 39,5 s – USA (Ira Murchison, Leamon King, Thane Baker, Bobby Morrow), Finale Speerwurf, Männer: 85,71 m – Egil Danielsen (Norwegen), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 44,9 s – Australien (Shirley de la Hunty, Norma Croker, Fleur Mellor, Betty Cuthbert), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 44,9 s – Deutschland (Maria Sander, Christa Stubnick, Gisela Birkemeyer, Bärbel Mayer), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 44,5 s – Australien (Shirley Strickland de la Hunty, Norma Croker, Fleur Mellor, Betty Cuthbert), Finale Hochsprung, Frauen: 1,76 m – Mildred McDaniel (USA), Finale Weitsprung, Frauen: 6,35 m (egalisiert) – Elżbieta Krzesińska (Polen), Finale Olympische Rekorde im Einzelnen: 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Bobby Morrow (USA), Viertelfinale (Gegenwind: 1,4 m/s) 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Ira Murchison (USA), Viertelfinale (Windstille) 100-Meter-Lauf, Männer: 10,3 s (egalisiert) – Bobby Morrow (USA), Halbfinale (Gegenwind: 1,1 m/s) 800-Meter-Lauf, Männer: 1:47,7 min – Tom Courtney (USA), Finale 1500-Meter-Lauf, Männer: 3:41,2 min – Ron Delany (Irland), Finale 5000-Meter-Lauf, Männer: 13:39,6 min – Wolodymyr Kuz (Sowjetunion), Finale 10.000-Meter-Lauf, Männer: 28:45,6 min – Wolodymyr Kuz (Sowjetunion) 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,5 s – Lee Calhoun (USA), Finale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,5 s – Jack Davis (USA), Finale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 50,1 s – Eddie Southern (USA), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 50,1 s (egalisiert) – Glenn Davis (USA), Finale 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:41,2 min – Chris Brasher (Großbritannien), Finale 20-km-Gehen, Männer: 1:31:28 h – Leonid Spirin (Sowjetunion) Hochsprung, Männer: 2,06 m – Charles Dumas (USA), Finale Hochsprung, Männer: 2,06 m – Chilla Porter (Australien), Finale Hochsprung, Männer: 2,06 m – Igor Kaschkarow (Sowjetunion), Finale Hochsprung, Männer: 2,06 m – Stig Pettersson (Schweden), Finale Hochsprung, Männer: 2,08 m – Charles Dumas (USA), Finale Hochsprung, Männer: 2,08 m – Igor Kaschkarow (Sowjetunion), Finale Hochsprung, Männer: 2,08 m – Chilla Porter (Australien), Finale Hochsprung, Männer: 2,10 m – Charles Dumas (USA), Finale Hochsprung, Männer: 2,08 m – Chilla Porter (Australien), Finale Hochsprung, Männer: 2,12 m – Charles Dumas (USA), Finale Stabhochsprung, Männer: 4,56 m – Bob Richards (USA), Finale Dreisprung, Männer: 16,26 m – Vilhjálmur Einarsson (Island), Finale Dreisprung, Männer: 16,35 m – Adhemar da Silva (Brasilien), Finale Kugelstoßen, Männer: 17,92 m – Parry O’Brien (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 18,47 m – Parry O’Brien (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 18,57 m – Parry O’Brien (USA), Finale Diskuswurf, Männer: 56,36 m – Al Oerter (USA), Finale Hammerwurf, Männer: 62,10 m – Anatoli Samozwetow (Sowjetunion), Finale Hammerwurf, Männer: 63,00 m – Michail Kriwonossow (Sowjetunion), Finale Hammerwurf, Männer: 63,03 m – Michail Kriwonossow (Sowjetunion), Finale Hammerwurf, Männer: 63,19 m – Hal Connolly (USA), Finale Speerwurf, Männer: 74,76 m – Cy Young (USA), Qualifikation Speerwurf, Männer: 74,96 m – Wiktor Zybulenko (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Männer: 75,84 m – Wiktor Zybulenko (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Männer: 79,98 m – Janusz Sidło (Polen), Finale Zehnkampf, Männer: 7937 P (1952er Wertung)/7565 P (1985er Wertung) – Milt Campbell (USA) 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,5 s (egalisiert) – Marlene Mathews (Australien), Vorlauf (Rückenwind: 0,6 m/s) 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,4 s – Betty Cuthbert (Australien), Vorlauf (Gegenwind: 1,2 m/s) 200-Meter-Lauf, Frauen: 23,4 s (egalisiert) – Betty Cuthbert (Australien), Finale 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,9 s (egalisiert) – Zenta Gastl (Deutschland), erster Vorlauf (Rückenwind: 0,8 m/s) 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,8 s – Shirley de la Hunty (Australien), zweiter Vorlauf (Gegenwind: 1,5 m/s) 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,8 s (egalisiert) – Norma Thrower (Australien), vierter Vorlauf (Rückenwind: 3,0 m/s) 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,8 s (egalisiert) – Shirley de la Hunty (Australien), erstes Halbfinale (Rückenwind: 0,9 m/s) 80-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 10,7 s – Shirley de la Hunty (Australien), Finale (Gegenwind: 1,3 m/s) Hochsprung, Frauen: 1,70 m – Mildred McDaniel (USA), Finale Kugelstoßen, Frauen: 16,35 m – Galina Sybina (Sowjetunion), Finale Kugelstoßen, Frauen: 16,48 m – Galina Sybina (Sowjetunion), Finale Kugelstoßen, Frauen: 16,59 m – Tamara Tyschkewitsch (Sowjetunion), Finale Diskuswurf, Frauen: 51,74 m – Irina Begljakowa (Sowjetunion), Finale Diskuswurf, Frauen: 52,54 m – Irina Begljakowa (Sowjetunion), Finale Diskuswurf, Frauen: 53,69 m – Olga Fikotová (Tschechoslowakei), Finale Speerwurf, Frauen: 51,63 m – Inese Jaunzeme (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Frauen: 53,40 m – Inese Jaunzeme (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Frauen: 53,86 m – Inese Jaunzeme (Sowjetunion), Finale Erfolgreichste Nation waren wie bei allen Spielen in der Leichtathletik zuvor die Vereinigten Staaten mit sechzehn Goldmedaillen. Mit deutlichem Abstand rangierte nun die Sowjetunion mit fünf Olympiasiegen auf dem zweiten Platz knapp vor Australien, das viermal ganz vorne lag. Alle weiteren Nationen errangen in der Leichtathletik höchstens einen Olympiasieg.

Es gab zwei herausragende Leichtathleten dieser Spiele, beide kamen aus dem Sprintbereich und gewannen jeweils drei Goldmedaillen über 100 Meter. 200 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel: Betty Cuthbert aus Australien Bobby Morrow aus den USA Vier Sportler errangen je zwei Goldmedaillen in der Leichtathletik bei diesen Spielen: Shirley de la Hunty (Australien): 80-Meter-Hürdenlauf und 4-mal-100-Meter-Staffel. Sie setzte die Erfolge der letzten Spiele in Helsinki weiter fort. Wolodymyr Kuz (Sowjetunion): 5000- und 10.000-Meter-Lauf Charles Jenkins (USA): 400-Meter-Lauf und 4-mal-400-Meter-Staffel Tom Courtney (USA): 800-Meter-Lauf und 4-mal-400-Meter-Staffel