Czesław Bojarski (* 15. Oktober 1912 in Łańcut, Österreich-Ungarn; † 2. Mai 2003 in Saint-Sauveur, Département Isère), in französischen Medien bisweilen auch Ceslaw Bojarski, war ein französisch-polnischer Geldfälscher. Er wurde in den 1960er Jahren für seine mit hoher Genauigkeit gefälschten 100-Franc-Banknoten berühmt.

Bojarski fälschte aus finanzieller Not heraus Banknoten. Die gefälschten Geldscheine ließen sich nur schwer von den Originalen unterscheiden. Sämtliche Arbeitsschritte zur Herstellung führte er allein in einem Kellerversteck in seiner Villa aus. Es dauerte 13 Jahre, bis er durch einen Zufall gefasst werden konnte. Die Verfolger nannten ihn anerkennend „Leonardo da Vinci der Geldfälscher“.

Leben und Wirken Bojarski wurde am 15. Oktober 1912 in Łańcut im bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Österreich-Ungarn gehörigen Teil Polens geboren. Er studierte an der Politechnika Gdanska in Danzig. Als Offizier der polnischen Armee geriet er während des Zweiten Weltkrieges in ungarische Gefangenschaft. Es gelang ihm allerdings nach Frankreich zu fliehen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er in Frankreich, wo er sich im Département Cantal im Zentralmassiv niederließ. Dort lernte er seine Ehefrau Suzanne kennen.

Bojarski versuchte sich in verschiedenen Erfindungen, unter anderem einem elektrischen Rasierapparat. Der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus. Eine Anstellung als Ingenieur in Frankreich erhielt er nicht, wozu vermutlich die Sprachbarriere beitrug.

Ende der 1940er Jahre begann er Banknoten zu fälschen; die ersten davon brachte er Ende 1949 (nach anderen Angaben Ende 1950) in Umlauf, angeblich um das Weihnachtsessen zu bezahlen. Zunächst stellte er 1000-Franc-Scheine (des damals gültigen „alten“ französischen Franc) der seit 1945 in Umlauf befindlichen Serie „Minerva und Herkules“ her. Ab 1957 oder 1958 (nach anderen Angaben 1953) stieg er um auf 5000-Franc-Scheine der Serie „Erde und Meer“.

Mit den Erlösen aus der Geldfälschung konnte er in Montgeron im heutigen Département Essonne im Großraum Paris ein Eigenheim für seine Familie bauen. In einem verborgenen Kellerlabor in seinem Haus führte er die Geldfälscherei weiter und stellte nach der Währungsreform auf den „neuen“ Franc Scheine des Typs „Bonaparte“ im Nennwert von 100 Francs her. Von der Papierherstellung bis zum Druck übernahm er jeden Produktionsschritt selbst. Die gefälschten Banknoten brachte er äußerst vorsichtig in Umlauf. So bezahlte er niemals mit mehr als einer gefälschten Banknote und stets an wechselnden Orten. Dies machte es seinem Verfolger, dem Hauptkommissar Émile Benhamou (spezialisiert auf Geldfälscher), schwer. Benhamou ging von einer siebenköpfigen Geldfälscherbande aus. Nach der Ergreifung Bojarskis bezeichnete Benhamou ihn als Genie. Wegen der Präzision der Fälschungen bekam Bojarski vom Time Magazine den Titel „Leonardo da Vinci der Geldfälscher“ verliehen. Als Zeichen für die außergewöhnlich hohe Qualität von Bojarskis Falschgeld, insbesondere der 100-Franc-Scheine der Bonaparte-Serie, wird zudem gewertet, dass die Banque de France sich bereit erklärte, Besitzern solcher Scheine, die sie in gutem Glauben erworben hatten, das Falschgeld gegen eine Entschädigung umzutauschen.

Mehrere Jahre lang bereiste Bojarski ganz Frankreich in Nachtzügen, um sein Falschgeld in Umlauf zu bringen. Dabei ging er mit äußerster Vorsicht vor. Er tätigte kleine Einkäufe, etwa Schreibstifte oder Blumen, und erzielte seinen Erlös über das Wechselgeld. Nie verwendete er mehr als einen einzigen falschen Schein zum Bezahlen.

Bereits im Januar 1951 war die Banque de France, die französische Zentralbank, auf Bojarskis kaum vom Original unterscheidbare 1000-Franc-Scheine aufmerksam geworden. Als 1958 die ersten 5000-Franc-Fälschungen und Anfang der 1960er Jahre die falschen „Bonapartes“ identifiziert wurden, ermöglichten Ähnlichkeiten in den Details, die eine Unterscheidung von echten Scheinen ermöglichten, es den Ermittlern, sie ein und derselben Quelle zuzuschreiben, die jedoch zunächst weiterhin unentdeckt blieb.

Zu Bojarskis Identifizierung und Ergreifung führte schließlich, dass er einem Bekannten Falschgeld zur weiteren Verbreitung verkaufte und damit eine weitere Person in seine Aktivität einweihte. Bojarskis Komplize handelte deutlich unvorsichtiger und wurde mit seinem Schwager festgenommen, nachdem die beiden versucht hatten, in einem Postamt im 17. Pariser Stadtbezirk französische Staatsanleihen (Bons du trésor) mit größeren Mengen von Bojarskis gefälschten Banknoten zu erwerben.

Die beiden Komplizen führten die Ermittler zu Bojarski und dessen Haus. Dort wurde er am 17. Januar 1964 von Benhamou verhaftet. Bei der Durchsuchung seines Hauses fand die Polizei zunächst nur Staatsanleihen, nach anderen Angaben auch kleine Mengen Falschgeld. Erst durch die Ungeschicklichkeit eines Beamten wurden die Polizisten schließlich auf die verborgene Falltür zu Bojarskis Kellerlabor aufmerksam.

Bojarski wurde zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt und im Pariser Gefängnis La Santé inhaftiert. Seine beiden Komplizen kamen straffrei davon. Nach 13 Jahren wurde Bojarski wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Mit seiner Frau bezog er eine bescheidene Wohnung in Évry-Courcouronnes. Das Haus in Montgeron hatte Suzanne Bojarski verkaufen müssen, um die Zentralbank zu entschädigen, die ihren Schaden auf 1,4 Millionen Franc bezifferte.

Während das Ehepaar 1978 im Urlaub im Zentralmassiv weilte, musste die Feuerwehr wegen eines Wasserlecks in die Wohnung eindringen. Dabei stießen die Feuerwehrleute in einem Versteck hinter der Küche auf zehn Goldbarren und 797 Louis d’or. Bojarski wurde deshalb 1980 erneut vor Gericht gestellt, und sein Vermögen wurde per Gerichtsurteil eingezogen, weil er nicht belegen konnte, dass das Gold rechtmäßig erworben worden war. Es wurde zugunsten der Banque de France für 1,3 Millionen Francs verkauft. Die Nationalbank beglückwünschte sich und ließ erklären:

Bojarski, der zuletzt an der Alzheimer-Krankheit litt, starb am 2. Mai 2003 in Saint-Sauveur im Département Isère.

Film Die Filmkomödie Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza von 1966 (französischer Titel: Le jardinier d’Argenteuil, „Der Gärtner von Argenteuil“) von 1966 mit Jean Gabin, Lilo Pulver und Curd Jürgens ist von Bojarskis Geschichte inspiriert, übernimmt jedoch außer seinen Fähigkeiten als Geldfälscher keine Elemente von Bojarskis Biographie.

Eine stärker an der tatsächlichen Geschichte der Person orientierte Darstellung liefert der 2026 erschienene Film Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski von Jean-Paul Salomé mit Reda Kateb in der Rolle Bojarskis. Auch in diesem Film sind jedoch wesentliche Elemente fiktional. So ist die im Film als Tatsache suggerierte Hypothese, Bojarski habe bereits während des Zweiten Weltkriegs Geld gefälscht, und dies gemeinsam mit Komplizen, erfunden; die archivierten Ermittlungsakten erwähnen nur die Vermutung, er habe möglicherweise gefälschte Dokumente hergestellt. Ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Benhamou und Bojarski in einer Bar in Vichy begegnet wären, wie dies eine Filmszene zeigt. Auch über die tatsächliche Rolle von Bojarskis Frau Suzanne, den Grad ihrer Ahnungslosigkeit oder eventuellen Mitwisserschaft bezüglich der Aktivitäten ihres Mannes und über die Beziehung zwischen den Ehepartnern ist wenig bekannt; die diesbezüglichen Szenen im Film entspringen deshalb ebenso der Vorstellung der Drehbuchautoren.

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