Der Deutsche Schwimm-Verband e. V. (DSV), am 8. August 1886 in Berlin gegründet, vereinigt unter seinem Dach die Schwimmverbände in den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland und deren Mitglieder in rund 2.300 Vereinen. Er repräsentiert die fünf olympischen Schwimmsportarten (Schwimmen, Wasserspringen, Synchronschwimmen, Wasserball, Freiwasserschwimmen). Die Geschäftsstelle befindet sich in Kassel.
Organisation Dachverbände Der Deutsche Schwimm-Verband ist Mitglied im europäischen Schwimmverband European Aquatics und im Weltschwimmverband World Aquatics. Innerhalb des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) ist der DSV der Fachverband für die olympischen Sportarten Schwimmen (Becken- und Freiwasserschwimmen), Wasserball, Synchronschwimmen und Wasserspringen.
Abteilungen Innerhalb des DSV bestehen fünf Abteilungen für den Wettkampfsport: Schwimmen (Beckenschwimmen, Freiwasserschwimmen und Eisschwimmen) Wasserspringen (Kunst- und Turmspringen und High Diving) Wasserball Synchronschwimmen Masters Satzungsgemäße Aufgaben der Abteilungen sind die Organisation und Durchführung der nationalen Wettkämpfe, die Ausübung des Disziplinarrechts, die Nachwuchsförderung sowie die die Aus- und Fortbildung der Kampfrichter im DSV-Kampfrichterkader. Die Abteilung Masters übernimmt zudem die Meldung zu internationalen Wettkampfveranstaltungen.Verbandssatzung, auf dsv.de, vom 7. Juni 2019. Abgerufen am 22. August 2022.
Regionale und überregionale Verbände mini|hochkant=1.3|Organisation der Landesverbände in Deutschland Der Deutsche Schwimm-Verband besteht aus 18 Landesverbänden, die in den definierten Bundesländern oder Regionen den Schwimmsport auf regionaler Ebene organisieren. + Landesschwimmverbände in Deutschland Bundesland Schwimmverband / Verbände Mitgliedsvereine Dem DSV zuzurechnende Mitglieder der Mitgliedsvereine Einwohner / MitgliedSchwimm-Verband Württemberg(Württembergischer Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg)180 46.752Badischer Schwimm-Verband(Badischer Teil vom Bundesland Baden-Württemberg)105 23.259Bayerischer Schwimmverband271 85.874 Berliner Schwimm-Verband72 29.425 Landesschwimmverband Brandenburg36 6.036 Landesschwimmverband Bremen24 6.146 Hamburger Schwimmverband49 10.958 Hessischer Schwimm-Verband190 45.144 Schwimm-Verband Mecklenburg-Vorpommern24 3.489 Landesschwimmverband Niedersachsen316 56.355 Schwimmverband Nordrhein-Westfalen581 193.613 Südwestdeutscher Schwimmverband(Pfälzischer Teil des Bundeslands Rheinland-Pfalz)50 19.536Schwimmverband Rheinland(Rheinländischer Teil des Bundeslands Rheinland-Pfalz)45 7.488Saarländischer Schwimm-Bund25 5.417 Sächsischer Schwimm-Verband91 17.001 Landesschwimmverband Sachsen-Anhalt60 7.123 Schleswig-Holsteinischer Schwimmverband98 18.093 Thüringer Schwimmverband60 6.729
Die Landesverbände sind für die Durchführung von ausgewählten Schwimmsportwettkämpfen überregional organisiert: Norddeutscher Schwimmverband (Landesverbände: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) Süddeutscher Schwimmverband (Landesverbände: Bayern, Baden, Hessen, Rheinland, Saarland, Sachsen, Südwest, Thüringen, Württemberg). Der Landesschwimmverband Nordrhein-Westfalen hat so viele Mitglieder, dass er in keinem überregionalen Verband organisiert ist.
Präsidenten Erster Präsident des DSV war 1886 Carl Miller aus Magdeburg. Der Berliner Georg Hax, der 23-jährig im Jahr 1894 die Verbandsführung übernahm, hatte die Position bislang über den längsten Zeitraum inne. Später übten das Präsidentenamt unter anderem das langjährige NOK-Mitglied Bernhard Baier von 1950 bis 1960, Harm Beyer von 1977 bis 1987, Christa Thiel von 2000 bis 2016 und Gabi Dörries von 2016 bis 2018 aus.„Ihr macht unseren Sport kaputt“ In: SPIEGEL Online, 9. Dezember 2018, abgerufen am 1. September 2020. Von 2018 bis zur Mitgliederversammlung 2020 wurde der Verband ohne einen Präsidenten durch die Vorstandsmitglieder Uwe Brinkmann, Wolfgang Hein und Kai Morgenroth vertreten. Der Direktor Leistungssport Thomas Kurschilgen vertrat den Verband als besonderer Vertreter gem. BGB. Im November 2020 wurde dann nach zwei Jahren ein neuer Vorstand inklusive Marco Troll als neuem Präsidenten gewählt. Troll war bereits seit acht Jahren Präsident des Badischen Schwimm-Verbandes gewesen. Von 2022 bis 2024 war die Position erneut unbesetzt und der DSV wurde durch die beiden neugewählten Vizepräsidenten Wolfgang Rupieper und Kai Morgenroth vertreten. Seit April 2024 steht David Profit als Präsident an der Spitze des DSV.
Liste der Präsidenten des Deutschen Schwimm-Verbandes: Zeitraum Präsident1886–1890Carl Miller1890–1893Otto Lindner1893–1894Hermann Straube1894–1903Georg Hax1903–1909Bernhard Hasse1909–1919August Witt1919–1930Hans Geisow1930–1941Georg Hax1941–1945Hermann Behrends1947–1950Kurt Masch1950–1960Bernhard Baier1960–1966Karl-W. Leyerzapf1966–1975Hermann Karg1975–1977Manfred Kreitmeier1977–1987Harm Beyer1987–1991Bodo Hollemann1991–1996Klaus Henter1996–2000Rüdiger Tretow2000–2016Christa Thiel2016–2018Gabi Dörries2018–2020unbesetzt2020–2022Marco Troll2022–2024unbesetztseit 2024David Profit
Marketing Für das Marketing des Deutschen Schwimm-Verbandes ist die Agentur Rough Water & GmbH (RW&) mit Sitz in Berlin zuständig. Sie pflegt unter anderem auch die Social-Media-Kanäle des DSV.
Digitalisierung Der Deutsche Schwimm-Verband pflegt eine Datenbank zur Archivierung von allen offiziellen Wettkämpfen im Schwimmen und Wasserball. Insbesondere im Schwimmen besitzt jeder Wettkampfschwimmer, der einem dem DSV untergeordneten Verein angehört, eine eindeutige Kennung (DSV-Id).
Um die Ergebnisse zu erhalten, müssen nach offiziellen Schwimmwettkämpfen alle Ergebnisse an den Schwimmverband übermittelt werden. Dazu nutzt der Schwimmverband seit 2002 offiziell den DSV-Standard als Austauschformat, in dem auch zu jedem Teilnehmer die DSV-Id gespeichert wird.
Damit ließen sich auf der Website des Schwimmverbandes alle gespeicherten Ergebnisse übersichtlich abfragen. Seit Juli 2020 lassen sich die individuellen Ergebnisse zum Datenschutz nur noch abfragen, wenn man weitere Daten der Sportler als nur den Namen kennt. Der Abruf der Ergebnisse von einzelnen Veranstaltungen ist jedoch ohne Zugangsdaten weiterhin möglich.
Wettbewerbe Schwimmen mini|Deutsche Meisterschaften im Schwimmen 2022 Der Deutsche Schwimm-Verband organisiert jedes Jahr im Bereich Schwimmen unter anderem die folgenden Wettbewerbe: Deutsche Meisterschaften im Schwimmen Deutsche Kurzbahnmeisterschaften Deutsche Meisterschaften im Freiwasserschwimmen Deutsche Jahrgangsmeisterschaften für Jugendliche und Jugend-MehrkampfDeutsche Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen und Schwimm-Mehrkampf 2018 in Bildern Deutsche Meisterschaften der Masters jeweils über lange und kurze Strecken Deutsche Kurzbahnmeisterschaften der Masters Deutscher Mannschaftswettbewerb im Schwimmen Deutscher Mannschaftswettbewerb der Jugend Deutscher Mannschaftswettbewerb der Masters
Der Deutsche Schwimm-Verband hat das alleinige Recht, deutsche Rekorde im Schwimmen anzuerkennen.
Synchronschwimmen Folgende Wettkämpfe werden im Synchronschwimmen ausgetragen: Deutsche Altersklassenmeisterschaften Deutsche Meisterschaften der Masters Deutsche Offene Meisterschaften DSV-Pflichtranglistenturnier
Wasserball Es werden verschiedenklassige Ligen durchgeführt.
Wasserspringen Folgende Wettkämpfe werden jedes Jahr vom Deutschen Schwimm-Verband organisiert: Deutsche Meisterschaften (offene Klasse) Deutsche Juniorenmeisterschaften Deutsche Jugendmeisterschaften Deutsche Meisterschaften der Masters Deutsche Mannschaftsmeisterschaften
Missbrauchsvorwürfe Missbrauchsvorwürfe gegen Stefan Lurz 2021 Im Februar 2021 erhoben fünf Schwimmerinnen im Spiegel Missbrauchs- und Nötigungsvorwürfe gegen den damaligen Bundestrainer Stefan Lurz. Laut Spiegel und der Sportschau sei der DSV bekannten Vorwürfen, die bereits längere Zeit vorlagen, nicht nachgegangen. Laut Sportschau lagen erste Anschuldigungen gegen Lurz bereits 2010 vor. Er blieb daraufhin zunächst als Bundestrainer tätig. Den DSV-Direktor für Leistungssport erreichten laut Spiegel bereits im Frühjahr 2019 von einer betroffenen Schwimmerin Vorwürfe gegen Lurz über sexualisierte Gewalt.
Der DSV entgegnete auf den Bericht, „unmittelbar und vollumfassend auf Verdachtsfälle“ zu reagieren, außerdem seien „damals zuständige Personen (…) mittlerweile aus dem Verband ausgeschieden“. Lurz wurde zunächst vom Verband „bis auf Weiteres beurlaubt“ und erklärte danach seinen Rücktritt als Bundestrainer.
Im Allgemeinen verfügt der DSV seit 2020 über ein umfangreiches Konzept zur Prävention von sexueller Gewalt, um solchen Fällen vorzubeugen.
Im Februar 2022 wurde Lurz vom Amtsgericht Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro verurteilt.Strafbefehl gegen Schwimmtrainer Stefan Lurz ist rechtskräftig, auf br.de, vom 18. Februar 2022. Abgerufen am 21. August 2022. Er hatte den Missbrauch aus dem Zeitraum von 2011 bis 2012 nicht abgestritten. Zudem darf Lurz für drei Jahre weder beruflich noch ehrenamtlich Schwimmtrainer sein. In der Doku zum Fall Jan Hempel von August 2022 zeigten Aufnahmen vom Gelände, dass Lurz weiterhin für seinen Heimatverein SV Würzburg 05 aktiv ist, nach Angaben des Vereins als kaufmännischer Angestellter und ohne Kontakt zu Sportlern.ARD-Doku: Ex-Schwimmtrainer Lurz weiterhin in Heimatverein aktiv, auf br.de, vom 18. August 2022. Abgerufen am 21. August 2022.
Missbrauchsfall Jan Hempel 2022 Im August 2022 machte der ehemalige Wasserspringer Jan Hempel in der ARD-Dokumentation Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport öffentlich, von seinem DSV-Trainer Werner Langer von 1982 bis 1996 über 14 Jahre hinweg sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein. Schon 1997 habe er den Verband über den Missbrauch informiert und sich der inzwischen verstorbenen damaligen Bundestrainerin Ursula Klinger anvertraut. Die Geschehnisse seien bis heute vertuscht und nie aufgearbeitet worden, zum Teil würden damals informierte Personen noch heute Leitungsfunktionen ausüben. Bezüglich möglicher Vertuschungsversuche ist allerdings zu relativieren, dass es nach Vereinsangaben des Dresdner SC seinerzeit Hempels eigener Wunsch gewesen sei, die Angelegenheit nicht öffentlich zu machen. Langer wurde in der Folge zwar suspendiert, allerdings sei dies aufgrund seiner „Stasi-Vergangenheit“ geschehen; 2001 nahm er sich das Leben.
Hempel warf Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow vor, von den Übergriffen gewusst zu haben, ohne tätig zu werden. Der DSV suspendierte Buschkow am 19. August 2022 mit sofortiger Wirkung zur Prüfung der Vorwürfe.
Nach Ausstrahlung der ARD-Dokumentation berichteten weitere Personen der Präventionsbeauftragten des DSV von Missbrauchserfahrungen im Schwimmsport. Zur Anzahl der Fälle sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann: „Es haben sich […] viele Geschädigte und Opfer gemeldet. Das […] wird jetzt alles zusammengetragen und dokumentiert, um eben auch zu zeigen, wie wir intern damit umgehen. […] Wie viele, kann ich nicht sagen.“