Die Marktgemeinde Passail mit Einwohnern (Stand ) liegt rund 30 Kilometer nordöstlich von Graz in der Steiermark (Österreich). Passail liegt im Gerichtsbezirk und Bezirk Weiz.
Geografie Geografische Lage Passail zählt zur Region Almenland und liegt im Kern des Passailer Beckens im Grazer Bergland auf einer Seehöhe von 653 Metern.
Die Raab entspringt in der Gemeinde. Sie mündet nach dem Verlassen Österreichs in Ungarn in die Donau. Im Osten wird das Gemeindegebiet teilweise vom Weizbach begrenzt, der es in Richtung Süden durch die Weizklamm verlässt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet gliedert sich seit 2020 in 13 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht seit 2020 aus acht Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Arzberg () Haufenreith () Hohenau () Kramersdorf () Neudorf bei Semriach () Passail () Plenzengreith () Tober ()
Eingemeindungen und Namensänderungen Am 1. September 1951 wurde der Gemeindename von Neudorf bei Semriach in „Neudorf bei Passail“ geändert.LGBL. St Nr. 045/1951 Am 1. Jänner 1952 wurde die ehemalige Gemeinde Tober in Fladnitz an der Teichalm eingemeindet.LGBL. St Nr. 065/1951 Am 1. Jänner 1968 wurden die ehemaligen Gemeinden Haufenreith und Krammersdorf in Hohenau an der Raab eingemeindet.LGBL. St Nr. 150/1967 Am 1. Jänner 2015 wurden im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark die ehemaligen Gemeinden Arzberg, Hohenau an der Raab und Neudorf bei Passail eingemeindet.Steiermärkische Gemeindestrukturreform. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark, § 3 Abs. 11 Z 2. Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014, Nr. 31, Jahrgang 2014, , S. 4. Am 1. Jänner 2020 wurde die Katastralgemeinde Plenzengreith aus der Gemeinde Gutenberg-Stenzengreith ausgeschieden und in die Marktgemeinde Passail eingegliedert.89. Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 7. November 2019 über die Änderung der Grenze zwischen der Gemeinde Gutenberg-Stenzengreith und der Marktgemeinde Passail, beide politischer Bezirk Weiz. ris.bka.gv.at, abgerufen am 14. November 2019.
Nachbargemeinden Zwei der sechs Nachbargemeinden liegen im Bezirk Graz-Umgebung (GU).
Geschichte Durch den Fund eines Steinbeils in der Tober kann man eine frühe Besiedlung im Raum Passail auf 3000 v. Chr. ansetzen.
Für die Römerzeit wird ein römischer Gutshof südwestlich des heutigen Marktes Passail vermutet und fünf Römersteine sind für diese Gegend bekannt. Einer ist an der Südseite des Pfarrhofs eingemauert.
Nach den Römern siedelten im Raum Passail Slawen. Passail soll vom slawischen Grundwort „Se(d)lo“ mit der Präposition „Po“ abgeleitet werden können und in etwa „bei, neben, hinter der Siedlung“ bedeuten, da die slawischen Siedler bereits einen römischen Hof vorfanden.
Verschiedenste Schreibweisen von Passail waren: Pozile, Pozeil, Puzeil, Possel, Poseyle, Posel, Bosaeil, Posewl, Puseyl, Passayl (13. bis 16. Jahrhundert). Die slawische Besiedlung spiegelt sich auch im Patrozinium der Pfarrkirche wider, die dem heiligen Vitus geweiht ist, dem Patron der Slawen. In der Steiermark zeigen solche Hl.-Veits-Kirchen eine starke slawische Namensgebung an, so auch unter anderem in Liezen, Leoben, Veitsch, Paldau, Söchau oder Pöllau.
Tober hingegen wurde erstmals 1240 als „Dobre“ genannt und bedeutet aus dem Slawischen übersetzt: „Gutwasser“ als Flussname und „fruchtbare Gegend“ als Ortsname.
Schließlich setzte im 12. Jahrhundert eine bairische Besiedelung im Raum Passail ein, wovon sich die deutschen Namen Hart (für bewaldetes Gebiet) und Unter-Pircha (bezogen auf den Baumbestand der Birken) ableiten lassen. Schließlich erbten die Stubenberger den Großteil des Passailer Kessels, die um 1200 bäuerliche Siedler und ritterliche Rodungsleiter hierher schickten. Es wurden planmäßig angelegte Dörfer geschaffen, zuerst regelhafte Dorfsiedlungen, dann lang gezogene Waldhufensiedlungen und zuletzt auch abgelegene Einzelhöfe. Dem späteren Marktort Passail kam damals schon eine zentrale Rolle, wegen des günstigen Siedlungslandes, zugute.
Am 30. August 1230 wurde der Ort Passail erstmals urkundlich erwähnt. In einer Stubenberger Schenkungsurkunde wurde „Herbort von Pozile“, der Verwalter und Stellvertreter der Stubenberger im Markt Passail als Zeuge genannt.
In der Nähe dem heutigen Haus Passail befand sich die Burg Passail, die der Sitz der Herren von Passail war. Der Markt selbst, um einen Rechteckplatz mit kleinen Häusern und Grundstücken, etwa 25 bis 30 Hofstätten gelegen, wurde etwa zwischen 1220 und 1240 gegründet. Der 120 m lange und 40 m breite Marktplatz gehörte zu den größten Plätzen steirischer Märkte, der auf seiner gesamten Länge von keiner Querstraße gekreuzt wurde. Das gewerbliche Leben entwickelte sich in den Hofstätten, die den Platz umgaben. Doch die erste urkundliche Erwähnung als „Markt Passail“ gab es erst 1328.
Neben den weltlichen Besitzungen hatte auch das Bistum Seckau, mit der Pfarre Passail, einige Besitzungen in Passail, die von Stubenbergern oder ihren ritterlichen Leuten gestiftet wurden. Daneben hatten auch andere Herrschaften Besitzungen erlangt: Stubenberger Teilherrschaften (Stubegg, Ober- und Unterkapfenberg) Nichtstubenberger Herrschaften (Freiberg, Stadl, Gösting) Kirchliche Grundherrschaften (Pfarre Passail, Pfarre Sankt Lorenzen im Mürztal, Bischofshof Seckau, Stift Rein)
1420 wurde der Markt geteilt. Ulrich von Stubenberg auf der Burg Stubegg bei Arzberg bekam den westlichen Teil des Marktes (heutige Obergasse, Hauptplatz, Friedhofsweg) und Friedrich von Stubenberg auf dem neu erbauten Ansitz Sacher/Hechtlturm, (ehemalige Gemeinde Hohenau an der Raab) den östlichen Teil.
In der Neuzeit fand eine größere Zersplitterung der Besitzungen statt, da Passailer Marktbürger Eigentümer wurden. 1328 gab es 38 Bürger in Passail, 1527 bereits 70 Bürgerhäuser. Im 16. Jahrhundert gab es einen Bevölkerungsverlust, der zu Besitzkonzentrationen (ein Bürger hatte mehrere Hofstätten) führte. Der Wiederanstieg der Bevölkerung wird durch den Bau der Annenkapelle auf dem Lindenberg markiert, der 1510 als Dank für die überstandene Pestgefahr errichtet wurde.
Nachdem die Bürgerschaft alle naturräumlichen Reserven im Passailer Raum aufgebraucht hatte, wurde 1648 der weit entlegene herrschaftliche Wulkersbachwald im Bärental an der oberen Raab (im ehemaligen Gemeindegebiet von Hohenau) angekauft. 1731/32 wurde der Hundsberg von der Herrschaft Stubegg gekauft um genügend Grundreserven für die Bewirtschaftung zu erlangen. Bis 1800 wurde der Markt nur um wenige Häuser erweitert, im 19. Jahrhundert setzte schließlich eine Erweiterung des Siedlungsgebietes im Bereich Lindenberg-Büchläcker ein. Nach 1945 entstand die etwas entferntere Josefinensiedlung.
Seit 1849 hatte Passail, wie jede andere politische Gemeinde, einen Bürgermeister, einen gewählten Gemeinderat und ein eigenes Marktrecht, also das Recht Märkte abzuhalten. Im 19. Jahrhundert gab es stets fünf Jahrmärkte („Kirtage“), jeweils am Mathiastag (24. Februar), Gründonnerstag, Veitstag (15. Juni), Michaelstag (29. September) und am Thomastag (21. Dezember). Von 1328 bis 1848 gab es in Passail ein Marktgericht.
Die Aufhebung der Grundherrschaften erfolgte 1848. Die Ortsgemeinde als autonome Körperschaft entstand 1850. Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark, 1945 bis 1955 war sie Teil der britischen Besatzungszone in Österreich.
Bevölkerungsentwicklung
Religionen Religion Personen Prozent Römisch-katholische Kirche 1949 96,5 % Evangelische Kirche 25 1,2 % Orthodoxe Kirche 14 0,7 % Islam 9 0,4 % kein religiöses Bekenntnis / unbekannt 22 1,1 % Quelle (Stand Volkszählung 2001):
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Veitskirche Passail
Arzberg Katholische Pfarrkirche Arzberg hl. Jakobus der Ältere Passail Pfarrkirche Hl. Veit Pfarrhof mit römischen Inschriftsstein Palmkapelle, erbaut 1653, jetzt Kriegergedächtnisstätte Filialkirche Hl. Anna am Lindenberg Mariensäule auf dem Marktplatz Sogenannte Nagelschmiede auf Nr. 45, ehemals Armenhaus, heute Bibliothek
Wirtschaft und Infrastruktur Die Verkehrsanbindung erfolgt durch die Rechbergstraße B 64.
Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Fladnitz an der Teichalm, Gasen, Breitenau am Hochlantsch, Pernegg an der Mur und St. Kathrein am Offenegg den Tourismusverband „Naturpark Almenland Teichalm-Sommeralm“. Dessen Sitz ist in Fladnitz an der Teichalm.Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark, 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück, Nr. 313, , S. 628.
Öffentliche Einrichtungen Passail verfügt über einen Kindergarten, je eine Volksschule, Realschule, Neue Mittelschule (NMS), Polytechnische Schule.NMS Passail, abgerufen am 27. April 2020 Freizeit-Zentrum mit einer 18-Loch-Golfanlage gemeinsam mit der Gemeinde Fladnitz an der Teichalm.Golfclub Almenland, abgerufen am 27. April 2020 Senioren- und Pflegeheim mit 38 Betten.Kamillusheim, abgerufen am 27. April 2020
Politik
Bürgermeister Bürgermeister ist Patrick Rosenberger (ÖVP), der die Wahl 2025 gegen Eva Karrer (SPÖ) für sich entschied.
Dem Gemeindevorstand gehören weiters der erste Vizebürgermeister Peter Manfred Harrer (SPÖ), der zweite Vizebürgermeister Werner Berghofer (ÖVP), der Gemeindekassier Albin Harrer (SPÖ) und das Vorstandsmitglied Franz Klamler (ÖVP) an.
Bürgermeister der Großgemeinde Passail:
2015–2025 Eva Karrer (SPÖ) seit 2025 Patrick Rosenberger (ÖVP)
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 21 Mitgliedern und setzt sich nach der Gemeinderatswahl 2020 wie folgt zusammen: 12 SPÖ 7 ÖVP 2 FPÖ
Die letzten Gemeinderatswahlen brachten die folgenden Ergebnisse: Partei Großgemeinde Passail Passail20202020 inkl. Plenzengreith2015201020052000 Stimmen % M. St. % M. St. % M. St. % M. St. % M.SPÖ1619 55,56 12 912 30 6 321 23 3 452 33 5 231 17 2ÖVP 999 34,28 71381 46 10 930 68 11 804 58 9 883 66 11FPÖ 296 10,16 2 710 24 5 81 6 1 129 9 1 142 11 1Passailer Bürgerlistenicht kandidiert 35 3 0nicht kandidiert Die Grünen Passailnicht kandidiert nicht kandidiert 80 6 1 Wahlberechtigte3698 36571662 Wahlbeteiligung79,5 % 83,1 %83,5 % 88 % 88 %
Wappen
links|150px Die Verleihung des Wappens erfolgte am 15. Dezember 1639 durch Kaiser Ferdinand III.Die Wappenbeschreibung lautete: „Ainen Blaw, oder Lasurfarben Schildt, in dessen grundt ain weisser Fluß, darinen zwischen zwayen an den Schildts Rants Seitten Hochaufgehenden schroffigen Stainfelßen, ain herwerts zum gang geschickhter Hirsch, seiner natürlichen Färb, mit zwayen aufhabenden Geweyen, iedes oben mit zwayen gleichen, vnd neben herab dreyen Zinckhen, zwischen den Geweyen ain weiß oder silberfarber aufrecht gestelter Anckher, den Ring vnder sich khehrendt, durch denselben ain Gelb, oder Goldtfarber Zopffen gegen der Linckhen durchzogner erscheinen thuet.“Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 13, 1963, S. 81 f. Wegen der Gemeindezusammenlegung verlor das Wappen seine offizielle Gültigkeit. Die ehemaligen Gemeinden Arzberg, Hohenau an der Raab und Neudorf bei Passail hatten bis Ende 2014 eigene Wappen, zu allen Beschreibungen siehe Wikipedia Commons.
Die Wiederverleihung des Gemeindewappens für die Fusionsgemeinde Passail erfolgte mit Wirkung vom 30. Juni 2016.69. Verlautbarung der Steiermärkischen Landesregierung vom 16. Juni 2016 über die Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Marktgemeinde Passail (politischer Bezirk Weiz), abgerufen am 30. Juni 2016.Die Blasonierung lautet: „In blauem Schild auf silbern geflutetem Schildfuß zwischen silbernen Schildflanken aus schroffen, sich nach oben verjüngenden Felswänden stehend ein herschauender goldener Hirsch, dessen zehnendiges Geweih einen silbernen gestürzten Anker mit durch den Ring gezogenem goldenen Zopf einschließt.“
Persönlichkeiten Peter Engelbrecht (1414–1491), Bischof von Wiener Neustadt Monika Kienzl (* 1940), Opernsängerin