Als Kaisenhaus bezeichnet man in den Parzellengebieten Bremens nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Wohnhäuser. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Kaisen erlaubte aufgrund der Wohnungsnot, in den Kleingärtengebieten Häuser zum dauernden Wohnen zu bauen.
Geschichte Im Zweiten Weltkrieg wurden 61 % der Bremer Wohnungen zerstört. Wegen des großen Wohnungsmangels erlaubte Bürgermeister Kaisen den Bau von Wohnhäusern in den Kleingärtengebieten. Zuvor haben sich Bremer in 1.000 illegalen Wohnhäusern dort versteckt. Heute leben noch 500 Bremer in ihren Parzellenhäuschen.Über Versuche, die Kaisenhäuser „zu entwohnen“, die es immer wieder gab, kann man hier nachlesen: Manche Kaisenhausbesitzer wehrten sich verzweifelt gegen einen Abriss ihres Hauses: 18.000 Kleingartenbesitzer gibt es in der Hansestadt.Kirsten Tiedemann, Bremens Kaisenhäuser – Mehr als ein Dach über dem Kopf, Band 16 der Schriftenreihe des Bremer Zentrums für Baukultur, Bremen 2012
Kaisenhäuser gegen die Wohnungsnot
Ein Zimmermann berichtet über den Bau seines KaisenhausesBericht über den Bau des Hauses von M. Meints, Chronik Horn-Lehe: Gebaut wurde auf der umgepflügten Weide eines Bauern. Bauzeichnungen fertigte ein angehender Architekt. Baustoffe kamen von einem Baustoff- und einem Kohlenhändler, oder sie wurden aus Trümmern aufbereitet. Das Haus erstellte er weitgehend allein nach Feierabend, an Wochenenden, im Urlaub, und andere Kaisenhaus-Bauherren aus der Nachbarschaft halfen. Es wird berichtet, dass die Stadt ursprünglich nur eine Fläche von 20 m² erlaubte. Erst später wurden daraus 50–60 m². Elektrizität war von Anfang an vorhanden, Wasser musste zunächst von einem Wasserverteiler geholt werden. Geheizt wurde mit Holz und Kohle – zum Kochen wurde später Propangas verwendet. An die Stadt musste ein „Wohnlaubengeld“ von 200 DM jährlich gezahlt werden.
Abriss von Kaisenhäusern In den Kaisenhäusern haben Menschen ein „Auswohnrecht“ – sie dürfen bis zum Auszug oder ihrem Tod dort wohnen. Dieses Recht ist nicht übertragbar. Anfang des Jahres 2013 wurde ein Kaisenhaus im Bremer Stadtteil Woltmershausen geräumt und abgerissen. Danach regte sich Widerspruch, die Linke sprach sogar von „Vertreibungspolitik“. Der Bausenator wies darauf hin, dass die Bauverwaltung sich an geltende Senatsbeschlüsse gehalten habe. SPD und Bündnis 90/Die Grünen einigten sich darauf, dass der Senat ein „Konzept zum Wohnen in Kleingartengebieten“ vorlegen solle, bevor weitere Häuser geräumt oder abgerissen würden.Wigbert Gerling: Abriss von Kaisenhäusern gestoppt. In: Weser-Kurier, 13. März 2013Antwort des Bremer Senats auf die Große Anfrage der Fraktion Die Linke vom 18. Juni 2013: Drucksache 18/969 (PDF; 116 kB)
Kaisenhaus-Museum Auf Initiative des Bremer Frauenmuseums und des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Bremischen Bürgerschaft Jens Böhrnsen und in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Stadtteilbeirates Walle, wurde 2006 ein historisches Kaisenhaus vor dem Abriss bewahrt, um einen Erinnerungsort zur Geschichte der Bremer Kaisenhäuser zu schaffen. Am Behrensweg 5a kann man eine Ausstellung in den Räumen eines ehemaligen Kaisenhauses besuchen. Die sonntäglichen Öffnungstermine sind der Präsentation im Internet zu entnehmen.
Literatur Kirsten Tiedemann: Bremens Kaisenhäuser – Mehr als ein Dach über dem Kopf, Band 16 der Schriftenreihe des Bremer Zentrums für Baukultur, Bremen 2012, ISBN 978-3-938795-39-2
Einzelbelege
Weblinks Bremer Kaisenhäuser Kaisenhaus auf der Seite "Chronik Horn-Lehe"
Kategorie:Wohngebäude in Bremen Kategorie:Deutsche Geschichte (Nachkriegszeit)