Kirchheim an der Weinstraße ist eine Ortsgemeinde im pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim, die der Verbandsgemeinde Leiningerland angehört, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die sechstgrößte Ortsgemeinde darstellt. Der Ort liegt etwa 17 km nordwestlich von Ludwigshafen am Rand der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gemeinde hieß bis 1952 Kirchheim an der Eck.

Geographie Lage mini|links|Eckbach vor der Unterquerung der B 271 in Kirchheim

Kirchheim liegt auf einer Höhe von knapp nahe dem nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße am Westrand der 35 km breiten Rheinebene. Im Süden grenzt es an die Verbandsgemeinde Freinsheim. Westlich erhebt sich am Rand des Pfälzerwalds der Leininger Sporn als nördliche Fortsetzung der Haardt. Etwa 12 km südwestlich des Wohngebiets besitzt die Gemeinde im Quellbereich der Isenach eine etwa 2 km² große Waldfläche.

Nachbargemeinden Kirchheims sind im Uhrzeigersinn die Kleinstadt Grünstadt im Norden sowie die Dörfer Obersülzen, Großkarlbach, Bissersheim im Osten, Dackenheim im Süden, Weisenheim am Berg, Bobenheim am Berg und Kleinkarlbach im Westen.

Erhebungen und Gewässer Die Nordflanke des hohen Orlenbergs, eines Vorhügels des Leininger Sporns, liegt an der Grenze zu Bissersheim im Nordosten der Gemeindegemarkung. Durch den Ort fließt in östlicher Richtung der Eckbach, der regional auch die Eck genannt wird und bei Worms von links in den Rhein mündet. Am Nordrand der Gemeinde fließt dem Eckbach von links der knapp 1 km lange Seebergraben zu, der auch Schlossbach genannt wird.

Geschichte Entwicklung bis 1900 Unten in der Aue des Eckbachs lag die Keimzelle des Ortes, der sich zunächst am rechten, dem südlichen Ufer empor ausbreitete. Das Güterverzeichnis des 764 gegründeten Klosters Lorsch enthält insgesamt vier Schenkungen aus „C(h)iricheim“, von denen drei auf 768, 770 und 774 datiert werden können, während die vierte undatierbar ist (LC 1272, 1076, 1271 und 3660). Die Gegend, in der so viele Bewohner Eigentum zu ihrem Seelenheil dem Heiligen Nazarius spendeten, lag damals „in pago Wormaciensis“, also im Wormsgau. Schenkungen aus anderen Gauen und Marken, zum Beispiel in „Kyrcheim“, haben die Historiker den Orten Kirchheim bei Heidelberg oder Kirchheimbolanden zugeordnet. Archäologische Funde deuten indessen auf eine Besiedlung bereits während der Bronzezeit hin.

Im Hochmittelalter war Kirchheim Lehen des Klosters Weißenburg, bis es 1250 teilweise und 1304 dann vollständig an das Grafengeschlecht der Leininger fiel. Im 15. Jahrhundert war das Dorf zeitweise im Besitz der Kurfürsten von der Pfalz. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538). Das niederadlige Geschlecht der Kranich von Kirchheim benannte sich nach dem Dorf.

In der frühen Neuzeit erlebte Kirchheim mehrere Katastrophen: 1661 brach eine Pestepidemie aus, 1690, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, zerstörten die Truppen Ludwigs XIV. das Dorf. 1757 wütete die Ruhr, und in der Zeit der Französischen Revolution gab es weitere Plünderungen und Zerstörungen. So wurde 1793 auch ein erst 1785 von den Leininger Grafen erbautes Schloss zerstört. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Linie Leiningen-Westerburg. 1795 fand vor Ort ein Gefecht statt, an dem das k.u.k. Husarenregiment „Wilhelm II. König von Württemberg“ Nr. 6 beteiligt war.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Kirchheim an der Eck – so der damalige Ortsname – in den Kanton Grünstadt eingegliedert und besaß eine eigene Mairie. 1815 hatte der Ort insgesamt 924 Einwohner. Im selben Jahr wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte er wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Frankenthal an; aus diesem ging das Bezirksamt Frankenthal hervor. Das 19. Jahrhundert war von der Auswanderung vieler Kirchheimer und einem daraus resultierenden starken Bevölkerungsrückgang geprägt.

Seit dem 20. Jahrhundert Ab 1939 war Kirchheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte zahlreiche Kriegsopfer, davon 58 im Ersten und 54 im Zweiten Weltkrieg.Internetauftritt der Gemeinde Kirchheim, Geschichte.

1952 wurde die Gemeinde in Kirchheim an der Weinstraße umbenannt. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte sie 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde sie der ebenfalls neu gebildeten Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zugeordnet, welche 2018 in der Verbandsgemeinde Leiningerland aufging.

2006 versuchte die NPD, in Kirchheim ein Fortbildungszentrum zu eröffnen. Dazu sollte die ehemalige Gräfliche Leininger Mühle, deren Wirtschaftsgebäude schon seit geraumer Zeit als Gaststätte diente, erworben und umgebaut werden. Der Ankauf des Anwesens scheiterte, weil die Verbandsgemeinde Grünstadt-Land veranlasste, dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde, der mit einer Veränderungssperre verbunden war., abgerufen am 17. August 2007. Am 13./14. Mai 2006 war das Wirtschaftsgebäude durch eine ungeklärte Brandstiftung schwer beschädigt worden. Als Täter verdächtigt wurden einerseits militante NPD-Gegner, andererseits auch die Partei selbst, die den Kaufpreis habe drücken wollen., abgerufen am 17. August 2007. Im Frühjahr 2009 wurde das nicht unter Denkmalschutz stehende Wirtschaftsgebäude abgerissen; die übrige Anlage sollte saniert werden.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts besaß Kirchheim eine Synagoge. Diese wurde in der Reichspogromnacht geschändet, aber aufgrund der engen Wohnbebauung nicht angezündet. Heute ist sie ein Wohnhaus. Im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion wurden acht Kirchheimer Juden am 22. Oktober 1940 in das Camp de Gurs deportiert. Die damals elfjährige Trude Kohlmann überlebte als einzige von den acht den Holocaust.https://juedischeskirchheim.de/ Ein vorgeschlagenes Gedenkschild mit der Aufschrift „Gurs 1324“ wurde vom Gemeinderat nicht für den zentralen Dorfplatz genehmigtAnja Benndorf: Verschleppte Kirchheimer: Rat zögert mit Gedenktafel-Beschluss. In: Die Rheinpfalz vom 15. Juli 2025, abgerufen am 11. November 2025; Themen der Gemeinderatssitzung vom 9.9.2025 auf der Website der Gemeinde, abgerufen am 11. November 2025. und stattdessen zum 85. Jahrestag auf privatem Gelände aufgestellt.Anja Benndorf: Nach heftigem Streit: Gedenkschild für Kirchheimer Juden enthüllt. In: Die Rheinpfalz vom 22. Oktober 2025, abgerufen am 11. November 2025.

Konfessionsstatistik 2007 waren 45,9 % der Einwohner evangelisch und 26,9 % katholisch. Die übrige 27,2 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2007. Der Anteil der Katholiken und Protestanten an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken, während der Anteil der Einwohner mit sonstiger Konfession oder ohne Konfession zugenommen hat. Mit Stand Januar 2025 waren von den Einwohnern 34,1 % evangelisch, 20,5 % katholisch und 45,4 % gehörten einen sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik, abgerufen am 9. März 2025

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Kirchheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG KL Gesamt 2024 4 3 9 – 16 Sitze 2019 4 4 7 1 16 Sitze 2014 4 7 3 2 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 5 6 3 2 16 Sitze 2004 5 5 3 3 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Kirchheim e. V. KL = Wählergruppe Kirchheimer Liste e. V.

Bürgermeister Thomas Dhonau (SPD) wurde am 10. September 2024 Ortsbürgermeister von Kirchheim an der Weinstraße. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 71,3 % für fünf Jahre gewählt worden.

Dhonaus Vorgänger Kay Kronemayer (FWG) hatte sich bei einer Stichwahl am 16. Juni 2019 mit einem Stimmenanteil von 65,19 % gegen seinen Amtsvorgänger Robert Brunner (CDU) durchgesetzt, nachdem bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich drei Kandidaten eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 trat Kronemayer nicht erneut an.

Wappen

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke Der Ortskern, bestehend aus Hintergasse 2, Kleinkarlbacher Str. 2 sowie Weinstraße Nord 1–43, ist als Denkmalzone ausgewiesen. Für den Gemeindebereich werden im Verzeichnis der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz 30 Bauten oder Gebäudeteile als schutzwürdig aufgeführt. Dazu zählen:

Andreaskirche – Wahrzeichen Kirchheims ist die protestantische Andreaskirche, die im Wesentlichen aus der Spätgotik stammt und besonders am Turm barocke Ergänzungen und Ausbauten erfahren hat. Innen steht, mit einer Annaselbdritt-Gruppe aus dem Mittelalter, einer der ältesten Altäre der Pfalz. Mit der Hartung-Orgel von 1750, die 1993 durch die Firma Mönch (Überlingen) restauriert wurde, verfügt die Kirche über ein Instrument mit 24 Registern.

Protestantisches Pfarrhaus – Das Protestantische Pfarrhaus nebenan ist ein spätbarocker Walmdachbau mit Fachwerkanteilen und stammt aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert.

Friederich-Diffiné-Haus – Das Gebäudeensemble des Friederich-Diffiné-Hauses gegenüber der Andreaskirche besteht aus einem barocken Mansardwalmdachbau von 1732/1737 und einem klassizistischen Wirtschaftsgebäude von 1844. Es dient als Dorfgemeinschaftshaus, außerdem wird in den Räumlichkeiten die Volkshochschule Kirchheim-Bissersheim betrieben.

Wormsischer Klosterhof – Der Wormsische Klosterhof, dessen Name auf das frühere Hochstift Worms hinweist, ist ein seit 1617 bezeugter Dreiseithof mit Renaissance-Treppenturm.

Altes Rathaus – Das Alte Rathaus weist Zierfachwerk auf mit Motiven aus Gotik und Renaissance und ist 1574 und 1595 urkundlich erwähnt.

Schulhaus – Das Schulhaus westlich neben dem Friederich-Diffiné-Haus wurde 1903/1904 nach Plänen des Mannheimer Architekten Albert Friedrich Speer (Vater des gleichnamigen NS-Architekten) als späthistoristischer Putzbau errichtet und beherbergt heute die Grundschule des Ortes.

Eckbachmühlen – Entlang des Eckbachs verläuft der Eckbach-Mühlenwanderweg. Am Bach wurden früher zahlreiche Mühlen betrieben; auf der Gemarkung des Dorfes sind Kandel- oder Oligmühle und Eselsmühle noch mehr oder weniger gut erhalten. Inzwischen abgebrochen wurde die Kochsche Mühle; ihren volkstümlichen Namen Gräfliche Leininger Mühle verdankt sie dem Umstand, dass sie 1751/1752 Eigentum der Gräfin Christiane Wilhelmine zu Leiningen war, die 1749 Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen geheiratet hatte, den ersten zum Fürsten erhobenen Leininger.

Nordöstlich des Ortes, in Richtung Grünstadt, lag das im 16. Jahrhundert untergegangene Templerhaus Kirchheim. Dies war anfangs eine Kommende des Templerordens, später diente es als Niederlassung des Malteserordens und als Siechenhaus.

Friedhöfe Gleichfalls als Denkmalzonen ausgewiesen sind: der Gemeindefriedhof an der Kleinkarlbacher Straße (1835 angelegt) mit klassizistischen bzw. historistischen Grabmälern, die im 19. bzw. im frühen 20. Jahrhundert entstanden sind;