Die Tsukuba () war ein Panzerkreuzer der Kaiserlich Japanischen Marine aus dem frühen 20. Jahrhundert; zugleich war es das Typschiff der gleichnamigen Klasse. Der 1907 fertiggestellte Kreuzer war nach dem in der Präfektur Ibaraki liegenden Berg Tsukuba benannt und wurde als erstes Schiff der betreffenden Klasse am 14. Januar 1905 auf der Marinewerft in Kure (Kure Kaigun Kōshō) auf Kiel gelegt. Die Tsukuba lief nach einer vergleichsweise kurzen Bauzeit bereits am 26. Dezember 1905 von Stapel. Die Indienstnahme erfolgte schließlich am 14. Januar 1907, genau zwei Jahre nach der Kiellegung. Das Schiff ging durch ein Explosionsunglück im Jahr 1917 verloren.

Technische Besonderheiten

Die Tsukuba war auf der einen Seite einer der am stärksten bewaffneten Panzerkreuzer jener Zeit. Dabei wurde die Bewaffnung, obgleich es sich um Nachbauten von ausländischen Geschütztypen handelte (so waren die 30,5-cm-Geschütze leicht verlängerte Kopien des ab 1898/99 produzierten britischen 30,5-cm-Geschützes Mark 9 L/40 der Elswick Ordnance Company), vollständig in japanischen Betrieben gefertigt. Auf der anderen Seite litt die Tsukuba jedoch unter der übereilten Fertigstellung. Die hastige Vollendung des Schiffes, das im Kontext des Russisch-Japanischen Krieges und zunächst als Ersatz für das 1904 gesunkene Linienschiff Hatsuse geplant gewesen war, brachte mehrere technische Probleme mit sich. So litt die Tsukuba während der gesamten Dienstzeit unter Festigkeitsproblemen des Rumpfes, mechanischen Defekten an den Schwenkwerken der Türme sowie unter Stabilitätsschwierigkeiten. Die schnelle Baugeschwindigkeit war auch dadurch ermöglicht worden, dass Japan, obgleich selbst im Land entsprechende Panzerplatten hergestellt wurden, einen Teil der Panzerung im Deutschen Reich beziehungsweise bei Krupp eingekauft hatte.Joachim Wätzig: Die japanische Flotte. Von 1868 bis heute. Brandenburgisches Verlagshaus. Berlin 1996, S. 108.

Obgleich der Kreuzer hinsichtlich der Bewaffnung, der Wasserverdrängung und der Geschwindigkeit dem Schema der Einheitslinienschiffe zugeordnet werden konnte, war die Panzerung vergleichsweise schwach und entsprach eher der eines Panzerkreuzers jener Zeit. Zudem war die Höchstgeschwindigkeit mit voller Einsatzverdrängung mit 20,5 kn (ca. 38 km/h) relativ niedrig (bei Testfahrten und nicht mit voller Einsatzverdrängung waren bis zu 21,1 kn erzielt worden, dieser Wert wird auch im nebenstehenden Informationsblock angegeben); so lag denn die Höchstfahrt vergleichbarer britischer oder deutscher Kreuzerbauten um rund 3 bis 4 kn höher. Infolgedessen war die Tsukuba, trotz der schweren Bewaffnung, weder für den Einsatz als Schlachtschiff, da die Panzerung hierfür als zu unzureichend angesehen werden muss, noch für die Rolle als Panzerkreuzer, besonders bezüglich der niedrigen Höchstgeschwindigkeit und der Festigkeitsprobleme, richtig geeignet. Mit dem Aufkommen der damals neuartigen Dreadnought-Schlachtschiffe etwa ab 1906 wurde das Konzept der Tsukuba (wie auch das aller anderen Panzerkreuzer und Einheitslinienschiffe) zudem weitgehend obsolet.

Einsatzzeit Bereits kurz nach der Indienstnahme nahm die Tsukuba, mit Admiral Ijūin Gorō an Bord und begleitet von dem Geschützten Kreuzer Chitose, als japanischer Beitrag an der Weltausstellung in Jamestown 1907 (Jamestown Exposition) teil, wobei auch die 300-Jahr-Feier anlässlich der Gründung der Stadt (als erste englische Siedlung in der Neuen Welt) begangen wurde. Danach verlegten die beiden Schiffe über den Atlantik und besuchten Portsmouth und die Kieler Woche. Im Anschluss, nach der Passage des Mittelmeers und des Sueskanals, verlegte das Schiff durch den Indischen Ozean zurück nach Japan.

Nach der Rückkehr begleitete die Tsukuba im Oktober 1908 in den japanischen Gewässern die sogenannte Great White Fleet der United States Navy während deren Weltreise. Zwischen 1909 und 1912 folgten Manöver- und Übungsmissionen in den japanischen Heimatgewässern sowie eine Werftüberholung in Sasebo.

Erster Weltkrieg mini|links|Die Tsukuba, mit dem Tennō Taishō an Bord, während einer japanischen Marineparade im Jahr 1916 in der Bucht von Tokio. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 und dem Eintritt Japans in den Krieg, im Rahmen des japanisch-britischen Bündnisses, beteiligte sich die Tsukuba ab Anfang September 1914 an der Blockade des deutschen Kolonialstützpunktes Tsingtau (Kiautschou) in China. Nach dem Fall der Stadt half der Panzerkreuzer zeitweilig bei der Besetzung der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea und nahm Ende 1914 kurzzeitig an der alliierten Suche nach dem deutschen Ostasiengeschwader teil. Nach der weitgehenden Vernichtung dieses Geschwaders bei den Falklandinseln im Dezember 1914 durch die Royal Navy verblieb die Tsukuba in den folgenden Jahren in den japanischen Heimatgewässern, wobei sie 1915 und 1916 an den Paraden der japanischen Marine in der Bucht von Bucht von Tokio teilnahm, und ansonsten relativ ereignislose Patrouillen- und Wachdienste absolvierte.

Verlust Am 14. Januar 1917, während das Schiff vor Yokosuka vor Anker lag, explodierte gegen 15:15 Uhr aus nicht sicher eruierten Gründen die vordere Hauptmunitionskammer der Tsukuba. Die Wucht der Explosion tötete rund 200 Seeleute sofort und ließ noch im beinahe zwölf Kilometer entfernten Kamakura Scheiben bersten und Trennwände in Häusern umfallen. Innerhalb von etwa 20 Minuten sank der brennende Panzerkreuzer auf Grund, wobei die Masten, die Kommandobrücke und die Schornsteine noch aus dem Wasser ragten. Weitere rund 100 Besatzungsangehörige ertranken während des Sinkens in den unteren Schiffsräumen. Insgesamt forderte die verhängnisvolle Explosion 305 Todesopfer.Diese Anzahl ist nicht zur Gänze gesichert, möglicherweise liegt teilweise auch ein Übersetzungsfehler vor, denn japanische Quellen führen an, dass sich am Unglückstag etwas mehr als 300 Mann an Bord befanden und dass insgesamt 125 Tote und 27 Vermisste zu beklagen waren. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt der Katastrophe mehr als 400 Besatzungsangehörige auf Landgang, weswegen sich so die ohnehin schon schweren Personalverluste in Grenzen hielten.

Die genaue Ursache für das Unglück konnte nie sicher eruiert werden. Es wurde jedoch angenommen, dass eine Selbstentzündung des auf der Tsukuba genutzten sogenannten Shimose-Pulvers, eines auf Pikrinsäure basierenden und seit 1893 in Japan genutzten Schießpulvers, den Verlust verursacht haben könnte. Auch eine möglicherweise vorsätzliche Tat eines wegen Diebstahls belangten Besatzungsangehörigen wurde untersucht, diese Vermutung blieb jedoch unbestätigt und könnte nur dem Umstand gedient haben, die Risiken des Schießpulvers zu verschleiern beziehungsweise um die Verantwortung für das Unglück auf Dritte abzuwälzen.vgl. hierzu: 軍艦爆沈事故と海軍当局の対応、82ページ (Masao Yamamoto: Explosionen und Untergänge von Kriegsschiffen und die Reaktion der Marinebehörden: Eine Studie über die Realität von Unfalluntersuchungen durch Untersuchungsausschüsse und die Änderungen ihrer Vorschriften. Jahresbericht der Kriegsgeschichtsforschung Nr. 9. vom 31. März 2006. Hrsg.: Verteidigungsministerium. Nationale Parlamentsbibliothek, Tokyo 2007, S. 82.)

Verbleib Das halb gesunkene Wrack der Tsukuba wurde im Verlauf des Jahres 1917 stabilisiert und auf ebenen Kiel angehoben, es verblieb aber immer noch an seinem Untergangsort vor Yokosuka, und wurde zeitweise als Ziel für Übungseinsätze der japanischen Marineflieger genutzt. Im Spätjahr 1917 final gehoben, wurde das Wrack der Tsukuba dann ab Mai 1918 nach und nach abgewrackt; die Reste des Schiffes waren bis Dezember 1919 verschrottet.

Trivia Interessant hinsichtlich der Tsukuba ist, dass die Kiellegung und die Indienstnahme sowie auch der Untergang alle auf einen 14. Januar fallen.

Siehe auch Mikasa – das japanische Linienschiff sank 1905 nach einem Explosionsunglück. Kawachi – das japanische Schlachtschiff sank 1918 nach einer internen Explosion. Mutsu – das japanische Schlachtschiff wurde 1943 durch eine interne Explosion zerstört.

Literatur Howarth, Stephen: The Fighting Ships of the Rising Sun: The Drama of the Imperial Japanese Navy, 1895–1945. Atheneum, Simi Valley 1983. Jentsura, Hansgeorg / Jung, Dieter: Warships of the Imperial Japanese Navy, 1869–1945. Naval Institute Press, Annapolis 1976. Osborne, Eric W.: Cruisers and Battle Cruisers. An illustrated history of their impact. Santa Barbara 2004.

Weblinks

Auflistung der Tsukuba bei Naval History (englisch). Zur Charakterisierung der Tsukuba (englisch).

Anmerkungen

Fußnoten

Kategorie:Tsukuba-Klasse Kategorie:Schiff im Ersten Weltkrieg Kategorie:Explosionskatastrophe Kategorie:Schiffsverlust 1917 Kategorie:Katastrophe 1917