Die islamische Eroberung der Levante fand in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts im Rahmen der islamischen Expansion statt und bezieht sich auf das Bilad asch-Scham, Levante oder Großsyrien genannte Gebiet. Muslimische Streitkräfte waren schon zu Lebzeiten des islamischen Propheten Mohammed in diese Gegend vorgestoßen, was 629 zur Schlacht von Mu'ta führte. Die eigentliche Eroberung begann jedoch 634 unter den Kalifen Abū Bakr und Umar ibn al-Chattab mit Chālid ibn al-Walīd als wichtigstem Anführer.Albert Habib Hourani, Verity Elizabeth Irvine, William L. Ochsenwald, David Dean Commins: Syria (History, Medieval period, Islamic conquest). In: Encyclopædia Britannica. 2006 (Encyclopædia Britannica Online).
Oströmisches Syrien Die römische Provinz Syria wurde im Jahre 63 v. Chr. gegründet und war in den sieben Jahrhunderten ihres Bestehens mehrfach von Militäroperationen der Sassaniden betroffen gewesen. Während des letzten der Römisch-Persische Kriege gelang den Persern unter Chosrau II. ab 611 die Eroberung Syriens, Palästinas und Ägyptens, bevor sie dem oströmischen Kaiser Herakleios unterlagen und nach der Schlacht bei Ninive 628 Frieden schließen mussten. Daher waren die Oströmer am Vorabend der islamischen Eroberung mit der Wiedererlangung der vollen Kontrolle über die zurückgewonnenen Gebiete beschäftigt, die in einigen Teilen für rund 20 Jahre ihrer Kontrolle entzogen gewesen waren. Administrativ gliederte sich die Gegend in zwei Einheiten: Die Provinz Syrien erstreckte sich von Antiochia und Aleppo im Norden bis zum Toten Meer. Im Westen und Süden des Toten Meeres lag die Provinz Palaestina, welche die heiligen Stätten der drei Abrahamitischen Religionen beinhaltete. Syrien war teilweise arabisch besiedelt, besonders im östlichen und südlichen Teil. Die Araber lebten seit vor-römischer Zeit auf dem Gebiet; sie hatten im Zuge der Christianisierung des Römischen Reiches im vierten Jahrhundert das Christentum angenommen.
Die Araber Syriens blieben politisch im Abseits, bis der Stammesverband der Ghassaniden aus dem Jemen nach Syrien auswanderte und ein halb-autonomes Reich gründete. Die Ghassaniden wurden respektable königliche Verbündete des Römischen Reiches, ihr König herrschte von der Hauptstadt Bosra über die Araber entlang des Jordan. Der letzte ghassanidische König war Dschabala ibn al-Aiham.
Kaiser Herakleios errichtete nach seiner Rückeroberung Syriens eine Verteidigungslinie von Gaza bis zum Südende des Toten Meeres. Diese Linien waren allerdings nur stark genug, um die Kommunikationswege vor Banditen zu schützen. Der Großteil der oströmischen Truppen war in Nordsyrien konzentriert, um die angestammten Feinde, die Sassaniden, in Schach zu halten. Dieses Verteidigungskonzept ermöglichte es den muslimischen Truppen aus dem Süden, ohne oströmische Gegenwehr bis nach Gaza vorzustoßen. Das 7. Jahrhundert war für Byzanz ein Jahrhundert rapider militärischer Veränderungen. Das Reich stand zwar nicht mehr an der Schwelle des Untergangs wie einige Jahre zuvor, doch gelang es ihm nicht mit einer wirksamen Strategie zu antworten.
Der Aufstieg des Kalifats Nach dem Tode des islamischen Propheten Mohammed im Juni 632 wurde Abu Bakr zum Kalifen und politischen Nachfolger in Medina erklärt. Kurz danach revoltierten mehrere arabische Stämme gegen diese neue Herrschaft (die sog. Ridda-Kriege, d. h. Kriege gegen die Apostaten). Nach der Niederschlagung der Aufständischen im März 633 war ganz Arabien der Autorität des Kalifen unterworfen.
Ob Abu Bakr die Eroberung eines Weltreiches plante, ist historisch nicht gesichert; unter seiner Herrschaft wurden gleichwohl die Grundlagen für eines der größten Reiche der Geschichte geschaffen, eingeleitet durch einen Konflikt mit den Sassaniden unter General Chālid ibn al-Walīd.
Expedition nach Syrien miniatur|rechts|200px|Die muslimische Eroberung der Levante. Nach erfolgreichen Feldzügen gegen die Sassaniden und der fast abgeschlossenen Eroberung des Irak von diesen baute Chalid dort seine Machtbasis auf. Gleichzeitig mit den anhaltenden Kämpfen gegen die Perser flammte der Konflikt mit den arabischen Ghassaniden auf. Auf allen Teilen der Arabischen Halbinsel wurden daher unter den Stämmen – zunächst mit Ausnahme derer, die während der Ridda-Kriege gegen den Islam aufbegehrt hatten – neue Truppen rekrutiert.
Die daraus gebildete Armee teilte Abu Bakr in vier Teile auf, jeweils mit eigenem Befehlshaber und eigenen Aufgaben: Yazid ibn Abi Sufyan erhielt den Auftrag, über Tabuk nach Damaskus vorzustoßen. Scharhabil ibn Hassana sollte Yazid folgen und von Tabuk aus in Richtung Jordan marschieren. Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāhs Aufgabe war ein Vorstoß in Richtung Emesa. ʿAmr ibn al-ʿĀs sollte über Elat und durchs Tal von Arava nach Palästina vorrücken.
Da die exakte Position der oströmischen Armee nicht bekannt war, sollten die Truppen untereinander in Kontakt bleiben und sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen. Für den Fall, dass alle Heeresteile sich für eine große Schlacht vereinigen müssten, war Abū ʿUbaida als Befehlshaber der gesamten Armee vorgesehen.Agha Ibrahim Akram: The Sword of Allah. Chalid bin al-Waleed, His Life and Campaigns. Nat. Publishing. House, Rawalpindi 1970, ISBN 978-0-7101-0104-4, S. 576. In der ersten Aprilwoche 634 setzten sich die muslimischen Heere von Medina aus in Bewegung. Als erstes marschierte Yazids Heeresteil, gefolgt von Scharhabil, Abū ʿUbaida und Amr, jeweils mit einem Tag Abstand.
Islamische Eroberung Syriens miniatur|rechts|175px|Ruinen des antiken Petra, eine der ersten Städte, die an die Muslime fiel. Nachdem er hinter Tabuk seine vorgegebene Route eingeschlagen hatte, traf Yazids Armee auf ein kleines Heer christlicher Araber, das sich nach einem Scharmützel mit der muslimischen Vorhut zurückzog. Yazid marschierte nun durchs Tal von Arava bis zu dessen Ausläufern nahe dem Toten Meer. Etwa zur selben Zeit erreichte ʿAmr ibn al-ʿĀs Elat. Obwohl beide Truppenführer während ihres Vormarsches nach Palästina jeweils eine byzantinische Einheit schlagen konnten, erreichten sie nicht ihre vorgesehenen Ziele. Abū ʿUbaida und Scharhabil setzten ihrerseits ihren Marsch fort und gelangten im Mai 634 in das Gebiet zwischen Bosra und al-Dschābiya. Kaiser Herakleios erhielt nun von seinen arabischen Verbündeten Nachricht über den Marsch der Araber und begann mit der Planung von Gegenmaßnahmen. Der Kaiser befahl den Garnisonen der syrischen Städte, sich bei Adschnadain zu vereinigen. Von dort aus konnten sie Amrs Abteilung angreifen und gleichzeitig in den Rücken der übrigen muslimischen Heere gelangen, die sich in Jordanien und Syrien befanden. In der dritten Woche des Aprils 634 setzte seinerseits Abū ʿUbaida den Kalifen über die Bewegungen der Oströmer in Kenntnis. Da Abū ʿUbaida mit einer solchen militärischen Lage keine Erfahrung besaß, entsandte Abu Bakr Chalid ibn Walid nach Syrien und übergab ihm den Befehl über die muslimischen Truppen.
Eroberungsfeldzüge unter Kalif Abu Bakr miniatur|rechts|200px| Detaillierte Karte zum Weg von Chalid ibn Walid bei seiner Invasion von Syrien. Chalid marschierte mit seiner halben Streitmacht (etwa 8000 Mann) von al-Hira im Juni 634 nach Syrien los. Es gab zwei klassische Routen für ein Heer vom Irak nach Syrien: eine führte über Daumat al-Dschandal, die andere durch Mesopotamien an ar-Raqqa vorbei. Da er sich in Zeitnot befand vermied Chalid die konventionelle Route über Daumat al-Dschandal, da sie die längste war und zwei Wochen in Anspruch nahm. Die Route durch Mesopotamien vermied er, da sich dort viele oströmische Garnisonen befanden, die zu belagern er keine Zeit hatte. Chalid wählte daher einen dritten Weg geradewegs durch die Syrische Wüste, die für eine Armee gefährlich werden konnte. Berichten zufolge marschierte seine Armee zwei Tage ohne einen Tropfen Wasser, bis sie eine Oase erreichte. So betrat Chalid Syrien und überraschte die Oströmer an ihrer rechten Flanke. Dieser unvorhersehbare Schachzug brachte die oströmischen Verteidiger aus dem Konzept.
Eroberung des südlichen Syriens Sawa, Arak sowie die alte Stadt Palmyra fielen als erste an Chalid. as-Suchna, al-Qaryatain und Hawarin wurden nach der Schlacht von al-Qaryatain und der Schlacht von Hawarin erobert. Nachdem er diese Städte unterworfen hatte bewegte sich Chalid in Richtung Damaskus, wobei er einen Gebirgspass namens Thaniyyat al-'Uqab (Uqab-Pass) passierte (benannt nach der Standarte des Chalid). Dann wandte er sich Bosra, der Hauptstadt des Ghassanidenreiches, eines Vasallen des Oströmischen Reiches, zu. Er befahl auch anderen arabischen Streitkräften in der Nähe sich nach Bosra zu begeben. Bei Mardsch ar-Rahit besiegte Chalid eine ghassanidische Armee in einer schnellen Schlacht (Schlacht von Mardsch ar-Rahit). Zur selben Zeit hatte Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh, der die südlichen muslimischen Armeen führte, Scharhabil ibn Hasana den Angriff auf Bosra befohlen. Dieser hatte befehlsgemäß Bosra mit einer kleinen Abteilung von 4000 Mann angegriffen. Die oströmisch/ghassanidische Garnison der Stadt schätzte diese Gruppe als Vorhut einer größeren muslimischen Armee im Anmarsch ein und entschloss sich zum Angriff auf Scharhabils kleine Abteilung. Gerade als sie den Ausfall gegen Scharhabil ausführten und ihn von allen Seiten umzingelt hatten, erreichte Chalid mit seinen Truppen das Geschehen und trieb den Ausfall zurück. Die vereinten Heere von Chalid, Scharhabil und Abū ʿUbaida belagerten nun Bosra, das sich Mitte Juli 634 ergab. Damit gingen Königreich und Dynastie der Ghassaniden zu Ende.
Nun übernahm Chalid offiziell das Kommando über die muslimischen Heere von Abū ʿUbaida, wie der Kalif es befohlen hatte. Bei Adschnadain wurden unterdessen massive oströmische Kräfte zusammengezogen um die Araber in die Wüste zurückzutreiben. Chalid ließ nun die muslimischen Verbände nach Adschnadain vorrücken, wo es am 30. Juli 634 zur Schlacht kam. Frühe muslimische Quellen berichten von 90.000 oströmischen Soldaten. Heutige Historiker bezweifeln diese Zahl, sehen aber in der Schlacht das Ende der oströmischen Herrschaft über Syrien.
Die Niederlage der Oströmer in der Schlacht von Adschnadain hinterließ Syrien schutzlos. Chalid entschied sich, als erstes Damaskus zu erobern, die oströmische Hauptstadt Syriens. Dort befehligte Thomas die örtliche Garnison; dieser bat den Kaiser, der sich in Emesa befand, schriftlich um Verstärkungen. Außerdem entsandte Thomas zur Störung des feindlichen Vormarsches kleine Kontingente gegen die Araber. Eine dieser Abteilungen wurde in der Schlacht von Yaqusa im August 634 am See Genezareth etwa 120 km von Damaskus entfernt besiegt. Eine weitere kleine Armee wurde in der Schlacht von Mardsch as-Safar am 19. August 634 geschlagen. Unterdessen erreichten Verstärkungen die Stadt, nachdem der Kaiser von der Niederlage bei Adschnadain erfahren hatte. Damaskus wurde (vielleicht im September) 635 erobert; eine teils erwähnte Belagerung fand sehr wahrscheinlich nie statt. Herakleios zog sich schließlich nach Antiochia zurück. Es kam zu einem Friedensabkommen, wonach die Bürger der Stadt zu jährlichem Tribut verpflichtet und der Garnison drei Tage Vorsprung gegeben wurde, um den Muslimen zu entkommen. Nach dieser Frist holte Chalid die auf dem Rückzug befindlichen Truppen mit seiner Kavallerie ein und vernichtete sie in der Schlacht von Mardsch ad-Dibadsch. Nach Abu Bakrs Tod wurde Umar zum neuen Kalifen gewählt. Er entließ seinen Cousin Chalid ibn al-Walid aus seinem Kommando und machte Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh zum neuen Oberbefehlshaber der syrischen Truppen.
Eroberungen unter Kalif Umar Eroberung der mittleren Levante miniatur|rechts|200px|Der muslimische Vorstoß in Zentralsyrien miniatur|rechts|200px|Griechischer Tempel in Idlib