Das Brot der frühen Jahre ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1962 nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll. Regisseur Herbert Vesely begründete mit dieser Inszenierung den Neuen Deutschen Film.
Handlung
Erzählt wird die unspektakuläre Geschichte eines deutschen Durchschnittsbürgers, der es sich in der Bundesrepublik der späten Adenauer-Jahre behaglich eingerichtet hat und glaubt, dass er ein zufriedenes und erfülltes Leben führt.
Walter Fendrich ist Elektriker und hat als Monteur von Waschmaschinen ein geregeltes Einkommen. Er besitzt, zu dieser Zeit nicht gerade selbstverständlich, ein eigenes Auto und lebt in einer gutbürgerlichen Wohnung. Sein sozialer Aufstieg scheint überdies gesichert, seitdem die Tochter seines Chefs, Ulla Wickweber, seine Freundin ist. Bislang waren diese materiellen Dinge Richtschnur im Leben von Walter Fendrich, der in bitterarmen Verhältnissen aufgewachsen ist. Doch eines Tages wird alles anders; er stellt seine bisherige Existenz in Frage und alles bislang Erreichte auf den Kopf.
Ein Wiedersehen mit seiner Jugendfreundin Hedwig Muller wirft ihn emotional völlig aus der Bahn. Die Liebe trifft ihn unvermittelt, so dass er die totale Sinnlosigkeit seines bisherigen Lebens konstatieren muss. Die für ihn geltenden Wertmaßstäbe verlieren ihre Bedeutung, gesellschaftlich vorgegebenen Leitlinien und Konventionen mag er ab sofort nicht mehr folgen. Fendrich zieht daraus die Konsequenzen: Er kündigt seine Arbeit und trennt sich noch am selben Tag von Ulla, um mit Hedwig ein neues Leben zu beginnen und die neue Freiheit zu genießen.
Produktion
Die Dreharbeiten erfolgten im November und Dezember 1961 in Berlin. Die Uraufführung fand während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes am 22. Mai 1962 statt. Die deutsche Erstaufführung erfolgte einen Tag später in Köln.
Anlässlich des 25. Jahrestages des Oberhausener Manifestes wurde Das Brot der frühen Jahre am 6. Mai 1987 wiederaufgeführt.
Die Produktionskosten beliefen sich auf 400.000 DM. Der Film wurde vom Land Nordrhein-Westfalen mit 100.000 DM bezuschusst.
Vesely hatte darauf bestanden, noch vor der deutschen Erstaufführung den Film in Cannes starten zu lassen, weil er von der französischen Filmkritik substantiellere Urteile als von der deutschen erwartete. Doch die französische Kritik lehnte den Film überwiegend ab. Auch in Deutschland war Das Brot der frühen Jahre weder bei der Kritik noch beim Publikum erfolgreich. So gelang dem Neuen Deutschen Film erst Mitte der 1960er Jahre mit Es und Der junge Törless der Durchbruch.
Die beiden Nebendarsteller Eike Siegel und Tilo von Berlepsch waren miteinander verheiratet.
Auszeichnungen
Das Brot der frühen Jahre wurde am 24. Juni 1962 mit dem Zweiten Preis für einen abendfüllenden Spielfilm, Filmband in Gold, ausgezeichnet. Der Erste Preis wurde 1962 nicht vergeben.
In der Kategorie Beste Hauptdarstellerin erhielt Vera Tschechowa ebenfalls das Filmband in Gold. Weitere Filmbänder in Gold gingen an den Nachwuchskameramann Wolf Wirth, der ungewöhnlich veristische, entfesselte und an die französische Nouvelle-Vague-Tradition anlehnende Filmbilder vorlegte, sowie an den Komponisten Attila Zoller und an Herbert Vesely in der Kategorie Bester Nachwuchsregisseur.
Kritik
Im Spiegel war anlässlich der Premiere Folgendes zu lesen:
Günter Rohrbach schrieb in der Zeitschrift Filmkritik (Juni 1962):
Reclams Filmführer analysierte Das Brot der frühen Jahre wie folgt: Der Film
Kay Wenigers Großes Personenlexikon des Films bezeichnete den Film als Veselys bedeutendstes Werk und nannte die Inszenierung „kühl ästhetisierend“. Ferner wird daran erinnert, dass Das Brot der frühen Jahre „erst im nachhinein als Initialzündung für den Start der Ära des ‚jungen deutschen Films‘ angesehen wurde.“Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 169.
Das Lexikon des Internationalen Films schrieb:
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1962 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Heinrich-Böll-Verfilmung