Die Zyklonsaison im Südwestindik 2006–2007 begann am 15. November 2006 und endete am 30. April 2007, mit Ausnahme von Mauritius und den Seychellen, wo sie erst am 15. Mai endete. Diese Daten begrenzen konventionell den Zeitraum des meteorologischen Jahres auf der Südhalbkugel, in dem sich die meisten tropischen Wirbelstürme in diesem Becken bilden. Der Verantwortungsbereich des Regional Specialized Meteorological Centre La Réunion liegt westlich des 90. Grades östlicher Länge und südlich des Äquators.
Durch das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) in Honolulu werden für die US-amerikanischen Einrichtungen im Indischen Ozean eigenständige Warnungen und Prognosen ausgegeben. Durch das JTWC erfolgt die Einstufung nach der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala, das RSMC wendet für die Einstufung eigene Kriterien an, denen unter anderem die Messung der andauernden Windgeschwindigkeit auf Basis einer zehnminütigen Beobachtung zugrunde liegt.
Intensitäten im Südwestindik Kategorie Winde Knoten m/s Tropische Störung < 28 < 14,4 Tropische Depression 28–33 14,4–17 Mäßiger tropischer Sturm 34–47 17–24 Schwerer tropischer Storm 48–63 24–32,4 Tropischer Zyklon 64–89 32,4–45,8 Intensiver tropischer Zyklon 90–115 45,8–59,2 Sehr intensiver tropischer Zyklon > 115 > 59,2
Saisonvorhersagen Am 13. Oktober 2006 veröffentlichte Mauritius Meteorological Services seine Saisonvorhersage für den südwestlichen Indik. Die Prognose ging für die Dauer der Saison von einer positiven El-Niño-Phase aus und folgerte deswegen, dass ein leicht überdurchschnittlicher Saisonverlauf wahrscheinlich sei. Außerdem vorhersagte die Prognose eine schwache Quasi-Biennial Oscillation, wodurch die Bildung tropischer Stürme begünstigt wurde. Schließlich wies die Prognose darauf hin, dass die Aktivität auf der Nordhalbkugel 2006 leicht unterdurchschnittlich verlief, was zu einer leicht überdurchschnittlichen Aktivität im südwestlichen Indik beitragen könnte. Einige regionale Indikatoren deuteten an, dass die benannten tropische Stürme nicht einen nur kurzen Verlauf haben würden. Die meisten anderen regionalen Indikatoren ließen einen normalen Saisonverlauf erwarten. Deswegen ging die Saisonvorhersage von zehn benannten Stürmen aus, die sich zumeist westlich von Diego Garcia bilden würden, mindestens einer davon in der Straße von Mosambik.
Stürme Tropische Störung 01
Am 19. Oktober wurde eine Zone gestörten Wetters, die bereits zwei Tage lang in Äquatornähe bestand, vom RSMC auf La Réunion zur ersten tropischen Störung der Saison erklärt. Während der folgenden drei Tage wurden keine regelmäßigen Warnungen ausgegeben, weil eine Entwicklung der Störung nicht erwartet wurde. Am 22. Oktober intensivierte sich das System allerdings und in Erwartung einer Vertiefung des Systems begann das RSMC mit vollwertigen Sturmwarnungen. Eine weitere Entwicklung erfolgte jedoch nicht, und am 23. Oktober gab das RSMC die letzte Warnung aus
Mäßiger Tropischer Sturm Anita
Am 25. November bildete sich bei 5 °S und 55 °O Konvektion. Das System wurde am 26. November vom RSMC La Réunion als Zone gestörten Wetters klassifiziert und am 27. November um 12:00 Uhr UTC zur tropischen Störung erklärt. Das Joint Typhoon Warning Center stufte das System am 23. November als Zyklon ein. Das RSMC stufte die Störung am 1. Dezember zu einem mäßigen tropischen Sturm hoch, und das subregionale Tropical Cyclone Advisory Centre in Madagaskar vergab den Namen Anita, der auch von Madagaskar vorgeschlagen worden war. Zunehmende Windscherung behinderte die Entwicklung, und Anita schaffte es nicht, sich nach Süden ziehend weiter zu intensivieren. Das RSMC La Réunion stufte Anita deswegen früh am 2. Dezember zu einer tropischen Störung zurück, und das JTWC stellte seine Warnungen zu dem Zeitpunkt ein. Anita schwächte sich weiter ab und das RSMC La Réunion gab früh am 3. Dezember seine letzte Warnung zu Anita aus.
Intensiver Tropischer Zyklon Bondo
Ein Gebiet mit Konvektion wurde am 15. Dezember westsüdwestlich von Diego Garcia entdeckt. Es zog nach Westen und organisierte sich etwas, sodass das JTWC einen Tropical Cyclone Forming Alert (TCFA) auslöste. Das System wurde am 17. Dezember von Météo-France als tropische Störung klassifiziert. Das JTWC stufte das System einen Tag später als tropische Zyklone ein und im Tagesverlauf stufte Météo-France die Störung zu einem mäßigen tropischen Sturm hoch. Vom Subregional Tropical Cyclone Advisory Centre in Mauritius erhielt der Sturm den Namen Bondo; diesen Namen hatte Malawi vorgeschlagen. Nach einer raschen Phase der Intensivierung meldete Météo-France am 19. Dezember, dass sich Bondo zu einem schweren tropischen Sturm intensiviert habe. Nach einer rapiden Intensivierung stufte das RSMC unter Ignorierung der Regeln der Dvorak-Technik den Sturm zu einem tropischen Zyklon hoch. Das JTWC stellte zu dem Zeitpunkt fest, dass der Zyklon sich „mit einer stärkeren Rate als klimatologisch“ üblich intensivierte, was auf die radiale Ausströmung zurückzuführen sei. Die Meteorologen in Honolulu stuften den Sturm von einem starken tropischen Sturm um 03:00 Uhr UTC zu einem Kategorie-3-Zyklon um 15:00 Uhr UTC desselben Tages hoch. Das RSMC stufte Bondo später nach weiterer Vertiefung als intensiver tropischer Zyklon ein, der mit andauernden zehnminütigen Windgeschwindigkeiten von 110 Knoten (rund 205 km/h) und einem zentralen Luftdruck von 930 hPa seine größte Intensität erreichte.
Eine zyklische Eyewall-Neubildung leitete die Abschwächung des Wirbelsturms ein. Dieser zog weiter in südsüdwestlicher Richtung, durchquerte ein Gebiet mit niedriger vertikaler Windscherung und begann sich am 23. Dezember in der Nähe der Nordspitze Madagaskars zu reintensivieren. Der Sturm zog parallel zur Küste der Insel nach Süd-Südwesten und erreichte nach Angaben von Météo-France einen sekundären Höhepunkt mit einer andauernden Windgeschwindigkeit von 75 Knoten (rund 140 km/h), bevor der Sturm sich vor dem Überqueren der Küste erneut abschwächte. Nach Bondos Landfall um 12:15 Uhr UTC erklärte das JTWC in seiner nächsten Warnung um 18:00 Uhr UTC das System als aufgelöst, während Météo-France den Sturm als Depression im Landesinnern einstufte. Am 26. Dezember stellte Météo-France fest, dass sich das ursprüngliche Tiefdruckgebiet aufgelöst hatte und sich über dem Meer ein neues mit Bondo verbundenes Tiefdruckgebiet gebildet hatte. Im Tagesverlauf stellte das RSMC La Réunion dann die Warnungen zu Bondo ein.
Als Reaktion auf die Gefährdung durch Bondo wurden 35 der 43 Bewohner des zu den Seychellen gehörenden Farquhar-Atolls evakuiert; die acht verbleibenden Bewohner blieben in einem Bunker aus Beton vor Ort. Auf der Insel Agalega fielen durch Bondo mindestens 275 mm Niederschlag. Auf Madagaskar töteten die Auswirkungen des Sturmes elf Personen, und eine weitere wurde nicht mehr aufgefunden. Rund 20.000 Bewohner des Inselstaates wurden durch Bondo obdachlos.
Tropische Störung 04
Eine Zone mit lebhafter Konvektion entwickelte sich am 22. Dezember nordwestlich von Diego Garcia. Diese wurde von den Meteorologen in Mauritius in deren Hochseewetterbericht am 25. Dezember um 0:00 Uhr UTC als tropische Störung bezeichnet, und im Tagesverlauf klassifizierte das Météo-France Le Réunion das System als Zone perturbée 04. Am nächsten Tag hatte sich 04R, das in Richtung Madagaskar zog, ausreichend organisiert, um offiziell als tropische Störung klassifiziert zu werden. Am 28. Dezember stufte das RSMC das System zu einer Zone gestörten Wetters ab und beendete die Ausgabe von Warnungen zu 04R.
Schwerer Tropischer Sturm Clovis
Am 29. Dezember begann Météo-France mit der Ausgabe unregelmäßiger Bulletins zu einer neuen Zone gestörten Wetters, ostsüdöstlich der Position, in der 04R zuletzt beobachtet wurde. Das Joint Typhoon Warning Center hatte bereits am 27. Dezember einen TCFA ausgegeben, doch Météo-France sagte am 29. Dezember, dass sich das bodennahe Zirkulationszentrum von 04R aufgelöst habe. Während der Nacht zum 29. Dezember bildeten sich mehrere kurzlebige Wirbel, und schließlich entstand um das Zentrum des Systems eine neue Zirkulation, was eine neue Nummer gerechtfertigt habe. Das System organisierte sich am 30. Dezember mehr und wurde als tropische Störung eingestuft. Um 12:00 Uhr UTC am 31. Dezember wurden 05R zum Mäßigen Tropischen Sturm Clovis hochgestuft. Der Name Clovis war ein Vorschlag von Mauritius. Drei Stunden später meldete das RSMC Le Réunion, dass Clovis andauernde Windgeschwindigkeiten von 50 Knoten (95 km/h) und einen minimalen Luftdruck von 987 hPa aufweise und stufte den Sturm zu einem scheren tropischen Sturm hoch. Clovis passierte gegen 17:00 Uhr UTC am 31. Dezember in einer Entfernung von etwa 20 km die Île Tromelin, wobei eine Windgeschwindigkeit von 100 km/h und in Böen 130 km/h gemessen wurden. Am 3. Januar gelangte das System über Land, und einen Tag später löste es sich auf. Vier Personen kamen durch die Auswirkungen des Sturmes um, und zwei weitere wurden vermisst. Der Sturm machte 13.465 Bewohner Madagaskars obdachlos.
Tropische Störung 06
Am 5. Januar bildete sich ein Wolkencluster an der Westküste Madagaskars. Dieses entwickelte sich nach Ansicht von Météo-France am 8. Januar zur sechsten tropischen Störung der Saison, doch im Tagesverlauf stellte das RSMC die Warnungen ein, weil keine weitere Entwicklung erwartet wurde.
Intensiver Tropischer Zyklon Dora
Am 28. Januar wurde ein Gebiet mit gestörtem Wetter westlich von Diego Garcia]durch Météo-France als tropische Störung eingestuft. Das Joint Typhoon Warning Center begann im Tagesverlauf mit eigenen Warnungen zum tropischen Zyklon 10S, nachdem es kurz zuvor einen TCFA ausgerufen hatte. Das System wurde am 29. Januar zu einer tropischen Depression und im Tagesverlauf zu einem mäßigen tropischen Sturm hochgestuft. Der Sturm erhielt den von Mosambik vorgeschlagenen Namen Dora. Dora zog während der beiden folgenden Tage mäandrierend nach Süden und gewann dabei an Stärke. Météo-France stufte Dora früh am 1. Februar zu einem tropischen Zyklon hoch. Entgegen der vorhergesagten Abschwächung intensivierte sich Dora weiter, bevor der Sturm annular und nach weiterer Intensivierung mit Windgeschwindigkeiten von 100 Knoten (rund 185 km/h) und einem zentralen Luftdruck von 930 hPa am 3. Februar seinen Höhepunkt erreichte. Der Sturm kurvte dann icn Richtung Südwesten, verlor dabei an Kraft und verlor am 9. Februar seine tropischen Eigenschaften vollständig. Météo-France erwähnte das außertropische System letztmals am 12. Februar.
Aufgrund von Dora wurden Zyklonwarnungen für Rodrigues ausgesprochen, doch führte der Sturm zu keinen Sach- oder Personenschäden.
Schwerer Tropischer Sturm Enok
Am 7. Februar veröffentlichte das Joint Typhoon Warning Center einen Tropical Cyclone Formation Alert zu einem Konvektionsgebiet östlich der Küste Madagaskars. Météo-France erklärte das System spät am folgenden Tag zur achten tropischen Störung der Saison. Am 9. Februar stufte das JTWC das System als tropischen Zyklon ein und kennzeichnete diesen als 13S, kurz bevor das RSMC 08 als tropische Depression einstufte. Das System erhielt durch das Sub-regional Tropical Cyclone Advisory Centre Madagaskar den Namen Enok, obwohl Météo-France zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu einem mäßigen tropischen Sturm hochgestuft hatte. Der Name Enok war von Namibia vorgeschlagen worden. Mit der nächsten Sturmwarnung klassifizierte das RSMC Enok als schweren tropischen Sturm, doch setzte am nächsten Tag dessen Abschwächung ein. Am 10. Februar stufte das RSMC Enok zu einem mäßigen tropischen Sturm zurück, und einen Tag später gab das JTWC seine letzte Warnung zu Enok aus, bevor das RSMC Enok weiter abstufte. Das System wurde von Météo-France letztmals erwähnt bei der Abstufung in eine tropische Störung.
Intensiver Tropischer Zyklon Favio