Großenlüder ist eine Gemeinde im osthessischen Landkreis Fulda an den östlichen Ausläufern des Vogelsbergs.

Geographie Geographische Lage

Großenlüder liegt in 245 bis 420 Meter Höhe an den östlichen Ausläufern des Vogelsberges. Höchste Erhebung der Gemeinde ist der Finkenberg mit 420 m. Auf diesem befand sich bis in die 1990er Jahre eine HAWK-Flugabwehrraketenstellung der US-Streitkräfte. Großenlüder liegt etwa elf Kilometer westlich von Fulda.

Durch die Gemeinde fließt der Fluss Lüder, der drei Orten der Gemeinde den Namen gab. In den Auen des Flusses befindet sich eine Salzquelle, die ausschlaggebend für die frühe Besiedelung der Gegend war. Bis 1997 war diese an das Heilbad Bad Salzschlirf verpachtet.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung Quelle: Historisches Ortslexikon Bahnhaus Bahnhaus Bahnhaus Nr. 79 Hof Felsenkeller Wüstung Galgenberg Wüstung Gebstait Große Mühle Hinterburg Großenlüder Jagdhütte Kalkwerk Wüstung Keitz Kleine Mühle Niederburg Großenlüder Siffigshof Tannenhof Vorderburg Großenlüder Wüstung Wartturm Windhof Zabershof Kloster der Vinzentinerinnen (Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul) in Großenlüder

Nachbargemeinden Großenlüder grenzt im Norden an die Gemeinde Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda), im Nordosten an die Stadt Schlitz (Vogelsbergkreis), im Osten an die Stadt Fulda, im Südosten an die Gemeinde Neuhof, im Südwesten an die Gemeinde Hosenfeld (alle drei im Landkreis Fulda), sowie im Westen an die Stadt Herbstein und die Gemeinde Wartenberg (beide im Vogelsbergkreis).

Gemeindegliederung mini|Das heutige Rathaus in Großenlüder war zuvor Schulgebäude

Hauptort der Gemeinde, der ihr auch den Namen gab, ist Großenlüder; nachstehend sind alle Ortsteile mit der Einwohnerzahl (Stand 30. Juni 2024) aufgeführt. Großenlüder (3612) Bimbach (2306) Müs (1147) Kleinlüder (1035) Uffhausen (516) Eichenau (146) Lütterz (86)

Geschichte mini|Lage von Großenlüder (Luder) auf einer Kartes des Hochstifts Fulda von 1574

Ortsgeschichte Soweit bekannt, wurde Großenlüder im Jahre 822 erstmals unter dem Namen Luturun urkundlich erwähnt, als eine von Abt Eigil erbaute Kapelle durch den Erzbischof von Mainz geweiht wurde. Diese Kapelle kann noch besichtigt werden.

Im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem verwaltungstechnischen Mittelpunkt. So war Großenlüder Sitz eines Fuldaer Amtes und Gerichts. Am 14. April 1361 verschrieb Gottfried, Dechant des Stifts Johannesberg bei Fulda von dem Hof zu Ulbrichshausen 53 Schillinge Turnose und 6 Viertel Korn an dem Hof zu Lüder (Großenlüder), welcher dem Berthold von Serme gehörte.StAM, Urk. 77, 761.

Adelige Familien des Ortes waren die Herren von Lüder und die Herren von Döring. Der Ritter Wigand von Lüder wird als Vorfahr des Reformators Martin Luther angesehen. Wigand soll sich in der Gegend von Möhra (Westthüringen), dem Geburtsort des Vaters von Martin Luther, niedergelassen und seinen neu gegründeten Sitz vom Fuldaer Abt als Lehen empfangen haben. Im Hinblick darauf glaubte auch die bestehende Familie Luther, ihre Abstammung von dem buchischen Geschlecht von Lüder herleiten zu dürfen. Wigand von Lüder erscheint zwischen den Jahren 1302 und 1308 siebenmal als Zeuge in Kauf-, Verkauf- und Pachtverträgen, welche die Herrschaft Frankenstein und das Amt Salzungen betreffen.

Das Dorf Großenlüder war mit Wall und Graben umgeben. Um das Jahr 1220 wurde in Großenlüder eine zweite, größere Kirche errichtet, deren Chorraum ebenfalls erhalten ist. Im ausgehenden Mittelalter wurden Amt und Gericht Großenlüder vom Fuldaer Fürstabt an das Fuldaer Stiftskapitel verpfändet, das Herr über Amt und Gericht wurde. Somit erhielt Großenlüder eine Sonderstellung innerhalb des Hochstiftes Fulda.

Im Jahre 1735 wurde die Barockkirche eingeweiht.

Nach der Säkularisation 1802 teilte Großenlüder das Schicksal des gesamten aufgehobenen Hochstiftes Fulda, dessen Gebiet an Wilhelm V. von Oranien kam (Nassau-Oranien-Fulda), bis 1806 Napoleon Bonaparte dieses Territorium annektierte und 1810 als Departement Fulda dem Großherzogtums Frankfurt zuordnete. Nach dem Wiener Kongress 1815 und nach einer einjährigen preußischen Verwaltung kam das Territorium als Provinz Fulda zu Kurhessen.

Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Kurhessen und somit auch Großenlüder vom Königreich Preußen annektiert. Der Ort bildete ein so genanntes Oberamt Großenlüder (Gerichtsbezirk) für den gesamten westlichen Landkreis Fulda. Erst 1940 wurde das Gericht Lüder aufgelöst.

Eingemeindungen Am 31. Dezember 1970 wurde, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, die bis dahin selbständige Nachbargemeinde Eichenau auf freiwilliger Basis eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Kleinlüder und Uffhausen ebenfalls freiwillig hinzu. Bimbach, Lütterz und Müs folgten kraft Landesgesetz am 1. August 1972. Für alle nach Großenlüder eingegliederten Gemeinden sowie für die Kerngemeinde wurden Ortsbezirke gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Großenlüder angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Gericht/Oberamt Lüder 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Amt GroßenlüderDurch den Reichsdeputationshauptschluss. Fürstentum Fulda, Amt Blankenau 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Großenlüder ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Großenlüder ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda1822: Trennung zwischen Justiz, Justizamt Großenlüder und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1871: Deutsches Reich,Infolge Bismarcks Politik. Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen,Deutsche Reichsgründung Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Fulda ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Großenlüder 8551/8592 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1605/1485 Einwohner unter 18 Jahren, 3569/3104 zwischen 18 und 49, 1806/2099 zwischen 50 und 64 und 1573/1899 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 118/287 (1,4 %) / (3,3 %) Ausländer, von denen 70/131 aus dem EU-Ausland, 22/130 aus anderen europäischen Ländern und 27/30 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 3561/2519 Haushalten. Davon waren 1022/? Singlehaushalte, 944/1142 Paare ohne Kinder und 1288/1116 Paare mit Kindern, sowie 264/257 Alleinerziehende und 45/? Wohngemeinschaften. In 728/418 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2446/1688 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1812: 183 Feuerstellen, 1249

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 33 evangelische (= 2,10 %), 1538 katholische (= 97,71 %), 3 jüdische (= 0,19 %) Einwohner • 1961: 174 evangelische (= 5,75 %), 2832 katholische (= 93,99 %) Einwohner • 1987: 547 evangelische (= 7,1 %), 6956 katholische (= 90,8 %), 160 sonstige (= 2,1 %) Einwohner • 2011: 1084 evangelische (= 12,7 %), 6632 katholische (= 77,5 %), 835 sonstige (= 9,8 %) Einwohner • 2022: 1152 evangelische (= 13,4 %), 5807 katholische (= 67,6 %), 1635 sonstige (= 19,0 %) Einwohner

Religion mini|links|Die St.-Georgs-Kirche mini|hochkant|Die Martin-Luther-Kirche

Römisch-Katholische Kirche: In Großenlüder erhebt sich an exponierter Stelle auf den alten Grundmauern am Ortseingang die 822 bereits erwähnte Pfarrkirche St. Georg. Das Kirchengebäude steht in der St. Georg Straße 3. Der hl. Georg ist auch der Schutzpatron von Großenlüder.

Kirchengeschichtlich war in Großenlüder die Urpfarrei der Region.

Evangelisch-Lutherische Kirche: Die Martin-Luther-Kirche aus dem Jahr 1906 steht Am Habersberg 14

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Großenlüder erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001%1997Sitze1997 56,6 17 49,1 15 46,7 15 55,1 17 59,5 18 58,0 18 44,3 14 U-B-L Unabhängige Bürgerliste 31,1 10 35,7 11 39,1 12 25,1 8 14,9 5 19,9 6 28,2 9 12,3 4 15,1 5 14,2 4 19,8 6 25,6 8 22,1 7 27,5 8 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 66,6 58,3 57,1 50,4 45,1 45,1 71,5

Bürgermeister Nach der Hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Großenlüder neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 5. April 2021 der parteiunabhängig angetretene Florian Fritzsch, der in der Kommunalpolitik bis dahin Fraktionsvorsitzender der SPD war. Er wurde als Nachfolger von Werner Dietrich (UBL), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 15. November 2020 im ersten Wahlgang bei 63,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 55,2 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 15. November 2020 in Großenlüder

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2021–2027 Florian FritzschGemeinde Großenlüder: 26. März 2021: Amtseinführung und Verabschiedung: „Einführung und Verpflichtung des neuen Bürgermeisters Florian Fritzsch. … Am 05.04.2021 beginnt die Amtszeit des neuen Bürgermeisters.“ – Fuldainfo, 2020: Florian Fritzsch tritt in Großenlüder als Bürgermeisterkandidat an: „Fritzsch wurde von der SPD einstimmig nominiert, geht aber als parteiunabhängiger Bewerber in das Rennen“ 2009–2021 Werner Dietrich (UBL)Osthessen News, 6. März 2020: Bürgermeister Werner Dietrich tritt nicht mehr an – „Der richtige Zeitpunkt“ 2003–2009 Silvia Hillenbrand (SPD) 1991–2003 Helmut Will (CDU)Osthessen News, 28. März 2003: Silvia Hillenbrand (SPD) löst Helmut Will im Rathaus ab: „Die offizielle wie symbolischen Übergabe des Rathaus-Schlüssels übernahm der bisherige Verwaltungschef Helmut Will, der nach 12 Jahren nicht mehr kandidierte.“

Ortsbeiräte Gemeinde Großenlüder Für die Ortsteile Großenlüder, Bimbach, Müs, Kleinlüder, Uffhausen, Eichenau und Lütterz besteht je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Gebiete der Ortsbezirke entsprechen den Gebieten der ehemaligen Gemeinden.