mini|hochkant=1.4|Schloss Iggenhausen
Das Schloss Iggenhausen ist ein denkmalgeschütztes Profangebäude in der Nähe der Sylbacher Straße in Pottenhausen, einem Stadtteil von Lage im Kreis Lippe (Nordrhein-Westfalen). Das Schloss ist von einem historischen Landschaftspark umgeben, der sich bis an das Ufer der Werre erstreckt.
Geschichte und Architektur Die Schlossanlage ist eines der ältesten Herrenhäuser in Lippe. Es wurde spätestens um 1070 als Villikation des Klosters Corvey urkundlich erwähnt. Andere Quellen sehen die erste Erwähnung des Ortes Iggenhausen (Yegenhausen) bereits zu Beginn des 10. Jahrhunderts, Hans Kiewning bereits im 9. Jahrhundert zur Zeit Königs Arnulf von Kärnten. (PDF-Datei; 1,36 MB) S. 38, abgerufen am 4. Mai 2012. Von der mittelalterlichen Turmhügelanlage sind im Südwesten noch Teile der Ringmauer und der 1860 trockengelegte Graben erhalten.
Die Kapelle des ehemaligen Rittergutes stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahre 1618, Bauherr war damals der Rittergutsbesitzer Albert von Brink.
Auf Iggenhausen verstarb der dänische Generalleutnant und Gouverneur von Kopenhagen, Hans Christian von Schack (1642–9. Dezember 1706). Hans Christian von Schack war mit Amalia Catharina Mauritia von dem Brinck verheiratet, die hier ihren Stammsitz hatte. Das nahegelegene und zu Iggenhausen gehörende Gut Schackenburg wurde anschließend nach ihm benannt.
Ab 1769 folgten die Freiherren von Blomberg erst als Besitzer und spätestens nach den Reichsdeputationshauptschluss als Eigentümer. Iggenhausen kam an die westfälische Linie der freiherrlichen Blomberg und gehen zurück auf den gräfl. lipp. Schlosshauptmann Freiherr Georg Dietrich von Blomberg (1700–1759) und seine Ehefrau Christine Philippine Dorothea Amalia von Groten (1701–1776), die selbst über eigenen Großgrundbesitz verfügte.Gothaisches genealogisches taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Band 58, Gotha 1908, Justus Perthes S. 45Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. 1. Band: Aa–Boyve. Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 473 (Digitalisat.) Ihr Sohn Ludwig von Blomberg wurde Drost und Hofrichter im Fürstentum Lippe, ihr Enkel Georg Moritz Ludwig Ernst von Blomberg wiederum kgl. preuß. Landrat, Regierungsrat und Buchautor. Er publizierte zu seinem Halbbruder, den Dichter und Offizier Freiherr Alexander von Blomberg-Iggenhausen. Auch Wilhelm von Blomberg und August Ludwig von Blomberg wurden im Herrenhaus in Iggenhausen geboren.
Der Nachfahre Freiherr Julius von Blomberg (1800–1862), von Beruf Jurist, lebte bereits durchweg auf Gut Iggenhausen. Dessen Sohn Moritz Freiherr von Blomberg (1831–1888) gründete einen Familienfideikommiss und war Kammerherr sowie lipp. Kammerdirektor. Er heiratete zweimal bürgerlich, Johanna Stemrich, dann Emma Weddigen.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Ungerader Jahrgang: Alter Adel und Briefadel. 1923. Dreundsiebzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1922, S. 60. Aus den Ehen stammen die Töchter Paula, Ehefrau des Generalleutnant Bodo von Ditfurth, Karola, verheiratet mit Diplomaten, Wirklicher Geheimer Rat Rudolf Pritsch, und Sophie, Ehefrau des Politikers Albrecht von Graefe. Alleinerbe wurde der 1870 geborene Sohn Moritz von Blomberg, verheiratet mit Bertha von Mengersen-Helpensen. Sie haben drei Töchter, die älteste, Wiltrud Freiin von Blomberg (1911–1999) erbte ab etwa 1941 das Gut und das Schloss und hatte bereits in das Briefadelsgeschlecht von Eckhardtstein eingeheiratet, Linie Schloss Reichenow. Die Hochzeit fand 1935 auf Schloss Iggenhausen statt,Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Jahrgang 89, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 59 f., S. 112. ihr Ehemann wurde der brandenburgische Gutsbesitzer Arnold Freiherr von Eckardstein-Reichenow (1907–1945), Eigentümer der Güter in Leuenberg, Steinbeck und Wollenberg-heute Gemeinde Höhenland östl. von Berlin. Ihre fünf Kinder wurden zwischen 1936 und 1945 geboren.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Freiherr von Lyncker und Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1954. Band I, Band 7 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, S. 65–66. Das Gut ist bis heute im Besitz der Freiherren von Eckardstein.Walter von Hueck, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1995. Band XVIII, Band 109 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg/Lahn 1995.
Das Herrenhaus ist ein gestreckter Putzbau mit Werksteingliederung in klassizistisch geprägten, neugotischen Formen. Es wurde 1856 unter der Bauleitung von Ferdinand Ludwig August Merckel für August von Blomberg errichtet und durch seinen Bruder Friedrich 1865 erweitert. Der Hauptrisalit ist mit einer steinernen Loggia und einem Staffelgiebel ausgestattet und mit Eckeinfassungen und Zinnenaufsätzen geschmückt. Das alte Herrenhaus ist als hofseitiger Nebenflügel einbezogen. Der verputzte symmetrische Fachwerkbau steht über einem hohen Sockelgeschoss. Hofseitig steht ein Sandsteinportal, es ist mit 1816 bezeichnet und zeigt das Wappen der Familie von Blomberg-Iggenhausen.
Der Hof wird rückwärtig vom sogenannten krummen Haus begrenzt. Dies ist ein eingeschossiger Fachwerkbau vom 16./17. Jahrhundert. Der Kern ist aus älterer Zeit. Der Grundriss ist mehrfach, der mittelalterlichen Ringmauer folgend, gebrochen. Zum Park hin wurde um 1860 ein Gewächshaus als Eisenkonstruktion angebaut. Das Ensemble wird durch die bereits oben beschriebene Kapelle vervollständigt.
Hofkapelle Im Innenhof steht eine Kapelle. Sie ist ein sechseckiger geschlossener Saalbau aus Bruchstein. In den heutigen Bauzustand wurde sie 1648 umgebaut, dass die Kapelle weit älter ist, lässt neben der Bauform auch die Altarausrichtung nach Norden und die Altarplatte erkennen. Die hölzerne Ausstattung aus Eiche ist schlicht und wurde um 1690 eingebaut. Die Glocke aus dem 13. Jahrhundert trägt eine Majuskelinschrift. Die Grabsteine mit Wappen vom 17. und 18. Jahrhundert stammen aus der Gruft der Marktkirche in Lage, in der ursprünglich die Toten der in Iggenhausen ansässigen Familien bestattet wurden.
Gutspark Der inzwischen teilweise verwilderte Gutspark wurde zusammen mit dem Bau des neugotischen Herrenhauses Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. In dem etwa zwei Hektar großen Park befinden sich zahlreiche Laub- und Nadelgehölze, die noch aus der Entstehungszeit stammen, sowie als eine Besonderheit ein Gewächshaus aus der Zeit um 1860. Der Landschaftspark ist aus einer kleineren barocken Anlage hervorgegangen. Er liegt in der Werreaue und wird von einem Mühlengraben und der trockengelegten Gräfte durchzogen.
Mühlen
Literatur Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2.
Friedrich Brand: Ländliche Siedlungen in Lippe. Gefüge und Struktur, Genese und Form. In: Stadt und Dorf im Kreis Lippe in Landesforschung, Landespflege und Landesplanung: Vorträge auf der Jahrestagung der Geographischen Kommission in Lemgo 1980, 1981, insb. S. 44 ff. (Inaktives) PDF-Digitalisat
Weblinks
Fotos und Abriss zur Geschichte (Stand 3. Mai 2012) Gutspark Iggenhausen
Einzelnachweise
Iggenhausen Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren Kategorie:Bauwerk in Lage (Lippe) Kategorie:Baudenkmal in Lage (Lippe) Kategorie:Ferdinand Ludwig August Merckel Iggenhausen Iggenhausen