Die Division 1 1989/90 war die 52. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum sechsten Mal seit 1937 Olympique Marseille, das seinen Titel aus der Vorsaison verteidigen konnte.
Erster Spieltag war der 21. Juli 1989, letzter Spieltag der 19. Mai 1990. Eine Winterpause gab es vom 18. Dezember bis 3. Februar.Pierre Minier: 1943-2003 – Football Club de Nantes, le doyen de l’élite. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2003, ISBN 2-911698-23-1, S. 347–350
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die vorangegangene Spielzeit nicht schlechter als auf dem 17. Platz abgeschlossen hatten, dazu zwei direkte Aufsteiger aus der zweiten Division und der Gewinner der Relegationsrunde. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: ein Klub aus dem äußersten Norden (OSC Lille), drei aus Paris beziehungsweise der Bourgogne (Paris Saint-Germain, der umbenannte Racing Paris 1, AJ Auxerre), drei aus dem Nordosten (FC Metz, Aufsteiger FC Mulhouse, FC Sochaux), drei aus dem Nordwesten (SM Caen, Relegationssieger Brest Armorique FC, FC Nantes), zwei aus dem Südwesten (Girondins Bordeaux, FC Toulouse), acht aus dem Südosten (AS Saint-Étienne, Aufsteiger Olympique Lyon, der umbenannte HSC Montpellier, Titelverteidiger Olympique Marseille, SC Toulon-Var, OGC Nizza, AS Cannes, AS Monaco).
Saisonverlauf Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung.
Auch vor Beginn dieser Spielzeit schien für Marseille Geld keine Rolle zu spielen, um den Mannschaftskader – wie schon in den beiden vorangegangenen Jahren – quali- und quantitativ weiter zu verstärken. Diesmal wechselten Franzosen wie Amoros, Roche und Tigana, dazu aus Südamerika und Europa Francescoli, Mozer und der 44-Mio.-FF-Transfer Waddle an die Canebière. Und als Olympique nach der Hinrunde nur auf dem zweiten Rang hinter Bordeaux stand, erschloss Präsident Tapie weitere Finanzquellen, holte zunächst den jungen Deschamps aus Nantes und mit Castaneda (Saint-Étienne) und Rousseau (Laval) zwei weitere Torhüter.Rethacker, S. 50 Dabei war Marseille gut in die Saison gekommen, hatte mit seiner offensiv häufig spektakulären Spielweise zahlreiche Begegnungen bereits nach einer halben Stunde entschieden und wechselte sich ab dem zweiten Spieltag mit den Girondins in der Führung ab. Über die gesamte Saison betrachtet stand OM insgesamt 13 Mal an der Tabellenspitze, Bordeaux, das sich insbesondere defensiv (Bell, Battiston) verstärkt hatte und von Trainer Goethals zu einer vor allem vor eigenem Publikum nahezu unbezwingbaren Mannschaft geformt worden war, allerdings sogar 24 Mal. Auch das erste Aufeinandertreffen der beiden entschieden die Girondins deutlich für sich.Beaudet, S. 158f.
Dagegen konnte Montpellier nie die ihm im Sommer 1989 noch zugeschriebene Rolle des Geheimfavoriten erfüllen. Trainer Jacquet gelang es insbesondere nicht, aus dem nominell starken Angriffstrio Cantona–Paille–Xuereb ein funktionierendes Ensemble zu bilden, und der MHSC startete mit drei Niederlagen in Serie, stand lange Zeit auf einem Abstiegsplatz und konnte sich erst gegen Saisonende noch ins Tabellenmittelfeld hocharbeiten. Immerhin gewann Montpellier dafür den französischen Pokalwettbewerb nach einem Finale gegen Racing Paris, der anschließend aus der Division 1 abstieg und freiwillig einen Neuanfang in der dritten Liga unternahm.Beaudet, S. 159f. An der Tabellenspitze setzte Marseille sich Anfang April durch seinen Sieg im Spitzenduell wieder vor Bordeaux und verteidigte anschließend seinen knappen Vorsprung bis zum Saisonende.Rethacker, S. 51 Mit Brest war es in der Rückrunde nur einem einzigen Ligakonkurrenten gelungen, diese beiden dominierenden Klubs wenigstens vor heimischem Publikum zu bezwingen.Beaudet, S. 161 Die Torjägerkrone der Division 1 gewann zum dritten Mal in Folge Marseilles Mittelstürmer Jean-Pierre Papin (30 Punktspieltreffer); dies hatten zuvor erst drei andere Spieler (Skoblar, Bianchi und Onnis) geschafft.
In der unteren Tabellenregion scheiterte Aufsteiger Mulhouse vor allem an seiner Auswärtsschwäche; die Elsässer blieben in fremden Stadien sieglos, wo ihnen lediglich fünf Unentschieden gelangen, und sie mussten umgehend in die zweite Division zurückkehren. Der Drittletzte aus Nizza hingegen sicherte sich in den anschließenden Barrages den Klassenerhalt, so dass zur folgenden Saison mit Stade Rennes und AS Nancy nur zwei Neulinge den Kreis der Erstligisten ergänzten.
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1988/89 (R) Relegationssieger
Kreuztabelle AJAuxGi.BorAFCBreSMCaeASCanOSCLilOl.LyoOl.MarFCMetASMcoHSCMplFCMulFCNanOGCNizSGParRC1ParASStÉFCSocSCTlnFCTls AJ Auxerre1:13:13:01:03:00:10:21:10:02:13:10:01:02:02:02:11:12:02:0 Girondins Bordeaux0:13:02:12:03:12:03:01:00:02:01:03:03:03:04:01:01:02:12:1 Brest Armorique FC2:12:02:12:01:00:22:12:01:11:12:03:23:00:12:00:01:02:10:0 SM Caen1:01:02:11:02:01:10:21:01:13:21:02:01:12:01:03:21:12:20:1 AS Cannes2:23:01:13:13:02:12:21:00:01:14:12:11:03:13:10:01:10:02:2 OSC Lille2:10:11:21:02:10:02:02:11:11:01:11:01:12:02:12:25:03:03:0 Olympique Lyon1:10:04:02:10:12:11:40:00:23:13:12:00:01:21:10:00:43:23:0 Olympique Marseille1:12:01:01:01:14:10:12:12:22:03:11:03:02:14:12:06:13:06:1 FC Metz2:10:01:10:02:21:12:33:21:01:01:11:10:00:10:01:02:00:03:0 AS Monaco2:42:02:02:10:01:11:01:31:01:00:00:01:02:04:00:02:12:12:0 HSC Montpellier1:01:21:15:14:15:02:01:11:20:03:32:11:02:02:13:32:03:01:0 FC Mulhouse1:20:02:00:01:02:14:41:22:21:12:00:21:01:04:21:21:24:01:0 FC Nantes2:12:11:00:01:01:02:10:00:00:01:13:20:00:15:12:00:14:00:1 OGC Nizza1:11:00:11:02:01:01:01:10:01:03:02:01:23:32:01:32:41:21:1 Paris Saint-Germain1:11:13:13:15:12:10:12:11:02:12:11:02:22:11:22:01:01:10:0 Racing Paris 13:11:31:10:03:22:00:11:11:10:00:02:12:15:12:23:01:10:21:0 AS Saint-Étienne4:11:12:00:01:02:11:00:04:30:21:03:00:00:01:20:10:21:20:3 FC Sochaux0:02:01:05:03:01:01:00:20:01:03:10:01:31:11:02:02:31:01:0 SC Toulon-Var1:00:22:02:00:11:11:10:41:12:03:02:10:01:10:31:02:02:10:0 FC Toulouse1:10:12:12:14:03:10:02:12:00:10:03:01:10:14:11:01:10:00:0
Relegation
Meistermannschaft Olympique Marseille 1. Olympique Marseille70px|Olympique Marseille Tor: Gaëtan Huard (25/-), Pascal Rousseau (7/-), Jean Castaneda (6/-) Abwehr: Manuel Amoros (34/1), Éric Di Meco (33/-), Carlos Mozer (27/4), Alain Roche (25/-), Karlheinz Förster (13/-), Philippe Thys (12/-), Éric Mura (6/-) Mittelfeld: Chris Waddle (37/9), Philippe Vercruysse (36/9), Franck Sauzée (36/5), Jean Tigana (37/-), Bruno Germain (27/2), Didier Deschamps (17/1), Patrice Eyraud (13/2), Gérard Bernadet (3/-), Benoît Cauet (1/-) Sturm: Jean-Pierre Papin (36/30), Enzo Francescoli (28/11), Abdoulaye Diallo (13/-), Carmelo Micciche (4/-), André Basile (1/-) Trainer: Gérard GiliGuillet/Laforge, S. 199, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Jean-Pierre Papin Olympique Marseille 302 Kálmán Kovács AJ Auxerre 183 Robert Langers OGC Nizza 174 Miloš Bursać SC Toulon-Var 165 Ramón Díaz AS Monaco 15 Fabrice Divert SM Caen 157 Klaus Allofs Girondins Bordeaux 14 Piet den Boer Girondins Bordeaux 14 Aziz Bouderbala Racing Paris 1 14 Jean-Marc Ferreri Girondins Bordeaux 1411 Guy Mengual AS Cannes 1312 Laurent Blanc HSC Montpellier 12 Eugène Kabongo Ngoy Olympique Lyon 12 Alberto Márcico FC Toulouse 12 Franck Priou FC Mulhouse 1216 Enzo Francescoli Olympique Marseille 11 Enzo Scifo AJ Auxerre 1118 Gérard Buscher Brest Armorique FC 10 Éric Cantona HSC Montpellier 10 Philippe Tibeuf AS Saint-Étienne 10 Zlatko Vujović Paris Saint-Germain 10
Siehe auch Coupe de France 1989/90
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1989/90 Kategorie:Fußballsaison 1989/90