mini|Schloss Weitersroda mini|Turm des Schlosses Schloss Weitersroda ist ein Einzeldenkmal der Renaissance im gleichnamigen Ortsteil von Hildburghausen in Südthüringen. 1478 erstmals urkundlich erwähnt, wird es seit 2008 saniert und einer neuen Nutzung zugeführt.
mini|Volute und gewundenes Säulchen an einer Türlaibung im Schloss Weitersroda
Baugeschichte und bauliche Details Die ältesten Teile des Schlosses stammen aus dem 15. Jahrhundert, als der fränkische Reichsritter Eucharius von Hessberg den Bau begann.
Diesem ersten Bauabschnitt ist der westliche dreigeschossige Teil des langgestreckten Baukörpers zuzuordnen. Die dem Dorf zugewandte Nordwestfassade ist durch einen Treppenturm und eine Tordurchfahrt geprägt und wird im Südwesten durch einen Stufengiebel und einen Standerker abgeschlossen. Der Erker umfasst im ersten Obergeschoss ein Kreuzrippengewölbe und im zweiten Obergeschoss ein Sterngewölbe.
Die Wendeltreppe im Treppenturm ist in historischer Spindelbauweise erbaut und besteht aus massiven Sandsteinstufen. Im Turm sind vorwiegend drei Fensterformen zu finden: kleine, einfache unverglaste Rundfenster, die durch zur Hälfte durchgetrennte steinerne Kanonenkugeln verschließbar sind, viereckige Fenster, die um der Treppensteigung zu folgen, rautenförmig abgeschrägt sind, und ganz oben im Turm, direkt unterhalb des Dachstuhls, befinden sich drei verglaste Rundfenster. Die Fensteröffnungen bilden, bedingt durch die Wandstärke des Turms, jeweils tiefe Fensternischen. Die Laibungen der Türen, die vom Turm in die jeweiligen Stockwerke führen und auch andere Tür- und Fensterlaibungen im Renaissancebau sind gestuft und gekehlt und durch Voluten sowie zum Teil im unteren Teil mit gewunden gerieften Säulchen verziert.Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens - Herzogtum Sachsen-Meiningen II. Band von Prof. Dr. P. Lehfeld & Prof. Dr. G. Voss erschienen 1904 im Verlag von Gustav Fischer / Jena
Die Schlossfassade ist zum größten Teil aus Natursteinmauerwerk errichtet, was der Anlage einen burgähnlichen Charakter verleiht. Im Inneren verläuft im ersten Stockwerk des Renaissanceteils hofseitig ein Wandelgang entlang der Fensterfront, die in Nischen mit je einem Fensterpaar und Sitzsteinen unterteilt ist. Dieser ist zu den einzelnen Zimmern hin durch eine Fachwerkwand abgetrennt. Das Fachwerk dieser Wand ist durch eine ungewöhnliche Schnitzerei gekennzeichnet. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass die hierfür verwendeten Tannen im Jahre 1586 geschlagen wurden. Hölzer im Hauptgiebel gehen auf das Jahr 1567 zurück.
Vom Schlosshof her ist das Hauptgebäude durch ein Diamantquaderportal aus dem 17. Jahrhundert zugänglich, das in eine Halle mit Kreuzgewölbe und einer zentralen Diamantquadersäule führt.
Im Nordosten wird der Renaissanceteil durch einen neueren zweigeschossigen Gebäudeteil mit massiv gemauertem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss fortgesetzt. Ein Sandsteinportal weist die Jahreszahl 1890 auf. Östlich schließen sich hier auf der Hofseite einige Grundmauern und ein Kellerzugang der ehemaligen Schlossbrauerei an. Weitere spätere Anbauten sind mittlerweile ebenfalls wieder entfernt worden. Den westlichen Abschluss des Schlosshofes bildet ein neuzeitliches Stallgebäude.
Herzogliches Bauprojekt „Henriettenthal“ Bauakten des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen im Staatsarchiv Meiningen belegen, dass Schloss Weitersroda Ende des 17. Jahrhunderts in ein großangelegtes Bauprojekt anlässlich der Erhebung des Hauses Sachsen-Hildburghausen in den Herzogsstand integriert wurde. Zu diesem, unter dem Namen „Henriettenthal“ überlieferten Projekt gehörten neben dem heutigen Schloss die heute als Dorfkirche genutzte „Bethalle“ und ein Jagdschloss, welches sich direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite der heutigen Schloss-Straße befand. Von diesem blieb beim Abriss 1890 nur der östliche Barockpavillon erhalten, der von Holzbildhauer Andre „Max“ MüllerHomepage des Holzbildhauers Andre "Max" Müller restauriert wurde und heute von ihm bewohnt wird. Weiter nördlich schließt sich der damalige „Lustgarten“ an, dessen Ausdehnung sich noch an einigen Mauerresten ablesen lässt. Dieses Areal wird seit 2010 als Bauland für Eigenheime genutzt. Eine ebenfalls ab 1690 im Zuge des Bauprojekts „Henriettenthal“ errichtete Gaststätte mit Braukeller, die zu DDR-Zeiten auch den Dorfkonsum beherbergte, wurde 2024 an die Kölnerin Birgit Auf der Landwehr verkauft und wird seither saniert.
Vierflügelanlage mit Ecktürmen und Treppenturm 2026 wurden durch den Thüringer Burgenforscher in der Grafiksammlung des Archivs der Stiftung Friedensstein, Gotha, zwei komplette Aufmaße der Schlossanlage von 1693 und 1696 gefunden. Diese Pläne, erstellt von den Architekten des Hildburghäuser Stadtschlosses, geben das damalige Aussehen des Schlosses als geschlossene Anlage mit vier Flügeln und fünf Türmen detailliert wieder. Die ausführliche Legende der Pläne erlaubt auch Erkenntnisse über die seinerzeitige Nutzung. So war das halbe zweite Stockwerk ein einziger Festsaal. Es gab einen Gefängnisturm, Boxen für 12 Pferde und eine Remise für vier Kutschen.
Nutzungsgeschichte bis zur Wende Tatsächlich beginnt die Geschichte des Schlossbaus 1478 mit Eucharius von Hessberg. 1571 starb mit Gabriel von Hessberg der letzte Vertreter der Weitersrodaer Seitenlinie derer von Hessberg. Das Schloss ging anschließend an verschiedene Adelsfamilien über, bis es der Sachsen-Hildburghäuser Herzogsfamilie als Domäne diente.
Nach einer wechselvollen Geschichte im 18. und frühen 19. Jahrhundert und dem Verlust zahlreicher Bauteile, erlebte Schloss Weitersroda ab den 1880er Jahren eine neue Blüte unter Carl Vetter. Er betrieb hier die Schlossbrauerei Weitersroda, bot Fremdenzimmer an und die Gaststätte „Schlosskeller“.
Nachdem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss zunächst als Flüchtlingsunterkunft für Vertriebene. 1956 erklärte der Kreistag des Landkreises Hildburghausen in einem Beschluss, dass zu diesem Zeitpunkt 14 Familien, sowie der Kindergarten von Weitersroda im Schloss untergebracht seien. Die LPG „Bauernkraft“, später übernommen von der LPG „Befreites Land“, nutzte den Stall und die Ländereien des Schlosses.
Der große Rundturm im Westen stürzte in den 1950er Jahren ein und wurde nicht wieder aufgebaut. Zu den weiteren Verlusten in der Zeit der DDR gehören das Walmdach und das Zwerghaus des Fachwerkbaus, das Pumpenhaus der früheren Schlossbrauerei Weitersroda, sowie der gesamte Ostflügel, der 1988 abgebrochen wurde. Noch 1995 kam es zum Abbruch der Fechthalle.
Carl Vetter war nach dem Krieg in La Paz, Bolivien, als Braumeister tätig. Nach der Wende erfolgte die Rückübereignung des Schlosses an Familie Vetter.
Der gegenwärtige Eigentümer des Schlosses, Florian Kirner (alias Prinz Chaos II.) beschreibt die Nutzungsgeschichte wie folgt:
Rettung, Sanierung und neue Nutzung seit 2008
mini|Grabstein der Familie Theo Prosel, Standort Schloss Weitersroda 2008 erwarb Florian Kirner von Karin Vetter das durch Hausschwammbefall, einen einsturzgefährdeten Hauptgiebel und jahrzehntelange Vernachlässigung in seinem Bestand bedrohte Schloss.Der Chaos-Prinz hat sein Schloss gefunden, inSüdthüringen.de
Für die Sicherung des Schlossgiebels und die Beseitigung des Hausschwamms erhielt Kirner 2008 Zuschüsse von der Stadt HildburghausenJetzt geht's an die Giebel-Sanierung, inSüdthüringen.de und der Städtebauförderung. 2009 gab Konstantin Wecker ein Benefizkonzert zugunsten des Schlossprojektes.„Viel spannender als bei Anne Will“. Liedermacher Konstantin Wecker unterstützt ein ungewöhnliches Schlossprojekt in SüdthüringenKonzert der Hoffnungsträger. Konstantin Wecker gab am Freitagabend ein Konzert für das Weitesrodaer Schloss.
In Folgezeit wurden an allen Gebäudeteilen zahlreiche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, zum Beispiel Reparaturen an allen Dächern, der Einbau von Regenrinnen und Fallrohren, die Neuverschieferung des Ostgiebels, die Sanierung des Dachkastens des Fachwerkbaus, die Erneuerung der Haustechnik (Elektrik, Wasser, Glasfaseranschluss), diverse Maurerarbeiten, eine neue Zufahrt zur Schlossstraße 10 (Fachwerkbau) sowie mehr als 60 neue Fenster.
Paradiesvogelfest Seit 2010 etablierte der Schlosseigentümer das „Paradiesvogelfest“Paradiesvogelfest auf Schloss Weitersroda, ein Liedermacher-Festival, welches neben Liedermacherei auch Kunsthandwerk, zirzensische und literarische Angebote bereithält. Das Festival beginnt jeweils am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt.
2012 riefen örtliche Neonazis zum „Paradiesvogelschießen“ auf, es kam zu einem Brandanschlag auf einen PKW im Schlosshof. Das Paradiesvogelfest wurde daraufhin unter starkem Polizeischutz und ohne Vorkommnisse durchgeführt.
Im Rahmen der dem Fest alljährlich vorgeschalteten Bauwochen wurde eine Infrastruktur für Großveranstaltungen im Schlosshof aufgebaut, u. a. zwei Bühnen, eine Taverne mit begehbarer Plattform, Festivalküche, Feuerstelle, Absinthbar, Außenduschen und ein Toilettentrakt.
Ferienwohnungen, Camping und Events 2021 wurde mit der Gruppenunterkunft „Therese“ die erste Ferienwohnung eröffnet. Inzwischen gibt es auch die Ferienwohnungen „Prinz Eugen & Salome“ sowie „Zar Ferdinand“ mit einer Schlafzimmereinrichtung, die 1895 für Ferdinand I. (Bulgarien) erstellt wurde.
Camping mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil ist seit 2025 ebenfalls möglich. Zu den Events, die auf Schloss Weitersroda stattfinden, gehören Wandergesellentreffen, Jugendzeltlager, Hochzeiten, ein internationales Meditationsfestival und Workshops.
Kulturkneipe „Simplicissimus“ und Gedenkstein mini|Medaillon mit der Darstellung des alten Schlosses und des Jagdschlosses Henriettenthal zu Weitersroda an einem von André „Max“ Müller erbauten Buswartehäuschen mini|Detail im Simplicissimus in Schloss Weitersroda Schloss Weitersroda beherbergt die Kulturkneipe „Simplicissimus“.Kultur, Kunst und Kommunikation im Simpl auf www.insuedthueringen.de Sie besteht aus dem historischen Schankraum und dem Veranstaltungssaal „Blauer Salon“. Sie wird derzeit im Rahmen von Veranstaltungen, bei Hochzeiten und ähnlichen Anlässen genutzt.
Die Räume der Kneipe sind geprägt durch schlichtes, helles Kreuzgewölbe, das durch Stichkappengewölbe ergänzt ist und sich über einer durchgängigen dunklen hölzernen Wandvertäfelung erhebt. Die beiden nördlichen Bogenfenster des Schankraumes werden durch ein Wappen derer von Hessberg und das Weitersrodaer Ortswappen geprägt.
Auf dem Schlossgelände steht ein historischer Grabstein. Der Grabstein stand vorher im Münchner Nordfriedhof, wo der Kabarettist und Wirt der Münchner Künstlerkneipe „Simplicissimus“, kurz Simpl (München)Walther Diehl: Die Künstlerkneipe "Simplicissimus" - Geschichte eines Münchner Kabaretts 1903 bis 1960. MünchenVerlag, München 2008, ISBN 978-3-937090-27-6 Theo Prosel, dessen Mutter Therese, seine Schwester Anna und sein Enkel Jean-Marie begraben waren. Schwiegersohn Walther Diehl jedoch ist auf einem anderen Münchner Friedhof begraben. Sein Name und der „Simpl-Hund“ wurden erst vor dem Transport des Steines nach Weitersroda hinzugefügt. Alle auf dem Grabstein verzeichneten Personen sind Vorfahren oder Verwandte von Prinz Chaos II. Die vor dem Gedenkstein montierte Schreibmaschine soll auf die literarischen Verdienste der Familie verweisen.
Trivia 2016 berichtete der japanische Fernsehsender NHK über das Schlossprojekt in Weitersroda.
Ab 2024 waren Schloss Weitersroda und sein Eigentümer Teil der ersten beiden Staffeln der Dokusoap Traumhaus oder Luftschloss? Normal wohnen kann jeder. (RTL, VOX)
2025 veröffentlichte Florian Kirner den autobiographischen Roman Freies Land! Prinz Chaos, die Thüringer und ein Schloss.ISBN 978-3-946778-55-4 Weblinks
André Heß: Schlossherr von Weitersroda möbelt ein Denkmal auf Thüringer Allgemeine vom 16. April 2010 (Archivlink) Offizielle Website von Schloss Weitersroda Thüringen Journal: Alte Baupläne für Schlossanlage in Weitersroda gefunden, MDR vom 23. April 2026