mini|Buschwallaby-Fell, zoologisch Bennett-Känguru
Als Wallabyfelle werden die Felle aller Känguruarten im Rauchwarenhandel, die Felle der eigentlichen Wallabys und Jungtierfelle der meist größeren Kängurus, bezeichnet.
Zu den Wallabys gehören mehrere Arten aus der Familie der Kängurus. Der Begriff ist allerdings nicht eindeutig. Im engeren Sinn zählen nur acht kleinere Arten der Gattung Macropus dazu, die in der Untergattung Notamacropus zusammengefasst werden. In einem weiteren Sinn (wie auch im Englischen) werden alle kleineren Gattungen der Kängurus (wie Hasenkängurus, Nagelkängurus, Buschkängurus, Filander und Felskängurus) dazugerechnet.
Kängurus sind in zahlreichen Arten über Australien, Tasmanien, Neuguinea, Aru- und Kai-Inseln und Teile des Bismarck-Archipels verbreitet. In Neuseeland wurden sie etwa 1947 eingebürgert.
Die Felle aller Wallabys sind meist rötlich braun, auch bläulich mit hellen Spitzen. Das Haar ist lang, etwa wie bei Waschbären, doch etwas flattrig, die Unterseite ist grauweiß.
Der Haltbarkeitskoeffizient für Wallabypelz wird mit 30 bis 40 Prozent angegeben, für den Pelz des Riesenkängurus mit 20 bis 30 Prozent.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. In einer Einteilung der Pelzarten in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Wallabyhaar (Känguruarten) als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).
Von Zeit zu Zeit wurden in den einzelnen Staaten Schutz- und Schongesetze für Wallabys erlassen beziehungsweise aufgehoben, so dass die Anlieferungen wechselnd waren. Einige Känguruarten sind in das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (Anhang I bzw. II) aufgenommen worden. Die Felle der Großkängurus wurden ausschließlich der Lederverarbeitung zugeführt, für die sie aber heute auch keine Rolle mehr spielen, teilweise unterliegen sie Exportverboten.
Für die Pelzverarbeitung geeignete Arten (neben anderen) mini|Älterer Mantel und Hut aus Kängurufell, australische Arbeit (Foto 2013) Peitschenschwanz-Wallaby (Whiptail wallaby) Unter dieser Bezeichnung wurde das Hübschgesichtwallaby aus dem Osten Australiens eingeführt. Auffälligstes Kennzeichen sind die weißen Wangenstreifen, die sich von der Schnauze bis unter die Augen erstrecken. Die Kopfrumpflänge beträgt etwa 80 Zentimeter, die Schwanzlänge etwa 75 Zentimeter. Der Vorderkörper, die Unterseite und die Hinterfüße sind hellgrau. An den Schultern ist das Fell etwas dunkler. Der Hinterkörper ist isabellfarben, zum Rücken zu dunkler. Der Schwanz ist im hinteren Teil weißlich, die Schwanzspitze ist schwarz. Die Oberschenkel haben einen breiten weißen Streifen. Die Schnauze ist schwärzlich, die Kopfoberseite ziemlich dunkel. An den Wangen befindet sich ein breiter weißer Längsstreifen. Die Ohren sind hell mit einem großen schwarzen Mittelfleck. Verbreitung: Die östliche australische Küstenregion, vom Süden der Kap-York-Halbinsel (Queensland) bis in das nordöstliche New South Wales. Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommene Versuche, die Art auch in Deutschland anzusiedeln, sind missglückt. Vor 1925 wurden etwa 300.000 Felle jährlich nach Europa importiert. 1905 betrug der Wert eines Fells 3 bis 6 Pence, 1910 durchschnittlich 3 Shilling, 1925 etwa 8 bis 10 Shilling. Das weiche Fell wurde unter anderem dafür verwendet, künstliche kleine Koalabären als Spielzeug oder Souvenir herzustellen. Busch-Wallaby, Rotnackenwallaby, Bennettkänguru Rotnackenwallabys erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 70 bis 90 Zentimeter, der Schwanz wird 65 bis 90 Zentimeter lang. Verbreitung: Das östliche und südöstliche Australien, in den Bundesstaaten Queensland, New South Wales und auf der Insel Tasmanien. Das Busch-Wallaby hat die beste Fellqualität, von ihm (Rotnackenwallaby) stammen die als Silvery-Darkside bezeichneten Felle. Vor 1911 wurden jährlich etwa 300.000 Felle nach Europa exportiert. Dem Tier wurde jedoch nicht nur seines Pelzes wegen übermäßig nachgestellt, sondern auch durch Vergiftungsaktionen wurden sie in weiten Gebieten ausgerottet. Die Anzahl der in Queensland auf den Markt gekommenen Felle war von etwa 16.000 im Jahr 1955 auf 5000 im Jahr 1965 abgesunken. Sumpfwallaby, Swamp Wallaby Die Kopf-Rumpf-Länge des Sumpfwallabys beträgt 70 bis 90 Zentimeter, der Schwanz ist 65 bis 90 Zentimeter lang. Die Fellfarbe ist variabel. Die Körperoberseite ist graubraun oder orangebraun bis dunkelbraun, die Bauchseite hell braungelb. Das Gesicht ist grau, die Wangen weißlichgelb. An den Kopfseiten befindet sich je ein breiter schwärzlicher Zügelstreif. Der Schwanz ist schwärzlich. Das Haar ist geringelt. Verbreitung: Im östlichen und südöstlichen Australien, vom östlichen Queensland bis Victoria und dem östlichen South Australia. Anders als ihr Name es vermuten lässt, leben Sumpfwallabys auch in Wäldern und offenem Grasland. Die Felle waren sowohl für Pelze als auch für Felldecken geschätzt, sie wurden auch skunksartig eingefärbt. Es wurden um 1925 jährlich 200.000 Stück nach Europa importiert, der Einzelpreis lag bei 6 bis 8 Shilling. Während im Jahr 1955 in Queensland noch etwa 13.000 Sumpfwallabies erlegt wurden, waren es 1965 nur noch etwa 1200 Tiere.
Rockwallabys, Felswallabys Mit 17 Arten zählen Rockwallabys zu den artenreichsten Gattungen dieser Familie. Verbreitung: Gebirgige Regionen im Nordwesten, Osten und Südosten Australiens, nicht in Tasmanien. Im Gegensatz zu anderen kleineren Arten der Kängurufamilie sind sie weniger bedroht und zum Teil noch weitverbreitet. 1910 kamen etwa 200.000 bis 300.000 Rockwallabyfelle in den Handel, im Wert von etwa 3 Shilling das Stück, 1925 waren es höchstens noch halb so viel. Rockwallabys und Brydle (Kurznagelkänguru), landläufig „Paddymelons“ (Pademelons, deutsch Filander) genannt, waren anfangs die hauptsächlich gehandelten Wallabysorten. Zu den Rockwallabys zählen neben anderen: Quokka oder Kurzschwanz-Känguru Quokkas erreichen eine Kopfrumpflänge von 48 bis 60 Zentimeter, der Schwanz misst 25 bis 35 Zentimeter. Ihr kurzes, raues Fell ist graubraun gefärbt, manchmal mit einem leichten Rotstich. Der Kopf ist heller mit schwarzem Augenstrich. Die Behaarung ist lang und dicht, die Granne etwas grob. Der Schwanz ist relativ kurz und kaum behaart. Der Körperbau ist recht gedrungen, wie bei den meisten Kängurus sind die Hinterbeine lang und kräftig, die Vorderbeine sind kurz. Auffallend sind die kurzen, abgerundeten Ohren. Verbreitung: Ursprünglich weit verbreitet, jetzt einige kleine, unter Naturschutz stehende Populationen im Südwesten Westaustraliens sowie auf einigen vorgelagerten Inseln wie Bald Island und Rottnest Island. Die Fellqualität ist unterschiedlich. Rotbauch-Känguru, auch Rotbauchfilander genannt Rotbauchfilander sind eine relativ kleine Känguruart. Ihr Körperbau ist stämmig, der spärlich behaarte Schwanz ist vergleichsweise kurz. Ihr langes Fell ist an der Oberseite dunkeloliv bis graubraun gefärbt, die Unterseite ist rötlich-orange bis rötlich-gelb. Zuweilen haben sie einen schwach gelblichen Oberschenkelstreifen. Die Hinterbeine sind wie bei den meisten Kängurus länger und kräftiger als die Vorderbeine. Verbreitung: Ursprünglich bewohnten Rotbauchfilander das südöstliche Australien und das südöstliche South Australia, in Victoria und auf Tasmanien. Auf dem Festland sind sie Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben, sodass sie heute nur noch auf Tasmanien vorkommen, wo sie aber häufig sind. Zwischen 1923 und 1960 wurden auf Tasmanien jährlich knapp 66.000 Felle erbeutet. Derbywallaby, auch Tammar, Eugenifilander Das Fell der Derbywallabys ist an der Oberseite graubraun gefärbt, die Unterseite ist heller, meist gelblich-grau und die Beine sind rötlich. Wie bei den meisten Kängurus sind die Hinterbeine deutlich länger und kräftiger als die Vorderbeine, der Kopf ist langgestreckt und die Ohren groß. Männchen werden deutlich größer als Weibchen und haben größere Vorderpfoten mit ausgeprägteren Krallen. Erwachsene Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 52 bis 68 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 33 bis 45 Zentimeter. Verbreitung: Bis in die 1920er-Jahre waren Derbywallabys in weiten Teilen des südlichen Australiens beheimatet. Heute leben sie noch im südwestlichen Western Australia sowie auf einigen Inseln vor der Küste von South Australia, etwa auf der Känguru-Insel. Seit etwa 1870 gibt es eine kleine Population auf der neuseeländischen Insel Kawau. Rothalsfilander, Thetis-Känguru Rothalsfilander sind kleine, stämmig gebaute Vertreter der Kängurus. Die Körpergrößen dieser Tiere liegen zwischen 55 und 70 Zentimeter, der Schwanz misst 25 bis 40 Zentimeter. Männchen sind größer als Weibchen. Das Fell ist am Rücken braungrau gefärbt, der Bauch ist deutlich heller. Namensgebendes Merkmal sind die rötlich gefärbten Schultern und Nacken. Die Färbung und Farbverteilung variiert individuell. Die Oberschenkel haben zuweilen einen schmalen, hellen Streifen. Die Hinterbeine sind wie bei den meisten Kängurus deutlich länger als die Vorderbeine, der Schwanz ist spärlich behaart. Verbreitung: Im östlichen Australien, vom südöstlichen Queensland bis in das mittlere New South Wales. Die Fellqualität ist unterschiedlich. Die Felle wurden zu Pelzinnenfuttern, Besätzen und manchmal auch zu Jacken und Mänteln verarbeitet. Grey-Wallabys Die Felle wurden mitunter ebenfalls als Rockwallabys gehandelt Festlandbürstenkänguru Die Felloberseite ist braun bis hellbräunlich, die Unterseite grau bis weißlich. Die Behaarung des Schwanzendes ist schwärzlich und bildet einen Bürstenkamm. Das Fell ist weich und dicht, die Grannen stehen etwas ab. Die Fellqualität ist unterschiedlich. Bürstenschwanz-Felskänguru, Pinselschwanzkänguru Das Bürstenschwanz-Felskänguru hat einen kompakten Körper, die Kopfrumpflänge beträgt 50 bis 72 Zentimeter, die Schwanzlänge 42 bis 56 Zentimeter. Die Oberseite des Felles ist im Wesentlichen rotbraun oder im vorderen Bereich mehr grau bis dunkelgraubräunlich. Der Kopf ist auf der Oberseite dunkelgrau bis graubräunlich, unterseits weißlich, mit einem schwärzlichen Augenstreifen an der Farbgrenze von der Schnauze bis zum Ohr. Die Füße und die Schnauze sind schwarzbraun bis schwärzlich. Die vordere Schwanzhälfte ist zuweilen auch graubraun oder rötlich. Gelegentlich zieht ein dünner schwärzlicher Aalstrich über den Scheitel und den vorderen Teil des Rückens. Die Körperunterseite ist weißgelblich. Häufig befindet sich ein schwärzlicher Streifen an den Körperseiten vom Armansatz bis zur Hüfte. Einzelne Leithaare sind schwarz, die übrigen Haare sind im Wesentlichen bräunlich. Die Leithaare sind bis 52 Millimeter lang. Im letzten Drittel sind die Haare bürstenartig verlängert. Charakteristisch sind die kleinen, runden Ohren.