mini|hochkant=1.3|Amerikanische (Silber-)Dachsfelle mini|Schauspielerin Monna Delza mit Dachsmuff und -kragen (ca. 1902) Als Dachsfelle werden die Felle von mehreren, zum Teil zoologisch nicht näher verwandten Arten bezeichnet. Die Felle des Silberdachses, auch Amerikanischer Dachs oder Präriedachs genannt, werden im Rauchwarenhandel vertrieben und von Kürschnern zu Pelzen verarbeitet. Das gilt kaum für den Europäischen Dachs und die weiteren Herkommen, die wegen ihres gröberen und weniger dichten Haars für Pelzzwecke heute zumeist als ungeeignet angesehen werden. Felle des Honigdachses werden kaum angeboten.

Für die ebenfalls genutzten Felle des Sonnendachses siehe → Pahmi, für die fellmäßig nicht genutzten Stinkdachse siehe bei → Skunkfell.

Silberdachs Das Verbreitungsgebiet des Silberdachses, auch Amerikanischer Dachs oder Präriedachs, reicht vom nördlichen Alberta in Kanada bis nach Mexiko. Die besten Felle mit seidigem Haar und schönem Silber kommen insbesondere aus Saskatchewan und den angrenzenden Landstrichen im Nordwesten der USA und Kanadas.

Als Handelsbezeichnung für Herkommen aus Labrador ist in alten Kürschnerhandbüchern Carcajoufell genannt.Christian Heinrich Schmidt: Die Kürschnerkunst. Verlag B. F. Voigt, Weimar 1844, S. 9–10 (Anm.: Werner vermerkt die Bezeichnung Carcajon[!]fell 70 Jahre später für das amerikanische Herkommen allgemein) Carcajou ist jedoch der französische Name für den Vielfraß.

Das Fell ist seidenweich und dicht (im Gegensatz zum groben Fell des Europäischen Dachses, das für Pelzzwecke meist kaum nutzbar ist). Die Färbung ist weiß bis gelblichweiß mit feinen, grauschwarz geringeltem Deckhaar. Kopf und Gesicht sind graubraun mit lebhafter weißer Zeichnung und einem weißen Streifen längs jeder Backe sowie über den Scheitel bis fast zur Schwanzwurzel. Der Bauch ist weiß bis gelblichweiß. Die Beine sind dunkler, meist dunkelbraun oder schwarz. Die Gesamterscheinung ist wesentlich heller als die des Europäischen Dachses. Das Fell ist 42 bis 72 Zentimeter lang, der Schweif 10 bis 15,5 Zentimeter. Einzelheiten über den Fellwechsel scheinen nicht bekannt zu sein.

Auf dem Rücken und an den Flanken erreichen die Haare eine Länge bis 10 Zentimeter. Die Haarbasis ist gelblich, darauf folgt eine schwarze Zone und eine weiße Spitze. Diese Anordnung ergibt die silbriggraue, namensstiftende Färbung. Das Unterhaar ist beiderseits der Rückenlinie bis 5 Zentimeter lang.

Western Canadian, Northwestern und Northern Sections der USA liefern Dachsfelle mit sehr blassem Band. Der eigentliche Unterschied besteht jedoch in der Verteilung der Haare, die bei diesem kanadischen Typ sehr dicht ist und dem Pelz den Anschein besonderer Lockerheit verleiht, die Felle der sonstigen Sektionen haben weniger volles Haar. Western United States sind dunkel cremefarben, immer gelbbraun; sie werden deutlich geringer bewertet als die feineren Sorten. Sie wirken wegen der geringeren Haardichte und des in der Tendenz steiferen und gröberen Haars sehr flach. Southwestern haben alle unerwünschten Merkmale der westlichen Varietät in noch stärkerer Ausprägung und ohne die feinere Anmutung. Sie sind deshalb im Handel nicht sonderlich gefragt. Die Deckhaarspitzen sind kurz und das Haar eignet sich dadurch auch nicht für die Arbeitstechnik des Spitzens anderer Fellarten. Viele der Haarspitzen haben durch fehlende Farbpigmente ein glasiges, fast durchsichtiges Aussehen.

Die Qualitätsabstufungen sind Erste, Zweite und Geringe Sorten, einige Firmen sortierten die geringen auch in Dritte und Vierte. Erste (Ones) haben ein voll ausgebildetes Winterfell mit dichtem Haar und heller Farbe. Zweite (Twos) sind unmittelbar nach dem Winter oder kurz vorher angefallene Felle. Die Felldecke ist dünner und die Farbe hat einen Gelbstich.

Größe: Die Sortierung nach Größe hat bei Dachsfellen nicht die gleiche Bedeutung wie bei anderen Fellarten und wird auch nur selten vorgenommen, ausgenommen vielleicht die ganz kleinen Felle, die dann üblicherweise der nächstgeringeren Qualität beigepackt werden. Trotzdem gibt Bachrach folgenden Größenvergleich an:

mini|Kürschner-Sortiment gebleichter Silberdachsfelle Vergleichende Größen bei Silberdachsfellen Größen Farbe Beschaffenheit XL L M S Kanadische 76 62 58 52 hell cremefarben seidig Nordwestliche USA Westliche USA 57 50 43 braun cremefarben mittelgrob Südwestliche USA dunkel cremefarben grob

Der Haltbarkeitskoeffizient für das Silberdachsfell wird auf 60 bis 70 Prozent geschätzt.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps, H. Brauckhoff, K. Häse, Richard König, W. Straube-Daiber: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe. Jahrgang XV, Neue Folge, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin/Frankfurt am Main/Leipzig/Wien 1964, S. 56–58. Eine amerikanische Quelle nennt sogar 70 bis 80 Prozent, beides für Langhaarfell ungewöhnlich gute Werte, gleich denen des ebenfalls besonders strapazierfähigen Waschbärfells.David G. Kaplan: World of Furs. Fairchield Publications, New York 1974, S. 155–156. (engl.) Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Haar des europäischen Dachses als grob, das des amerikanischen Silberdachses als fein eingestuft.

Die Dachsfelle der amerikanischen Herkommen werden fast ausnahmslos offen, nicht rund abgezogen, gehandelt. 1988 wurde der jährliche Fellanfall mit 30.000 bis 40.000 Fellen angegeben, wovon 2000 bis 3000 aus Kanada kamen.

Zucht mini|Mantel aus geschorenen und gefärbten europäischen Rotfuchsfellen, Applikation aus naturfarbenem Dachs und Rotfuchs (Regensburg 2014)

Um die Zeit der 1930er Jahre wurden die ersten Silberdachse zu Pelzzwecken in Farmen gezüchtet. Die Felle wurden entsprechend der Tierart als „Silberdachs“ angeboten. Regelmäßige Erfolge blieben jedoch aus, ohne dass die Ursachen ganz geklärt werden konnten. Als dann auch noch die Fellpreise fielen, wurde die Zucht sehr schnell wieder aufgegeben.

Dachsfett wurde in der äußeren Anwendung eine heilende Wirkung zugeschrieben,D. Johann Heinrich Moritz Poppe: Johann Christian Schedels neues und vollständiges Waaren-Lexikon. Zweiter Teil M bis Z, Vierte durchaus verbesserte Auflage. Verlag Carl Ludwig Brede, Offenbach am Mayn 1814, S. 263 Stichwort „Dachs“ insbesondere in ländlichen Apotheken war es auch im deutschsprachigen Raum noch bis in die jüngere Zeit erhältlich. Dachs, insbesondere der Dachsschinken, galt auch in Europa als besonders wohlschmeckend. 1911 erwähnt Brass, dass der von den Chinesen Sze Hue, wörtlich übersetzt „Schweinshund“, genannte Dachs eine sehr dicke Fettschicht besitzt und dort gern gegessen wird.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. 1. Auflage. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1911, S. 523. Wie verbreitet wird, sollen heute Dachse in China als Delikatessen „massenhaft gezüchtet“ werden. Einzelheiten über diese Zucht sowie die Fellverwertung scheinen jedoch nicht publik. Felle farmgezüchteter Dachse sind im europäischen Rauchwarenhandel offenbar weiterhin nicht bekannt.

Verarbeitung Die Fellverarbeitung entspricht im Wesentlichen der des Fuchsfells oder anderer langhaariger Pelzarten. Für Jacken und Mäntel werden die Felle dem derzeitigen Gebrauch entsprechend in aller Regel längs oder quer über- und nebeneinander gesetzt, mit dem Haarschlag nach unten. Amerikanisches Dachsfell wird bei entsprechender Mode vom Kürschner auch ausgelassen, eine Fachtechnik bei der jedes Fell durch Zerschneiden in Streifen und entsprechendes Nähen in Jacken- oder Mantellänge gebracht wird, eine Flächenveränderung zugunsten der Länge bei gleichzeitiger Verschmälerung des Fells. Dichte Felle eignen sich auch zum Galonieren, eine Arbeitstechnik bei der durch vom Haar verdecktes oder aber sichtbares Einsetzen von Leder oder Stoff die Fellfläche vergrößert wird, ebenso zum Luftgalonieren, der Flächenvergrößerung durch ein netzartiges Aufschneiden des Leders.

mini|Rasierpinsel aus Dachshaar Anfangs wurde aus den Fellen Muffen und Pelzstolen, später Kragen, Besätze und Pelzkolliers gearbeitet. 1988 wird für die Verwendung vorwiegend für Mäntel und Jacken genannt. Seit vor 2000 wird das Silberdachsfell hauptsächlich wieder für Besätze genutzt, selten auch die Verwendung für Felldecken. In schmale Streifen geschnitten lassen sich aus dem Fell sehr effektvolle Verbrämungen herstellen.

Dachshaare wurden vor der Erfindung des Trockenrasierers in erheblicher Menge zu Rasierpinseln verarbeitet. Auch heute noch werden hochwertige Pinsel aus Dachshaar hergestellt. Besonders geschätzt dafür sind möglichst lange Haare mit Silberspitzen. Selten werden auch heute noch Zahnbürsten aus Dachshaar gefertigt.

Wie bei anderen Pelzarten auch, werden bei entsprechendem Anfall möglichst alle bei der Verarbeitung des Kernfells abfallenden Fellreste verwertet, wie Seiten, Köpfe, Pfoten und Schweife. Das Zentrum der Pelzresteverwertung ist seit alters her das griechische Kastoria (siehe dort) und, etwas weniger bekannt, auch der nahe gelegene Ort Siatista. Dort werden die Fellstücken zu sogenannten „Bodys“ zusammengenäht, um dann von Kürschnern zu Bekleidung und Innenfuttern weiter verarbeitet zu werden. Siehe dazu den Hauptartikel → Pelzreste.

Europäischer Dachs

mini|Dachsfell aus dem südlichen Westerwald mini|Kummet aus Dachsfell (Fuhrmannsdachse) (Salzkammergut 2009)

Das Verbreitungsgebiet des europäischen Dachses erstreckt sich über ganz Europa sowie ostwärts bis zur Wolga, zum Kaukasus und bis nach Afghanistan.

Die Länge, des von den Jägern als „Schwarte“ bezeichneten Felles, liegt zwischen 64 und 88 Zentimeter, die Schwanzlänge bei 11 bis 18 Zentimeter, Weibchen sind durchschnittlich kleiner. Der häufig dünnere Schwanz männlicher Tiere ist oft kräftiger und mit weißen Haaren durchsetzt. Die Felle der Weibchen sind schlanker mit schmalerem, oberseits flacherem Kopf.Earnest G. Neal: The Natural History of Badgers. Croom Helm, London/Sidney 1986, ISBN 0-7099-1831-3, S. 29. (engl.) Charakteristisch für den Dachs ist vor allem die schwarz-weiße Zeichnung des Kopfes. Dieser ist oberseits inklusive der Lippen und dem Kinn überwiegend weiß. Von den Mundwinkeln ziehen sich jedoch zunächst gerade nach oben und dann beiderseits der Schnauze schwarze Streifen nach hinten, sich über die Augen und die weiß gerandeten Ohren verbreiternd bis in den Nacken, wo sie heller werden und in das silbrige Grau der Oberseite und der Flanken verlaufen. Die Flanken können einen strohgelben Farbton aufweisen.

Die einzelnen Haare der Oberseite sind hell und nur auf dem mit Abstand vor dem Ende gelegenen Drittel dunkel gefärbt. Die Deckhaare erreichen teils eine Länge bis 11, an den Flanken bis 12 Zentimeter. Die komplette Unterseite inklusive der Kehle und der Halsunterseite ist schwarzbraun mit einem besonders bräunlichen Ton auf dem Bauch. Auf diesem und in der Leistengegend ist der Haarwuchs teils recht dünn, so dass das Leder durchscheint. Dachse im ersten Jahr zeigen in der Färbung die deutlichsten Kontraste, ältere Dachse werden zunehmend heller. Als Farbmutationen sind Albinos, melanistische, rötliche und gelbliche Exemplare bekannt. Es erfolgt ein Haarwechsel von Winter- und Sommerfell.