Christoph Andreae (* 8. September 1735 in Mülheim am Rhein; † 3. August 1804 ebenda) war ein deutscher Unternehmer.Johann Bendel, Die Stadt Mülheim am Rhein, unter Verweis auf: Beiträge zur Genealogie und Geschichte der Familie Andrae. Cöln 1902, 1. Band, 3. Heft, S. 27. miniatur|Kommerzienrat Christoph Andreae
Geschichte Familie und Unternehmen in Köln Die protestantische Kölner Unternehmerfamilie Andreae hatte ihren Anfang in dem aus Frankfurt stammenden Christoph Andreae (1665–1742), der seit 1687 in Köln eine mit der Zeit florierende Seiden- und Leinenfabrikation aufgebaut hatte. Andreae, der Gertrud, eine geborene Mainau (1664–1722) geheiratet hatte, war mit seiner dann anwachsenden Familie einer kleinen lutherischen Gemeinde beigetreten, die sich in der katholisch orientierten Reichsstadt aus zumeist ebenfalls zugezogenen Kaufleuten gebildet hatte. Mit der Zeit war jedoch diesen Familien eine freie Entfaltung in religiöser sowie in geschäftlicher Hinsicht durch Maßnahmen des Kölner Rates mehr und mehr beeinträchtigt worden.
Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts Restriktionen gegen Andersgläubige immer stärker wurden und sich in Köln die Dinge wieder wie zur Zeit der Gegenreformation zuspitzten, entschlossen sich mehrere dieser Kaufmannsfamilien, unter ihnen die Familie Andreae, auf das Angebot Herzog Johann Wilhelms einzugehen und in die damals noch zum Herzogtum Berg gehörende Nachbarstadt Mülheim überzusiedeln. Für den Fall einer solchen Ansiedlung in der „Freiheit Mülheim“ waren den Neubürgern nicht nur Religionsfreiheit, sondern auch erhebliche steuerliche Privilegien in Aussicht gestellt worden.Johann Bendel, Die Stadt Mülheim am Rhein, S. 307 fUlrich S. Soenius, Jürgen Wilhelm, Kölner Personen-Lexikon, S. 26 ffFamiliendaten Andreae auf heidermanns.net
Nachkommen Aus der Ehe des Kölner Firmengründers und nun weiterhin erfolgreichen Mülheimer Geschäftsmannes waren sechs Kinder hervorgegangen, unter denen sich drei in Köln geborene Söhne befanden. Die ersten beiden der Söhne, Heinrich Anton, der Älteste (ca. 1695 geboren, starb 1763 in Mülheim) und der Zweite, der 1700 geborene Thomas Daniel, erhielten ihre Ausbildung wohl im väterlichen Geschäft. Sie wurden später bei verschiedenen Transaktionen, zumal nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1742, in Mülheim angeführt. Der 1707 geborene Johann Adam heiratete und starb (1777) in Frankfurt/Main.Familiendaten Andreae auf heidermanns.net In der Firmengeschichte spielten die unmittelbaren Nachkommen Christoph Andreaes keine bedeutende Rolle, Heinrich Anton und Thomas Daniel assistierten dem Seniorchef und Vater. Mit Christoph Andreae Junior, um den es hier geht, dem Sohn Thomas Daniels und Enkel des Firmengründers, erhielt das Unternehmen später eine herausragende Persönlichkeit, der den Andreaeschen Produkten neue Absatzmärkte erschloss und diesem nicht nur in Deutschland zu hohem Ansehen verhalf.
Das Mülheimer Familienunternehmen 1714 hatte Christoph Andreae senior in der Taubengasse (heutige Formesstraße) der Altstadt Mülheims eine Färberei und vier Leineweberhäuser für die mit seiner Familie übergesiedelten Stammarbeiter seiner ehemaligen Betriebsstätte errichteten lassen. (Diese Werks- und Wohnhäuser summierten sich in der Taubengasse und Buchheimer Straße bis zum Jahr 1808 auf 9 Häuser.)Hans Vogts, Die Mülheimer Altstadt in den letzten 150 Jahren der bergischen Herrschaft, S. 199 f, S. 216, S. 229, S. 236 Als eigenes Domizil hatte er das stattliche Gasthaus „Zum güldenen Berg“ an der damaligen Freiheitsstraße 40 (heute Mülheimer Freiheit) erworben.
Thomas Daniel hatte Helena, eine geborene Teschenmacher, geheiratet, die ihm 1735 als drittes von vier Kindern in Mülheim einen Stammhalter zur Welt brachte, den sie Christoph nannten. Über dessen Jugendjahre und Schulbildung ist nichts bekannt, möglicherweise besuchte er anfänglich die reformierte Schule Stöckerstraße (heute durch Brückenbau und Krieg ohne Bebauung), die 1784 durch den Eisgang der Flut von 1784 zerstört wurde. Ob Christoph auch die spätestes zur Mitte des 18. Jahrhunderts gegründete höhere „Lateinische“ und auch „Französische“ Schule genannte Lehranstalt besuchte, ist ebenso nicht überliefert. Seine berufliche Ausbildung erhielt auch Christoph traditionell im väterlichen Geschäft, aber auch sein angeführter Aufenthalt in einer der Metropolen des Seidenhandels, der Stadt Lyon, schien diesem Zweck gedient zu haben.
Generationswechsel Der junge Andreae verlor im Alter von 21 Jahren seinen Vater und übernahm wenig später die Leitung des Mülheimer Unternehmens. Zu diesem Zeitpunkt war Mülheim selbst unter den eingetretenen besseren wirtschaftlichen Bedingungen, die auch seinen Bewohnern einen Zuwachs an Arbeit und Einkommen gebracht hatten, ebenso gewachsen wie die Seidenmanufaktur Andreae.
Christoph war 1761 mit Maria Christina Katharina Scheibler (1740–1807), der Tochter des Monschauer (Monttoye) Tuchindustriellen Johann Heinrich Scheibler, die Ehe eingegangen, eine Verbindung, die wohl auch den geschäftlichen Interessen beider Familien dienlich war. Aus der Ehe gingen im Laufe von 20 Jahren 11 Kinder hervor, von denen der erste männliche Spross, Christoph, eine erste Niederlassung außerhalb Deutschlands leiten sollte.Familiendaten Andreae auf heidermanns.net Einer der Enkel des Beschriebenen ist der Maler Carl Christian Andreae (1823–1904), von dem die heute noch in Köln und Umgebung lebenden Andreaes abstammen. Thomas Andreae (geb. 1949) betreibt die Firma unter anderen Bezeichnungen fort, Michael Andreae (geb. 1950) ist freier Unternehmer (u. a. der Jäckering-Gruppe für Nährmittel und mehr), Stephan Andreae (geb. 1952) ist Künstler, Kurator kulturhistorischer Ausstellungen, Martin Andreae (geb. 1954) ist Rechtsanwalt mit Wohnsitz Köln (mit Kanzlei in Bergisch Gladbach).
Christoph Andreae legte im Jahr 1765 nach den Plänen des Baumeisters Leydel (event. Georg Leydel, 1720–1785) eine neue „Sammetfabrik“ im nördlichen Bereich der Wallstraße an. Es war ein 130 m langer Bau, der es erforderlich machte, die Einmündung einer neu angelegten Querstraße (die Weberstraße, heutige Seidenstraße) mit einem Torbogen zu überbauen. In Verbindung mit diesem Erweiterungsprojekt gewährte der Herzog von Berg, wie schon zuvor seinem Großvater, auch ihm ein Privileg. Er erhielt auf seine Bitte hin Steuer- und Abgabenfreiheit, sowie die Zusage, dass für einen Zeitraum von 25 Jahren kein anderer Unternehmer in „Berg“, eine solche Fabrik errichten dürfe. Die Zusage wurde jedoch bald brüchig und Andreae hatte sich gegen Konkurrenz zu behaupten, aber das Andreaesche Unternehmen prosperierte dennoch. Zu dieser Zeit waren etwa 500 Personen in seinem Unternehmen beschäftigt.
Neben dem Konkurrenzdruck ergaben sich für Andreae weitere Schwierigkeiten. Wegen der ihm gewährten Vergünstigungen entstand Missgunst und Unzufriedenheit bei der städtischen Behörde und den Bürgern Mülheims. Stadt und Bürger verlangten die Aufhebung der Andreae vom Landesherren eingeräumten Privilegien, und als man damit erfolglos blieb, wurden 1769 gegen Andreae Schmähschriften verfasst und verbreitet, die jedoch keine Änderung erbrachten und auf höchste Anordnung untersagt wurden.
Eisflut und Auswirkungen miniatur|Die Eisflut des Jahres 1784 nach einem Stahlstich des Niederländers Steven Goblé, (1749–1799) Die Eisflut vom 27. und 28. Februar 1784 zerstörte einen erheblichen Teil Mülheims (161 Häuser) und war auch für das Unternehmen Andreae ein gewaltiger Rückschlag. Andreae bezifferte damals seinen Schaden auf 100.000 Gulden. In diesem Unglück half er jedoch auf jede erdenkliche Weise der Stadt und den Bürgern, sodass sein Ansehen wieder stieg und seine Kritiker verstummten.
Er wurde bei dem Landesherrn vorstellig und war insofern erfolgreich, dass ihm der Ersatz zur Hälfte seines Schadens erstattet und Zollfreiheit für seine zukünftige Produktion auf 30 Jahre gewährt wurden. Er erreichte überdies die Zusage für den Neubau eines Rheindammes als Zukunftssicherung, sowie für die Stadt den Anspruch auf zu erhebende Wegegelder und deren Befreiung von Steuern auf 25 Jahre, damit sich diese erholen könne und neu aufgebaut werde. Er hatte als kluger Geschäftsmann argumentiert, dass er ansonsten gezwungen wäre, seinen Betrieb aus Berg zu verlagern. Man kam seinen Wünschen in allen Punkten nach. Aufgrund seines Einsatzes für das Gemeinwohl wurde ihm später der Ehrentitel Kommerzienrat verliehen.
Fabrikationsgebäude, Beschäftigte und Expansion Wallstraße nördlich der Buchheimer Straße die 1765 erbaute zweigeschossige Samtfabrik an der Weber- bzw. späteren Seidenstraße. Südlich der Buchheimer Straße wurde in diesem Abschnitt der seit 1765 ausgebauten Wallstraße, auf dem Gelände ehemaliger Weingärten der evangelischen Gemeinde, im Jahr 1773 die Andreaesche Fabrik erbaut, deren Areal sich später bis an die Bachstraße erstreckte.
Die Schäden der Eisflut von 1784 trafen hauptsächlich die Färbereien (eine „Schönfärberey“ und eine „Schwarzfärberey“) an der Wallstraße, Walkhäuser, den Hauptkessel, Farbmagazine, Webstühle, Bandmühlen und fortgespülte Fertigware aus den Nebenhäusern an der Freiheitsstraße sowie die betriebseigenen Werkshäuser an der Taubengasse. Der Wiederaufbau dauerte nicht lange und die Verluste konnten rasch wettgemacht werden.
In der Folge wuchs das Unternehmen stetig und erreichte eine Beschäftigtenzahl von rund 1500 Personen. Bei diesen Zahlenangaben fügt Bendel erklärend hinzu, dass der größte Anteil der Beschäftigten jedoch als solcher galt, der zu Hause am eigenen Webstuhl für die Firma Andreae in Lohn- oder Stückarbeit tätig war. Es waren überdies nicht nur Mülheimer Arbeiter, sondern viele waren in einem Umkreis von 10 Stunden (so die Entfernungsangabe) wohnhaft. Sie führten den Meistertitel, hatten eigene Gesellen und bildeten Lehrlinge aus. Sie bezogen das Rohmaterial von der Firma Andreae und lieferten die gewebte Fertigware wieder dort ab und erhielten den vereinbarten Arbeitslohn. So wurden nach Aufzeichnungen des Jahres 1765 der Meister pro Elle Fertigware 16 bis 20 Stüber ausgezahlt, der selbst seinem Gesellen einen Tagelohn vom etwa 15 bis 20 Stübern zahlte.
Der gute Ruf der Samt- und Seidenwaren aus der Firma Andreae stieg mehr und mehr und hatte sich in ganz Deutschland verbreitet, sodass Christoph Andreae wiederholt auch von den Regenten anderer Fürstentümer Angebote erhielt, doch gegen hohe Entschädigungen seine Produktion zu verlagern und diese in ihren Ländern aufzunehmen. Auch Kaiser Josef umwarb Andreae, der nach entsprechenden Verhandlungen den Geschäftsmann nach Wien einlud. Andreae entschloss sich für eine Ausweitung seines Geschäftes und reiste 1787 mit seinem ältesten Sohn Christoph (1766–?),Familiendaten Andreae. Auf: heidermans.net. begleitet von 150 Samtwebern nach Wien. Dort entstand eine Filiale der Stammfirma, für die ihm wie in Mülheim Privilegien eingeräumt wurden, die die Befreiung von Steuern und Abgaben beinhalteten und Schutz vor Wettbewerbern garantierten. Die Leitung der neuen Fabrik übernahm sein Sohn, der sie zu einer erfolgreichen Niederlassung ausbaute, die bis in die 1870er Jahre bestand.
miniatur|Grabinschrift und Lebensdaten
Lebensabend Aus Wien zurückgekehrt, erwarteten Andreae wenige Jahre später die Besatzungszeit durch die französischen Truppen. Sie war verbunden mit Plünderungen, die sich zumeist gegen die Wohlhabenden richteten und sich nach einer Schätzung in Mülheim auf einen Geld- und Sachwert von 53.000 Talern beliefen. Von diesen Vorgängen war auch die Familie Andreae betroffen. Hinzu kamen Einquartierungen und allerlei weitere Querelen. Gegen die Stadt erhob man Kriegsforderungen in immenser Höhe, die sich auf 200.000 Livres beliefen. Als Mülheim dieser Forderung nicht nachkam, nahm man Andreae kurzfristig als Geisel.