Home Treatment (englisch für Behandlung zu Hause) ist eine Behandlung, bei der ein Behandlungsteam psychiatrische Patienten in gewohnter Umgebung versorgt. Das Team besteht aus Psychiatern, Psychotherapeuten, Pflegern und Sozialarbeitern. Home Treatment (HT) soll zu einer Reduzierung der Verweildauer in der stationären Versorgung führen.

Verbreitung Angeboten wird HT in AachenDGPPN-Preis für HT in Aachen, Berlin, Leipzig, Detmold, Frankfurt am Main, Gießen (Lahn), Günzburg, Geesthacht, Hamburg, Krefeld, Nauen, Itzehoe, Bonn und Heidenheim. Entsprechende Krisenwohnungen gibt es in Bremen, Berlin und Solingen. Auch in Österreich gibt es eine Entwicklung hin zu mehr Home Treatment.Psychiatrische Betreuung zuhause für Kinder und Jugendliche: Hometreatment startet, auf gesundheitsfonds-steiermark.at

Behandlungsablauf Je nach Klinik gibt es Unterschiedliche Schwerpunkte. Typische Organisation ist: pro Patient wöchentlich mindestens drei Hausbesuche, davon mindestens einer mit Arzt. Im Bedarfsfall sind auch mehrere Besuche möglich, täglich bis zu drei. Der Umfang und die Art der Kontakte (Hausbesuche, Telefonate) wird im Einzelfall festgelegt. Einmal wöchentlich findet in der Klinik die Oberarzt-Visite bei bestimmten Patienten statt. Zusätzlich gibt es über jeden Patienten eine wöchentlich stattfindende Fallbesprechung mit Oberarzt, Arzt, Pflegepersonal, Sozialarbeiter, in der der bisherige Therapieverlauf sowie weitere Behandlungsziele festgelegt, überdacht und gegebenenfalls modifiziert werden.

Entwicklung Um 1960 wollte man eine gemeindenahe therapeutische Versorgung und dass sich die geschlossenen psychiatrischen Institutionen öffnen. Daraus entwickelten sich 1964 die „Crisis Intervention Theory“ von Caplan und 1980 das Modell des „Assertive Community Treatment“ (ACT). 1971 wurde ein System mit Krisenintervention und Home Treatment in Denver etabliert. Von dort ist die Verbreitung vor allem in Englischsprachigen Ländern und später im Skandinavischen Raum dokumentiert. Seit 2002 gibt es Pilotprojekte in Deutschland.

Behandlungsergebnis Erste Ergebnisse deuten die Effektivität einer humaneren Behandlungsform an. Danach ist HT der stationären Behandlung entweder gleichwertig oder geringfügig überlegen. Auch erwies sich das soziale Funktionsniveau der HT-Patienten als besser. Die Angehörigen waren mit dieser Behandlungsalternative zufriedener und fühlten sich mehr entlastet als durch einen stationären Aufenthalt. Diese Ergebnisse zeigen sich auch in anderen Modellversuchen und Einrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen Ländern wie Großbritannien, wo die generelle Umstellung auf mobile Kriseninterventionsteams am stärksten durchgeführt wurde.

Literatur Sonia Johnson, Justin Needle, Jonathan P. Bindman, Graham Thornicroft (Hrsg.): Crisis Resolution and Home Treatment in Mental Health Cambridge University Press, 11. August 2008, ISBN 978-0521678759 David S. Heath (Hrsg.): Home Treatment for Acute Mental Disorders: An Alternative to Hospitalization Routledge, 3. November 2004, ISBN 978-0415934084 online Neil Brimblecombe (Hrsg.): Acute Care in the Community: Intensive Home Treatment (IHT) as an Alternative to Psychiatric Admission Wiley, 2001, ISBN 978-1861561893

Einzelnachweise MS: Home Treatment: Alternative zum Krankenhaus In: aerzteblatt. Februar 2006. In: Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V.. 2008. In: Homepage BKH Günzburg. 15. März 2012. Behandlung von Seelenkrankheiten In: taz. 16. Juni 2010. Hannes Müller, Karel Frasch: Home Treatment oder Mobiles Krisenteam Bayerisch Schwaben 8. Februar 2012. Thomas Becker, Holger Hoffmann, Bernd Puschner, Stefan Weinmann Seite 127: Versorgungsmodelle in Psychiatrie und Psychotherapie In: Kohlhammer. Dezember 2007. Mathias Berger: Psychische Erkrankungen, S. 214, Elsevier 2012

Kategorie:Therapie Kategorie:Psychiatrie