Bei den XX. Olympischen Spielen 1972 in München fanden 38 Wettkämpfe – davon 24 für Männer und 14 für Frauen – in der Leichtathletik statt. Austragungsort war das Olympiastadion. Bilanz
Medaillenspiegel PlatzLand20x20px|Gold20x20px|Silber20x20px|BronzeGesamt19711728752036882246321153–14622267112481–2391–12101––111–22412–2–2–2–2–2–215–11216–1–117––22––22––2220––11––11––11––11––11Gesamt383838114
Medaillengewinner Männer DisziplinGoldSilberBronze100 m Walerij Borsow (URS) Robert Taylor (USA) Lennox Miller (JAM)200 m Walerij Borsow (URS) Larry Black (USA) Pietro Mennea (ITA)400 m Vince Matthews (USA) Wayne Collett (USA) Julius Sang (KEN)800 m Dave Wottle (USA) Jewgeni Arschanow (URS) Mike Boit (KEN)1500 m Pekka Vasala (FIN) Kipchoge Keino (KEN) Rod Dixon (NZL)5000 m Lasse Virén (FIN) Mohamed Gammoudi (TUN) Ian Stewart (GBR)10.000 m Lasse Virén (FIN) Emiel Puttemans (BEL) Miruts Yifter (ETH)Marathon Frank Shorter (USA) Karel Lismont (BEL) Mamo Wolde (ETH)110 m Hürden Rod Milburn (USA) Guy Drut (FRA) Thomas Hill (USA)400 m Hürden John Akii-Bua (UGA) Ralph Mann (USA) David Hemery (GBR)3000 m Hindernis Kipchoge Keino (KEN) Ben Jipcho (KEN) Tapio Kantanen (FIN)4 × 100 m Staffel4 × 400 m Staffel20 km Gehen Peter Frenkel (GDR) Wolodymyr Holubnytschyj (URS) Hans-Georg Reimann (GDR)50 km Gehen Bernd Kannenberg (FRG) Weniamin Soldatenko (URS) Larry Young (USA)Hochsprung Jüri Tarmak (URS) Stefan Junge (GDR) Dwight Stones (USA)Stabhochsprung Wolfgang Nordwig (GDR) Bob Seagren (USA) Jan Johnson (USA)Weitsprung Randy Williams (USA) Hans Baumgartner (FRG) Arnie Robinson (USA)Dreisprung Wiktor Sanejew (URS) Jörg Drehmel (GDR) Nelson Prudêncio (BRA)Kugelstoßen Władysław Komar (POL) George Woods (USA) Hartmut Briesenick (GDR)Diskuswurf Ludvík Daněk (TCH) Jay Silvester (USA) Ricky Bruch (SWE)Hammerwurf Anatolij Bondartschuk (URS) Jochen Sachse (GDR) Wassili Chmelewski (URS)Speerwurf Klaus Wolfermann (FRG) Jānis Lūsis (URS) Bill Schmidt (USA)Zehnkampf Mykola Awilow (URS) Leonid Lytwynenko (URS) Ryszard Katus (POL)
Frauen DisziplinGoldSilberBronze100 m Renate Stecher (GDR) Raelene Boyle (AUS) Silvia Chivás (CUB)200 m Renate Stecher (GDR) Raelene Boyle (AUS) Irena Szewińska (POL)400 m Monika Zehrt (GDR) Rita Wilden (FRG) Kathy Hammond (USA)800 m Hildegard Falck (FRG) Nijolė Sabaitė (URS) Gunhild Hoffmeister (GDR)1500 m Ljudmila Bragina (URS) Gunhild Hoffmeister (GDR) Paola Cacchi (ITA)100 m Hürden Annelie Ehrhardt (GDR) Valeria Bufanu (ROM) Karin Balzer (GDR)4 × 100 m Staffel4 × 400 m StaffelHochsprung Ulrike Meyfarth (FRG) Jordanka Blagoewa (BUL) Ilona Gusenbauer (AUT)Weitsprung Heide Rosendahl (FRG) Diana Jorgowa (BUL) Eva Šuranová (TCH)Kugelstoßen Nadeschda Tschischowa (URS) Margitta Gummel (GDR) Iwanka Christowa (BUL)Diskuswurf Faina Melnik (URS) Argentina Menis (ROM) Wassilka Stoewa (BUL)Speerwurf Ruth Fuchs (GDR) Jacqueline Todten (GDR) Kate Schmidt (USA)Fünfkampf Mary Peters (GBR) Heide Rosendahl (FRG) Burglinde Pollak (GDR)
Teilnehmer Wie schon bei den drei Austragungen der Olympischen Spiele zuvor gab es Probleme und Sonderfälle im Hinblick auf die Teilnahme bestimmter Nationen. Nicht zugelassen waren u. a. die Volksrepublik China, die weiterhin kein Mitglied des IOC war, und Südafrika. Rhodesien wurde erst kurz vor Beginn der Spiele ausgeschlossen, nachdem 27 afrikanische Staaten mit Boykott gedroht hatten.
Das geteilte Deutschland trat zum zweiten Mal mit zwei eigenständigen Mannschaften auf, jetzt auch unter einer jeweils eigenen Flagge Die offiziellen Bezeichnungen lauteten nun ‚Deutschland‘ bzw. ‚Germany‘ für die Bundesrepublik Deutschland und ‚Deutsche Demokratische Republik‘ bzw. ‚German Democratic Republik‘ – kurz ‚DDR‘ bzw. ‚GDR‘ für die GDR.Official Report 1972 v.3, Band 3 The Competitors (PDF; 28.754 KB) S. 14 (englisch, französisch, deutsch), abgerufen am 6. Oktober 2021
Stadion mini|hochkant=1.9| Das Münchner Olympiastadion entsprach den modernsten Anforderungen. Die 400-Meter-Rundbahn sowie die Anlaufbahnen für die verschiedenen Sprung- und Wurfwettbewerbe waren wie schon bei den letzten Spielen in Mexiko-Stadt aus Kunststoff beschaffen. Es standen acht Bahnen zur Verfügung, sodass acht Teilnehmer an den Endläufen teilnehmen konnten. Dies wurde auch in den Stoß- und Wurfdisziplinen sowie im Weit- und Dreisprung für die letzten drei Finaldurchgänge so praktiziert.
Eine Besonderheit stellte die oft als ‚Zeltdach‘ bezeichnete Konstruktion des Stadions dar, mit der eine Leichtigkeit und Beschwingtheit zum Ausdruck gebracht werden sollte. Die Idee dazu stammt von dem Architekten und Architekturprofessor Günter Behnisch. Wie manch andere Neuheit war auch der Stadionbau mit diesem neuartigen Dach nicht unumstritten, zumal die Kosten am Ende ca. achtmal höher lagen als in der ursprünglichen Planung angesetzt.Werner Schneider / Sport-Informations-Dienst / Bertelsmann Sportredaktion, Die Olympischen Spiele 1972. München – Kiel – Sapporo, Bertelsmann-Verlag, München, Gütersloh, Wien 1972, ISBN 3-570-04559-5, S. 18 bis 21
Terroranschlag Auch auf die Leichtathletikwettbewerbe hatte das im Hauptartikel zu diesen Spielen näher beschriebene Münchner Olympia-Attentat erhebliche Auswirkungen. Die Stimmung war eine andere als zuvor, der Sport hatte eine Belastungserfahrung ungekannten Ausmaßes zu tragen. Die Frage, ob die Wettbewerbe fortgesetzt werden sollten, wurde von IOC-Präsident Avery Brundage mit einem eindeutigen Votum beantwortet: „The Games must go on.“Viele Athleten wollten die Fortsetzung, orf.at, 5. September 2012, abgerufen am 6. Oktober 2021
Technik Schon seit den Olympischen Spielen 1932 wurde die elektronische Zeitmessung eingesetzt. Bis 1968 diente sie allerdings nur der Kontrolle, in den offiziellen Resultaten fanden sich nach wie vor die von den Zeitnehmern per Hand gestoppten Zeiten. Das wurde von nun an anders: die elektronisch ermittelten Ergebnisse wurden offiziell, die Zeitangaben erfolgten – abgesehen von den Wettbewerben mit zwanzig Kilometern Streckenlänge oder mehr – in Hundertstelsekunden. Zur Weitenmessung wurde wie 1968 bereits in den Disziplinen der vertikalen Sprünge nun auch für die Werfer erstmals elektronische Technik eingesetzt, so hatte das herkömmliche Bandmaß bei solchen Großveranstaltungen endgültig ausgedient.
Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es zwei Ergänzungen im Frauenbereich: erstmals stand der 1500-Meter-Lauf auf dem Programm. Damit war der 800-Meter-Lauf nicht mehr die längste Strecke für die Frauen. Außerdem gab es jetzt auch die 4-mal-400-Meter-Staffel für Frauen. Im Hürdenlauf wurde die Strecke von 80 auf 100 Meter verlängert. Damit sollte der Schrittlänge der Frauen in dieser Disziplin Rechnung getragen werden.
Bis heute – Stand September 2021 – hat sich im Bereich der olympischen Männerdisziplinen nichts mehr verändert. Bei den Frauen dagegen standen noch zahlreiche weitere Ergänzungen für die Zukunft an.
Erstmals war auch Blutdoping bei diesen Spielen offiziell untersagt – dies konnte allerdings noch nicht kontrolliert werden.
Sportliche Erfolge Das Leistungsniveau war auch bei dieser Großveranstaltung sehr hoch. Es gab fünfzehn neue oder eingestellte Weltrekorde in zwölf Disziplinen. In sechzehn Disziplinen wurde darüber hinaus der olympische Rekord dreißig Mal verbessert oder egalisiert. Wegen der in diesen Jahren nebeneinander gewerteten Rekorde per handgestoppter und per elektronischer Zeitmessung könnten in verschiedenen Quellen auch leicht abweichende Zahlen bezüglich der Rekorde auftreten. Vor allem auf den kürzeren Strecken kam es da zu Abweichungen oder Doppelzählungen. In der folgenden Übersicht wurde durchgängig die elektronische Zeitmessung zugrunde gelegt. Weltrekorde im Einzelnen: 10.000-Meter-Lauf, Männer: 27:38,35 min – Lasse Virén (Finnland), Finale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,24 s – Rod Milburn (USA), Finale bei einem Rückenwind von 0,3 m/s 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 47,82 s – John Akii-Bua (Uganda), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 38,19 s – USA (Larry Black, Robert Taylor, Gerald Tinker, Eddie Hart), Finale Zehnkampf, Männer: 8454 P (1985er Wertung: 8466 P) – Mykola Awilow (Sowjetunion) 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,07 s (egalisiert) – Renate Stecher (DDR), Finale bei einem Gegenwind von 0,2 m/s 200-Meter-Lauf, Frauen: 22,40 s (egalisiert) – Renate Stecher (DDR), Finale bei einem Rückenwind von 1,1 m/s 1500-Meter-Lauf, Frauen: 4:06,47 min – Ljudmila Bragina (Sowjetunion), Vorlauf 1500-Meter-Lauf, Frauen: 4:05,07 min – Ljudmila Bragina (Sowjetunion), Halbfinale 1500-Meter-Lauf, Frauen: 4:01,38 min – Ljudmila Bragina (Sowjetunion), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 42,81 s – BR Deutschland (Christiane Krause, Ingrid Mickler-Becker, Annegret Irrgang, Heide Rosendahl), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel, Frauen: 3:28,48 min – DDR (Dagmar Käsling, Rita Kühne, Helga Seidler, Monika Zehrt), Vorlauf 4-mal-400-Meter-Staffel, Frauen: 3:22,95 min – DDR (Dagmar Käsling, Rita Kühne, Helga Seidler, Monika Zehrt), Finale Hochsprung, Frauen: 1,92 m (egalisiert) – Ulrike Meyfarth (BR Deutschland), Finale Kugelstoßen, Frauen: 21,03 m – Nadeschda Tschischowa (Sowjetunion), Finale Fünfkampf, Frauen: 4801 P (1981er Wertung: 4841 P) – Mary Peters (Großbritannien) Olympische Rekorde im Einzelnen: 5000-Meter-Lauf, Männer: 13:31,8 min – Emiel Puttemans (Belgien), Vorlauf 5000-Meter-Lauf, Männer: 13:26,42 min – Lasse Virén (Finnland), Finale 10.000-Meter-Lauf, Männer: 27:53,4 min – Emiel Puttemans (Belgien), Vorlauf 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:24,8 min – Tapio Kantanen (Finnland), Vorlauf 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:23,8 min – Amos Biwott (Kenia), Vorlauf 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:23,64 min – Kipchoge Keino (Kenia), Finale 20-km-Gehen, Männer: 1:26:42,4 h – Peter Frenkel (DDR) 50-km-Gehen, Männer: 3:56:11,6 h – Bernd Kannenberg (BR Deutschland) Stabhochsprung, Männer: 5,40 m (egalisiert) – Wolfgang Nordwig (DDR), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,40 m (egalisiert) – Bob Seagren (USA), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,45 m – Wolfgang Nordwig (DDR), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,50 m – Wolfgang Nordwig (DDR), Finale Kugelstoßen, Männer: 21,18 m – Władysław Komar (Polen), Finale Hammerwurf, Männer: 75,50 m – Anatolij Bondartschuk (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Männer: 90,48 m – Klaus Wolfermann (BR Deutschland), Finale 400-Meter-Lauf, Frauen: 51,94 s – Charlene Rendina (Australien), Vorlauf 400-Meter-Lauf, Frauen: 51,71 s – Györgyi Balogh (Ungarn), Viertelfinale 400-Meter-Lauf, Frauen: 51,68 s – Helga Seidler (DDR), Halbfinale 400-Meter-Lauf, Frauen: 51,08 s – Monika Zehrt (DDR), Finale 800-Meter-Lauf, Frauen: 1:58,93 min – Swetla Slatewa (Bulgarien). Vorlauf 800-Meter-Lauf, Frauen: 1:58,55 min – Hildegard Falck (BR Deutschland), Finale 100-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 12,70 s – Annelie Ehrhardt (DDR), Vorlauf bei Windstille 100-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 12,59 s – Annelie Ehrhardt (DDR), Finale bei einem Gegenwind von 0,6 m/s 4-mal-400-Meter-Staffel, Frauen: 3:29,32 min – BR Deutschland (Anette Rückes, Inge Bödding, Hildegard Falck, Rita Wilden), Vorlauf Hochsprung, Frauen: 1,90 m (egalisiert) – Ulrike Meyfarth (BR Deutschland), Finale Diskuswurf, Frauen: 61,58 m – Argentina Menis (Rumänien), Qualifikation Diskuswurf, Frauen: 64,48 m – Argentina Menis (Rumänien), Finale Diskuswurf, Frauen: 65,06 m – Argentina Menis (Rumänien), Finale Diskuswurf, Frauen: 66,62 m – Faina Melnik (Sowjetunion), Finale Speerwurf, Frauen: 63,88 m – Ruth Fuchs (DDR), Finale