Olga Freiin von Lützerode (* 23. Mai 1836 in Sankt Petersburg; † 29. Januar 1917 in Hannover) war eine deutsche Krankenpflegerin, Stifterin, Gründerin und Leiterin des Clementinenhauses, eines Krankenhauses in Hannover.Dirk Böttcher: Lützerode … (siehe Literatur).
Leben Olga Maria Alexandra Freiin von Lützerode war die Tochter von Generalmajor Karl August von Lützerode (1794–1864), dem sächsischen Gesandten am russischen Hof, und seiner Frau Laura, geb. Gräfin Schimmelmann (1798–1857). Sie wuchs im Schloss Ahrensburg auf und wurde als Krankenpflegerin an den Universitätskliniken in Kiel ausgebildet. Bereits am neunten Tag ihrer Pflegeschulung in Kiel erhielt sie ein «Befähigungszeugnis», aufgrund dessen sie die begehrte Armbinde mit dem Roten Kreuz erhielt, das Zeichen der beruflichen Qualifikation als Pflegerin der Freiwilligen Krankenpflege im Krieg.Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, S. 117, S. 123, S. 254–260. Anschließend arbeitete sie in einem Lazarett in Frankfurt (Oder), wo sie die Leitung der Krankenpflege übernahm, und – auf Wunsch der Kaiserin Augusta – in Berlin. Deren Hofdame Adeline von Schimmelmann war ihre Nichte.
Nachdem von Lützerode gebeten wurde, in Hannover Krankenschwestern für die private Pflege von Kranken auszubilden, stellte sie zunächst einen Kontakt zum Vaterländischen Frauenverein und dessen Oberin Helena von Platen her, die Unterstützung zusagte. Von Lützerode richtete nun mit ihren eigenen Geldmitteln ein Krankenhaus ein, das dann den Namen Clementinenhaus erhielt und ab 1875 auch von Lützerode geleitet wurde. Der Name leitete sich vom lateinischen „clementia dei“ ab, was „Sanftmut Gottes“ bedeutet. Im Clementinenhaus wurde auch Agnes Karll, die spätere Reformerin der Pflege in Deutschland, ausgebildet. Das Verhältnis zwischen von Lützerode und Karll war nicht immer einfach.
Die Einführung der beruflichen Krankenpflege im akademischen Ernst-August-Hospital, heute Universitätsmedizin Göttingen im Frühjahr 1877 ist auf die Initiative Olga von Lützerodes zurückzuführen. Der Kurator und die ärztlichen Direktoren erlaubten zunächst nur eine versuchsweise Einstellung der Schwestern des Clementinenhauses auf der Ebene des Wärterpersonals. Die von den Clementinenschwestern eingeführten Ordnungsstrukturen, Hygienemaßnahmen sowie der professionelle Umgang mit kranken Menschen waren jedoch Leistungen, die rasch überzeugten. Auf Grund dessen kam es zum Abschluss eines Schwesterngestellungsvertrags zwischen dem Ernst-August-Hospital und den Clementinenschwestern. Oberin von Lützerode fungierte weiterhin als Arbeitgeberin der Schwestern. In der Klinikhierarchie hingegen wurde zwischen Ärzten und Wärterpersonal eine mittlere Ebene für die berufliche Krankenpflege installiert.
1902 schrieb die Freiin über die Verwandtschaftsverhältnisse des Adelsgeschlechtes derer von Lützerode etwa ab dem Jahr 1150.Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
Lützerodestraße miniatur|Lützerodestraße mit Infoschild zur Gründerin des Clementinenhauses
Im Zuge des Krankenhausbaus entstand um 1875 im heutigen Stadtteil List ein Weg hinter den Kasernen am Welfenplatz. Er wurde 1898 zunächst nach der Krankenanstalt „Am Clementinenhause“ benannt und noch zu Lebzeiten der Krankenhaus-Gründerin im Jahr 1900 in Lützerodestraße umbenannt.Helmut Zimmermann: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 165f.
Schriften Mittheilungen über das Geschlecht derer von Gevertzan-Lütgeroide-Lützerode, der ihm verschwägerten Thurn und Taxis, Paumgarten, Lignéville usw. sowie der Nachkommen aus der Ehe der letzten Freiherrn von Lützerode von etwa 1150 bis 1902. Zusammengestellt nach zuverlässigen documentarischen Quellen. Hannover, 1902. Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden. Oberin des Clementinenhauses Hannover 1875–1906. Verlag des Rauhen Hauses, Hamburg 1906; Nachdruck: Hannover 1950.
Literatur Hiltrud Schroeder (Hrsg.): Sophie & Co. Bedeutende Frauen Hannovers. Biographische Portraits. Fackelträger-Verlag, Hannover 1991, ISBN 3-7716-1521-6, S. 247. Dirk Böttcher: Lützerode, Olga Freiin v. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 240.(online über Google-Bücher). Traudel Weber-Reich: «Wir sind die Pionierinnen der Pflege ...» Krankenschwestern und ihre Pflegestätten im 19. Jahrhundert am Beispiel Göttingen. Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2003, ISBN 978-3-456-83873-1, S. 111–122, S. 242–260. Dirk Böttcher: Lützerode, Olga Freiin v. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 417f. Corinna Heins, Anne Jäger: Frauen in der List / Olga Freiin von Lützerode, Oberin des Clementinenhauses (1836–1917). In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge Band 60 (2006), S. 255f.
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