Der Magdeburger Stadtteil Ottersleben besteht aus den ehemaligen Dörfern Groß Ottersleben, Klein-Ottersleben und Benneckenbeck.

Lage Früher war es mit 15.700 Einwohnern das größte Dorf der DDR, ehe es 1952 als Stadtteil „Südwest“ eingemeindet wurde. Heute leben auf einer Fläche von 16,5292 km² 10.355 Menschen (Stand 31. Dezember 2021),Stadtteilkatalog des Amtes für Statistik eine wesentliche Erhöhung zu früheren Zeiten, bedingt durch etliche neue Eigenheimsiedlungen.

Begrenzt wird der Stadtteil im Westen und Süden durch die Stadtgrenze, im Norden durch die Ballenstedter/Gernröder Straße, weiter westlich dann durch die Osterweddinger Chaussee zwischen der Stadtgrenze und dem Magdeburger Ring.

Geschichte Ortsgeschichte König Otto I. schenkte im Jahre 937 dem Magdeburger Mauritiuskloster u. a. die Dörfer Liemuntesdorf (Lemsdorf) und Otteresleba samt 100 höriger Familien. Auch später gegründete Klöster brachten dann Ländereien des heutigen Ottersleber Gebietes in ihren Besitz. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ottersleben im Jahre 1245. In der Folgezeit wechselte es dann häufig den Besitzer, wurde zerstört und wieder aufgebaut. 1547 belagerte Herzog Alba erfolglos das lutherische Magdeburg und plünderte beim Abzug zum Ersatz das reiche Ottersleben. Während der Belagerung Magdeburgs 1550 kam es am 19. Dezember zur denkwürdigen Attacke Magdeburgischer Stadtsoldaten gegen in Ottersleben lagernde Stiftsjunker, die unter Mitnahme von Domschätzen aus der Stadt geflüchtet waren und mit dem Feind kooperierten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort so stark zerstört, dass zwischen 1639 und 1647 niemand hier wohnte. Nach einigen noch folgenden Besetzungen und Plünderungen herrschte dann im 18. Jahrhundert relative Ruhe und man begann mit dem Wiederaufbau der Höfe. Zu der Zeit entstand auch der Gedanke für ein Ortswappen. Da sich der Name Ottersleben eingebürgert hatte, hielt man sich an den Fischotter, der – einen Fisch im Maul – über Wasser springt.

1806 legte man die Chaussee nach Magdeburg an, doch im selben Jahr kamen die Franzosen. 1815 kam Ottersleben durch die preußische Gebietsreform zum Amt Wanzleben. Als die otterslebischen Befestigungen gegen die weitreichenden Kanonen nicht mehr schützten, riss man sie nach und nach nieder. Viele Menschen siedelten sich jetzt außerhalb der ehemaligen Mauern an, und so wuchsen Groß-Ottersleben und Benneckenbeck langsam zusammen. Nach und nach zog die Industrie ein: Zuckerfabrik und Zichoriendarre entstanden als erste, Arbeiterfamilien zogen zu, Mietshäuser wurden gebaut, der Ort erweiterte sich zusehends. 1850 raffte die letzte Choleraepidemie 42 Bürger hinweg. 1851 wurde mit der Straßenpflasterung begonnen, zuerst in der Breite Straße (heute: Alt-Ottersleben). In den nächsten Jahren folgten sämtliche alten und neuen Dorfstraßen (allerdings bis heute kaum verändert).

Lange Zeit lag Ottersleben weit außerhalb des großen Nachbarn Magdeburg. Eine Verbindung ergab sich erst, als an der sog. „Straße nach Ottersleben“ – nach der Zerstörung der alten Sudenburg 1812 – eine neue Sudenburg im Süden entstand. Der Ort vergrößerte sich bald so schnell über die Grenzen der Feldmark hinaus, dass das erste Ottersleber Haus direkt neben dem Gasthof „Zur Linde“ stand, der zu Magdeburg gehörte. Von hier aus befanden sich dann aber nur noch wenige Häuser zwischen den Ortschaften, der Rest war Acker. Mit der Errichtung eines Wasserhochbehälters im Jahre 1858 auf dem Kroatenberg (heute Georgshöhe) trat bezüglich der Besiedlung auch noch keine Veränderung ein. Auf diese mit Akazien bepflanzte Höhe führte ein Weg, den man wegen des zehn Jahre später hier erbauten Artillerieforts „Kanonenweg“ nannte.

Um die Jahrhundertwende entstanden am Dorfrand und in der Dorfmitte die ersten Handwerkerhäuser und Mietwohnungen mit städtischem Charakter. Sie bildeten Straßenzüge und umschlossen die alten Bauernhäuser. Hauptursache für den Zuzug war die Erweiterung der Magdeburger Industrie und der damit verbundene erhöhte Wohnraumbedarf. Die Zuzügler kamen meist aus den etwas weiter entfernt liegenden Orten, fanden Arbeit in Magdeburg und die Wohnung in Ottersleben. So kamen etwa schon 1910 ca. 2.000 Industriearbeiter von Ottersleben zur Arbeit nach Magdeburg. Die drei Dörfer Groß-Ottersleben, Klein-Ottersleben und Benneckenbeck, die seit 1921 eine Gemeinde bildeten, zählten zu dieser Zeit ca. 10.000 Einwohner, man sprach vom größten Dorf Europas. Seit 1932 entstanden dann die Wohnsiedlungen Georgshöhe und Elisengrund. Von 1899 bis 1941 verfügte Ottersleben mit der Otterslebener Zeitung über eine eigene regelmäßig erscheinende Zeitung. Am 25. Juli 1952 wurde Groß-Ottersleben mit damals 15.683 Einwohnern in die Stadt Magdeburg als neuer Stadtteil Südwest eingegliedert.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt

Zum Ortsnamen Die alte deutsche Wortendung leva, liba, leba oder leiba führte zum heutigen -leben und bedeutete damals so viel wie Besitz, Hab und Gut, auch Erbe oder Nachlass. Es war meist an einen Eigennamen gebunden und zeigte an, dass ein Edler, Freier oder Gefolgsmann des jeweiligen Herrschers von diesem mit Grundbesitz belehnt wurde. Bei „Oteresleva“ lässt sich allerdings nicht genau nachweisen, wer der Namensträger war – eventuell handelte es sich um eine Person namens Otto oder Odo.

Ottersleber Schlope In früheren Jahren wurde in der Magdeburger Börde in jedem Haushalt zum Winter wenigstens ein Schwein geschlachtet. Zum Frühstück gab es dann Stichfleisch und frisch durch den Fleischwolf gedrehtes Fleisch für die Dauerwurst (Bratwurst). Da aber rohes Fleisch nicht jedermanns Geschmack war, wurden vom Hausschlächter kleine Röllchen oder Klöße geformt und diese im Herd oder in der Bratpfanne gegart.

Um die Fleischmasse weich und eine Bindung zu erhalten, wurden noch Eier hinzugesetzt. Dann wurde begonnen, diese Masse mit Gewürzen, wie Muskat, Kümmel oder Majoran zu verfeinern und in den Darm zu füllen. Jeder Hausschlächter hatte dafür sein eigenes Rezept. Da diese Fleischmasse im Darm weich (schlopig – schlapp) war, entstand der Ausdruck „Schlope“.

Ein Ottersleber, Herr Lothar Röpke, erinnerte sich, dass schon sein Großvater Ottersleber Schlopen gefertigt hatte. Dieses Rezept hat Herr Röpke entsprechend den heutigen Bestimmungen der Wurstherstellung modifiziert.

Seit 1999 verkauft der Heimatverein Ottersleben e. V. die Ottersleber Schlope auf den Festen in Ottersleben.

Dörfer rings um Ottersleben Wie rings um Magdeburg, so lagen auch um Ottersleben etliche kleinere Dörfer. Wir finden einen Ring von Kleindörfern mit den Namen Niendorf, Stemmern, Abbendorf, Apendorf, Camersdorf und Erpitz. Während sich die ersten vier westlich und südlich herumzogen, lag Camersdorf südöstlich und Erpitz östlich, etwa in der Mitte des heutigen Stadtweges. Erpitz war ursprünglich Gründung und Besitz eines christianisierten slawischen Edlen namens Erp, der zu Zeiten Ottos I. lebte. Einer seiner Nachkommen, Heidenreich von Erpitz, war 1326–1327 Erzbischof von Magdeburg. Etwa um diese Zeit verschwindet der Name aus den Urkunden, was darauf hindeutet, dass auch das Dorf wüst geworden war.

Haustafeln Abgesehen von einigen Gutshäusern, waren die restlichen Häuser eher schlicht und zweckmäßig gebaut. Üblich war es allerdings, dass man an die Häuser Haustafeln anbrachte, die Auskunft darüber gaben, wann das Haus errichtet wurde und von wem. Manche dieser Tafeln waren mit Segenswünschen versehen oder wiesen auf ein Unglück hin. Ebenso war es üblich die äußerlich sichtbaren Teile der Maueranker aus geschmiedeten Buchstaben und Zahlen in Form der Initialen der Erbauer und des Baujahres zu gestalten. Erhalten sind: Eine Tafel am Haus Alt Ottersleben Nr. 22. Sie erinnert an die Verluste des Eigentümers im Kriege 1806 und an ein Brandunglück im Jahre 1810, bei dem vier Gehöfte mit der gesamten Ernte in einer Nacht vernichtet wurden. Auch eine andere Tafel – beim Abriss des Grundstücks Alt Ottersleben Nr. 20 geborgen – erinnert daran. Am Haus Am Dorfteich Nr. 5 befindet sich eine „Segenstafel“. Solche Tafeln sollten Haus und Hof schützen. Am Gebäude des ehemaligen Dorfkruges (heute „Schwarzer Adler“) Alt Ottersleben Nr. 46, ist eine Tafel mit der Teilabbildung des Dorfsiegels von 1602 angebracht. Gut zu erkennen ist ein Fischotter mit einem Fisch im Maul. Über der Eingangstür des ehemaligen Gutshauses Alt Benneckenbeck Nr. 17 befindet sich noch ein Wappen der Familie von Alemann, die früher einmal Besitzer des Freigutes waren. Leider ist das Wappen überstrichen worden.

Hünengrab Hart an der Grenze zur Hohendodelebener Feldmark, nahe den ehemaligen Hängelsbergen, liegt die Gemarkung Hünengrab Ottersleben. Es ist ein Hügel (121,6 über NN) glazialen Ursprungs, wie auch andere Erhebungen in der Börde. In der späten Jungsteinzeit wurde hier ein Großsteingrab errichtet, das aber schon in vergangenen Jahrhunderten weitestgehend zerstört wurde, um die Steinkammer als Prellsteine im Dorf zu verwenden. Auch die tönernen Beigefäße gingen verloren. Einzig ein Steinbeil blieb erhalten und befindet sich jetzt im Magdeburger Museum.

Das Hünengrab war stets Schafweide (Anger), wurde aber in diesem Jahrhundert im Westteil ackerbaulich genutzt. Im Zweiten Weltkrieg war auf dem Hügel eine Flakbatterie stationiert. Dabei fanden viele Jugendliche den Tod, die zum Kriegsende die vorrückenden Amerikaner noch aufhalten sollten.

Nach dem Krieg wurde das Hünengrab zu einer „wilden Müllkippe“. 1971 entrümpelten Mitglieder der Jagdgesellschaft Magdeburg-Südwest, einige Naturschutzhelfer und Imker das Gelände und gestalteten es in den folgenden Jahren zu einem Feldgehölz um, so dass der Hügel heute kaum noch zu erkennen ist.

Wasserversorgung Erst nach dem Mittelalter wurden in Ottersleben gemeinschaftliche Brunnen für die allgemeine Nutzung gebaut. Die Brunnenschächte waren aus Bruchsteinen kunstvoll gesetzt und oben mit einem Umschweife aus Holz versehen. Die Wasserentnahme erfolgte mit einem Schöpfeimer, der an einer Kette oder einem Seil befestigt war. Gehoben wurde der Eimer mit einer Wippe oder Winde.

Derartige Brunnen standen zumeist an zentralen Plätzen und wurden von der Gemeinde unterhalten. Nach und nach bauten sich die Bewohner dann eigene Brunnen auf den Gehöften (meist Ziehbrunnen). Im 18. Jahrhundert kamen dann die ersten Pumpen auf, zuerst aus Holz, dann aus Gusseisen. Die Brunnen wurden nur mit Bohlen abgedeckt und waren so natürlich allen möglichen Verunreinigungen ausgesetzt. In vielen Fällen war auch die Dunggrube nicht ausreichend weit entfernt, was die Wasserqualität entscheidend verschlechterte. Ein Gemeinde-Wippbrunnen stand ehemals vor dem ehemaligen Schmiedetor auf dem heutigen Eichplatz. Ein funktionierender Ziehbrunnen steht noch heute auf einem Grundstück in der Karlstraße.

In Klein-Ottersleben gab es eine Besonderheit: Die Wasserentnahmestelle (Quelle) war von allen Seiten her durch den „Wassergang“ zu erreichen. Dieser zog sich über 300 m lang durch das Dorf. Solche Brunnen waren Anlaufpunkt für Bewohner, deren eigene Wasserstelle kein gutes Trinkwasser lieferte. Transportiert wurde das Wasser in Eimern, die des besseren Tragens wegen an einer besonderen Trage (Schanne) hingen, die man auf den Schultern trug. In die gefüllten Eimer wurde noch ein Holzkreuz gelegt, damit das Wasser beim Gehen nicht ausschwappte.

In der Küche standen die Eimer auf der Wasserbank, an der Wand hing ein Schöpfer (Maß) mit dem das Wasser aus dem Eimer entnommen wurde. Der Wasserverbrauch war durch die Mühsal des Heranschaffens natürlich recht sparsam. So wurde dann auch für das Wäschewaschen und für das „Familienbad“ am Samstag von jeher Regenwasser gesammelt und verwendet. Erst in den 1950er Jahren wurde Ottersleben nach und nach an die Magdeburger Wasserversorgung angeschlossen.

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