Bei den IX. Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck fanden zehn Wettbewerbe im nordischen Skisport statt. Diese galten gleichzeitig als 25. Nordische Skiweltmeisterschaften. Neben olympischen Medaillen wurden auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Einzige Ausnahme war die Nordische Kombination, in der es ausschließlich olympische Medaillen gab. Austragungsorte waren die Toni-Seelos-Olympiaschanze in Seefeld in Tirol (mitsamt dazu gehörendem Skistadion) sowie die Bergiselschanze in Innsbruck.

Erstmals standen zwei Wettbewerbe im Skispringen auf dem Programm, einen wie bisher auf einer kleineren sog. Normalschanze und einen auf einer Großschanze. Weiterhin galt, dass die Springer drei Sprünge absolvierten, von denen die besten zwei in die Wertung kamen. Bei den Frauen kam mit dem 5-km-Langlauf eine dritte Disziplin hinzu.

Letztmals bei Olympischen Winterspielen starteten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR als gesamtdeutsche Mannschaft. Diese Mannschaft war die einzige, die neben den skandinavischen Ländern und der Sowjetunion mit einem dritten Platz eine Medaille gewinnen konnte. Die schon von vergangenen Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen bekannte Dominanz der Nordländer sowie der Sowjetunion war auch hier in Innsbruck wieder vorzufinden.

Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 3 3 2 8 2 3 2 4 9 3 2 3 2 7 4 2 2 1 5 5 – – 1 1

Medaillengewinner + Langlauf Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze 15 km Eero Mäntyranta Harald Grønningen Sixten Jernberg 30 km Eero Mäntyranta Harald Grønningen Igor Worontschichin 50 km Sixten Jernberg Assar Rönnlund Arto Tiainen 4 × 10 km Staffel Karl-Åke AsphSixten JernbergAssar RönnlundJanne Stefansson Väinö HuhtalaKalevi LaurilaEero MäntyrantaArto Tiainen Pawel KoltschinIwan UtrobinGennadi WaganowIgor Worontschichin

+ Langlauf Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze 5 km Klawdija Bojarskich Mirja Lehtonen Alewtina Koltschina 10 km Klawdija Bojarskich Jewdokija Mekschilo Marija Gussakowa 3 × 5 km Staffel Klawdija BojarskichAlewtina KoltschinaJewdokija Mekschilo Toini GustafssonBarbro MartinssonBritt Strandberg Mirja LehtonenToini PöystiSenja Pusula

+ Skispringen Konkurrenz Gold Silber Bronze Normalschanze Veikko Kankkonen Toralf Engan Torgeir Brandtzæg Großschanze Toralf Engan Veikko Kankkonen Torgeir Brandtzæg

+ Nordische Kombination Konkurrenz Gold Silber Bronze Einzel Tormod Knutsen Nikolai Kisseljow Georg Thoma

Vorschau Sport Zürich befasste sich in seiner Ausgabe vom 29. Januar 1964 mit einer Vorschau. Hinsichtlich der Langlaufbewerbe wurde ein erstarktes norwegisches Team erwartet, worauf der Staffelsieg gegen Schweden und Finnland vom Dezember 1963 schließen ließ. Ein Fragezeichen stand hinter dem Leistungsvermögen der Sowjetteilnehmer, die vor zwei Jahren bei den Weltmeisterschaften in Zakopane enttäuscht hatten. Die Loipen in Seefeld erforderten nicht nur Kondition, sondern ebenso sehr Schnelligkeit und Souplesse. Bei den Italienern wisse man faktisch wenig über die Form ihrer Asse Giulio Deflorian und Marcello de Dorigo, die sich zur Vorbereitung im Norden aufgehalten hatten, dort aber in den Testprüfungen mit Norwegen und Schweden jeweils auf schlechten Plätzen gelandet waren. Es sei schwer, an die Wiederholung der Sensation von 1963 zu glauben. Jedenfalls würden außer den Skandinaviern, Sowjets und Italienern all die übrigen chancenlos sein.

In der Nordischen Kombination sei ein offener Kampf zu erwarten, Olympiasieger Georg Thoma habe in diesem Winter unerwartet große Unsicherheiten an der Schanze gezeigt. Die Chancen des Schweizer Meisters Alois Kälin seien noch nie so gut wie diesmal. Weltmeister Arne Larsen habe sich im Springen stark verbessert. Es wurde auch geschrieben, sich auf eine Sensation durch Bjørn Wirkola einzustellen. Für die Seelos-Schanze wurden Toralf Engan, Veikko Kankkonen, Helmut Recknagel und Dieter Neuendorf, Antoni Łaciak und Józef Przybyła beste Chancen zugestanden. Für die Großschanze gab es eine ganze Reihe von Medaillenaspiranten: Kankkonen, Engan, Nilo Halonen, Torgeir Brandtzæg, Torbjørn Yggeseth, Max Bolkart, Recknagel und die vielen Sowjetspringer (Alexander Iwannikow, Nikolai Schamow und Nikolai Kamenski), dazu die beiden Draufgänger Neuendorf und Przybyła.

Langlauf Männer 15 km Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Eero Mäntyranta 50:54,1 2 Harald Grønningen 51:34,8 3 Sixten Jernberg 51:42,2 4 Väinö Huhtala 51:45,4 5 Janne Stefansson 51:46,4 6 Pawel Koltschin 51:52,0 7 Igor Worontschichin 51:53,9 8 Magnar Lundemo 51:55,2 9 Kalevi Laurila 51:59,8 10 Franco Nones 52:18,0 22 Walter Demel 54:37,0 24 Enno Röder 54:52,8 29 Hans Ammann 55:44,9 31 Hans-Sigfrid Oberer 55:47,9 32 Franz Kälin 55:50,3 36 Helmut Weidlich 56:04,6 40 Konrad Hischier 56:42,3 44 Karl Buhl 57:10,2 48 Hermann Lackner 58:04,0 52 Hubert Schrott 59:01,7 53 Anton Kogler 59:10,6 59 Günther Rieger 61:07,3 Datum: 2. Februar 1964, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 192 m; Maximalanstieg: 68 m; Totalanstieg: 492 m

71 Teilnehmer aus 21 Ländern, davon 69 in der Wertung

30 km Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Eero Mäntyranta 1:30:50,7 2 Harald Grønningen 1:32:02,3 3 Igor Worontschichin 1:32:15,8 4 Janne Stefansson 1:32:34,8 5 Sixten Jernberg 1:32:39,6 6 Kalevi Laurila 1:32:41,4 7 Assar Rönnlund 1:32:39,6 8 Einar Østby 1:32:41,4 9 Torsten Samuelsson 1:33:07,8 10 Walter Demel 1:33:10,2 27 Konrad Hischier 1:39;43,6 28 Hans Ammann 1:39:55,7 29 Heinz Seidel 1:40:01,0 31 Andreas Janc 1:40:23,3 32 Rudolf Dannhauer 1:40:35,7 34 Alfons Dorner 1:41:09,5 36 Hansjörg Farbmacher 1:41:37,1 39 Georges Dubois 1:42:26,8 43 Alphonse Baume 1:42:41,8 Datum: 30. Januar 1964, 08:30 Uhr Höhenunterschied: 245 m; Maximalanstieg: 72 m; Totalanstieg: 964 m

69 Teilnehmer aus 23 Ländern, davon 66 in der Wertung

Der Kurs bestand aus der 10-km-Damenstrecke und danach einer 20-km-Schleife. Im Ziel war es zu Rennbeginn −13,5 °C kalt, es gab völlig klares Wetter, der Schnee war sehr hart und gut. Die Startintervalle betrugen 30 Sekunden. Mäntyranta startete als Letzter und hatte das gesamte Feld vor sich. Sein Landsmann Laurila machte vor ihm das Tempo (nach 10 km Dritter, nach 20 km Zweiter), erfüllte diese undankbare taktische Aufgabe erfüllt fiel auf Rang 6 zurück. Grønningen, als langsamer Starter bekannt, war vorerst Siebter, dann Vierter und überholte noch Worontschichin, der von Rang 5 auf 3 vorgestoßen war. Sixten Jernberg lief trotz einer Netzhauterkrankung überraschend stark, jedoch war der deutsche Meister Walter Demel als echte Sensation zu betrachten, der als bester Mitteleuropäer mit nur rund eineinhalb Minuten Rückstand Rang 10 belegte Der Südkoreaner Yong-Ok lief mit Skibruch einen Kilometer weiter; ihm wurde von der Rennleitung ein Ersatzski angeboten, was er vorerst mit höflicher Verbeugung ablehnte, doch nach längerem Hin und Her nahm er das Angebot an.«Jäger Maentyranta holte sich Gold im 30-km-Skimarathon». In: Kronen-Zeitung, 31. Januar 1964, S. 18.«Weltmeister Maentyranta auch Olympiasieger». In: Kleine Zeitung Graz, 31. Januar 1964, S. 11.

50 km mini|hochkant=1.2|

Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Sixten Jernberg 2:43:52,6 2 Assar Rönnlund 2:44:58,2 3 Arto Tiainen 2:45:30,4 4 Janne Stefansson 2:45:36,6 5 Sverre Stensheim 2:45:47,2 6 Harald Grønningen 2:47:03,6 7 Einar Østby 2:47:20,6 8 Ole Ellefsæter 2:47:45,8 9 Eero Mäntyranta 2:47:47,1 10 Melcher Risberg 2:48:03,0 20 Alois Kälin 2:56:30,5 21 Andreas Janc 2:58:43,8 24 Siegfried Weiß 3:00:43,0 26 Alphonse Baume 3:03:49,1 29 Franz Kälin 3:06:09,3 30 Herbert Steinbeißer 3:06:52,2 31 Georges Dubois 3:07:21,8 33 Hermann Mayr 3:08:48,6 Datum: 4. Februar 1964, 08:30 Uhr

Höhenunterschied: 196 m; Maximalanstieg: 98 m; Totalanstieg: 1597 m

41 Teilnehmer aus 15 Ländern, davon 30 in der Wertung

Infolge der tiefen Nachttemperaturen war die Strecke sehr schnell. Die Schneeverhältnisse waren gut, der Schnee war hart und körnig, in den Schattenstellen gab es Pulverschnee. Tiainen legte mit Startnummer 1 bereits eine großartige Zeit vor. Bis 37,5 Kilometer führte dann der mir Nr. 35 gestartete Finne Kalevi Hämäläinen, zuletzt noch mit 20 Sekunden Vorsprung auf Jernberg, doch der amtierende Weltmeister (Nr. 41) und Rönnlund (Nr. 18) holten unnachgiebig auf; am Ende fand sich Hämäläinen Rang 16. Jernberg feierte den Sieg einen Tag vor seinem 35. Geburtstag.«Jernberg: Schönstes Geburtstagsgeschenk»: In: Kleine Zeitung Graz, 6. Februar 1964, S. 14.«Unter dem „Heja“ der Landsleute: Jernberg gewann Skimarathon». In: Kronen-Zeitung, 6. Februar 1964, S. 19.

4 × 10 km Staffel Platz Land / Sportler Zeit 1 Karl-Åke AsphSixten JernbergJanne StefanssonAssar Rönnlund 2:18:34,6 h35:14,2 min35:00,0 min34:16,8 min34:03,6 min 2 Väinö HuhtalaArto TiainenKalevi LaurilaEero Mäntyranta 2:18:42,4 h34:52,8 min35:37,6 min34:01,4 min34:10,6 min 3 Iwan UtrobinGennadi WaganowIgor WorontschichinPawel Koltschin 2:18:46,9 h34:58,7 min34:42,8 min34:18,0 min34:47,4 min 4 Magnar LundemoErling SteineideEinar ØstbyHarald Grønningen 2:19:11,9 h35:04,8 min34:48,3 min34:19,8 min34:59,0 min 5 Giuseppe SteinerMarcello De DorigoGiulio DeflorianFranco Nones 2:21:16,8 h35:36,2 min34:28,2 min35:57,5 min35:14,9 min 6 Victor ArbezFélix MathieuRoger PiresPaul Romand 2:26:31,4 h36:30,1 min36:08,9 min35:46,6 min38:05,8 min 7 Heinz SeidelHelmut WeidlichEnno RöderWalter Demel 2:26:34,4 h38:00,6 min36:49,4 min36:43,3 min35:01,1 min 8 Józef Gut-MisiagaTadeusz JankowskiEdward BudnyJózef Rysula 2:27:27,0 h37:46,4 min37:06,3 min36:25,6 min36:08,7 min 9 Konrad HischierAlois KälinFranz KälinHans-Sigfrid Oberer 2:31:52,8 h37:32,7 min37:05,1 min38:18,3 min38:56,7 min 10 Hidezō TakahashiKazuo SatōTatsuo KitamuraChogoro Yahata 2:32:05,5 h38:02,0 min37:18,4 min37:18,1 min39:27,0 min 11 Günther RiegerHansjörg FarbmacherAnton KoglerAndreas Janc 2:34:48,9 h39:05,8 min39:11,0 min38:47,0 min37:45,1 min Datum: 8. Februar 1964, 09:00 Uhr Höhenunterschied: 140 m; Maximalanstieg: 43 m; Totalanstieg: 354 m

15 Staffeln am Start, alle in der Wertung

Langlauf Frauen 5 km Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Klawdija Bojarskich 17:50,2 2 Mirja Lehtonen 17:52,9 3 Alewtina Koltschina 18:08,4 4 Jewdokija Mekschilo 18:16,7 5 Toini Pöysti 18:25,3 6 Toini Gustafsson 18:25,7 7 Barbro Martinsson 18:26,4 8 Eeva Ruoppa 18:29,8 9 Senja Pusula 18:45,7 10 Rita Atschkina 18:51,1 12 Rita Czech-Blasel 19:09,1 15 Renate Dannhauer 19:17,0 17 Christine Nestler 19:21,4 19 Elfriede Uhlig 19:52,3 20 Heiderun Ludwig 20:11,3 Datum: 4. Februar 1964, 09:00 Uhr Höhenunterschied: 64 m; Maximalanstieg: 39 m; Totalanstieg: 150 m

32 Teilnehmerinnen aus 11 Ländern, alle in der Wertung

Favoritinnen waren die Läuferinnen aus der Sowjetunion, sie konnten aber die Spitzenränge nicht en bloc vereinnahmen. Die Voraussagen hinsichtlich Schweden und Finnland als größte Widersacherinnen bewahrheiteten sich: Lehtonen lag zur Halbdistanz noch knapp hinter Bojarskich, doch die Lehrerin aus Sibirien verfügte über genügend Reserven, um im Finish die Finnin auf Distanz zu halten.«Russin gewann 5-km-Langlauf der Damen». In: Kleine Zeitung Graz, 6. Februar 1964, S. 16.

10 km Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Klawdija Bojarskich 40:24,3 2 Jewdokija Mekschilo 40:26,6 3 Marija Gussakowa 40:46,6 4 Britt Strandberg 40:54,0 5 Toini Pöysti 41:17,4 6 Senja Pusula 41:17,8 7 Alewtina Koltschina 41:26,2 8 Toini Gustafsson 41:41,1 9 Eeva Ruoppa 41:58,1 10 Mirja Lehtonen 42:06,9 13 Christine Nestler 43:38,2 14 Renate Dannhauer 43:52,7 15 Rita Czech-Blasel 44:07,8 16 Elfriede Uhlig 44:08,8 25 Heiderun Ludwig 47:27,6 Datum: 1. Februar 1964, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 103 m; Maximalanstieg: 37 m; Totalanstieg: 256 m

35 Teilnehmerinnen aus 12 Ländern, alle in der Wertung

3 × 5 km