mini|200px|Tina Blau, 1869 Tina Blau-Lang (* 15. November 1845 in Wien; † 31. Oktober 1916 ebenda) war eine bedeutende österreichische Landschaftsmalerin im Stil des österreichischen Stimmungsimpressionismus.
Leben Regina Leopoldine, genannt Tina, war die Tochter des jüdischen, aus Prag stammenden k.k. Militärarztes Simon Blau (1811–1880) und seiner Ehefrau Theresia, geb. Schlesinger (1811–1894). Der Vater förderte ihr Talent, sodass sie mit 14 Jahren ihren ersten Malunterricht bei Antal Hanély, einem Schüler Ferdinand Georg Waldmüllers, nehmen konnte. Der Landschaftsmaler August Schaeffer von Wienwald, zu dem sie 1860 wechselte, motivierte sie zum Malen in der freien Natur. Der Erlös ihres ersten verkauften Bildes „Kalkofen bei Abendbeleuchtung“ gestattete ihr ab 1869 einen längeren Aufenthalt in München und den Unterricht in der privaten Malschule des Historienmalers Wilhelm Lindenschmit. Bei der I. Internationalen Kunstausstellung im Glaspalast war sie von der Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon beeindruckt.
miniatur|Ungarische Tiefebene 1871 wurde eines ihrer Landschaftsbilder im Kunstverein Augsburg ausgestellt.Augsburger Tagblatt, Nr. 180, 30. Juli 1872, S. 958. Als Digitalisat. Abgerufen am 6. August 2026. In Wien, wo sich Blau während ihrer Münchner Zeit regelmäßig aufhielt, präsentierte sie auf der Weltausstellung 1873 einige Bilder von der Donauregulierung und kam mit dem Maler Emil Jakob Schindler in Kontakt. Mit ihm bereiste sie 1873–1874 Ungarn und 1875 Holland. In Ungarn traf sie in der Szolnoker Malerschule auf August von Pettenkofen. In Wien teilte Schindler sein Maleratelier mit ihr. Nicht lange nach dem Bezug eines gemeinsamen Ateliers in einem ehemaligen Ausstellungspavillon im Wiener Prater 1877 kam es zum Bruch und Blau blieb alleinige Mieterin. In dieser Zeit entstanden die ersten Praterlandschaften und zahlreiche Bilder ihrer Reisen.
Blaus weitere Studienreisen führten sie im Winter 1876/1877 nach Venedig, im Frühjahr 1879 nach Venedig und Rom und im Winter 1885/1886 erneut nach Rom. Unter dem Eindruck des südlichen Lichts hellte sich ihre Farbpalette auf.
1883 konvertierte sie zur Evangelischen KircheAnna L. Staudacher: "… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben". 18000 Austritte aus dem Judentum in Wien, 1868–1914: Namen – Quellen – Daten. Peter Lang, Frankfurt/M. u. a. 2009, ISBN 978-3-631-55832-4, S. 63. und heiratete im selben Jahr den Tier- und Schlachtenmaler Heinrich Lang. Das Paar zog nach München, wo die Künstlerin ab 1889 an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins Landschaft und Stillleben unterrichtete. 1890 hatte sie eine Ausstellung im Münchner Kunstverein, bei der sie 60 Werke zeigen konnte.
mini|hochkant|Grab von Tina Blau auf dem Wiener Zentralfriedhof Nach dem Tod ihres Gatten unternahm sie Reisen nach Holland und Italien und kehrte dann nach zehnjähriger Abwesenheit nach Wien zurück, wo sie unweit der Prater-Rotunde ihr Atelier1911: Prater, Nördlicher Amateur-Pavillon; heute (DKM Wien): Krieau 246 (Bildhauergebaeude), Rustenschacherallee 246. einrichtete. Sie gründete 1897 zusammen mit Olga Prager, Rosa Mayreder, Ernestine Federn und Karl Federn die Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien,Verwaltungssitz (1901): Wien-Innere Stadt, Schwangasse 1; heute: Marco-d’Aviano-Gasse 1. an der sie von 1898 bis 1915 Landschaft und Stillleben unterrichtete.
Tina Blau-Lang verbrachte ihren letzten Sommer und einen Teil des Herbsts unermüdlich arbeitend in Gastein, von wo sie sich zu einer Untersuchung in ein Wiener Sanatorium begab – und dort an Herzstillstand verstarb. Sie erhielt auf dem Evangelischen Friedhof Simmering ein Ehrengrab (Wiener Zentralfriedhof, Tor 3, Gruppe 3, Nr. 12 [früher 4. Tor direkt neben dem 3. Tor]).Hedwig Abraham: Tor 4 – evangelische Ehrengräber. (…) Regina – „Tina“ Blau. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 26. Februar 2012.
Das Wiener Künstlerhaus widmete ihr im September 1917 eine Gedächtnisausstellung, der im März des Jahres eine Versteigerung des künstlerischen NachlassesTina Blau [Ill.]: Versteigerung des künstlerischen Nachlasses der Landschaftsmalerin Tina Blau. Mittwoch, den 28. März 1917. Öffentliche Ausstellung daselbst von Sonntag den 25. bis am Dienstag den 27. März 1917. Serie: C. J. Wawra, Wien: Kunstauktion von C. J. Wawra, . Wawra, Wien 1917. vorangegangen war. 1930 wurde in dem bis 1938 zu Wien-Hietzing gehörenden Bezirksteil Baumgarten eine Verkehrsfläche, der Tina-Blau-Weg, nach ihr benannt, in der Zeit des Nationalsozialismus war der Weg aus antisemitischen Gründen umbenannt.
Zu den Schülerinnen von Tina Blau gehörte die Wiener Malerin Ernestine Federn (1848–1930).
Bedeutung mini|Frühling im Prater, 1882, Belvedere, Wien Tina Blau ist eine der bedeutendsten österreichischen Malerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie gehört wie Emil Jakob Schindler, Carl Moll, Theodor von Hörmann, Hugo Darnaut, Marie Egner und Olga Wisinger-Florian dem Stil des österreichischen Stimmungsimpressionismus an und schuf vor allem Landschaften und Stillleben. Sie wurde aber auch durch ihre Professorenporträts aus der letzten Schaffensperiode bekannt.
Die Künstlerin machte ausgedehnte Studienreisen, die sie auch nach Böhmen, Mähren und Siebenbürgen führten, wo ihre ersten großen Bilder entstanden. Viele ihrer Bildmotive stammen aber aus Wien und seiner Umgebung. Bekannt wurde das Bild Frühling im Prater, das 1882 im Pariser Salon prämiert wurde. Tina Blau beteiligte sich an Ausstellungen in München, Berlin, Dresden, Leipzig, Hamburg, Paris und Chicago. Sie blieb auch im Alter bei ihrem Malstil und interessierte sich nicht für den damals vorherrschenden Jugendstil.
Siehe auch Frauen in der Kunst
Werke (Auswahl) mini| Beim Atelier der Künstlerin im Prater (1907) miniatur|Blick auf Heiligenstadt (1893–97) miniatur|Detwang im Taubertal bei Rothenburg An der Donau bei Haslau (Privatbesitz), 1872, Öl auf Leinwand, 32 × 51 cm In der Krieau (Praterpartie im Frühling), 1882, Öl auf Leinwand, 107 × 85 cm (Wien, Wien Museum) Prater (Privatbesitz), 1882, Karton, 44,5 × 37 cm Blick auf Heiligenstadt (Privatbesitz), 1893–97, Öl auf Holz, 41,5 × 58,1 cm Am Hochberg in Perchtoldsdorf (Privatbesitz), um 1896, Öl auf Holz, 38 × 46 cm Pfingststrauß (Privatbesitz), vor 1898, Öl auf Leinwand, 126 × 89 cm Windmühle bei Dordrecht 1907, Jürgen und Maria Elisabeth Rasmus Stiftung, Hamburg, Öl auf Holz, 23,5 × 33,2 cm Kanal in Friesland (Privatbesitz), 1908, Öl auf Karton, 58,1 × 48,7 cm Frühling im Prater (Wien, Österreichische Galerie Belvedere), 1882 Ungarische Tiefebene Detwang im Taubertal Holländischer Hafen, Hafen in Pirano, Krieau, Italienische Studie, Pratermotiv, Hochgebirgsdorf, Studie (ehemals Nelly und Bernhard Altmann) 1938: Versteigerungsobjekte 272a, 282a, 300, 308a, 462a, 472a, 480a. Meierei in der Krieau
Ausstellungen (Auswahl) 2016/2017: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938, (Jüdisches Museum Wien) 2016/2017: Nicht nur die Praterbäume!, Oberes Belvedere, Wien 2026: Tina Blau. Im Freien, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern sowie Kunstmuseum Ahlen
Literatur
Tobias G. Natter, Claus Jesina: Tina Blau (1845–1916). Verlag Galerie Welz, Salzburg 1999, ISBN 3-85349-232-0. Monika Salzer/Peter Karner: Vom Christbaum zur Ringstraße. Evangelisches Wien. Picus, Wien, 2008, ISBN 978-3-85452-636-0. Anke Manigold: Tina Blau 1845–1916. In: Dies. und Katja Behling: Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900. Berlin, Insel 2013, ISBN 978-3-458-35925-8, S. 140f.
Blau, Tina. In: Hermann Alexander Müller: Biographisches Künstler-Lexikon. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke. Bibliographisches Institut, Leipzig 1882, S. 55. Digitalisat
Weblinks
Bildbericht von Amelia Sarah Levetus über die Einzelausstellung von Tina Blau - Lang in der Wiener Galerie Arnot. The Studio, Bd. 41, New York Oktober 1910, S. 242 ff. In der Ausstellungsrezension der "Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs" in der Secession wird "Frühling im Prater" von Tina Blau - Lang abgebildet. The Studio, Bd. 43, New York Juni 1911, S. 61 ff. Parte:
Sabine Plakolm-Forsthuber: Tina Blau in der Ausstellung: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938, Jüdisches Museum Wien, November 2016 – April 2017 Alexandra Matzner über Tina Blau als Pionierin des österreichischen Stimmungsimpressionismus im Oberen Belvedere (2017)
Stefan Trinks, Der Kaiser persönlich kaufte ihre Bilder. Besprechung der Tina Blau - Ausstellung in der Pfalzgalerie Kaiserslautern in der FAZ vom 5. Februar 2026.
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Landschaftsmaler Kategorie:Maler (Wien) Kategorie:Bildender Künstler (Österreich-Ungarn) Kategorie:Geboren 1845 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Frau