mini|Hessen im Jahr 1930 Der Landkreis Mainz, bis 1938 Kreis Mainz, war ein Landkreis in der Provinz Rheinhessen im Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) bzw. Volksstaat Hessen sowie ab 1946 in Rheinland-Pfalz. Er wurde 1969 aufgelöst und ging – von einigen Eingemeindungen nach Mainz abgesehen – im Landkreis Mainz-Bingen auf. Kreisstadt war die Stadt Mainz, die dem Kreis bis 1938 angehörte.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1969 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an den Rheingaukreis und an die kreisfreie Stadt Wiesbaden in Hessen, an die kreisfreie Stadt Mainz in Rheinland-Pfalz, an den Kreis Groß-Gerau in Hessen sowie an die Landkreise Worms, Alzey und Bingen in Rheinland-Pfalz.
Geschichte Entwicklung Von 1798 bis 1814 gehörten die linksrheinischen Gebiete zu Frankreich. Danach 1816 kam diese Region als Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt). Sie war in der französischen Tradition in elf Kantone aufgeteilt. Durch ein Edikt des Großherzogs vom 5. Februar 1835 wurde die Provinz Rheinhessen in die vier Kreise Mainz, Alzey, Bingen und Worms gegliedert. Dabei entstand der Kreis Mainz aus den Kantonen Mainz, Niederolm und Oppenheim.Verordnung, die Bildung von Kreisen in der Provinz Rheinhessen betreffend vom 4. Februar 1835. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 6 vom 6. Februar 1835, S. 44. Die Stadt Mainz wurde wenige Tage später, am 16. Februar 1835, ein eigener Stadtkreis, aber zunächst in Personalunion von Freiherr Ludwig Christian Christoph von Lichtenberg zusammen mit dem (Land)kreis Mainz verwaltet. Erst als nach dessen Tod 1845 die Nachfolge geregelt wurde, erhielt der Kreis Mainz mit Carl Schmitt einen eigenen Kreisrat als Chef der Verwaltung.Klaus Dietrich Hoffmann: Die Geschichte der Provinz und des Regierungsbezirks Hessen. Rheinhessische Druckwerkstätte, Alzey 1985. ISBN 3-87854-047-7, S. 36.
Infolge der Revolution von 1848 im Großherzogtum Hessen wurde das Großherzogtum in Regierungsbezirke gegliedert, der Kreis Mainz ging hierbei im Regierungsbezirk Mainz auf. Gesetz, die Organisation der dem Ministerium des Innern untergeordneten Verwaltungsbehörden betreffend vom 31. Juli 1848. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 38 vom 3. August 1848, S. 217–225.
Durch Edikt vom 12. Mai 1852 wurde Rheinhessen in nunmehr fünf Kreise eingeteilt, dabei wurde neben den Kreisen Alzey, Bingen, Oppenheim und Worms ein neuer, kleinerer Kreis Mainz aus dem Gebiet der Friedensgerichtsbezirke Mainz, Niederolm und von Oberingelheim die Gemeinden Budenheim und Mombach (dafür ohne Oppenheim) gebildet, dem auch die Stadt Mainz angehörte. Die 1852 geschaffene Gliederung der Provinz Rheinhessen in fünf Kreise (Alzey, Bingen, Mainz, Worms und Oppenheim) überdauerte 1918/19 den Übergang vom Großherzogtum zum Volksstaat Hessen und hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand.
Am 1. November 1938 trat eine einschneidende Gebietsreform in Kraft.Hessisches Regierungsblatt 1938, Nr. 16, S. 91: Datum des Inkrafttretens der Gebietsreform Dabei wurde in Rheinhessen der Kreis Oppenheim aufgelöst, aus dem 23 Gemeinden in den Kreis Mainz wechselten.Hessisches Regierungsblatt 1938, Nr. 7, S. 37: Gesetz über die Auflösung der Kreise Bensheim, Schotten und Oppenheim vom 7. April 1938 Gleichzeitig schied die Stadt Mainz aus dem Kreis Mainz aus und wurde zu einem Stadtkreis.Hessisches Regierungsblatt 1938, Nr. 13, S. 81: Gesetz über die Bildung der Stadtkreise Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms vom 9. August 1938 Der Kreis Mainz erhielt zum 1. Januar 1939 die neue amtliche Bezeichnung Landkreis Mainz.Dritte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. November 1938. Im Reichsgesetzblatt, Teil I Nr. 201 vom 29. November 1938, S. 1675 f. (Digitalisat).
Der Landkreis Mainz wurde 1946 im Regierungsbezirk Rheinhessen ein Teil von Rheinland-Pfalz und hatte bis zur Verwaltungsreform von 1969 Bestand.
Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde der Landkreis Mainz am 7. Juni 1969 aufgelöst. Die Gemeinden Drais, Ebersheim, Finthen, Hechtsheim, Laubenheim und Marienborn wurden in die kreisfreie Stadt Mainz eingemeindet. Das restliche Kreisgebiet wurde mit dem größten Teil des aufgelösten Landkreises Bingen zum neuen Landkreis Mainz-Bingen zusammengelegt. mini|Siegelmarke Großherzoglich Hessisches Kreisamt
Kreis- und Landräte
Karl Schmitt (1845–1848 und 1852–18741848–1852 waren die Kreise im Großherzogtum Hessen abgeschafft, deren Aufgaben nahmen Regierungsbezirke wahr.) Theodor Goldmann (1874–1877) Ludwig Röder von Diersburg (1877–1881) Friedrich Küchler (1881–1891) Karl Rothe (1891–1898) Maximilian von Gagern (1898–1908) Friedrich von Hombergk zu Vach (1908–1910) Andreas Breidert (1910–1913) Wilhelm Best (1913–1922) Karl Usinger (1922–1929) Wilhelm Wehner (1929–1945) Fritz Rüffer (1945–)
Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 1852 64.292 1900 138.360 1910 158.668 1925 151.359 1933 175.632 1939 55.443 1950 67.414 1960 70.000 1968 80.791
Städte und Gemeinden Die folgende Tabelle enthält alle Kommunen, die dem Kreis bzw. dem Landkreis Mainz zwischen 1852 und 1969 angehörten und die Daten aller Eingemeindungen: GemeindeEingemeindet nachDatum derEingemeindungvon 1852 bis 1938 Teil des Kreis Oppenheimbis 1835 Teil des Kantonvor 1792 zugehörig "Wilhelm von der Nahmer, Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts, S. 55 ff" Bodenheim ja Kanton Oppenheim Stift St. Alban vor Mainz Bretzenheim Mainz 1. Januar 1930 nein Kanton Niederolm Kloster Dalheim (Mainz) Budenheim* nein Kanton Oberingelheim Kurmainz Dalheim ja Kanton Oppenheim Graf von Falkenstein Dexheim ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Oppenheim Dienheim ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Alzey Dolgesheim ja Kanton Oppenheim Graf von Leiningen-Guntersblum Drais Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurmainz Ebersheim Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurmainz Eimsheim ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Alzey Essenheim nein Kanton Niederolm Kurpfalz, Oberamt Oppenheim Finthen Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Dompropstei von Mainz Friesenheim ja Kanton Wörrstadt Freiherr von Dienheim Gau-Bischofsheim nein Kanton Niederolm Kurmainz Gonsenheim Mainz 1. April 1938 nein Kanton Niederolm Dompropstei von Mainz Guntersblum ja Kanton Oppenheim Graf von Leiningen-Guntersblum Hahnheim ja Kanton Oppenheim Freiherr von Dienheim Harxheim nein Kanton Niederolm Grafschaft Falkenstein Hechtsheim Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurmainz Hillesheim ja Kanton Wörrstadt Grafschaft Falkenstein Kastel Mainz 1. April 1908 nein Kanton Mainz Kurmainz Klein-Winternheim nein Kanton Niederolm Kurmainz Köngernheim ja Kanton Oppenheim Sickingen (Adelsgeschlecht) Kostheim Mainz 1. Januar 1913 nein Kanton Mainz Kurmainz Laubenheim Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurmainz Lörzweiler ja Kanton Oppenheim Frhr von Hettersdorf Ludwigshöhe ja Kanton Oppenheim Freiherr von Dienheim Mainz, Stadt Kreisfreie Stadt 1. November 1938 nein Kanton Mainz Marienborn Mainz 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurmainz Mombach* Mainz 1. April 1907 nein Kanton Oberingelheim Domkapitel von Mainz Mommenheim ja Kanton Oppenheim Ritterschaftliche Ganerbschaft Nackenheim ja Kanton Oppenheim Kurmainz Nieder-Olm nein Kanton Niederolm Kurmainz Nierstein ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Oppenheim Ober-Olm nein Kanton Niederolm Kurmainz Oppenheim, Stadt ja Kanton Oppenheim Kurpfalz Schwabsburg Nierstein 1. Juli 1970 ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Oppenheim Selzen ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Alzey Sörgenloch nein Kanton Niederolm Frhr. von Köth. Stadecken Stadecken-Elsheim 7. Juni 1969 nein Kanton Niederolm Kurpfalz, Oberamt Oppenheim Uelversheim ja Kanton Oppenheim Graf von Leiningen-Guntersblum Undenheim ja Kanton Wörrstadt Kurpfalz, Oberamt Alzey Weinolsheim ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Alzey Weisenau Mainz 1. Januar 1930 nein Kanton Niederolm Kurmainz Wintersheim ja Kanton Oppenheim Kurpfalz, Oberamt Alzey Zornheim nein Kanton Niederolm Kurmainz Budenheim und Mombach (Kanton Oberingelheim) gehörten dem Kreis erst ab 12. Mai 1852 an (zuvor Kreis Bingen). Friesenheim, Hillesheim und Undenheim (Kanton Wörrstadt) gehörten dem Kreis erst ab 1938 an (bis 1848 Kreis Alzey und dann Kreis Oppenheim). Alle anderen Orte gehörten dem Kreis schon seit 5. Februar 1835 an. Vom 16. Februar 1835 bis 12. Mai 1852 sowie ab 1. November 1938 war die Stadt Mainz nicht Teil des Kreises, sondern Kreisfreie Stadt.
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MZ zugewiesen. Es wird im Landkreis Mainz-Bingen und in der kreisfreien Stadt Mainz durchgängig bis heute ausgegeben.
Literatur Susanne Karkosch, Karin Müller: Die rheinhessischen Kreise (Alzey, Mainz, Oppenheim, Worms). Darmstadt/Marburg 1973 (= Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, Abt. G 15 Kreis- und Landratsämter), , (PDF; 226 kB). Susanne Karkosch, Karin Müller: Kreisamt Mainz – Oppenheim. Darmstadt 1973/2006 (= Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, Abt. G 15 Kreis- und Landratsämter), Bestand G 15 Mainz – Oppenheim, (PDF; 151 kB). Werner Lang: Heimatbuch Landkreis Mainz. Druck Wilhelm Traumüller, Oppenheim am Rhein 1967.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
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