Der Parti communiste français (PCF), die Kommunistische Partei Frankreichs (wörtlich Französische kommunistische Partei), ist eine politische Partei in Frankreich, die zu Beginn des Jahres 2021 insgesamt 43.888 Mitglieder zählte.Mitteilung des PCF vom 12. Mai 2021 2007 war sie in der französischen Kommunalpolitik mit 10.000 gewählten Politikern (davon etwa 800 Bürgermeister) vertreten,Zahlen auf politique.net, abgerufen am 8. Januar 2011 (französisch). zwischenzeitlich war sie mit 138.000 Mitgliedern die mitgliederstärkste kommunistische Partei Westeuropas.
Der PCF wurde 1920 bei einem Parteitag in Tours nach dem Auseinanderbrechen der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO, Französische Sektion der Arbeiterinternationale) gegründet. Als Parteizeitung galt lange L’Humanité, die trotz ihrer ideellen Verbundenheit mit der Partei strukturell von dieser unabhängig war. Der Sitz des PCF befindet sich an der Place du Colonel Fabien in Paris in einem vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfenen Betonbau. Die früher mit der Partei eng verbundene Gewerkschaft, Confédération générale du travail (CGT), agiert heute organisatorisch und inhaltlich unabhängiger vom PCF als früher.
Der PCF war vom 10. September 1944 (Amtsantritt des Kabinett de Gaulle I) bis zum 4. Mai 1947 an französischen Regierungen beteiligt. Am 4. Mai 1947 wurden die vier PCF-Minister im Kabinett Ramadier I entlassen. Ein zweites Mal war die Partei nach dem Wahlsieg François Mitterrands im Mai 1981 an den Regierungen Mauroy II und III (23. Juni 1981 bis 17. Juli 1984) beteiligt. Zuletzt (Stand 2025) gehörten von 1997 bis 2002 mit Jean-Claude Gayssot und Marie-George Buffet Mitglieder des PCF als Teil der Gauche plurielle der Regierung an (Kabinett Jospin).
Zusammen mit der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) galt der PCF vom Anfang der 1970er bis zum Ende der 1980er Jahre als bedeutender Vertreter einer die pluralistisch-demokratische Verfasstheit von Staat und Gesellschaft anerkennenden Strömung, des Eurokommunismus, und grenzte sich damit von den kommunistischen Parteien der realsozialistischen Systeme im Ostblock ab.
Geschichte Parteigründung Als Erbe der Pariser Kommune von 1871 wuchs der PCF neben dem PCI zur bedeutendsten Partei dieser Ausrichtung in westlichen Demokratien heran. Sein politisches Gewicht ging vorwiegend zulasten sozialdemokratischer Parteien. Diese konnten aufgrund ihrer Zersplitterung erst spät eine politische Bedeutung erlangen, die der linksgerichteter demokratischer Parteien anderer europäischer Staaten entsprach. Bis 1984 kam in Frankreich keine sozialdemokratische Regierung ohne die Unterstützung der Kommunisten ins Amt.
Innerhalb der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) waren bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914) die Reaktionen auf eine Allianz mit Raymond Poincaré geteilt. Während des Krieges steigerten sich die Spannungen in Frankreich zu Meutereien und Streiks. Im März 1919 gründete sich die Kommunistische Internationale (Komintern), die zu einem Bruch innerhalb der kommunistischen Bewegung in Frankreich führte. Auf einem Parteitag der französischen Kommunisten im Februar 1920 in Straßburg erging der Beschluss, die Organisation der Sozialistischen Internationale zu verlassen. Beim anschließenden Parteitag in Tours im Dezember 1920 sprach sich die Mehrheit der Delegierten unter dem Einfluss von Charles Rappoport und Boris Souvarine für eine Anbindung an die Komintern aus und gründete die Section française de l’Internationale communiste (SFIC, Französische Sektion der Kommunistischen Internationale), die 1922 zur Kommunistischen Partei Frankreichs wurde.
Einfluss der internationalen kommunistischen Bewegung mini|hochkant|Maurice Thorez, 1930 bis 1964 Generalsekretär des ZK der KP Frankreichs Die Anfänge der Partei wurden von heftigen inneren Querelen begleitet. Sie führten noch im selben Jahr zum Ausschluss zahlreicher Mitglieder und Führungspersönlichkeiten, die des Opportunismus bezichtigt wurden. Nach einem ersten Wahlerfolg 1924bei der Unterhauswahl am 11. und 25. Mai 1924 erhielt die PCF 9,82 % der Stimmen. sank die Popularität der Partei infolge der Stalinisierung und erreichte 1932 einen Tiefpunkt. Die Mitgliederzahl sank auf 25.000, die Wahlergebnisse waren schlecht.Bei der Unterhauswahl im Mai 1932 erhielt sie 8,32 % der Stimmen. Der Generalsekretär des PCF, Maurice Thorez, unterhielt enge Kontakte zu Josef Stalin. In der Folgezeit nahm die Abhängigkeit von Moskau zu. Auch an der Parteibasis machte sich diese Veränderung bemerkbar: Allmählich wandelte sich die Anhängerschaft; statt der bisher vorherrschenden Mittelklasse (Lehrer, Journalisten, Ärzte usw.) waren zunehmend junge Arbeiter Parteimitglieder. Die Bindung an die sowjetische Schwesterpartei (KPdSU) nahm auch eine wirtschaftliche Dimension an, als der PCF ab 1950 jährlich mehrere Millionen Franc aus Moskau erhielt.
Viele bisher mit dem PCF sympathisierende Intellektuelle wandten sich von der Partei ab, so die Surrealisten André Breton und Benjamin Péret, die sich zeitweise dem Trotzkismus anschlossen, sowie der Schriftsteller André Gide.
Teil der Volksfront Der Kampf gegen den Faschismus, aus dem Helden der Résistance wie Gabriel Péri oder Guy Môquet hervorgingen, bildet wahrscheinlich eines der erfolgreichsten Kapitel der Parteigeschichte. Dennoch blieben die Positionen der Partei in dieser Frage nicht immer eindeutig.
Ursprünglich, als sich die Machtergreifung Benito Mussolinis, dann Adolf Hitlers anbahnte, wurde der Faschismus als ultimative Form des Kapitalismus und Imperialismus angesehen. Die Sozialisten wurden des Verrats an der Arbeiterklasse bezichtigt, namentlich die deutschen Sozialdemokraten, die im Januar 1919 im Dienste der Reaktion den Spartakusbund bekämpft hätten (Sozialfaschismusthese).
Gegen diese Politik stellte sich Jacques Doriot, der Generalsekretär der Kommunistischen Jugend, der dafür im Juni 1934 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Er ist auch bekannt für die spätere Gründung einer Bewegung, die sich durch ihre Unterstützung des faschistischen Regimes und ihre antikommunistische Ausrichtung auszeichnete, was wahrscheinlich mit dieser Erfahrung in Zusammenhang zu bringen ist.
Ironischerweise wurde seine Beurteilung der Situation von Josef Stalin, der auf die Verherrlichung Adolf Hitlers mit Besorgnis reagierte, übernommen. Der Parteitag, der den Ausschluss von Jacques Doriot besiegelte, wurde sogar um einen Tag verlängert, um es Maurice Thorez zu ermöglichen, die neue Politik einer einheitlichen Vorgehensweise vorzustellen, die auf eine Einigung der linken Strömungen abzielte und eine radikale Wende der Anweisungen aus Moskau darstellte.
Als Folge stellte sich eine patriotische Ausrichtung der Bewegung ein. Die Kritik am französischen Kolonialismus, die in den 1920er Jahren eine gewisse Relevanz besaß, wurde nun zweitrangig.Selim Nadi: Die Französische Kommunistische Partei und ihre Haltung zu Sozialchauvinismus und Kolonialismus 1920 bis 1936. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft I/2018, S. 45–62. Innenpolitisch ermöglichte die neue Ausrichtung jedoch Bündnisse, die vorher nicht denkbar waren – etwa den Zusammenschluss mit der SFIO und dem Parti radical unter der Bezeichnung Front populaire. Er trug bei den Wahlen 1936 den Sieg davon. Bei den darauf folgenden Gemeinderatswahlen gelang es den Kommunisten zudem, mehrere Pariser Arbeitervorstädte von ihrer Politik zu überzeugen. Dank einer stärkeren gesellschaftlichen als politischen Ausrichtung ihrer Arbeit in diesen Gemeinden war es dem PCF möglich, sich die Loyalität dieser Bastionen ihrer Macht, unter der Bezeichnung Banlieue Rouge oder Ceinture Rouge (Roter Gürtel) bekannt, bis in die 1980er Jahre zu bewahren.
Dem spontanen Generalstreik 1936 gegenüber ablehnend eingestellt, unterstützte der PCF in der Folge die neue Regierung, ohne an ihr beteiligt zu sein. Der PCF stärkte die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg zugunsten der republikanischen Regierung.
Im Oktober 1938 widersetzten sich die Kommunisten als einzige Partei dem Münchner Abkommen, das die Zerschlagung der Tschechoslowakei besiegeln sollte, und von dem die Sowjetunion bewusst ausgeschlossen blieb.
Die Nachricht der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes am 24. August 1939 mit geheimen Klauseln, welche die Aufteilung Polens und weiterer Teile Osteuropas vorsahen, führte zum Schock. Seitens der französischen Regierung führte der Pakt zum Abbruch diplomatischer Beziehungen mit Moskau sowie zum Verbot der kommunistischen Parteiorgane L’Humanité und Soir am 26. August.In: Sonntagsblatt zu Staatszeitung und Herold (New York), 27. August 1939, S. A3.
Kriegsausbruch und Parteiverbot In Fortführung ihrer patriotischen Volksfrontpolitik sprach sich die Partei zunächst auch für einen Krieg gegen Deutschland aus, erhielt aber im September 1939 gegenteilige Anweisungen der Komintern-Zentrale aus Moskau. Der Krieg wurde nicht als Kampf gegen den Faschismus, sondern als eine Auseinandersetzung zwischen kapitalistisch-imperialistischen Staaten bezeichnet, entsprechend sollte der PCF seine Haltung ändern. Das Verbot der Partei bis Ende September 1939 hinderte sie jedoch an einer effektiven Umsetzung ihrer Ziele. Gleichzeitig wurde der Aufruf der Komintern von der Regierung als Rechtfertigung genutzt, gegen vermeintliche kommunistische Saboteure und Defätisten vorzugehen. Der tatsächliche Umfang der Sabotage der französischen Verteidigungsbemühungen wird jedoch als extrem gering eingeschätzt.Tablot Imlay: Mind the Gap. The Perception And Reality of Communist Sabotage of French War Production During the Phoney War. In: Past and Present, Nr. 189 (Nov. 2005), S. 179–234. Joel Blatt: The French Defeat of 1940. Reassessments. Berghahn Books, Oxford, 1998, ISBN 1-57181-226-1, S. 141.
In den Untergrund gedrängt und in Abwesenheit ihrer bedeutendsten Führer, die als Soldaten mobilisiert worden oder wie Maurice Thorez in die Sowjetunion geflohen waren, durchlebten die Aktivisten der Partei eine Phase der Orientierungslosigkeit.
In der Erwiderung auf die Meldung der französischen Nachrichten- und Werbeagentur Havas über eine angebliche Rede Josef Stalins vor dem Politbüro am 19. August 1939 erklärte dieser am 30. November 1939 in einem Artikel in der sowjetischen Tageszeitung Prawda:Prawda: , 30. November 1939. Deutsche Übersetzung nach Viktor Suworow: Der Eisbrecher. Klett-Cotta, Stuttgart 1989.
Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 beantragten die Kommunisten erfolglos bei der Besatzungsmacht die erneute Zulassung ihrer Parteizeitung L’Humanité. Gleichzeitig brachten sie sich mit Persönlichkeiten wie Guy Môquet in Paris, Eusebio Ferrari in Nordfrankreich und zahlreichen anderen aktiv in die Résistance ein.
Résistance, Nachkriegszeit und Beginn des Kalten Kriegs