mini|Die voll ausgebaute Burg um 1681, Stich von Georg Matthäus Vischer, im Vordergrund ist der auch heute noch vorhandene Steig zum ehemaligen Turnierplatz am Sprengzaun dargestellt mini|Befundskizze, Stand 1994 mini|Halsgraben vor dem Haupttor mini|Haupttor mit Mannloch, Ansicht aus Ost mini|hochkant|Schlüsselscharte im Obergeschoß des Haupttores mini|SO-Ecke der Bastei mini|Schlupfpforte an der Nordmauer des Zwingers mini|hochkant|Restauriertes Rampengewölbe vor der Wehrgalerie mini|Innenansicht der Wehrgalerie und Tor 2 vor der Schildmauer des Hochschlosses, ganz rechts die südliche Schlupfpforte mini|Blick vom Hochschloss auf das teilweise wiederaufgebaute Haupttor, die Bastei (rechts) und dem Zwinger mini|Schildmauer und Wehrgalerie des Hochschlosses, Ansicht aus Ost mini|Westseite der Schildmauer, rechts sind noch Balkenstümpfe einer Zwischendecke und links Reste von Wandmalereien des Palas zu erkennen mini|Kernwerk und Standort der Burgkapelle (Arkadenbögen links) mini|Rekonstruktionszeichnung vom Hebewerk des Ziehbrunnens mini|Kreuzsymbol an Tor 3 mini|Rohrmuffen der Wasserleitung mini|hochkant|Grabplatte des Siegmund-Ludwig und der Eva von Schärfenberg (Pfarrkirche Langenwang) mini|hochkant|Die im 19. Jahrhundert erbaute Marienkapelle
Die Burgruine Hohenwang befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Langenwang, im Bundesland Steiermark, Österreich.
Die Festung, die im Kern auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, ist das Wahrzeichen von Langenwang, zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Wehrbauten dieser Zeit und wegen ihrer außergewöhnlichen Länge auch zu den größten Burgen der Steiermark. Sie diente in erster Linie als regionaler Verwaltungssitz, der von Burgpflegern verwaltet wurde.
Sie besteht aus der Hochburg und zwei Vorwerken, die durch Gräben voneinander getrennt sind. Ihr massiver Verfall setzte gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein, nachdem sie durch Steinraub und ein Erdbeben schwer beschädigt worden war. Im Zweiten Weltkrieg wurden weitere Teile der Ruine durch Bombenabwürfe zerstört.
Von der Festungsanlage sind heute noch ein Teil des westlichen Kernwerkes, die Schildmauer des Hochschlosses und das Haupttor in ihren Umfassungsmauern erhalten. Die Mauern wurden in den letzten 40 Jahren größtenteils von Mitgliedern des Burgenvereins Hohenwang gesichert und saniert.
Lage Die Mauerreste stehen auf einem ca. 100 Meter hohen Felssporn, ein Ausläufer des Sulzkogels in den Fischbacher Alpen, an der Südseite des Mürztales. Von hier aus kann man bis zum Wartbergkogel im Südwesten und bis Mürzzuschlag im Nordosten sehen. An den Felsberg schließt sich im Osten der Hochwald des Sulzkogels an. Im Hinterland befinden sich nordöstlich der Königs- und östlich der Kaiserkogel. Die Ruine ist auf drei Wegen erreichbar. Auf ihnen gelangt man bis zu einer Marienkapelle, hinter der sich der Zugang zur Burg befindet. Die Aussicht vom Ruinengelände ist durch den derzeit dichten Waldbestand (2025) sehr eingeschränkt.
Funktion Hohenwang diente als örtlicher Verwaltungsmittelpunkt, dem Schutz der Bevölkerung in Krisenzeiten, der Rechtsprechung, der Kolonisation und der damit verbundenen Verbreitung des Christentums im oberen Mürztal. Ab dem 13. Jahrhundert residierte auch ein Priester auf der Burg.
Trotz der regionalen Bedeutung war ihren Herren nur die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit gestattet. Delinquenten die sich Kapitalverbrechen schuldig gemacht hatten, mussten dem Kapfenberger Landgericht zur Aburteilung überstellt werden.
Aufgrund der guten Sichtverbindungen zu benachbarten Festungen wurde im 16. Jahrhundert nahe der Burg ein Tag und Nacht besetzter Kreidfeuerposten (auf der Kote 1442 oder Farrenboden) zur Warnung vor Türkeneinfällen eingerichtet und mit Kreidschussmörser und Doppelhakenbüchsen versehen.Othmar Pickl: 1997, S. 81–84.
Entwicklung Im 11. Jahrhundert wurde der größte Teil des oberen Mürztales noch von den Eppensteinern beherrscht. Herzog Heinrich III. von Kärnten, ebenfalls ein Eppensteiner, schenkte das Gebiet der späteren Herrschaft Hohenwang 1122 den steirischen Landesfürsten. Von den Bauern der Herrschaft Hohenwang dürften nur wenige Leibeigene gewesen sein. Die meisten waren schon früh in den Status von „halbfreien Holden“ aufgestiegen. Sie durften zwar ihre Höfe ohne Erlaubnis des Grundherren nicht verlassen, da sie diese jedoch weitgehend eigenverantwortlich bewirtschafteten, genossen sie, gemessen an den Verhältnissen der damaligen Zeit, schon ein hohes Maß an persönlicher Freiheit.Othmar Pickl 1997, S. 260.
Im 12. Jahrhundert vergab Markgraf Ottokar III. weite Landstriche im Mürztal als landesfürstliches Lehen an die Stubenberger. Hohenwang ging daraufhin an einen engen Verwandten der Stubenberger, Erchinger I. von Landesere, ein Adeliger aus dem Ministerialenstand, dessen Familie ihren eigentlichen Stammsitz auf der Burg Landsee im heutigen Burgenland hatte. Deren Mitglieder nannten sich ab da auch Herren von Hohenwang. Als Inhaber des Mundschenkenamtes unter den Markgrafen von Steyr waren sie die ranghöchsten Adeligen in der Obersteiermark. Der Bau der Burg dürfte zwischen 1122 und 1160 auch von Erchinger I. von Landesehre in Auftrag gegeben worden sein.Othmar Pickl: 1954, S. 51–69.
1222 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Die Landesehre ließen die Festung stellvertretend von Burggrafen verwalten (sog. Burghut). Diese fügten den Namen Hohenwang meist ihren Titular hinzu. 1240 machte der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein auf seiner Turnierfahrt hier Station und forderte Erchinger II. zum Zweikampf heraus. Angeblich ritten sie sechsmal gegeneinander an und zerbrachen dabei jedes Mal ihre Lanzen. Keinem gelang es jedoch seinen Gegner aus dem Sattel zu heben. In seinem literarischen Werk Vrowen dienst bezeichnete er die Burg als „hus ze Hohenwang“. In einer Urkunde von 1249 wird ein Priester (Vikar) namens Heinrich in Zusammenhang mit Hohenwang erwähnt. Erchinger III. wurde als erster Zeuge in jenem Vertrag angeführt, die 1282 die Belehnung der Söhne König Rudolfs I. von Habsburg mit den Herzogtümern von Österreich und Steiermark regelte. Mit dem Tod von Erchinger III. (vermutlich starb er auf Hohenwang), 1286, erlosch das Geschlecht der Landesere.Othmar Pickl: 1954, S. 37–38.
Im Zuge der Kämpfe gegen Kaiser Friedrich III. fiel König Matthias Corvinus 1477 in die Steiermark ein und die Burg war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts von ungarischen Söldnern besetzt. Die Lage der Bauern hingegen dürfte sich im 15. Jahrhundert wesentlich verbessert haben, da Hohenwang meist von Amtsleuten verwaltet wurde die selbst aus dem Bauernstand hervorgegangen waren und sich ein gewisses Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte der Landbevölkerung bewahrt hatten. Vielen Bauern gelang es in dieser Zeit auch sich loszukaufen und so auch das Erbrecht auf ihre Höfe zu erwerben. Die Bauern von Hohenwang dürften also mit ihrem Los überwiegend zufrieden gewesen sein, da sie sich auch während des großen Bauernaufstandes von 1525 ruhig verhalten hatten. Die Grundherren konnten sie daher bei feindlichen Einfällen schwer bewaffnen, ohne befürchten zu müssen, dass sie sich gegen sie erhoben.Othmar Pickl 1997, S. 260–262.
1512 ging die Herrschaft Hohenwang in den Besitz der Scherffenberg (Schärffenberg) über, ein alteingesessenes Adelsgeschlecht, das zu den Apostelgeschlechter gehört und angeblich schon um 928 aus Franken in die Südsteiermark eingewandert war. In den Quellen wird um 1067 ein Heinrich von Scherffenberg als Bischof von Speyer erwähnt. Die Übernahme von Hohenwang durch diese Adelsfamilie sollte sich für ihre Untertanen als Glücksfall erweisen, da erstere besonders darum bemüht waren die Bauern – auch in schweren Krisenzeiten – nicht über Gebühr durch Abgaben und Frondienste zu bedrücken. 1525 richtete ein Großbrand schwere Schäden an. Anfang Oktober 1529 brachen 3000 türkische Reiter (sog. Akinci) über den Semmering in das Mürztal ein, verwüsteten Dörfer und Bauernhöfe und machten daneben zahlreiche Gefangene, die sie in Krieglach zusammentrieben. In der Pfarrkirche von Krieglach befindet sich heute noch eine Tafel (sog. Plagentafel) mit folgender Inschrift:
„In dem 1529 Jahr ist der Türgkh hie gewösen und hat 800 und etlich Perschaunen wegkh gefiehrt. Was folgen werdt ist Gott bekanndt.“
Obwohl sie es nicht wagten, auch Burgen und befestigte Städte anzugreifen, erschien angeblich vor den Toren Hohenwangs eine Streifschar. Sie soll jedoch bald wieder abgezogen sein, da sie über keine Belagerungsartillerie verfügte.Othmar Pickl: 1993, S. 69. Auch der steirische Schriftsteller Peter Rosegger erwähnt 1875 die Belagerung der Burg in einem Aufsatz in der in Graz erschienenen Wochenzeitung Der Dorfbote:
„Reiter sprengen in Kreuz und Quer, sprengen gegen vereinzelte Gehöfte, sprengen gegen die Schluchten von Hohenwang hinan. Finster und trotzig steht die Burg dort auf dem Berge. Keine Fenstertafel glitzert, kein Fähnlein wallt; still und leblos ragt die Feste. Ein Häuflein Rotmäntel klettert den Berg hinan, klettert katzenhaft behendig den altersgrauen Wall empor, da bricht plötzlich das Wetter los. Steine hageln, qualmende Ströme von Pech regnet es nieder, dumpf und derb donnern die Flüche der wackeren Ritter und Knappen. Die Anstürmer purzeln, kollern in den Burggraben, oder fliehen knirschend den Berg herab. Oh, der alten Burg bleibt es nicht geschenkt. Mit den braunen, blutkrustigen Fäusten drohen sie, die schneeweißen Zähne fletschen sie der Veste empor: Dir wird nimmer der Mond voll! Und in einer der folgenden Nächte loderte die Burg Hohenwang in Flammen; das ganze weite Tal lag im roten Scheine.“Peter Rosegger: Die Türken im Mürztal. Ein Bild aus der Schreckenszeit unserer Vorfahren. Der Dorfbote 14. – 28. Oktober 1875.
Einige Scherffenberger des 16. Jahrhunderts waren überzeugte Lutheraner, was immer wieder zu Streitigkeiten mit dem Zisterzienseräbten von Stift Neuberg führte. Zwischen 1580 und 1600 stand die Burgkapelle daher auch den protestantischen Bürgern und Bauern der Umgebung als Andachts- und Versammlungsstätte offen. Ulrich Christoph von Scherffenbergs – wieder zum katholischen Glauben konvertierter – Sohn Maximilian musste sich seiner Gattin gegenüber verpflichten, auf ewige Zeiten einen Priester zu unterhalten, der in der Burgkapelle wöchentlich vier heilige Messen zu lesen hatte. Seit 1622 bekleidete Ulrich Christoph von Scherffenberg das Amt des Landesverwesers, er war somit auch Stellvertreter des Landeshauptmannes und Vorsitzender der „Landschranne“, ein Gerichtshof, der ausschließlich für Adelige und Geistliche zuständig war.Othmar Pickl: 1993, S. 85. Die Steiermark blieb von den Zerstörungen und Gräueln des Dreißigjährigen Krieges zwar verschont, dennoch litten die Bewohner des Mürztales massiv unter den zahlreichen Truppeneinquartierungen. 1633 war Mürzzuschlag Sammel- und Musterungsplatz für neue Rekruten und die umliegenden Grundherrschaften – darunter Hohenwang – mussten für die Fourage der Soldaten aufkommen. Anlässlich des Türkenkrieges von 1683 lag die Hauptlast der Verteidigungsanstrengungen in dieser Region auf Neuberg und Hohenwang. So wurden allein von diesen beiden Herrschaften 300 Bewaffnete unter dem Kommando des Freiherren Johann Cassinedi zur Bemannung der Verschanzungen am Semmeringpass aufgeboten. Die Burg selbst, in der auch Nonnen aus Kirchberg am Wechsel Zuflucht gefunden hatten, war aber zu keiner Zeit ernsthaft bedroht. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hielten sich die Scherffenberger nur noch selten in der Burg auf.