Anschau ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Vordereifel an, die ihren Verwaltungssitz in Mayen hat.
Geographische Lage Anschau liegt westlich von Monreal und südlich von Virneburg im Naturraum Nr. 271.3 Elzbachhöhen der Östlichen Hocheifel an der Straße von Niederelz nach Nachtsheim in der geologischen Formation „Anschauer Trog“ bzw. „Kürrenberg-Anschauer Mulde“ zwischen dem Waldescher-Nachtsheimer und dem Bürresheim-Bermeler Sattel.
Zur Gemeinde Anschau gehört außer dem namengebenden Ort auch der Weiler Mimbach, der am gleichnamigen Bach liegt. Die höchste Erhebung liegt im Ortskern von Anschau bei , im Süden wechselt der Elzbach an der tiefsten Stelle der Gemeinde bei etwa in das Gebiet von Niederelz.
Geschichte Anschau gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Grafschaft Virneburg. Hier bestand – unter ursprünglich kurpfälzischer Lehenshoheit – anfangs eine Lehensgemeinschaft der Grafen von Virneburg mit den Grafen von Sponheim-Sayn.Wilhelm Iwanski: Geschichte der Grafen von Virneburg von ihren Anfängen bis auf Robert IV. (1383). (diss. phil. Berlin). Görres, Koblenz 1912, bes. S. 19f (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz). 1381 verkaufte Jutta von Sayn († 1381/87), Witwe Adolfs III. von Grafschaft († 1381) zu Ehreshoven und Tochter Gottfrieds II. von Sayn († 1327), mit Zustimmung ihrer Söhne und der Grafen Adolf III. (1312–1383) und Johann von Virneburg ihr ererbtes Gut Anschowe bzw. Anschauwe im Gericht Nachtsheim mit Ackerland, Wiesen und allem Zubehör an Lutz von Ehreshoven (Yrenhuysen).Urkunden vom 24. (Regest verlesen: „Anschosse“) und 30. Juni 1381; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 70 und 72). Dies ist vermutlich die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes.
Der Zehnt aus Anschau stand dem Propst des Stiftes Münstermaifeld zu (seit 1515 war das in Personalunion der Erzbischof von Trier), später erhielt davon der Pfarrer von Nachtsheim.Zur Zehnthaferpflicht der Dörfer Anschauw und Mümpach vgl. Nachtsheim, Kath. Pfarramt, Nr. 3 Schultregister dero pfarkirchen in Nachtsheim, lit. g) Ordenung, wie die sentscheffen alle iahr die seinthaber auffheben sollen, (1460) 1665. In: Armin Tille (Bearb.): Die Kreise Jülich und Mayen. (Übersicht über den Inhalt der kleinerer Archive der Rheinprovinz II/1). Carl Georgi, Bonn 1901, S. 85.C. Graf von Looz-Corswarem (Bearb.): Kollegiatstift, 2015, S. 686f. Der Zehnte wurde verpachtet und brachte 1641/42 6 Malter Hafer ein, 1717 13 Malter Korn und 11 Malter Hafer und 1792/93 13 Malter Korn und 15 Malter Hafer. Die Gemeinde unterlag bis zum Ende des Alten Reiches dem Mühlenzwang der Bannmühle in Niederelz.Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1111, 1396, 1539 und 1540; Nachträge, Nr. 86).
In „Ainschauwe“ wird 1488 ein herrschaftlicher Hof erwähnt; Graf Philipp II. von Virneburg und Neuenahr († 1522/25) und seine Frau Walburga von Solms (1461–1499) verschrieben eine Rente über 5 Malter Korn aus seinen Erträgen,Urkunde vom 15. Juni 1488; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 1A Urkunden der geistlichen und staatlichen Verwaltung, Nr. 2734). die noch mehr als 300 Jahre später auf dem Hof haftete.Sie stand 1807 Dr. Johann Friedrich Lebens zu, dem Präsidenten des Koblenzer Kriminalgerichts (tribunal criminel) und späteren Geheimen Oberregierungsrat; vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 256 Präfektur des Rhein-Mosel-Departements in Koblenz, Sachakten 6346 und 10682). Zu dem Hof gehörten Ländereien und Waldungen wie der „Kreuzbusch“ (heute Kreuzbus nördlich der Kläranlage am Elzbach gegenüber von Bermel).Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1380, 1417, 1440, 1701 u. a.). In Mimbach gehörte den Virneburger Grafen das Iring-Gut mit einem Wald und Rodungsland bei der Holzwiese, oben längs der Büsch (heutiger Flurname wohl Im Buschseifen) und herab bis an den Bach.Urkunde vom 14. September 1606; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 694a).
Nach dem Aussterben der Virneburger 1545 gelangte Anschau mit der Grafschaft an die Herrschaft Manderscheid-Schleiden und wurde vorübergehend protestantisch. Es kam in der Folgezeit immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen dem virneburgischen Weiler Mimbach und den seit 1593 kurtrierischen Gemeinden Nachtsheim und Boos, insbesondere über die Holzwiese entlang dem Mimbach, die Büsche (gemeint ist vermutlich das heutige Flurstück Zwischen dem Büsch am Mimbach bei Münk), die Weidegerechtigkeit im Wald SegardRegest von 1600; Otto Graf von Looz-Corswarem, Hellmuth Scheidt (Bearb.): Repertorium der Akten des ehemaligen Reichskammergerichts im Staatsarchiv Koblenz. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1). Selbstverlag. der. Landesarchivverwaltung, Koblenz 1957, Nr. 1329, S. 224. oder Sechardt (heute Im Seechert) und auf den Wiesen in der MumpachRegest von 1663; O. Graf von Looz-Corswarem, H Scheidt (Bearb.): Repertorium, 1957, Nr. 1410, S. 236. (Mimbach), über das Wasen-Stechen auf der Heide oberhalb Gerhardsbüschelchen und die Besteuerung der sogenannten Wohntal-Wiesen (heutige Flurnamen Im Wohntal, Wohntalskaul).Akten 1551, 1571, 1579, 1593–1609, 1620, 1627–1630, 1663, 1710, 1715–1733, 1752–1756 und 1782–1791; Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 808, 812, 826, 827, 839-845, 854, 858, 861–863, 875 und 1668; auch F-US 6 Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 480 und 694a); Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 34 Reichsgrafschaft Virneburg, Sachakten 885 und 886; Bestand 1C Akten der geistlichen und staatlichen Verwaltung, Amt und Kellerei Mayen, Sachakte 7029). 1590 gestattete Magdalena von Nassau-Wiesbaden (1546–1604), die Witwe des Grafen Joachim von Manderscheid-Schleiden-Virneburg (* um 1540; † 1582), dem Virneburger Rentmeister und Vogt Johann Hilgers I. († um 1618), eine Kornrente in Anschau zu erwerben.Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 277, 456, 549 und 883). Nach dem Tod ihres Schwagers Dietrich VI. von Manderscheid-Schleiden-Kerpen (1538–1593) fiel Anschau mit der Grafschaft Virneburg an die lutherischen Grafen von Löwenstein-Wertheim.
Statistiken von Eva Lacour zufolge gab es in Anschau zwischen 1582 und 1701 etwa 18 Haushalte, in Mimbach um die vier. 1598/99 grassierte in den virneburgischen Dörfern die Pest.Notariats-Instrumente des Notars Peter Mauer von Kronenburg, Bürger zu Münstereifel, vom 3. und 4. März 1599; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 688 und 689). Am 9. Januar 1599 drangen etwa 100 kurtrierische Untertanen von Mayen aus mit Wissen und Willen des Erzbischofs Johann VII. von Schönenberg, der Ansprüche auf Schloss und Grafschaft Virneburg als einem kurtrierischen Erblehen erhob,Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1 u. a.). in die Grafschaft ein. Vier bewaffnete Schützen überfielen dabei auch den Weiler Mimbach, nahmen zwei Pferde mit und versuchten, Schweine zu stehlen. Clas Martins wurde von ihnen mit einem Rohr (Gewehr) in die Seite gestoßen und starb acht Tage später an den Folgen der Verletzung. Magdalenas von Nassau älteste Tochter Elisabeth von Manderscheid-Schleiden (1569–1621), seit 1592 verheiratet mit Graf Christoph Ludwig von Löwenstein-Wertheim-Rochefort (1568–1618), belehnte 1606 Lukas (Laux) und seine Schwester Maria (Mergen) aus Mimbach, Kinder des Johann von Mimbach, mit dem dortigen Iring-Gut. Elisabeth von Manderscheid erhielt die Grafschaft Virneburg endgültig 1615 bei einer Erbteilung mit dem Grafen Ernst von der Marck-Schleiden (1590–1654). Sie und ihre Mutter Magdalena von Nassau erkannten gleichzeitig den Trierer Erzbischof Lothar von Metternich als Lehnsherren der Grafschaft an, wodurch der katholische Einfluss auf die kirchlichen Verhältnisse der Grafschaft wieder dominierend wurde. Die Verpachtung des Iring-Guts in Mimbach wurde bei diesem Anlass um zwölf Jahre verlängert. Beim Vertragsschluss war der Heimbürger Nikolaus Schneider von Anschau zugegen, der zusammen mit Heimbürgern zwölf weiterer Orte virneburgische Kapitalien ablöste.Urkunde vom 28. September 1615, ausgestellt in Luxemburg; Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Wertheim (F-US 6 Nr. 704 www.deutsche-digitale-bibliothek.de).
Im Dreißigjährigen Krieg erhielten die Hofleute in Anschau 1643 vom Stift Münstermaifeld Nachlässe bei den Pachtzahlungen zugestanden, weil einquartierte Soldaten Schäden verursacht hatten.C. Graf von Looz-Corswarem (Bearb.): Kollegiatstift, 2015, S. 211. Auch 1673Akte Löwenstein contra Würzburg; Streit um die Bezahlung der Reichssteuern … sowie Gesuche um Moderation der Reichssteuern und Einquartierungslasten mit Verweis auf den Verlust der Ämter, 1645–1681; Österreichisches Staatsarchiv Wien (Reichshofrat Judicialia Antiqua 254-256; www.archivinformationssystem.at). im Holländischen Krieg und 1690 im Pfälzischen Erbfolgekrieg gab es Kriegsschäden in Anschau, Mimbach, Ditscheid, Münk, Lind und „Bauersnitz“Mühlort am Nitzbach. im Kir(ch)sp(i)el Nachtsheim). 1693 wurden die Renten des Adenauer Kellers Johann Kayser († um 1718) in Anschau beschlagnahmt, weil ihm vorgeworfen wurde, dass er Güter der Grafen von Löwenstein-Wertheim in dem von ihm verwalteten Kurkölner Amt Nürburg überhöht besteuert habe.Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 883). Im Frühjahr 1722Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 678). und 1730Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1078 und 1677). wurden viele Häuser der Ortschaft durch Brände zerstört. 1773 wurden zwei gräfliche wertheimische Hofgebäude in Anschau an die Meistbietenden und bisherigen Beständer Johannes Mandt für 130 Reichstaler bzw. Christian Engels für 90 Reichstaler verkauft.Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1238).
Ein löwenstein-wertheimsches sogenanntes „Mimbachs-Höfchen“ lag auch in Weiler.Akten Verkauf eines zum Mimbacher Hof zu Weiler gehörigen Platzes an Hans Peter Thönis, 1662, und Verpachtung des herrschaftlichen Mimbachs-Höfchen zu Weiler, 1767; Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103 Grafschaft Virneburg - Akten und Rechnungen, F-Rep. 132, Nr. 1478 bzw. Grafschaft Löwenstein. Freudenbergisches Archiv: Kammersachen, 11. 1761–1767, Nr. 503).
Nach der Eroberung des linken Rheinufers durch die Französische Republik 1794 lagen 1796/97 französische Truppenteile in der Gemeinde.Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103 Grafschaft Virneburg – Nachträge, Nr. 40). Anschau gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Virneburg im Arrondissement de Bonn des Rhein-Mosel-Departements und unterstand der Verwaltung der Mairie Virneburg. Das gräflich wertheimische Gut „Kammerstück“ oder „Kemestück“ (heute Auf Kammerstück südöstlich des Dorfes),Verpachtung des Kemestücks zu Anschau, 1662; Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1495). das nicht viel mehr als 1 ha umfasste, ging in das Eigentum des französischen Staates über und wurde am 28. Nivose XII (19. Januar 1804) für 185 Francs (46 Taler) versteigert, am 2. Februar 1807 dann auch der Anschauer Hof mit 46 ha Land und 7 ha Wiesen – entspricht etwa 10 % der heutigen Gemeindefläche – für 5025 Francs (1340 Taler).Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 256 Präfektur des Rhein-Mosel-Departements in Koblenz, Sachakten 10153 und 10280).Johann Friedrich Schannat, Georg Bärsch: Eiflia illustrata, Bd. III/1/2 Die Städte und Ortschaften der Eifel und deren Umgebung. Jakob Anton Mayer, Aachen / Leipzig 1852, S. 95. Nach dem Wiener Kongress wurde die Gemeinde preußisch. 1816/17 wurde Anschau in die Bürgermeisterei Mayen eingegliedert. Paul Schaefer legte 1827 im Anschauer Distrikt Wiesenboden am „Mümbach“ Richtung Mimbach eine Schleifmühle an (heutiger Flurname An der Alten Mühle).Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 441 Bezirksregierung Koblenz, Wirtschaft, Handel und Gewerbe, Mühlen und Stauanlagen in den Gemeinden, Sachakte 14547).