mini|Von Naxaliten betroffene Distrikte (2007) Der Naxalitenaufstand ist ein seit den späten 1960er Jahren stattfindender Kampf zwischen der indischen Regierung und maoistisch orientierten, als Naxaliten bekannten Gruppen und von ihnen unterstützten Volksgruppen.
Naxaliten Naxaliten ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche kommunistische Bewegungen und Gruppierungen, die politisch, ideologisch und organisatorisch maoistisch ausgerichtet sind. Ihr erklärtes Ziel ist der Aufbau eines neudemokratischen Indiens, welches unter Führung der Arbeiterklasse unter anderem eine maßgebliche Umverteilung von Land, eine neue wirtschaftliche Entwicklungsstrategie, Kultur sowie den Übergang in den Sozialismus garantieren solle. Gemeinsamer Anhaltspunkt ist der im Mai 1967 gestartete Naxalbariaufstand, in welchem landlose Bauern, die primär den Dalits und Adivasis angehörten, unter Führung einer maoistischen Geheimgruppe den bewaffneten Kampf gegen feudale Großgrundbesitzer und den indischen Staat begannen. Zunächst hatte die Bewegung ihr Zentrum in Westbengalen. In neuerer Zeit hat sie sich durch die Aktivitäten von Untergrundgruppen, allen voran die Kommunistische Partei Indiens (Maoistisch), in den unterentwickelten Gebieten des ländlichen mittleren und östlichen Indiens wie in den Bundesstaaten Chhattisgarh, Jharkhand, Telangana und Andhra Pradesh verbreitet.
Im Jahr 2007 wurde geschätzt, dass Naxaliten quer durch „die Hälfte der 28 Staaten Indiens“, die etwa 40 % der Fläche ausmachen, ein als „Roter Korridor“ (Red corridor) bekanntes Gebiet, wo sie nach Schätzungen 92.000 km² kontrollierten, aktiv waren. 2009 waren Naxaliten in etwa 180 Distrikten in zehn Staaten Indiens aktiv. Im August 2010 wurde Karnataka von der Liste der naxalitisch betroffenen Staaten entfernt. Im Juli 2011 wurde nach Angaben der Regierung die Zahl von Gebiete mit naxalitischer Aktivität auf (einschließlich der vorgeschlagenen 20 Distrikte) 83 Distrikte in neun Staaten reduziert.pib.nic.in 2006 nannte der Premierminister Manmohan Singh die Naxaliten „die für sich größte Herausforderung der Inneren Sicherheit, mit der unser Land jemals konfrontiert war“. Im Juni 2011 äußerte er zudem: „Entwicklung ist der Königsweg, Menschen auf seine Seite zu ziehen“ und fügte hinzu, dass die Regierung „die Entwicklungsarbeit in den 60 maoistisch betroffenen Distrikten stärke“. Der indischen Regierung wurde jedoch wiederholt vorgeworfen, in ihrem Kampf gegen die naxalitische Rebellion schwere Menschenrechtsverletzungen zu begehen, insbesondere in sogenannten „Fake Encounters“.
Die Naxaliten werden primär von den ärmsten ländlichen Bevölkerungen, insbesondere von Volksgruppen der Adivasi, unterstützt. Dies liegt auch an den weitflächigen Entwicklungsmaßnahmen naxalitischer Gruppen, wie in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Die Naxaliten-Guerilla genießt in den Regionen, in denen sie präsent ist, große Unterstützung. Laut einer Studie der Zeitung The Times of India aus dem Jahr 2010 haben 58 % der Menschen, die in diesen Gebieten leben, eine positive Meinung von der Guerilla, gegenüber nur 19 % für die Regierung.https://timesofindia.indiatimes.com/india/58-in-AP-say-Naxalism-is-good-finds-TOI-poll/articleshow/6639631.cms
Im Jahr 2011 beschuldigte die indische Polizei die chinesische Regierung, Führungspersönlichkeiten der Bewegung Unterschlupf, und die pakistanische ISI, finanzielle Unterstützung zu gewähren. The Times of India beschreibt neue Verbindungen Chinas zur naxalitischen Bewegung. Die Naxaliten haben zumeist mächtige Stammesanführer, Großgrundbesitzer Polizei- und Regierungsbeschäftigte als Ziel, wobei sie ihrer Aussage nach den bewaffneten Kampf als Mittel zur revolutionären Machtübernahme nutzen. Die Naxaliten folgen dabei dem langwierigen Volkskrieg als Militärstrategie gegen die Regierung.“Observe Martyrs’ Memorial Week from 2024 July 28th to August 3rd! Mobilise the vast masses into People’s struggles and Guerrilla war to fail ‘Operation Kagaar’ – The counter revolutionary war on the people! Make determined efforts to advance the Indian Revolutionary movement with the Strategy-Tactics of Protracted People’s War!”, Central Committee, CPI (Maoist), 18. Juni 2024.
Ein großer Teil der Kämpfer sind Frauen. In den Bundesstaaten Maharashtra und Chhattisgarh machen sie laut Behördenangaben 40 % der Rebellenkräfte aus.https://www.hindustantimes.com/india-news/40-of-armed-maoists-in-chhattisgarh-maharashtra-region-are-women-101629024620196.html
Bewertung seitens der indischen Regierung Der frühere Innenminister der Indischen Regierung Gopal Krishna Pillai sagte, dass er es anerkenne, dass es berechtigte Beschwerdegründe bezüglich des Zugangs der einheimischen Bevölkerung zu Waldland und zu produzieren und der Verteilung von Gewinnen aus Bergbau und Wasserkraftanlagen gibt, aber behauptet, dass das langfristige Ziel der Naxaliten sei, einen indischen marxistischen Staat zu etablieren. Der Innenminister äußerte, dass die Regierung beschlossen habe, die Naxaliten frontal anzugreifen und viele der verlorenen Gebiete wieder einzunehmen.
Im Februar 2009 verkündete die indische Zentralregierung eine neue landesweite Initiative für breite, koordinierte Aktionen, die das Ziel hatten, sich mit dem Naxalitenproblem in allen betroffenen Staaten (Karnataka, Chhattisgarh, Orissa, Andhra Pradesh, Maharashtra, Jharkhand, Bihar, Uttar Pradesh und Westbengalen) zu befassen und die „Integrated Action Plan“ (IAP) heißen sollte. Bedeutenderweise schloss dieser Plan Finanzierung Graswurzelwirtschaftsprojekte in von Naxaliten betroffenen Gebieten, wie auch erhöhte Finanzierung der Spezialpolizei für bessere Eindämmung und Reduzierung naxalitischen Einflusses in diesen Gebieten ein. The Times of India beschreibt einige Details des aktuellen Naxaliteneindämmungsprogramms.
Im Jahr 2009 waren Naxaliten in ungefähr 180 Distrikten in zehn Staaten Indiens aktiv. Im August 2010 wurde Karnataka nach dem ersten vollen Jahr der Erfüllung des nationalen IAP-Programms von der Liste der naxalitisch betroffenen Staaten entfernt. Im Juli 2011 wurde die Zahl der naxalitisch betroffenen Gebiete auf (Zahl schließt die vorgeschlagene Hinzufügung von 20 Distrikten ein) 83 Distrikte in neun Staaten reduziert.indianexpress.compib.nic.in Im Dezember 2011 meldete die nationale Regierung, dass die Zahl von Todesfällen und Verletzungen mit naxalitischem Bezug im Land insgesamt um fast 50 % im Vergleich zu 2010 zurückgegangen sei.
Betroffene Region Die Naxaliten sind in 60 Distrikten in Indien aktiv, hauptsächlich in den Staaten Orissa (15 betroffene Distrikte), Jharkhand (14 Distrikte), Bihar (7 Distrikte), Andhra Pradesh, Chhattisgarh (10 Distrikte), Madhya Pradesh (8 Distrikte), Maharashtra (2 Distrikte) und Westbengalen (1 Distrikt).pib.nic.in In Westbengalen sind Gebiete westlich von Howrah vom Aufstand betroffen. Chhattisgarh ist das Epizentrum des Konflikts (2007).
Von der kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) regierte Gebiete in Indien wie Westbengalen, insbesondere Jangalmahal und Lalgarh, gehören zu den am stärksten von Gewalt gegen den Staat betroffenen. Hier sind Maoisten aktiv, die wegen der nicht ausgewiesenen Ansammlung von Vermögen durch CPI-M-Führungspersönlichkeiten gewählt worden waren; auch der Kampf gegen die Kastendiskriminierung und Armut gehört zu ihren politisch-sozialen Themen.
Es gibt eine Korrelation zwischen Gebieten mit extensiven Kohlevorkommen und dem Ausmaß des Aufstands. Naxaliten führen detaillierte sozioökonomische Untersuchungen durch, bevor sie Operationen in einem Zielgebiet durchführen. Es wird behauptet, dass die Aufständischen 14 Milliarden Indische Rupien (mehr als 300 Millionen US$) pro Jahr erpressen. (PDF)
In Chhattisgarh wurde die Miliz Salwa Judum, von der die BBC behauptet, sie werde von der Regierung des Bundesstaats unterstützt – eine vom Bundesstaat allerdings zurückgewiesene Behauptung – in Reaktion auf naxalitische Aktivitäten gebildet und ist durch pro-maoistische Aktivistengruppen wegen „Greueltaten und Missbrauch von Frauen“, die Verwendung von Kindersoldaten sowie Plünderung und Zerstörung von Eigentum unter Beschuss geraten. Diese Behauptungen wurden von einem durch das Oberste Gericht Indiens ernannten Untersuchungsausschuss der Nationalen Menschenrechtskommission Indiens (Human Rights Commission of India; NHRC), der besagte, dass Salwa Judum eine spontane Reaktion von Stammesangehörigen gegen maoistische Gräueltaten, die gegen sie begangen worden waren, war, zurückgewiesen. Jedoch erklärte das Oberste Gericht im Juli 2011 die Salwa Judum für verfassungswidrig.Zeitung The Hindu Salwa Judum is illegal, says Supreme Court
In Bihar ist die Ranvir Sena – eine paramilitärische Gruppe von Landbesitzern aus den oberen Kasten, welche von der indischen Regierung als terroristische Vereinigung verboten wurde – dafür bekannt, Dalit-Zivilisten als Rache für naxalitische Aktivitäten zu töten. Ähnliche paramilitärische Gruppen sind während des letzten Jahrzehnts in Andhra Pradesh entstanden. Einige dieser Gruppen sind Fear Vikas, Green Tigers, Nalladandu, Red Tigers, Tirumala Tigers, Palnadu Tigers, Kakatiya Cobras, Narsa Cobras, Nallamalla Nallatrachu (Cobras) und Kranthi Sena. In den Jahren 1998 und 2000 wurden von der Nayeem-Gang Bürgerrechtsaktivisten ermordet. Am 24. August 2005 töteten Mitglieder der Narsi Cobras im Distrikt Mahbubnagar einen Individualrechtsaktivisten und Schullehrer.
Geschichte 2002 Die People’s War Group (PWG) intensivierte 2002 in Reaktion auf ein im Juli von der Regierung von Andhra Pradesh gegen die Gruppe verhängtes Verbot ihre Angriffe gegen Politiker, Polizeibeamte, sowie Land- und Geschäftseigentümer. Die Regierung reagierte, indem sie die Sicherheitsvorkehrungen verschärfte und befahl angeblich Angriffe auf als PWG-Mitglieder verdächtigte durch die Polizei des Bundesstaats und die „Green Tigers“. Polizeikräften wurde Straflosigkeit für die Tötung von PWG-Rebellen bei Zusammenstößen mit der Polizei gewährt. Die Rebellen des Maoist Communist Center intensivierten ihren bewaffneten Feldzug gegen indische Sicherheitskräfte nach der Tötung ihres Anführers durch die Polizei im Dezember.
2003 Der Konflikt in Andhra Pradesh intensivierte sich, da naxalitische Rebellengruppen, insbesondere die PWG, Guerrillaangriffe auf Polizei- und Regierungsziele fortsetzten, während Sicherheitskräfte ihre Bemühungen zur Bekämpfung der Aufstände stufenweise erhöhten. Ein Attentatsversuch gegen den Chief Minister N. Chandrababu Naidu war in Einklang mit der Praxis der PWG, Beamte als Zielscheiben zu verwenden, um Aufmerksamkeit auf ihre Sache zu richten.
2004 Der sporadische Kampf niedriger Intensität zwischen der PWG und Regierungskräften setzte sich für den überwiegenden Teil des Jahres fort. Angriffe auf Polizei und TDP-Parteiamtsträger, von denen man glaubt, dass sie von der PWG ausgeführt worden seien, machten die meisten größeren Vorfälle. Eine dreimonatige Waffenruhe, die Ende Juni verkündet worden war, führte zu gescheiterten Verhandlungen zwischen der Regierung und der PWG. Ein paar Tage nach Beginn der Waffenruhe setzte eine der PWG zugerechnete Attacke die Waffenruhe aufs Spiel.
2005 Gewaltsame Zusammenstöße zwischen maoistischen Rebellen sowie Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen nahmen nach dem Abbruch der Friedensgespräche zwischen der PWG und der Regierung des Bundesstaates Andhra Pradesh zu. Die Rebellen setzten vielfältige Guerillataktiken gegen Regierungsinstitutionen, Beamte, Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen ein. Zum ersten Mal in neuerer Zeit landeten maoistische Rebellen zwei Angriffe großen Ausmaßes gegen offizielle städtische Ziele. Aus 12 Staaten, des südlichen, zentralen und nördlichen Indiens mit Ausnahme Indiens Nordostens und Nordwestens, wurden Kämpfe berichtet.
2006