Der Bahnhof Greifswald ist der wichtigste Bahnhof der mecklenburg-vorpommerschen Kreisstadt Greifswald im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Er befindet sich am Streckenkilometer 209,6 der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn und wird von Nah- und Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn bedient. Der Bahnhof selbst verfügt über einen Haus- sowie einen Mittelbahnsteig mit insgesamt drei Gleisen.
Lage Der Bahnhof liegt südwestlich der Innenstadt der 59.382 Einwohner (2018) zählenden Stadt Greifswald zwischen der Bahnhofstraße und der Osnabrücker Straße im Stadtteil Fettenvorstadt in einer Höhe von . Nördlich des Bahnhofs fließt der Ryck, westlich des Bahnhofs ist ein Regenrückhaltebecken und in östlicher Richtung befindet sich der Stadtgraben mit dem Schutzwall, der die Innenstadt von der Fettenvorstadt trennt.
Geschichte → Siehe auch Geschichte der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn
Die Anbindung der Stadt Greifswald erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Berlin-Stettiner Eisenbahn. Die Einweihung der Bahnstrecke Angermünde–Stralsund erfolgte am 26. Oktober 1863 durch den preußischen König Wilhelm I., der planmäßige Zugverkehr erfolgte dann ab 1. November 1863. Mit dem Bau der Strecke wurde zugleich auch ein Abzweig zum Hafen gebaut. Im Oktober 1863 wurde die Eisenbahnwerkstatt der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft in Betrieb genommen, sie war für Lokomotiven, Personen- und Güterwagen konzipiert. Im Jahr 1868 wurde das Bahnhofsgebäude in unmittelbarer Nähe der Wallanlagen fertiggestellt. Die preußische Staatsbahn übernahm 1881 die Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft.
Am 26. November 1896 wurde die Bahnstrecke Greifswald–Grimmen–Tribsees eröffnet, deren Anlagen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Sommer 1945 bis auf kleine Reste abgebaut wurde. Am 16. September 1897 wurde die Kleinbahn Greifswald–Jarmen eröffnet und am 30. April 1945 wieder eingestellt. Das Gleis baute man als Reparation an die Sowjetunion ab. Am 20. Dezember 1898 wurde die Kleinbahn Greifswald–Wolgast eröffnet und Mitte 1945 ebenfalls als Reparationsleistung demontiert. Am 21. Januar 1903 entstand eine kleine Hafenbahn, die am 21. November 1919 noch erweitert worden ist. Durch mehrere Um- und Erweiterungsbauten in den Jahren 1863, 1906/07 und 1911 bis 1913 wurde der Bahnbetrieb zum größten Industriebetrieb in Greifswald mit bis zu 800 Beschäftigten. Es gab auch Pläne, den Bahnhof am Hafen zu bauen, diese wurden jedoch wegen der peripheren Lage zur Streckenführung verworfen.
Bis zum Jahr 1910 wurde die Strecke von Angermünde bis Stralsund durchgehend zweigleisig ausgebaut. Mit dem Anstieg der Einwohnerzahl Ende 1928 wuchs auch die Bedeutung Greifswalds als Verkehrsknotenpunkt. In den Jahren 1937/38 wurde der Bahnhofsvorplatz durch das Städtische Grünamt umgestaltet, dabei entstanden die ersten Parkplätze und man verrohrte den Stadtgraben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Empfangsgebäude beschädigt und anschließend wieder aufgebaut. Nach Kriegsende wurde ein Hauptgleis zwischen dem Berliner Außenring und Stralsund als Reparation für die Sowjetunion abgebaut. Die durchgehend zweigleisige Strecke von Angermünde nach Stralsund wurde erst 1978 wieder in Betrieb genommen.
Am 20. August 1960 kollidierte eine Lokomotive mit einem im Bahnhof Greifswald haltenden Personenzug. Ein Reisender wurde schwer und sechs weitere wurden leicht verletzt.
Ende der 1960er Jahre wurde zeitgleich mit dem Bau der in Schönwalde fünf Kilometer südlich von Greifswald abzweigenden Bahnstrecke nach Lubmin die Anlagen erweitert und ein eigener Bahnsteig für die Züge nach Lubmin errichtet. Im Jahr 1982 baute man den Busbahnhof, eine Grünfläche mit einem Teich wurde dafür überbaut. Mit dem Neubau des größten deutschen Fährhafens Sassnitz (Mukran) in den 1980er Jahren, einem der letzten großen Verkehrsbauprojekte der DDR, begann die schrittweise Elektrifizierung der Strecke Berlin–Stralsund–Mukran. Am 9. September 1988 ging die Oberleitung zwischen Züssow und Greifswald in Betrieb, am 17. Dezember 1988 folgte die der Strecke zwischen Greifswald und Stralsund.
mini|Bahnhof während der Sanierung
In den Jahren 2006 bis 2008 wurde der Bahnhof komplett saniert, dabei wurden die Bahnsteige, Bahnsteigdächer, die Fußgängerunterführung, Lautsprecher, Beleuchtung, Beschilderung sowie die Fuß- und Radwege im Zuge des Projektes „Bahnparallele Greifswald“ modernisiert. Neu hinzu kamen behindertengerechte Aufzüge, Blindenleitsysteme und eine Personenunterführung. Außerdem wurde die Dacheindeckung des Empfangsgebäudes saniert und die Fassade zur Gleisseite im Bereich Hausbahnsteig nach Auflagen der Denkmalpflege teilsaniert. Zur selben Zeit verlegte man auch die Bahnhofsstraße weiter nach Süden. Dabei wurde eine Unterführung unter dem Bahnhof gebaut, der alte Bahnübergang nördlich des Bahnhofs wurde nach Fertigstellung der Unterführung entfernt und durch eine Fußgängerunterführung ersetzt. Vom IV. Quartal des Jahres 2009 bis zum 15. Juli 2010 wurde das Bahnhofsgebäude durch das Konjunkturprogramm von Bund und Bahn saniert. Als zusätzliche Maßnahme zum Konjunkturprogramm sollte das elektronische Stellwerk für den Bereich Greifswald fertiggestellt und der Brandschutz am Bahnhof verbessert werden. Am 20. Januar 2008 ging das neue elektronische Stellwerk in Prenzlau in Betrieb. Mit diesem und dem neuen Stellwerk in Tantow wird die Bahnstrecke von Berlin bis Stralsund einschließlich der Strecke nach Stettin von der Betriebszentrale der DB InfraGO in Berlin-Pankow ferngesteuert. Der Bahnhof steht heute unter Denkmalschutz.
Bahnhofsgebäude mini|Eingang des Bahnhofs mini|Rückseite des Bahnhofs
Das Bahnhofsgebäude wurde im Jahr 1879 fertiggestellt und besteht hauptsächlich aus Travertin-Naturstein. Es wurde im Stil des Klassizismus erbaut. Im Gebäude befindet sich eine Empfangshalle mit mehreren Sitzplätzen und ein DB-Reisezentrum. Vom IV. Quartal des Jahres 2009 bis zum 15. Juli 2010 wurde das Bahnhofsgebäude durch das Konjunkturprogramm von Bund und Bahn saniert. Zur Betriebsnahme, Einweihung und Inbetriebnahme des Bahnhofs kamen der Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der Vorstandsvorsitzende der DB Station&Service AG Dr. André Zeug und der Oberbürgermeister von Greifswald Arthur König (CDU). Geplant wurde die Maßnahme von der DB Station&Service und durchgeführt durch die Form Nord GbR. Während der Sanierung wurde die Kellerdecke unterseitig gedämmt und der Dachaufbau sowie die Innenwände des denkmalgeschützten Gebäudes wurden von innen mit einer Dämmung versehen. Aus denkmalschutztechnischen Gründen konnte auf die Klinkerfassade des Gebäudes kein modernes Wärmedämmverbundsystem aufgebracht werden. Stattdessen wurde die Außenfassade mit Heißdampf gereinigt, Fehlstellen ausgebessert und dann komplett lasiert. Das komplette Gebäude bekam eine neue Farbgebung, die nach dem restauratorischen Gutachten in Abstimmung mit der Denkmalpflege erfolgte. Zudem wurde die Lüftungsanlage saniert und auf aktuelle Lüftungstechnik umgestellt. Die Sanierungsmaßnahme hatte das Ziel einer ganzheitlichen Substanzsanierung, einer größtmöglichen Kohlendioxid-Einsparung sowie einer optischen Modernisierung des Empfangsgebäudes. Die energetische Sanierung des Empfangsgebäudes trägt zur Einsparung von Ressourcen und damit zum nachhaltigen Schutz des Ökosystems bei. Insgesamt verringert sich der Ausstoß an Kohlendioxid um 70 Tonnen pro Jahr, dies entspricht etwa 27 %. Die eingesparte Energiemenge reicht aus, um 27 Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu beheizen.
Gleisanlage mini|Gleisseite des Bahnhofs
Im Bahnhof gibt es drei Bahnsteiggleise mit jeweils 55 cm hohen Bahnsteigkanten. Gleis 1 liegt am Hausbahnsteig und hat eine Länge von 321 Metern, Gleise 2 und 3 liegen am Mittelbahnsteig. Die Bahnsteigkante am Gleis 2 ist 321 m lang und am Gleis 3 143 Meter, sie sind beide durch eine Unterführung mit dem Hausbahnsteig verbunden. Gleis 1 wird in der Regel von Zügen in Richtung Stralsund, Gleis 2 von Zügen in Richtung Berlin genutzt. Gleis 3 wird meist vom in Greifswald endenden RE7 oder RE10 in Anspruch genommen. Ansonsten wird Gleis 3 auch oft zum Abstellen von langsameren Güterzügen benutzt, damit Personenzüge diese überholen können. Fernverkehrszüge können am Gleis 3 aufgrund der kurzen Länge nicht halten, ebenso wie Regionalzüge mit mehr als vier Wagen. Am Bahnhof waren drei Rangiergleise für den Güterverkehr vorhanden, es gab noch Anschlussgleise zur Industriemühle und zum Werk Nachrichtenelektronik Greifswald, diese wurden jedoch wegen der geringen Benutzung abgebaut. Vom Bahnhofsvorplatz besteht Anschluss an mehrere Omnibuslinien, unter anderem an das Stadtbusliniennetz Greifswald, das von den Stadtwerken Greifswald betrieben werden. Die drei Linien verbinden den Bahnhof und die Innenstadt mit dem Gewerbegebiet und den außerhalb gelegenen Stadtteilen Schönwalde I, Schönwalde II, Ostseeviertel (Ryckseite), Ostseeviertel (Parkseite), Eldena und Wieck. Außerdem befindet sich vor dem Bahnhof ein Taxistand.
Im Bereich des Greifswalder Bahnhofes soll ein viertes rund 750 m langes Gleis für Rangierfahrten entstehen. Über dieses Gleis soll es möglich sein, Güter aus den Häfen Ladebow, Vierow und Lubmin neu zusammenzustellen.
Güterbahnhof mini|Gleis zum Hafen (alte Brücke über Ryck)
In Greifswald gab es einen Güterumschlag zwischen Eisenbahn und Schiff. Hauptumschlaggüter im 19. Jahrhundert waren Rüben, Kartoffeln, Getreide, Raps, Mohn, Phazelie, Mehl und Molkereiprodukte. Diese wurden am Hafen umgeschlagen, von der Bahn und vom Speicher auf das Schiff verladen. Aus den Kessler’schen Maschinenwerken wurden Gießereiprodukte und Maschinenteile verladen. Vom Schiff angekommene Güter wie Baumaterialien, Steine, Holz, Kohle, Kies, Metallstoffe, Papier und Textilstoffe wurden teilweise gleich auf die Hafenbahn umgeladen oder am Güterbahnhof zwischen Gützkower und Grimmer Straße verladen. Dort befand sich auch der Güterbahnhof und der Rangierbereich der Reichsbahn. Vom Bahnhof Greifswald bis zur Grimmer Straße befanden sich Tierstallungen zum Ankauf von Rindern und Schweinen sowie Kleintieren, diese wurden dann mit der Bahn abtransportiert. Im 20. Jahrhundert wurden Brennstoffe für die Armee mit der Bahn in das Treibstofflager nach Ladebow gebracht, um die Volksmarine zu versorgen. Aus einem Sackgleis (Gleis 3) des alten Reichsbahnreparaturwerkes fuhr die Werksbahn von und nach Lubmin zum Kernkraftwerk. Heute verkehren nur noch vereinzelt Züge auf dieser Strecke. Meistens sind dies Atommülltransporte zum Zwischenlager Nord in Lubmin. Das seit einigen Jahren nicht genutzte Gleis nach Ladebow wurde ab Anfang 2013 instand gesetzt, um hier wieder Eisenbahnbetrieb zu ermöglichen. Seitdem fahren einzelne Güterzüge mit Düngemitteln. Die angestrebte Anzahl von 100 Güterzügen pro Jahr wird zurzeit weit verfehlt. Nordöstlich von Brünzow-Vierow wurde 2012 von der Strecke nach Lubmin ein neuer Abzweig mit einem Anschlussgleis zum Hafen Vierow fertiggestellt, das für den Güterumschlag dort genutzt wird.
Busbahnhof mini|Neuer Busbahnhof (Mai 2012)
Ab 2010 wurde direkt neben dem Bahnhofsgebäude am Bahnhofsvorplatz ein neuer Busbahnhof gebaut. Der neue ZOB ermöglicht den Umstieg zwischen den Buslinien und der Bahn auf kurzem Weg. Der Bahnhof Greifswald ist ein Knotenpunkte im öffentlichen Personennahverkehr des Landes. Der Busbahnhof hat einen überdachten Mittelbereich und acht daran befindlichen Bussteigen, drei Haltestellen für den Stadtverkehr und fünf für den Regionalbusverkehr. Er wurde mit zwei Anzeigetafeln und einem Gebäude mit Warteraum für die Fahrgäste sowie einer Mobilitätszentrale mit Auskunft und Kartenverkauf ausgerüstet. Er ist mit einem Blindenleitsystem versehen.
Zugverkehr Bis 1945