John Watts Young (* 24. September 1930 in San Francisco, Kalifornien; † 5. Januar 2018 in Houston, TexasNASA: Legendary astronaut, moonwalker John Young has diedJohn Young, ninth astronaut on moon, led first shuttle mission, dies) war der US-amerikanische Astronaut mit der bisher längsten Karriere in der NASA. Er war als Kommandant von Apollo 16 der neunte von bisher zwölf Menschen auf dem Mond und kommandierte 1981 den ersten Flug eines Space Shuttle. Er ist der einzige Mensch, der vier verschiedene Raumfahrzeuge gesteuert hat: Gemini, Apollo-Kommandokapsel, Apollo-Mondlandefähre und Space Shuttle. Im Laufe seiner Karriere stellte er viele weitere Rekorde in der Luft- und Raumfahrt auf.
Jugend John Young wurde im US-Bundesstaat Kalifornien geboren, die Familie zog später nach Georgia und darauf nach Florida. In Florida verbrachte er den Hauptteil seiner Jugend zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder. Schon damals interessierte er sich für das Fliegen, baute kleine Flugzeugmodelle und las viel über Flugzeuge. Sein Großvater brachte ihm das Lesen bei und mit fünf Jahren las er schon aus dem Lexikon vor. Sein Vater war in dieser Zeit als Bauingenieur beschäftigt.
Nach seiner Schulzeit studierte Young am Georgia Institute of Technology in Atlanta und schloss sein Studium der Luftfahrttechnik 1952 mit höchsten Auszeichnungen ab. Danach trat er der US-Marine bei und diente während des Koreakriegs ein Jahr auf dem Zerstörer USS Laws.
Beginn der Karriere in der U.S. Navy mini|links|F-4 Phantom der US-Navy
Nach dem Koreakrieg wurde er zum Piloten ausgebildet und flog vier Jahre lang Kampfflugzeuge. 1959 begann er dann mit dem Testpilotentraining an der United States Naval Test Pilot School. Bis 1962 war er am Naval Air Test Center stationiert und wertete die Phantom- und Crusader-Waffensysteme aus.
Mit der F-4 Phantom stellte John Young zwei Weltrekorde im Steigflug auf. Am 21. Februar 1962 benötigte er nur 34,5 Sekunden, um 3000 Meter Höhe zu erreichen. Damit unterbot er den erst drei Tage alten Rekord des US-amerikanischen Luftwaffenpiloten Walter F. Daniel um 1,1 Sekunden. Youngs Rekord hielt fast dreizehn Jahre und konnte erst am 16. Januar 1975 von Roger J. Smith mit einer F-15A gebrochen werden (27,57 s).
Nur wenige Wochen nach seinem Rekordflug stellte er einen weiteren Weltrekord auf, dieses Mal im Steigflug auf 25.000 Meter. Am 3. April 1962 benötigte er hierzu drei Minuten und 50 Sekunden. Damit verbesserte er die alte Marke aus dem Jahre 1958 um 36 Sekunden. Auch dieser Rekord hielt viele Jahre und wurde erst 1973 von Pjotr Ostapenko mit der MiG-25-Rekordversion Mikojan-Gurewitsch Je-266 gebrochen.
Er fühlte sich zu dieser Zeit durch die Worte des damaligen US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy aus dem Jahre 1961 inspiriert, einen Menschen zum Mond und sicher zurückzuschicken, und wollte von da an unbedingt ein Astronaut werden, was ihm schließlich auch gelang.
1976 und nach 25 Jahren Dienst schied Young im Rang eines Kapitäns zur See ('Captain') aus der Navy aus.
Gemini-Programm Gemini 3 mini|hochkant|links|Gemini 3 – John W. Young (links) und Gus Grissom (aufgenommen als Back-up-Crew für Gemini 6) Young wurde am 17. September 1962 von der NASA in die zweite Astronautengruppe ausgewählt. Die Ausbildung für das Gemini-Programm war im Vergleich zur Mercury-Ausbildung deutlich verschärft worden. Es waren nun nicht mehr reine Passagiere der Raumschiffe gefragt. Die Gemini-Raumschiffe mussten gesteuert und an andere Raumschiffe angekoppelt werden, weiterhin waren Weltraumausstiege geplant. Zudem mussten sich die angehenden Astronauten mit wesentlich mehr Trägerraketen vertraut machen, da auch schon das Folgeprojekt, das Apollo-Programm, in der Planung war. So wurden nacheinander die einzelnen Werks- und Montagestätten sowie die Startrampen für die Titan-, Atlas-, Agena- und Saturn-Raketen besucht. Außerdem standen wissenschaftliche Schulungen auf dem Programm, da während der Raumflüge auch Forschungsarbeiten durchgeführt werden mussten.
mini|Start von Gemini 3 Im Januar 1963 bekam er als Spezialgebiet die Ausrüstung der Astronauten in den Raumschiffen zugewiesen. Dies umfasste sowohl persönliche Ausrüstung als auch Notfallausrüstung im Falle von Notlandungen oder Notwasserungen. Beim Mercury-Programm war für diesen Bereich Gordon Cooper zuständig gewesen.
Am 13. April 1964 wurde Young als Pilot für den ersten bemannten Flug des Gemini-Raumschiffs nominiert und ersetzte damit Tom Stafford, der mit dem Kommandanten der Mission, Gus Grissom, weniger gut harmonierte. Young war damit der erste Astronaut der zweiten Gruppe, der zu einem Weltraumeinsatz kommen sollte.
Unter dem Kommando des Mercury-Veteranen Gus Grissom, der als erster Mensch bei dieser Mission seinen zweiten Weltraumflug durchführen durfte, absolvierte er am 23. März 1965 mit Gemini 3 den ersten US-amerikanischen Zwei-Mann-Flug und bemannten Jungfernflug des Gemini-Raumschiffs.
Grissom wählte in Abstimmung mit Young für Gemini 3 das Rufzeichen Molly Brown nach dem Broadway-Musical The unsinkable Molly Brown. Dies war eine Anspielung Grissoms auf seinen ersten Raumflug Mercury-Redstone 4, bei dem die Landekapsel im Meer versunken war. Die NASA war über die Namensgebung nicht sonderlich erfreut und hatte mit Grissom diesbezüglich einen Streit, daher war es die letzte Mission vor Apollo 9, bei der die Raumfahrer ihre Schiffe benennen durften.
mini|links|Grissom und Young mit US-Vizepräsident Humphrey bei der Parade in New York Zu Beginn des Fluges traten Probleme mit den Anzeigen der inneren Atmosphäre auf. Es stellte sich schnell heraus, dass es ein Anzeigefehler war und die Atemluft den Erwartungen entsprach.
Young bediente bei Gemini 3 den ersten Computer im All. Für Aufregung bei der Flugleitung hatte dann noch gesorgt, dass Young ein Corned-Beef-Sandwich mit an Bord geschmuggelt hatte, dessen Brösel in der Schwerelosigkeit im Raumschiff herum flogen. Das Sandwich war ein Lieblingsgericht von Kommandant Grissom, der die Raumfahrernahrung schon auf der Erde probiert hatte und sie nicht mochte. Diese Nahrungsform sollte erstmals von Menschen im All getestet werden. Grissom gab vor dem Start bekannt, dass er sie nur essen werde, wenn nichts anderes Essbares an Bord wäre. Young hörte dies und nahm darauf das Sandwich mit ins All, um Grissom eine Freude zu machen. Grissom beklagte sich beim Genuss des Sandwiches lediglich scherzhaft darüber, dass kein Senf da sei.
Nach drei Erdumkreisungen wurden die Bremsraketen gezündet. Die Wasserung an Fallschirmen erfolgte in zwei Phasen, bei der die Landekapsel zuerst mit der Nase nach oben, dann mit der Nase schräg nach unten an den Fallschirmen hing. Beim Übergang von der einen Lage zur anderen wurden die beiden Astronauten gegen die Fenster geworfen. Youngs Helm wurde zerkratzt, Grissoms Visier brach sogar.
Bei Gemini 3 hatte man den Luftwiderstand der Landekapsel falsch eingeschätzt. So wasserte diese 84 km vom Zielpunkt entfernt und es dauerte 30 Minuten, bis ein Bergungshubschrauber vor Ort war. Grissom weigerte sich, die Luken der Kapsel zu öffnen, bevor Taucher sie durch Bänder gesichert hatten, da er immer noch befürchtete, dass die Molly Brown untergehen könnte wie vorher die Liberty Bell. Durch das lange Schaukeln auf hoher See wurden in der Kapsel beide Astronauten seekrank.
Beide Astronauten bekamen in den Straßen von New York bei regnerischem Wetter eine Konfettiparade in Anwesenheit des US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey. Bis zu diesem Zeitpunkt war nur den Astronauten Alan Shepard und John Glenn diese Ehre zuteilgeworden.
Diese Weltraummission war die mit Abstand kürzeste seiner langen Astronautenlaufbahn.
Seit dieser gemeinsamen Zeit verband eine tiefe Freundschaft die beiden Astronauten, die durch den Tod Grissoms 1967 bei den Vorbereitungen zu Apollo 1 jäh beendet wurde. Young nahm an der Beerdigung Grissoms als Ehrengardist teil.
Gemini 10 Kurz darauf wurden Young und Grissom als Ersatzmannschaft für die Mission Gemini 6 nominiert, die im Dezember 1965 stattfinden sollte.
mini|links|Gemini 10 – John W. Young (links) und Michael Collins mini|Agena-Zielsatellit von Gemini 10 vor der Kopplung
Am 25. Januar 1966 wurde Young als Kommandant von Gemini 10 bekannt gegeben, sein Pilot sollte Mike Collins werden, der später Pilot des Apollo-Raumschiffs bei der ersten Mondlandungsmission Apollo 11 wurde. So kam Young bereits am 18. Juli 1966 zu seinem zweiten Raumflug.
Bei dieser Mission wurden sowohl eine Kopplung mit einem Agena-Satelliten im All als auch durch Collins das erste Mal zwei Weltraumausstiege unternommen. Die Kopplung mit der Agena hatte für diese Mission absolute Priorität, da bei Gemini 8 Schwierigkeiten dabei aufgetreten waren und Gemini 9 überhaupt nicht bis zur Kopplung kam. Gleichzeitig wurde ein neuer Höhenweltrekord aufgestellt, das erste Zusammentreffen mit zwei verschiedenen Objekten bei einer Mission absolviert, und zum ersten Mal koppelte ein Raumfahrzeug an ein anderes an und benutzte dessen Antrieb. Young war mit Beendigung der Mission der zweite Astronaut der zweiten Astronautengruppe, der ein zweites Mal im Weltraum war.
Später war er einer der Verbindungssprecher (Capcom) für Gemini 11.
Apollo-Programm Apollo 10 Nach Abschluss des Gemini-Programms trat Young dem Apollo-Programm bei.
Am 22. Dezember 1966 wurden die Mannschaften der ersten Apollo-Flüge bekannt gegeben. Young war zunächst Ersatzpilot der zweiten bemannten Mission. Nach der Katastrophe von Apollo 1, bei der Youngs ehemaliger Kommandant und Freund Grissom mit zwei weiteren Astronauten auf tragische Weise ums Leben kam, wurden die Pläne ausgesetzt.
Die neuen Pläne wurden am 9. Mai 1967 veröffentlicht und sahen vor, dass Young Ersatzpilot von Apollo 7 (Mission C) in der Erdumlaufbahn sei. Wäre der Pilot Walter Cunningham ausgefallen, wäre Young wie beim Gemini-Programm wieder Jungfernflieger geworden und der erste Mensch mit drei Weltraumflügen. Dieser Flug fand im Oktober 1968 statt; Young war dabei einer der Verbindungssprecher und Walter Schirra der erste Mensch mit 3 Weltraumflügen.
mini|John Young (Apollo 10) links|mini|Kommandomodul Charlie Brown mit John Young als erstem Menschen alleine im Mondorbit
Kurz danach, am 13. November 1968 wurde Young für die Mission Apollo 10, die die Generalprobe der Mondlandung war, als Pilot des Apollo-Raumschiffs nominiert.
Dieser Flug fand vom 18. Mai bis zum 26. Mai 1969 statt. Young blieb als Pilot im Mutterschiff Charlie Brown alleine als erster Mensch im Mondorbit zurück, während Kommandant Tom Stafford und Pilot Eugene Cernan in der Mondfähre Snoopy eine Mondlandung erfolgreich simulierten.
Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erfolgte mit einer Geschwindigkeit von 11,08 km/s (39.897 km/h), was immer noch den Rekord in der bemannten Raumfahrt darstellt und die höchste Geschwindigkeit ist, die Menschen je relativ zur Erdoberfläche erreicht haben.
Der erfolgreiche Flug von Apollo 10 zeigte, dass die NASA Apollo-Flüge in kurzer Folge absolvieren konnte. Außerdem hatte Apollo 10 alle notwendigen Manöver für eine Mondlandung, bis auf die Landung selbst, durchgeführt. Es war die erste Raumfahrtmission, bei der ein Fernsehfilm in Farbe entstanden ist. Mit Young und Cernan waren außerdem die letzten Apollo-Missionskommandanten bei diesem Flug ins All geflogen. Young war mit diesem Flug der vierte Mensch mit drei Raumflügen.
Kurz nach der Mondlandung von Apollo 11 im Juli 1969 wurde Young als Ersatzkommandant von Apollo 13 eingeteilt, kam aber nicht zum Einsatz und übernahm deshalb wieder einige Schichten als Verbindungssprecher (Capcom) in Houston. Er unterstützte helfend den ursprünglichen Piloten von Apollo 13 und späteren Piloten seiner Apollo-Mission, Ken Mattingly, der auf der Erde wichtige Funktionen der Rettungsaktion von Apollo 13 meisterte und gleichzeitig war er auch einer der Verbindungssprecher dieser Mission.
Apollo 16