Die Division 1 1970/71 war die 33. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum dritten Mal seit 1937 Olympique Marseille.
Erster Spieltag war der 12. August 1970, letzter Spieltag der 26. Juni 1971. Eine kurze Winterpause gab es lediglich ab dem 20. Dezember; bereits am Silvestertag fanden wieder Punktspiele statt.Grégoire-Boutreau/Verbicaro, S. 307–309 Dennoch war dies im geplanten Zeitrahmen die bis dahin längste Saison; lediglich die durch äußere Umstände unterbrochene Spielzeit 1967/68 hatte sich noch knapp eine Woche länger hingezogen.Guillet/Laforge, S. 170
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 15. Platz abgeschlossen hatten, dazu ein direkter Aufsteiger aus der zweiten Division, die zwei Sieger der Relegationsrunde sowie dreier, dank der Lizenzrückgabe des FC Rouen und einer nachträglichen Ligaaufstockung auf 20 Teams ebenfalls aufgenommener „Nachrücker“. Unter den Letztgenannten befanden sich zwei sportlich eigentlich abgestiegene Erstdivisionäre und der Tabellenvierte der Division 2, wohingegen der in der Relegation gescheiterte Zweitligadritte Olympique Avignon keine Berücksichtigung fand. Diese vermeintliche Ungerechtigkeit fand in der französischen Öffentlichkeit durchaus Zustimmung; eine große Tageszeitung bezeichnete Stades Rückkehr in die erste Division damals als „Rückgabe des schönsten Ausstellungsstückes an das Museum des französischen Fußballs“.zitiert nach Grégoire-Boutreau/Verbicaro, S. 143
Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: ein Klub aus dem äußersten Norden (Nachrücker US Valenciennes-Anzin), drei aus Paris bzw. Champagne-Ardenne (Red Star FC, CS Sedan, Nachrücker Stade Reims), vier aus dem Nordosten (FC Metz, der zu dieser Saison umbenannte Racing-Pierrots Strasbourg-Meinau, FC Sochaux, Relegationssieger AS Nancy), fünf aus dem Westen (Stade Rennes UC, FC Nantes, SCO Angers, AS Angoulême, Girondins Bordeaux), fünf aus dem Südosten (Titelverteidiger AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Nîmes, Olympique Marseille, Aufsteiger OGC Nizza), zwei aus Korsika (Nachrücker AC Ajaccio, Relegationssieger SEC Bastia).
Saisonverlauf Die Spielzeit startete mit einer Auftaktpartie zwischen „Grünen“ und „Gelben“ – also AS Saint-Étienne gegen den FC Nantes –, die den weiteren Saisonverlauf symbolisierte: ASSE führte schnell mit 2:0, aber das Endergebnis lautete 2:3.Beaudet, S. 103 Zwar kam in der Hinrunde nur eine weitere Niederlage hinzu, aber nach 19 Spieltagen stand neben dem Titelverteidiger mit Marseille ein Konkurrent ex aequo an der Tabellenspitze, der insbesondere durch sein „magisches Angriffstandem“ Skoblar/Magnusson auf sich aufmerksam machte.Rethacker, S. 36 Daran änderte sich auch bis in das Frühjahr 1971 hinein – und ungeachtet der Tatsache, dass Marseilles eigenwilliger Präsident Marcel Leclerc im Winter den Erfolgstrainer Zatelli zum Sportdirektor „weggelobt“ und durch Leduc ersetzt hatte – nichts.Rethacker, S. 44
Anfang Mai hatte Saint-Étienne sich erstmals einen Drei-Punkte-Vorsprung erarbeiten können – und unmittelbar danach gab Leclerc bekannt, dass er zur kommenden Saison zwei zentrale Spieler der Grünen unter Vertrag genommen habe, nämlich Torhüter Carnus und Innenverteidiger Bosquier. Während darüber ein über die Medien ausgetragener Dauerstreit mit seinem Kollegen Roger Rocher losbrach, verlor Saint-Étienne sein folgendes Heimspiel gegen Bordeaux, und Rocher suspendierte gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Meistertrainers Batteux anschließend die beiden „Verräter“.Beaudet, S. 104f. und 107; Rethacker, S. 37 und 45 In der Folge erlitt der Titelverteidiger weitere, teils unerwartete Punktverluste, während Marseille seine letzten fünf Begegnungen allesamt gewann, sich an die Tabellenspitze setzte und schließlich noch vier Punkte zwischen sich und den Konkurrenten legte.Beaudet, S. 105 OMs Torjäger Skoblar mit 44 und Saint-Étiennes Keïta mit 42 Treffern pulverisierten den bisherigen Ligarekord von Philippe Gondet (36 Tore in der Saison 1965/66) und stellten eine bis ins 21. Jahrhundert unerreichte Bestmarke auf.
Die „Affäre Bosquier-Carnus“ und das Titelrennen überdeckten nahezu die Tatsache, dass der Saisonverlauf auch im Tabellenkeller Spannung zu bieten hatte. Bis zum vorletzten Spieltag stand kein einziger Absteiger fest, ehe schließlich Sedan, Valenciennes und Strasbourg ihren Platz in der Division 1 zugunsten dreier illustrer Zweitligaaufsteiger räumen mussten. Mit dem OSC Lille und der AS Monaco kehrten zur folgenden Saison zwei französische Ex-Meister zurück, und von Neuling Paris Saint-Germain erhofften sich die Fußballanhänger aus der Landeshauptstadt ein dauerhaftes Ende der jahrelangen „Erstligaabstinenz“, nachdem die Traditionsvereine Racing Club und Stade Français inzwischen nur noch im Amateurbereich vertreten waren.Rethacker, S. 45
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1969/70 (R) Relegationssieger
Kreuztabelle ACAjaSCOAgeASAgoSECBasGi.BorOl.LyoOl.MarFCMetASNcyFCNtsOGCNizOl.NîmRStFCSt.ReiSUCRenASStÉCSSedFCSocRPStrUSVal AC Ajaccio0:00:06:12:00:01:22:05:02:13:12:20:11:03:01:11:01:04:01:0 SCO Angers1:11:43:00:33:22:15:02:10:16:01:23:10:32:12:23:11:01:35:3 AS Angoulême2:01:12:21:12:20:01:01:01:01:10:21:01:31:01:11:01:00:11:0 SEC Bastia1:42:03:12:02:10:32:00:21:03:12:22:10:62:24:24:02:23:11:0 Girondins Bordeaux2:23:01:02:03:03:11:12:32:33:13:04:13:10:11:21:21:21:41:0 Olympique Lyon3:01:03:01:12:21:41:22:12:02:10:12:10:03:21:20:02:02:23:1 Olympique Marseille1:05:15:05:23:02:22:13:02:24:02:21:11:05:02:25:02:26:35:2 FC Metz1:32:11:01:01:06:12:11:10:00:04:22:22:02:12:21:03:32:12:2 AS Nancy3:11:12:13:00:00:02:01:11:20:02:00:02:25:01:11:02:13:20:2 FC Nantes3:01:00:03:12:21:11:30:07:03:15:11:13:01:02:12:01:11:22:0 OGC Nizza2:32:13:12:00:12:01:20:10:03:13:01:12:00:10:02:04:51:04:2 Olympique Nîmes4:00:13:12:01:11:13:04:01:02:21:11:21:13:25:34:04:33:04:1 Red Star FC3:00:50:01:13:11:33:40:03:10:30:01:22:11:51:14:20:02:13:2 Stade Reims1:03:12:05:23:01:01:21:12:10:01:11:10:11:12:22:14:11:02:0 Stade Rennes UC0:11:00:03:23:02:32:20:05:14:01:32:03:00:00:30:04:02:01:1 AS Saint-Étienne5:23:11:06:02:31:02:16:04:12:32:10:02:13:11:08:01:02:14:0 CS Sedan3:16:21:15:10:23:11:21:02:20:00:11:15:01:10:13:12:11:00:1 FC Sochaux5:10:03:01:11:30:01:15:11:02:01:03:02:12:14:21:13:11:00:1 Racing-Pierrots Strasbourg3:06:22:12:20:10:11:22:10:22:22:20:22:12:03:41:03:02:10:0 US Valenciennes-Anzin0:01:32:12:01:11:21:22:21:11:23:13:11:23:10:00:10:04:03:0
Meistermannschaft Olympique Marseille 1. Olympique Marseille70px|Olympique Marseille Tor: Jean-Paul Escale (35/-), Ilija Pantelić (2/-), Christian Delachet (1/-) Abwehr: Jean-Pierre Lopez (38/1), Jean-Louis Hodoul (38/-), Jules Zvunka (38/-), Édouard Kula (35/1) Mittelfeld: Jacques Novi (38/1), Joseph Bonnel (37/12), Gilbert Gress (19/4), Daniel Leclercq (17/1) Sturm: Josip Skoblar (36/44), Roger Magnusson (35/2), Charly Loubet (32/13), Didier Couécou (28/8), Ange Di Caro (2/1) Trainer: Mario Zatelli (Hinrunde, anschließend Sportdirektor) und Lucien Leduc (Rückrunde) Dazu kamen sechs Eigentore.Guillet/Laforge, S. 170, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Nach Alain Pécheral: La grande histoire de l’OM. Des origines à nos jours. Éd. Prolongations, o. O. 2007, ISBN 978-2-916400-07-5, S. 396; danach hat Loubet, anders als laut Guillet/Laforge, sogar 15 Tore geschossen, dafür waren es nur vier gegnerische Eigentore.
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Josip Skoblar Olympique Marseille 442 Salif Keïta AS Saint-Étienne 423 Jacques Vergnes Olympique Nîmes 274 Joseph Yegba Maya US Valenciennes-Anzin 225 Fleury Di Nallo Olympique Lyon 21 Philippe Piat FC Sochaux 217 Vladimir Kovačević SCO Angers 208 Marc Molitor Racing-Pierrots Strasbourg 179 Serge Lenoir Stade Rennes UC 1610 Bernard Blanchet FC Nantes 15 Réginald Dortomb AC Ajaccio 1512 Félix Burdino Girondins Bordeaux 14 Milan Galić Stade Reims 14 Marc-Kanyan Case SEC Bastia 14 Charly Loubet Olympique Marseille 14 Carlos Ruiter Girondins Bordeaux 14
Siehe auch Division 2 1970/71 Coupe de France 1970/71
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims – une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1970/71 Kategorie:Fußballsaison 1970/71