mini|hochkant=1.2|Tuschzeichnung – In der Scheune, 19. Jahrhundert Pornografie, auch Pornographie, ist die direkte Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualaktes, in der Regel mit dem Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen. Dabei werden die Geschlechtsorgane in ihrer Aktivität häufig bewusst betont. Der Konsum von Pornografie kann als Form des Voyeurismus (der „Schaulust“) betrachtet werden.

Darstellungsformen der Pornografie sind hauptsächlich Bilder, Filme (Pornofilm), Texte und Tonträger.

Herkunft des Begriffs mini|Wandmalerei in einem Cubiculum (Schlafraum) in Pompeji, 1. Jh. n. Chr.

„Pornografie“ ist ein aus dem Altgriechischen abgeleitetes Kunstwort, zusammengesetzt aus ( „Hure, Dirne“)Vgl. auch Porne. In: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Band 6, S. 590–595. und ( „schreiben, malen, zeichnen“; siehe auch -graphie). Einziger Beleg für den Gebrauch eines entsprechenden Begriffs in der antiken Überlieferung ist eine Stelle im Gelehrtengastmahl des Athenaios, wo vom die Rede ist, worunter beispielsweise ein Autor einer Biografie einer berühmten Hetäre oder ein Maler entsprechender Sujets verstanden wird.Athenaios Deipnosophistai 8.567b. Siehe auch Wilhelm Pape: Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 2, Braunschweig 1914, S. 684.

Der Begriff Pornografie in seiner heutigen Bedeutung wurde 1830 von Karl Otfried Müller geprägt.John R. Clarke: Ars Erotica. Primus, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-89678-397-4, S. 12 f.Marion Herz: PornoGRAPHIE. Eine Geschichte. München 2005, S. 27 f. Müller suchte damals eine Bezeichnung für diverse Kunstwerke, die bei den Ausgrabungen in Pompeji entdeckt und als äußerst obszön empfunden worden waren. Das betreffende Werk Müllers erschien 1850 auf EnglischHandbuch der Archäologie der Kunst. Breslau 1830. Englische Ausgabe: Ancient Art and its Remains or A Manual of the Archeology of Art. London 1850. und von da fand der Begriff Eingang in den englischen Wortschatz.Lisa Sigel: Governing Pleasures. Pornography and Social Change in England, 1815–1914. University Press, Rutgers 2002, ISBN 0-8135-3001-6.

Vor Müller war der Begriff schon in sozialwissenschaftlichem Zusammenhang verwendet worden, wenn es um Projekte der öffentlichen Sittlichkeit und der Reglementierung der Prostitution ging. So erschien 1769 eine Abhandlung von Nicolas Edme Restif de la Bretonne mit dem Titel Der Pornograph: Ideen eines Herrn für ein Projekt zur Regulierung von Prostituierten, geeignet zur Verhütung des Unglücks aufgrund des öffentlichen Austausches von Frauen.Le pornographe ou idées d’un honnête homme sur un projet de règlement pour les prostituées propre à prévenir les malheurs qu'occasionne le publicisme des femmes. Dementsprechend definierte das Oxford English Dictionary noch 1905 „Pornographie“ als „eine Beschreibung von Prostituierten oder der Prostitution als Angelegenheit der öffentlichen Hygiene“.Robley Dunglison: Medical lexicon. A dictionary of medical science. 1857. Pornography. In: Oxford English Dictionary, zweite Ausgabe (1989). Clarke: Ars Erotica. S. 12.

Geschichte Bildliche Darstellungen Pornografische Darstellungen, auch explizit der Geschlechtsorgane, reichen bis in vorantike Zeiten zurück. Auf Wandbildern im alten Rom und auf antiken griechischen Vasen finden sich derartige Motive. Auch in anderen Teilen der Welt haben ähnliche Darstellungen eine lange Tradition, ein Beispiel ist die Keramik der Mochica im antiken Peru. Im 17. Jahrhundert dann fanden Geburtshilfe-Handbücher Absatz auf dem Pornografie-Markt. Seit der Renaissancezeit und vor allem im 18. Jahrhundert wurden „pornografische“ Darstellungen in Form von Kupferstichen verbreitet. Die subjektive Auffassung, was als Pornografie gilt, hat sich seit der Renaissance im Übergang der Stil-Epochen erheblich verändert, ebenso die Konvention, was sittlich und ästhetisch als darstellbar gerechtfertigt erscheint.

Literatur Durch die Erfindung des Buchdrucks wurde nicht nur die Verbreitung der Bibel, sondern auch der Handel mit pornografischen bzw. erotischen Drucken erleichtert.Vorsprung durch Porno; abgerufen am 28. März 2024.

Ähnlich weit zurück reichen die ältesten erhaltenen Zeugnisse der literarischen Pornografie.

Spätestens seit Susan Sontags Essay The Pornographic Imagination (1967), in dem sie Die Geschichte der O „als hochgradig literarisches Werk“ und als ein Beispiel für die Legitimität anspruchsvoller Pornografie als eigenständiges literarisches Genre bezeichnete, unterscheidet man zwischen pornografischen Texten im Allgemeinen und erotischer Literatur im Besonderen. Letztere nimmt im Gesamtkorpus der Pornografie aufgrund ihrer hohen künstlerischen Qualität eine Sonderstellung ein.

Im 20. Jahrhundert haben pornografische Texte erstmals in großer Zahl auch solche Leser erreicht, die bis dahin nicht zum Kern der Pornografieverbraucher gezählt haben, darunter etwa Frauen. So hat in den 1970er Jahren in den USA der Bodice-Ripper-Roman eine Konjunktur erlebt, ein Subgenre von trivialen Liebesromanen, die Elemente des Abenteuerromans und des Geschichtsromans verwendeten, ihre Geschichten aber aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur erzählten. Im Mittelpunkt dieser Geschichten stand stets die „Eroberung“ der als unwiderstehlich, aber auch „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau durch den draufgängerischen und schurkenhaften Mann, dem sie sich am Ende liebend ergibt. Bodice-Ripper-Romane enthielten regelmäßig explizite Beschreibungen sexueller Handlungen, die im Gesamtumfang der dickleibigen Bücher jedoch nur einen geringen Anteil ausmachten. Als die romantisierende Darstellung sexueller Gewalt von den feministisch mittlerweile sensibilisierten Leserinnen im Laufe der 1980er und 1990er Jahre als zunehmend befremdlich empfunden wurde, traten an die Stelle der Bodice Ripper neue Subgenres erotischer Liebesromane, die anstelle von „erzwungener Verführung“ (engl. forced seduction) nur noch einvernehmlichen Sex zeigten. Die Bodice-Ripper-Romane der 1970er Jahre wurden in der Presse angesichts ihrer fast ausschließlich weiblichen Leserschaft als frühe Form eines Typus von „Mutti-Pornografie“ (engl. mommy porn) eingestuft, für den in den frühen 2010er Jahren E. L. James’ Romanreihe Shades of Grey sprichwörtlich geworden ist.

Mitte der 1990er Jahre, mit der aufkommenden Nutzung des Internets, begann eine Welle der Veröffentlichungen von sogenannten sex stories, meist in englischer Sprache im sogenannten Usenet.

Fotografie und Film

Das Aufkommen neuer Medien Anfang des 19. Jahrhunderts führte in der westlichen Welt auch bald zur Nutzung dieser für pornografische Inhalte. Nach der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert gab es Fotos mit pornografischen Motiven. Mit der Entwicklung des Films wurden die Möglichkeiten der Pornografie erweitert, indem es möglich wurde, sexuelle Handlungen in bewegten Bildern direkt abzubilden. Die ersten pornografischen Filme entstanden im späten 19. Jahrhundert (z. B. Le Coucher de la Mariée, 1896). Im 20. Jahrhundert erfolgte die Vorführung in speziellen Pornokinos. Ein rasanter Anstieg in der Verbreitung kam mit der Entwicklung der Videokassette in den 1970er Jahren (vgl. Porno Chic). Dank dieser Technologie wurde es zum einen möglich, die Filme direkt auf Video billiger zu produzieren. Zum anderen ermöglichte die Verbreitung des Videorekorders und der in deren Folge entstehenden Videotheken den privaten Konsum zuhause. – Time Magazine Die gesamte Pornografie-Branche ist im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Lag 2005 nach Angaben von The Economist der weltweite taxierte Umsatz noch bei rund 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr, erwirtschaftete die Pornographie-Branche 2018 nach Angaben von The Guardian alleine in den USA rund 15 Milliarden Dollar. Der Umsatz von Netflix und Hollywood entsprach im selben Jahr jeweils etwas über 11 Milliarden Dollar.

Aktuelle Entwicklungen Pornografie im Internet

Pornografie im Internet ist über verschiedene Netzplattformen und Distributionswege verbreitete Pornografie. Das Internet ist durch Anonymität, Verfügbarkeit und teilweise kostenlose Angebote ein zentraler Verbreitungsweg von Pornografie geworden. Zu unterscheiden sind dabei reine Textangebote, Bild- und Filmmaterial sowie Computerspiele oder VR-Inhalte mit pornografischem Inhalt. Weiter können Online-Angebote im Gegensatz zu klassischen Vertriebswegen (wie Print oder DVD) auch Interaktivität bieten (Cam-Portale, Cam-Sex, Fernsteuerung von Sextoys), Übergänge zur Prostitution beispielsweise bei Amateur-Portalen sind fließend.

Amateurpornografie Die Amateurpornografie verbreitete sich mit der Entstehung von Web 2.0 und User-generated Content in den 2000er Jahren stark im Internet. Die damit verbundene „Demokratisierung der Pornografie“ hatte bereits in den 1980er Jahren begonnen, als mit erschwinglichen Hand-Videokameras die Produktion technisch einfach wurde. Während bis dahin Pornografie von professionellen Produzenten und Darstellern hergestellt und kommerziell vertrieben wurde, wurden nun zunehmend Inhalte von Amateuren ins Internet gestellt. Insbesondere mit der Gründung der Plattform YouPorn im Jahr 2006 und den zahlreichen Nachahmern kam es zu einer massiven Verbreitung.

Während der überwiegende Teil der Amateurpornografie aus selbst gemachten Aufnahmen von Einzelpersonen oder Paaren besteht, die diese im Internet hochladen, besteht inzwischen in größeren Städten eine Szene, die sich zu gemeinsamen Aufnahmen trifft. Obwohl hier der „Spaß am Sex“ im Vordergrund steht, wird mitunter quasi-professionell produziert und eine Gewinnabsicht verfolgt, so dass die Grenzen zwischen Amateur- und professionellem Genre verschwimmen.

Die Verfügbarkeit entsprechender Aufnahme- und Endgeräten führte dazu, dass amateurpornografische Inhalte Eingang in die (private) Onlinekommunikation fanden. In sozialen Netzwerken finden Selfies mit Nacktbildern Verbreitung. Kommunikation mit pornografischen Inhalten kann beim Sexting stattfinden, wobei mit der Kamera eines Mobiltelefons entsprechende Aufnahmen gemacht und privat verschickt werden. Je nach Alter der verschickenden Person kann dabei Kinder- oder Jugendpornografie entstehen. Sexting ist eine gängige Praxis bei Fernbeziehungen.

Alternative und feministische Pornografie mini|hochkant|Typisches Alt porn-Modell: Tätowierungen und Piercings sind in dem Genre üblich

Alt porn als Abkürzung für „alternative Pornografie“ bezeichnet eine Form der Pornografie, die sich bewusst von der üblichen „Mainstream“-Pornografie abgrenzen will. Die Akteure entsprechen in ihrem Stil und Aussehen meist nicht den üblichen Klischees der Pornobranche. Kulturell verwurzelt ist Alt porn eher in urbanen Gegenkulturen wie Punk, Emo, Gothic, Skate und Hip-Hop. Piercings, Tattoos und andere Formen von Körpermodifikation sind häufig zu finden. Alt porn entstand in den 1990er Jahren, aufbauend auf dem Cinema of Transgression der 1980er Jahre. Populärste Vertreter des heutigen Alt porns sind die SuicideGirls.Tristan Taormino: In: The Village Voice. 8. November 2005, abgerufen am 21. März 2020 (englisch).

Feministische Pornografie entstand im Umfeld des sex-positiven Feminismus. Es wird darin eine Strömung innerhalb des Feminismus bezeichnet, die der Pornografie prinzipiell offen gegenüber steht (im Gegensatz zur Pornografie-feindlichen Haltung des klassischen Feminismus). So existieren zahlreiche pornografische Medien, die sich explizit als feministisch einstufen.

Weiterentwicklung der Pornografie