mini|hochkant=1.5|Die Ruhmeshalle in München
Die Ruhmeshalle ist eine Gedenkstätte an der Theresienwiese in der bayerischen Landeshauptstadt München. Sie wurde in den Jahren 1843 bis 1853 durch König Ludwig I. von Bayern vom Architekten Leo von Klenze errichtet. Als gestalterisches Vorbild des klassizistischen Baudenkmals, das bedeutenden Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte gewidmet ist, dienten antike Altarbauten.Quelle: Amtlicher Führer, S. 29 ff. Sie bildet ein Ensemble mit der Bavaria.
Übersicht Die Ruhmeshalle ist eine Gedenkstätte in Form einer von Leo von Klenze im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern entworfenen, dreiflügeligen dorischen Säulenhalle auf der Isarhangkante oberhalb der Theresienwiese in München. Sie wurde in den Jahren 1843 bis 1853 zusammen mit der Statue der Bavaria erbaut und bildet mit ihr eine bauliche Einheit. Das Ensemble wird von einem Teil des Bavariaparks umschlossen.
Die Halle ist 68 Meter breit und 32 Meter tief. Sie hat eine Dachtraufenhöhe von 16 Metern und steht auf einem 4,3 Meter hohen, leicht geböschten Sockel. Das Dach wird von 48 frontalen Säulen (Höhe 6,95 Meter, Durchmesser 1,25 Meter) und der Rückwand getragen. Erbaut wurde die Halle aus Kelheimer Kalkstein.
König Ludwig wollte mit ihrem Bau und den darin ausgestellten Büsten bedeutender Personen aus Bayern – insbesondere auch aus den erst um 1800 zu Altbayern hinzugekommenen „Stämmen“ Pfalz, Franken und Schwaben – eine Selbstdarstellung Bayerns vermitteln. In Verbindung mit der monumentalen Bavaria-Statue legte er es darauf an, die „kulturelle neubayerische Dignität“ anzuerkennen und „sie für den Rang des neuen, gesamtbayerischen Staates fruchtbar zu machen“. Die Widmung lautete: „Als Anerkennung bayerischen Verdienstes und Ruhmes ward diese Halle errichtet von Ludwig I., König von Bayern“.
Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle mini|Die Ruhmeshalle mit der Bavaria, 2006 mini|Luftbild Ruhmeshallemit Bronzestatue der Bavariaauf der Theresienwiese (2009) mini|Innenansicht der Ruhmeshalle mini|hochkant|Büste Ludwigs I. in der Ruhmeshalle
Historischer Hintergrund Die Jugendzeit Ludwigs I. war geprägt von den Machtansprüchen Napoleons auf der einen und Österreichs auf der anderen Seite, das elterliche Haus Wittelsbach war zu dieser Zeit Spielball zwischen jenen beiden Großmächten. Bis 1805, als Napoleon im dritten Koalitionskrieg München „befreite“ und Ludwigs Vater Maximilian zum König machte, war Bayern wiederholt Kriegsschauplatz mit verheerenden Folgen für das Land. Erst mit Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 trat Bayern wirklich in eine Friedensphase ein.
Vor diesem Hintergrund machte sich Ludwig bereits als Kronprinz Gedanken über ein „Baiern aller Stämme“ und eine „größere deutsche Nation“. Diese Beweggründe und Ziele motivierten ihn in der Folgezeit zu mehreren Bauprojekten für Nationaldenkmäler wie die Konstitutionssäule in Gaibach (1828), die Walhalla oberhalb der Donau zwischen Regensburg und Donaustauf (1842), die Ruhmeshalle in München (1853) und die Befreiungshalle bei Kelheim (1863), welche der König allesamt privat finanzierte und die in Form und Inhalt, Zweckbestimmung und Rezeption eine künstlerische wie politische Einheit bilden, die bei allen inneren Widersprüchen für Deutschland einzigartig ist.
Ludwig, der seinem Vater nach dessen Tod 1825 auf den Königsthron folgte, fühlte sich eng mit Griechenland verbunden, war ein glühender Verehrer der griechischen Antike und wollte seine Hauptstadt München in ein „Isar-Athen“ verwandeln. In dieser Absicht ließ er besonders in München bereits vor der Ruhmeshalle mit Bavaria mehrere Monumentalbauten und Denkmäler in verschiedenen Spielarten des klassizistischen Stils errichten. Zu den bekanntesten dieser Bauten zählt das Ensemble am Königsplatz (ab 1815) mit den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung (1848), der Obelisk am Karolinenplatz (1833), die Feldherrnhalle (1844) und das Siegestor (1850). Ludwigs zweitgeborener Sohn Otto wurde 1832 zum König von Griechenland proklamiert.
Vorgeschichte Die Idee zur Ruhmeshalle reifte in einem langen Prozess. Schon als Kronprinz entwickelte Ludwig den Plan, in der Residenzstadt München ein patriotisches Denkmal zu errichten. Am 25. Juli 1809 bat er den Maler und Galerieinspektor Johann Georg von Dillis, durch den Historiker Lorenz Westenrieder ein Verzeichnis „großer“ Bayern aller Stände und Berufe anfertigen zu lassen.Hans-Michael Körner: Staat und Geschichte in Bayern im 19. Jahrhundert. München, Beck, 1992, ISBN 3-406-10497-5, S. 194 ff. 1824 schrieb Ludwig eine Notiz, nach der er bereits damals den Standort an der Hangkante über der Theresienwiese für eine bayerische Ruhmeshalle ausgewählt hatte.
Etwa zwei Jahrzehnte später, im Mai 1828, legte der Dichter und damalige bayerische Innenminister Eduard von Schenk dem inzwischen gekrönten Ludwig eine weitere Liste berühmter Bayern vor, welche eine existierende Liste des Freiherrn von Hofmayr ergänzte.
Architekturwettbewerb Im Februar 1833 schrieb Ludwig einen Wettbewerb für das Bauvorhaben aus. Zur Teilnahme eingeladen wurden Friedrich von Gärtner, Leo von Klenze, Joseph Daniel Ohlmüller und Georg Friedrich Ziebland. Der Wettbewerb sollte zunächst erste Ideen für die Gestaltung der Ruhmeshalle sammeln, daher wurden in der Ausschreibung nur die Eckdaten des Projekts vorgegeben: Die Halle sollte oberhalb der Theresienwiese errichtet werden und Platz für etwa 200 Büsten bieten.
Anders als die Ausschreibung zur Walhalla im Jahr 1814, die explizit eine rechteckige Säulenhalle forderte, schrieb das Wettbewerbsprogramm zur Errichtung der Ruhmeshalle keinen bevorzugten Baustil vor, die einzige Vorgabe lautete: „eine Kopie der Walhalla darf dieses Gebäude nicht werden, sind ja auch, so viele dorische Tempel es auch gab, keine Kopie des Parthenons gewesen“. Diese Bestimmung schloss den klassizistischen Baustil des Parallelprojekts Walhalla nicht aus, es liegt jedoch nahe anzunehmen, dass die Architekten dazu ermutigt werden sollten, einen anderen Baustil vorzuschlagen. Da die Entwürfe der vier Teilnehmer weitgehend erhalten sind, bietet sich ein interessanter Einblick in die Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle.
Einschub: Romantik oder Klassizismus? Die Planungsphase der Ruhmeshalle fiel in die Zeit der künstlerischen Auseinandersetzung zwischen Klassizisten einerseits, die sich der Ästhetik der griechischen und römischen Antike verbunden fühlten, und Romantikern andererseits, die ihren künstlerischen Ausdruck an die Formensprache des Mittelalters anlehnten.
Diese Auseinandersetzung entbrannte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1814 und erreichte ihren Höhepunkt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Streit wurzelte in vielen Fällen in unterschiedlichen politischen Auffassungen: Als die nationale Bewegung in Deutschland nach den Befreiungskriegen den einigenden Faktor des Widerstandes gegen die napoleonische Fremdbestimmung verloren hatte, spaltete sich das Lager der Nationalen, und auch die Kunstwelt war fortan entzweit: Während die Klassizisten sich weiterhin dem aufklärerischen Ideal der Kulturnation verpflichtet fühlten, verbanden die Romantiker die Nation mit Begriffen wie Volk, Religion, Geschichte und Tradition. mini|Die Walhalla mini|Rudolf Epp: Bavaria und Theresienwiese in München, zeitgen. Gemälde
Schon bei den Planungen zur Walhalla stritt sich Leo von Klenze als Verfechter des Klassizismus mit den romantisch beeinflussten Baumeistern Peter Cornelius und Karl Friedrich Schinkel, die der Auffassung waren, ein deutsches Nationaldenkmal müsse in einem typisch deutschen Baustil – und als solcher galt der gotische Stil – gebaut werden und die Verwendung klassischer Stilelemente als Verrat ansahen. Cornelius kommentierte die Entwürfe Klenzes zur Walhalla 1820 folgendermaßen: „so fällt uns bei dem Entwurf die Frage ein, warum soll das größte deutsche und nur deutsche Ehrenmal so absolut griechisch sein?“ Klenze dagegen sah in der Gotik eine „maßlose Anhäufung“ von Verzierungen und betrachtete sie als „einen Sieg des Handwerkes über die Kunst“. Der neugotische Stil sei deshalb auch keine Kunst, sondern eine rein handwerkliche und technische Übertreibung. Einzig in der Klassik erblickte Klenze das „wahrhaft Schöne“, das „hoch über allem Historischen und Volksthümlichen“ stehe. Nur diesen Baustil empfand er als allgemein menschlich und zeitlos.
Beim Wettbewerb zur Ruhmeshalle fand diese nicht nur künstlerisch-architektonische, sondern auch weltanschaulich-politische Auseinandersetzung eine Neuauflage.
Die Entwürfe mini|Der Entwurf von Gärtner Gärtner entwarf einen Rundbau, der mit einer Kuppel versehen werden sollte. Seine Pläne ähneln der durch ihn später ausgeführten Befreiungshalle bei Kelheim sehr. Als Inspiration dienten ihm klassische Vorbilder, seine Halle mit einer kreisrunden Öffnung im Zenit der Kuppel ist im weitesten Sinn eine Nachahmung des Pantheons in Rom. mini|Der Entwurf von Klenze Klenze hatte als Hofbaumeister schon lange vor seinen Konkurrenten Kenntnis von den Plänen Ludwigs. Bereits am dritten Tag seiner Regierungszeit weihte der König den Architekten in seine Pläne ein, zudem kannte Klenze die Vorstellungen Ludwigs und genoss während der laufenden Ausschreibung den weiteren Vorteil, Einblick in die eingehenden Entwürfe seiner Konkurrenten zu haben. Sein Vorschlag für die Ruhmeshalle selbst bot im Prinzip nichts grundlegend Neues. Ähnlich der Walhalla schlug er eine dorische Säulenhalle vor, diesmal auf U-förmigem Grundriss. Neu und ungewöhnlich war aber sein Vorschlag, der Halle eine Kolossalplastik voranzustellen, die als Allegorie das Vaterland Bayern symbolisieren sollte. Das umgebende Bauwerk sollte eher klein ausfallen und lediglich als umrahmende Architektur dienen.
Ohlmüller hatte seine Karriere als Klassizist begonnen und in München für Klenze als Baumeister den Bau der Glyptothek geleitet. Während der Planungsphase der Ruhmeshalle war er zum glühenden Anhänger der Neugotik geworden. Sein Hauptwerk, die neugotische Mariahilfkirche am Mariahilfplatz unterhalb des Nockherbergs in München befand sich zur Zeit der Ausschreibung der Ruhmeshalle bereits im Bau. Auch sein Entwurf zur Ruhmeshalle ist ein klares Bekenntnis zur Gotik. Auf einem hohen Sockel plante er eine achteckige Halle mit Spitzgewölben, an die sich sieben Kapellen anschließen sollten. In der Mitte der Halle wollte Ohlmüller eine Statue Ludwigs I. aufstellen. Jede der Kapellen sollte eine Berufsgruppe der zu ehrenden Personen aufnehmen, die jedoch nicht in klassischer Manier als Büste, sondern in ihren historisch überlieferten Gewändern dargestellt werden sollten. mini|Der Entwurf von Ziebland Ziebland schließlich beachtete bei seinem Entwurf für die Ruhmeshalle die Vorgaben des Wettbewerbes kaum. Er schlug eine dorische Säulenhalle vor, die sich lediglich in den Dimensionen und durch einen Kuppelaufbau von der Walhalla unterschied. Es ist nicht bekannt, ob sein Entwurf nach der Einreichung noch weiter diskutiert wurde.
Ludwig I. entschied sich im März 1834, in erster Linie aus Kostengründen, gegen die Projekte Gärtners, Ohlmüllers und Zieblands und beauftragte Klenze mit dem Bau der Ruhmeshalle. An Klenzes Entwurf beeindruckte ihn zweifellos die Kolossalstatue besonders, war doch eine solche Großplastik seit der Antike nicht mehr verwirklicht worden. Geschmeichelt von der Idee, ebenso imposante Statuen zu errichten wie die bewunderten antiken Herrscher, schrieb Ludwig I. nach seiner Entscheidung für Klenzes Entwurf: „Nur Nero und ich können solche Kolosse erbauen.“
mini|Die Ruhmeshalle mit der Bavaria auf einer Postkarte aus dem 19. Jahrhundert
Ausführung und Ausstattung