Die Liste logischer Ausdrücke der Antike gibt Aufschluss über die altgriechischen und lateinischen Fachausdrücke, die von den antiken Philosophen in Texten zur Logik verwendet wurden. Sie enthält neben den griechischen Ausdrücken deren Transkription ins lateinische Alphabet sowie die lateinischen Entsprechungen und die deutschen Übersetzungen. In manchen Fällen sind auch erklärende Originalstellen angeführt. Die Beziehung einiger Ausdrücke untereinander sind separat bildlich veranschaulicht.

altgriechisch Transkription lateinisch deutsch Erklärung Grundbegriffe λόγος logos (verschiedene Übersetzungen) Rede, Logos, Satz, Sprache bei Platon verschiedene Bedeutungen: Darlegung, Wort, Definition, Beweisführung, Untersuchung, Gedankengang, Urteil, Vernunft, Rechenschaft, VerhältnisGerard Verbeke: Logos. In: Joachim Ritter u. a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5, Schwabe, Basel 1972, Sp. 491–502, hier: Sp. 493. ὄν on ens, esse, res Seiendes, Sein, Ding οὐσία ousia essentia, quidditas Wesen, Ousia λόγος τῆς οὐσίας logos tes ousias ratio substantiae Wesensbegriff Aristoteles: Er nennt solches Seiendes (on) gleichnamig (homonym), das den gleichen Namen (onoma) hat, aber einen unterschiedlichen Wesensbegriff (logos teis ousias). So hat ein gemalter Mensch den Namen „Lebewesen“ (zoon), genauso wie ein wirklicher Mensch den Namen „Lebewesen“ hat. Der dem Namen „Lebewesen“ zugehörige Wesensbegriff ist aber jeweils ein anderer, da der wirkliche Mensch im Gegensatz zum gemalten ein lebendiges Lebewesen ist.Aristoteles, Kategorien 1a1-6. τὸ τί ἦν εἶναι to ti en einai quod quid erat esse das, was es (für eine Sache) heißt zu sein, Wesenswas, Essenz Aristoteles: eine Definition (oros) ist eine „Rede [logos], die das Wesenswas [o to ti en einai] bezeichnet [semainon]“.Aristoteles, Topik 101b38. ὄνομα onoma nomen Name; Nennwort Platon: „Das Zeichen aber, das dem, was jene Handlungen verrichtet, durch die Stimme beigelegt wird, nennen wir Name/Hauptwort“ (to de g' ep' autois tois ekeinas prattousi semeion tes phones epitethen onoma).Platon, Sophistes 262a λεγόμενον legomenon dictum, id quod dicitur das Gesagte, das gesagt werdende Aristoteles: Er unterteilt die „sprachlichen Ausdrücke“ (legomena) in solche, die in einer „Verbindung“ (symploke) ausgesprochen werden (man könnte sagen: Sätze) wie „der Mensch läuft“. Und zweitens in solche, die ohne eine Verbindung ausgesprochen werden (man könnte sagen: Wörter) wie „Mensch“, „Stier“ oder „läuft“.Aristoteles, Kategorien 2, 1a16ff. Ein einzelner Ausdruck wie „Mensch“ oder „läuft“ kann weder wahr noch falsch sein. Wahr oder falsch können nur verbundene Ausdrücke (Sätze), wie „der Mensch läuft“ sein.Aristoteles, Kategorien 4, 2a4ff. Begriffe zur Begriffslogik ὅροςhoros definitio Definition Platon: Phaidros 237c–d; Theaitetos 209a ff.; Menon 86d–e. Pseudo-Platon: eine „Rede [logos] aus dem Unterschied [diaphora] und der nächstgelegenen Gattung [genos synkeimenon]“.Pseudo-Platon: Definitionen. In: Karlheinz Hülser (Hrsg.): Platon: Sämtliche Werke in zehn Bänden, Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1991, Bd. 10, S. 446f.; vgl. Platon, Politikos 285a. Aristoteles: eine „Rede [logos], die das Wesenswas [o to ti en einai] bezeichnet [semainon]“.Aristoteles, Topik 101b38. διαίρεσις dihairesis divisio Dihairesis συναγωγή synagoge - Zusammenführung ist die Zusammenfassung von „verschiedenen Dingen“ zu einer Gattung διχοτομία dichotomia Zweiteilung Mehrteilung γένος genos genus Gattung inkonsequente Verwendung bei Platon, konsequente Verwendung im Sinn von Gattung bei Aristoteles Aristoteles: „Gattung ist, was von mehreren und der Art nach verschiedenen Dingen bei der Angabe ihres Was oder Wesens [en to ti estin] prädiziert wird“.Aristoteles, Topik 102a31 f. μέγιστα γένη megista gene wichtigste Gattungen, höchste Gattungen Platon: An einer Stelle spricht er von fünf so genannten „wichtigsten Gattungen“ (megista gene): Sein (oder: Seiendes, on), Identität (oder: Gleichheit, tauton), Verschiedenheit (heteron), Bewegung (oder: Veränderung, kinesis), Ruhe (oder: Beharrung, stasis).Platon, Sophistes 254b ff. εἶδος eidos species Art inkonsequente Verwendung bei Platon, konsequente Verwendung im Sinn von Art bei Aristoteles ἄτομον εἶδος atomon eidos species specialissima unteilbare Art εἰδοποιὸς διαφορά eidopoios diaphora differentia specifica spezifischer Unterschied,artbildender Unterschied ist eine Eigenschaft (oder: Merkmal) die einer der Arten einer Gattung zukommt und der anderen Art (oder den anderen Arten) nicht zukommt und auf diese Weise artbildend ist bei Platon: „Unterschied“, Aristoteles hat „spezifisch“ (oder: „artbildend“) hinzugefügt ἴδιον idion proprium Proprium Aristoteles: ist eine Eigenschaft von etwas, mit dem sie den exakt gleichen Begriffsumfang hat (z. B. „Der Mensch ist der Grammatik fähig“). συμβεβηκός symbebekos accidens Akzidenz Aristoteles: ist eine Eigenschaft von etwas, die nicht artbildend ist. ὁμώνυμος homonymos aequivocus gleichnamig Aristoteles: Solches „Seiendes“ (on) ist gleichnamig (homonym), das den gleichen Namen (onoma) hat, aber einen unterschiedlichen Wesensbegriff (logos teis ousias). So hat ein gemalter Mensch den Namen „Lebewesen“ (zoon), genauso wie ein wirklicher Mensch den Namen „Lebewesen“ hat. Der dem Namen „Lebewesen“ zugehörige Wesensbegriff ist aber jeweils ein anderer, da der wirkliche Mensch im Gegensatz zum gemalten ein lebendiges Lebewesen ist.Aristoteles, Kategorien 1a1-6. συνώνυμος synonymos univocus einnamig Aristoteles: Synonym nennt er solches „Seiendes“ (on), das den gleichen Namen (onoma) und auch den gleichen Wesensbegriff (logos tes ousias) hat. Zum Beispiel hat ein Mensch den Namen „Lebewesen“ und fällt unter den Begriff der „Lebewesen“, genauso wie der Ochs den Namen „Lebewesen“ hat und unter genau denselben Begriff der „Lebewesen“ fällt.Aristoteles, Kategorien 1a6-13. παρώνυμος paronymos denominativus beinamig Aristoteles: Paronym nennt Aristoteles „Seiendes“ (on), das nach etwas anderem nachbenannt wird. So ist der „Grammatiker“ der „Grammatik“ nachbenannt.Aristoteles, Kategorien 1a13-16. Die zehn Kategorien sowie die erste und zweite Substanz οὐσία ousia substantia Substanz πρώτη οὐσία prote ousia prima substantia erste Substanz Aristoteles: „Eine Substanz [ousia] ist am hauptsächlichsten, und die welche auch als erste [protos] und am meisten [malista] als Substanz gilt, diejenige, welche weder von einem Subjekt [hypokeimenon] ausgesagt wird [legetai], noch in einem Subjekt ist; wie z. B. dieser Mensch [tis anthropos], oder dieses Pferd.“Aristoteles, Kategorien 2a13-16. „Überdies heißen die ersten Substanzen deshalb in vorzüglichem Sinne Substanzen, weil sie Subjekt von allem anderen sind und alles andere von ihnen ausgesagt wird.“Aristoteles, Kategorien 2b. δευτέρα οὐσία deutera ousia secunda substantia zweite Substanz Aristoteles: „Zweite Substanzen [deuterai de ousiai] heissen die, in deren Arten die sogenannten ersten Substanzen enthalten sind und zwar heissen so sowohl diese Arten [eidon] wie die Gattungen [gene] dieser Arten. So ist z. B. dieser Mensch [tis anthropos] im Menschen [anthropo], als seiner Art enthalten und die Gattung zu dieser Art ist das Lebewesen [zoon]. Diese Arten und Gattungen heissen also zweite Substanzen, wie z. B. der Mensch und das Lebewesen.“Aristoteles, Kategorien 2a15-19. πόσον poson quantitas Quantität ποῖον poion qualitas Qualitatives πρός τι pros ti relatio Relation ποῦ pou ubi wo ποτέ pote quando wann κεἶσθαι keisthai situs Lage ἔχειν echein habitus haben ποιεῖν poiein actio tun, wirken πάσχειν paschein passio erleiden Begriffe zur Urteilslogik ἀπόφανσις apophansis Urteil, Aussage κατάφασις kataphasis affirmatio Bejahung Aristoteles: „Jede der hier genannten [Kategorien] enthält an sich keine Bejahung [kataphasis]; aber durch die Verbindung derselben mit einander entsteht eine Bejahung. Jede Bejahung ist entweder wahr [alethes] oder falsch [pseudes]; aber sprachliche Ausdrücke [legomenon], die ohne Verbindung [symploken] gesagt werden, sind weder wahr noch falsch; z. B. Mensch, weiss, läuft, siegt.“Aristoteles, Kategorien 2a5-12. ἀπόφασις apophasis negatio Verneinung ἀληθῶς alethos verum wahr Aristoteles: „Jede der hier genannten [Kategorien] enthält an sich keine Bejahung [kataphasis]; aber durch die Verbindung derselben mit einander entsteht eine Bejahung. Jede Bejahung ist entweder wahr [alethes] oder falsch [pseudes]; aber sprachliche Ausdrücke [legomenon], die ohne Verbindung [symploken] gesagt werden, sind weder wahr noch falsch; z. B. Mensch, weiss, läuft, siegt.“Aristoteles, Kategorien 2a5-12. De interpretatione 1, 16a9 ff.; De anima III, 6, 430a26 ff.; 8, 432a10 ff. „Von etwas, was ist, zu sagen, daß es ist, oder von etwas, was nicht ist, zu sagen, daß es nicht ist, ist wahr.“ (to de to on einai kai to me on me einai aletes).Aristoteles, Metaphysik IV, 7, 1011b25–28. ψεῦδος pseudos falsum falsch Platon: eine Rede (logos) ist falsch, „sowohl wenn er von dem, was ist, aussagt, daß es nicht ist, als auch, wenn er von dem, was nicht ist, aussagt, daß es ist“ (ta te onta legon me einai kai ta me onta einai).Platon, Sophistes 240e10 f. Aristoteles: „Jede der hier genannten [Kategorien] enthält an sich keine Bejahung [kataphasis]; aber durch die Verbindung derselben mit einander entsteht eine Bejahung. Jede Bejahung ist entweder wahr [alethes] oder falsch [pseudes]; aber sprachliche Ausdrücke [legomenon], die ohne Verbindung [symploken] gesagt werden, sind weder wahr noch falsch; z. B. Mensch, weiss, läuft, siegt.“Aristoteles, Kategorien 2a5-12. „Von etwas, was ist, zu sagen, daß es nicht ist, oder von etwas, was nicht ist, zu sagen, daß es ist, ist falsch“ (legein to on me einai e to on me on einai pseudos).Aristoteles, Metaphysik IV, 7, 1011b25–28. κατηγόρημα kategorema praedicamentum das Ausgesagte ὑποκείμενον hypokeimenon subiectum das Unterliegende, Subjekt συμπλοκή symploke complexio Verbindung Aristoteles: Er unterteilt die „sprachlichen Ausdrücke“ (legomena) in solche, die in einer „Verbindung“ (symploke) ausgesprochen werden (man könnte sagen: Sätze) wie „der Mensch läuft“. Und zweitens in solche, die ohne eine Verbindung ausgesprochen werden (man könnte sagen: Wörter) wie „Mensch“, „Stier“ oder „läuft“.Aristoteles, Kategorien 2, 1a16ff. Ein einzelner Ausdruck wie „Mensch“ oder „läuft“ kann weder wahr noch falsch sein. Wahr oder falsch können nur zu einer Bejahung verbundene Ausdrücke (Sätze), wie „der Mensch läuft“ sein.Aristoteles, Kategorien 4, 2a4-12. ῥῆμα rema verbum Zeitwort, Verb Platon: „Die Kundgabe, die auf die Handlungen geht, nennen wir Verb“ (to men epi tais praxesin on deloma rema pou legomen).Platon, Sophistes 262a πρῶτος λόγος protos logos Elementarsatz Platon: „benennt nicht nur, sondern bestimmt auch etwas, indem er die Zeitwörter mit den Nennwörtern verknüpft“ (ouk onomazei monon alla ti perainei, symplekon ta remata tois onomasi). So gibt er „Kunde“ (deloi), und zwar nicht nur „über das Seiende“ (peri ton onton), sondern auch über „Werdendes oder Gewordenes oder Zukünftiges“.Platon, Sophistes 262d Begriffe zur Schlusslogik συλλογισμός syllogismos syllogismus Syllogismus

Fußnoten

Logische Ausdrucke der Antike Kategorie:Philosophische Logik Kategorie:Philosophie der Antike