Anständig essen: Ein Selbstversuch. ist ein Sachbuch der deutschen Schriftstellerin Karen Duve aus dem Jahr 2010, in dem sich die Autorin mit gesunder und ethisch vertretbarer Ernährung sowie der modernen Massentierhaltung auseinandersetzt.
Inhalt Karen Duve beschreibt zunächst ihre Ernährungsgewohnheiten vor Beginn ihrer Recherchearbeit. Demnach verzehrte sie viel Fleisch und ernährte sich eher ungesund von vielen fetten und süßen Nahrungsmitteln.
Im Buch beschreibt sie, wie sie für jeweils zwei Monate verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert, um fortan bewusster und gesünder zu leben. Sie nimmt zunächst nur Produkte aus ökologischem Anbau zu sich, anschließend lebt sie vegetarisch, vegan und zum Schluss versucht sie sich als Frutarierin. Ihren Selbstversuch lässt sie von ihrem Hausarzt medizinisch überwachen, der dem Unterfangen zunächst skeptisch gegenübersteht.
Karen Duve prägt im Buch unter anderem den Begriff Qualfleisch, mit dem das im Supermarkt angebotene Fleisch von Tieren gemeint ist, die unter den Bedingungen der Massentierhaltung gemästet werden.
Phase 1 – Bio Die Umstellung auf Bio-Lebensmittel fällt Duve vergleichsweise leicht. Zwar seien diese Lebensmittel im Schnitt teurer als normale, jedoch würde sich für fast jedes Produkt ein passabler Ersatz finden lassen. Da sich Duve jedoch auch mit der ethischen Perspektive von „anständigem Essen“ befasst, will sie auch auf Produkte verzichten, die oftmals unter Bedingungen hergestellt werden, die für die Menschen in den entsprechenden Regionen als unzumutbar empfunden werden müssen. Als Beispiel nennt sie Coca-Cola und die Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern, in welchen diese teilweise hergestellt wird. Zudem kommen die Tierhaltungs- und Schlachtmethoden der modernen Massentierhaltung zur Sprache, welche sie als äußerst grausam und schmerzhaft für die Tiere beschreibt. Diese Bedingungen könnten nur Bestand haben, da die breite Öffentlichkeit nicht darüber informiert sei, wie es wirklich in den meisten dieser Anlagen aussähe. Duve vermutet dahinter einen starken Lobbyismus der Lebensmittelindustrie, welche an den derzeitigen Bedingungen gut verdienen würde.
Phase 2 – Vegetarisch Im nächsten Schritt will sich Duve zwei Monate lang vegetarisch ernähren. Nach ihren Recherchen stellt sie fest, dass angebliche Produkte aus Bio-Fleisch in der Realität nur wenig vertretbarer als normale Fleisch-Produkte aus Massentierhaltung seien, da auch hier die Tiere keineswegs artgerecht gehalten werden würden und auch Qualen erleiden müssten. Sie kommt außerdem zu der Erkenntnis, dass Fleischkonsum unter dem Strich betrachtet massiv ineffizient ist: So müssten erstens für den immer weiter steigenden Fleischkonsum der Weltbevölkerung große Teile von Wäldern abgeholzt werden, was im Endeffekt die globale Erwärmung weiter beschleunigen würde. Außerdem würden die Nutztiere mehr Emissionen ausstoßen als etwa der gesamte Autoverkehr. Zweitens komme noch hinzu, dass man für die Fütterung von Tieren viel zu viele Lebensmittel aufwenden müsse, die bei einer vegetarischen Ernährung der Weltbevölkerung sehr viel mehr Menschen ernähren könnten. Duve vergleicht ihre Situation mit der von Neo aus dem Film Matrix, welcher nach der Erkenntnis über die Realität nicht mehr in sein altes Leben zurückkehren kann. Die Umstellung auf fleischlose Kost sei für sie in jedem Fall machbar gewesen, obgleich sie auf einige Dinge verzichten musste.
Phase 3 – Vegan Da es schwierig sei, im normalen Supermarkt wirklich vegane Lebensmittel zu erhalten, beschließt Duve, von nun an nur noch in Bio-Läden, Bio-Supermärkten und Reformhäusern einzukaufen. Sie trennt sich von vielen Dingen, welche einer veganen Lebensweise widersprechen, etwa Schuhen und Kleidung aus Leder oder bestimmten Kosmetikprodukten. Da ihr die Umstellung sehr schwerfällt, erhöht sie die Anzahl der veganen Monate von zwei auf vier, um schrittweise auf vegane Ernährung umzustellen.
Duve beschäftigt sich zudem wissenschaftlich mit dem Konsum von Milchprodukten und ihrer Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Sie zitiert dafür die bekannte „China Study“ des Professors T. Colin Campbell und weitere Studien und kommt zu dem Schluss, dass eine vegane Ernährung am gesündesten sei. Sie selbst habe ihren Cholesterinspiegel halbieren können, ihre Nieren würden besser arbeiten, die Leberwerte wären besser und ihre Eisenwerte wären auch in Ordnung, so ihr Arzt.
Im letzten Monat als Veganerin schließt sie sich einer Tierschutzorganisation an und befreit Hühner aus einer Massentierhaltungsanlage. Sie führt Interviews mit Tierrechtlern wie Achim Stößer und nimmt eine zwiespältige Meinung zur Jagd und dem Angelsport ein.
Phase 4 – Frutarier Duve isst nur noch Dinge, bei denen man eine Pflanze nicht verletzen muss, wie etwa Äpfel oder Nüsse. Es geht ihr dabei gesundheitlich schlechter. Insgesamt betrachtet gehe dieser Bereich der Ernährung oftmals eher in den Bereich der Esoterik. Sie führt verschiedene Interviews, welche Kritik am Speziesismus üben.
Schlussfolgerungen Ihren Selbstversuch schließt Duve mit fünf Schlussfolgerungen ab, wie sie künftig ihre Ernährung umstellen möchte:
Wenn möglich, im Bio-Laden einkaufen. Kein Fleisch aus Massentierhaltung essen. Fleisch-, Fisch- und Milchproduktekonsum um 90 % reduzieren. Keine Lederprodukte mehr kaufen. Insgesamt weniger konsumieren, öfter gebrauchte Sachen kaufen, Besitz reduzieren.
Rezensionen
Ausgaben Karen Duve: Anständig essen: Ein Selbstversuch. Verlag Galiani. Berlin 2010. ISBN 3-86971-028-4 Karen Duve: Anständig essen: Ein Selbstversuch. Goldmann. München 2012. ISBN 978-3-442-47647-3 (Taschenbuchausgabe)
Weblinks „Anständig essen“ auf der Homepage des Galiani-Verlages Rezensionen über „Anständig essen“ bei Perlentaucher Rezension bei Deutschlandradio Kultur Rezension auf tier-im-fokus.ch (TIF)
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Essen und Trinken (Gesundheit)