Das Klima in Österreich wird der feucht-kühlgemäßigten Zone am Nordrand der Subtropen zugeordnet. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen & Geiger liegen die niedrigen Regionen im sommerwarmen feuchten Kontinentalklima, die mittleren Höhen der Alpen im subarktischen Gebirgsklima und die Regionen über der Baumgrenze im alpinen Tundrenklima bis hin zum Eisklima in den vergletscherten Regionen. Im Westen und Norden Österreichs herrscht ozeanisch beeinflusstes, oft von feuchten Westwinden geprägtes Klima vor. Im Osten überwiegt hingegen kontinentaleres, niederschlagsarmes Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Besonders in den Südalpen ist der Einfluss niederschlagsreicher Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum spürbar.Ingeborg Auer u. a.: ÖKLIM – Digitaler Klimaatlas Österreichs. In: Christa Hammerl u. a. (Hrsg.): Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik 1851–2001. Leykam, Wien 2001, ISBN 3-7011-7437-7.
Tatsächlich ist das regionale Klima Österreichs von der Topografie der Alpen stark überprägt. Häufig bestehen innerhalb kurzer Entfernungen und geringer Seehöhenunterschiede beträchtliche klimatische Unterschiede. Mit zunehmender Seehöhe sind zunächst montanes und alpines, in den Gipfelbereichen nivales Gebirgsklima anzutreffen. Nicht nur der Alpenhauptkamm fungiert als Klimascheide. Sonnenreiche Föhntäler (z. B. Inntal) stehen nebelanfälligen Beckenlandschaften (z. B. Klagenfurter Becken), niederschlagsreiche Gebirgsränder (z. B. Bregenzerwald) stehen inneralpinen Trockentälern (z. B. Ötztaler Alpen) gegenüber.
Nationale Klimaprovinzen mini|350px|Die „klassisch“ österreichischen Klimaprovinzen
In älteren Veröffentlichungen und Unterrichtsmaterialien wird Österreich – sehr vereinfacht dargestellt – in vier Klimaprovinzen (oder -bereiche) eingeteilt, die im Gegensatz zu den internationalen Klimaklassifikationen ein nationales System bilden (das auch die angrenzenden Länder mit „anreißt“):Judith Wurzer und Tamara Sündhofer: Methoden der Landschaftsstrukturerfassung im Mostviertel mit besonderem Fokus Schule. Diplomarbeit an der Universität Wien, 2014, Bezug auf M.H. Fink und F.M. Grünweis et al.: Kartierung ausgewählter Kulturlandschaften Österreichs. Umweltbundesamt (Hrsg.). Wien 1989. PDF, abgerufen am 2. Juli 2023, S. 8.Leopold G. Scheidl, Herwig Lechleitner: Österreich: Land, Volk, Wirtschaft. Hirt, Wien 1967, S. 14, 20–21.Christia Fridrich, Gabriele Kulhanek-Wehlend u. a.: unterwegs 3. Geographie und Wirtschaftskunde. Schulbuch, 1. Auflage, Österreichischer Bundesverlag ÖBVHPT, Wien 2002, ISBN 978-3-209-07931-2, S. 24–25.Klimaprovinzen Österreichs. Digitale Bildungsressource YaClass – Online Lernmaterialien, Geografie und Wirtschaftskunde, 11. Schulstufe, online abgerufen am 24. Juni 2023.
Alpines Klima mit kurzen, relativ kühlen Sommern und langen schneereichen Wintern sowie großen Unterschieden je nach Höhenstufe; beherrscht den gesamten Alpenraum (nicht zu verwechseln mit dem allgemeinen alpinen Klima) Mitteleuropäisches Übergangsklima mit geringen jährlichen Temperaturschwankungen, Jahresmitteltemperaturen um 8 °C sowie Niederschlägen zu allen Jahreszeiten mit einem Maximum im Sommer; im Norden von Oberösterreich und im Nordwesten Niederösterreichs Pannonisches Klima mit heißen trockenen Sommern und kalten Wintern, ganzjährig geringen Niederschlagsmengen; im Osten Niederösterreichs und im gesamten Burgenland Illyrisches Klima mit ebenfalls heißen Sommern und kalten Wintern, jedoch mit hoher Luftfeuchtigkeit sowie großen Regenmengen im Spätsommer und Herbst; in Teilen Kärntens und im Süden der Steiermark
Im Vergleich zu den international üblichen effektiven Klassifikationen, deren Grenzziehungen aus definierten thermischen und hygrischen Werten entstehen, wurden die Grenzen zwischen den Klimaprovinzen aus der naturräumlichen Gliederung Österreichsvgl. Christian Sitte: Naturraumkarte Österreichs, Universität Wien, abgerufen am 3. Juli 2023. abgeleitet.
Klimazustand Die Beschreibung des Ist-Zustandes des Klimas in Österreich gilt, falls nicht anders angegeben, für den 30-jährigen Bezugszeitraum von 1991 bis 2020.
Lufttemperatur
Der Gesamtbereich des Jahresmittels der Lufttemperatur reicht in Österreich von über 12 °C in den inneren Bezirken Wiens bis etwa −7 °C auf den höchsten Gipfeln. In den dicht besiedelten Niederungen liegt es größtenteils bei 9 bis 11 °C. Das Flächenmittel beträgt 7,4 °C – das ist etwa 8 Grad niedriger als das globale Flächenmittel. Die Null-Grad-Celsius-Isotherme liegt im Jahresmittel in einer Seehöhe von etwa 2400 m. In abgeschlossenen Becken, Tälern und Mulden unter 800 bis 1200 m Seehöhe treten im Winterhalbjahr häufig Temperaturzunahmen mit der Höhe auf (Temperaturinversion).
Während im Großteil Österreichs Jänner und Juli im Durchschnitt der kälteste und wärmste Monat des Jahres sind, trifft dies im Hochgebirge auf den Februar und August zu. Das langjährige Jännermittel der Lufttemperatur liegt in den Flachlandschaften des Ostens bei 0 bis 2 °C, sinkt in rund 500 m Seehöhe auf −2 bis 0 °C und bewegt sich in ca. 1000 m zwischen −3 und −2 °C. Der tiefste Wert im Bereich der höchsten Gipfel ist rund −14 °C. Im Juli liegen die langjährigen Mittelwerte im Osten bei 21 bis 22 °C, in 500 m Seehöhe bei 18 bis 20 °C und in 1000 m bei 16 bis 18 °C. Am Großglockner wird auch im Hochsommer die Nullgradgrenze im Mittel knapp überschritten.
Die Kältepole Österreichs sind inversionsbedingt häufig im Lungau und im oberen Murtal, im mittleren Ennstal, in den Beckenlandschaften Unterkärntens oder im oberen Waldviertel zu finden. Die tiefsten Temperaturen erreichen dort Werte wie auf den Dreitausendern: Der absolute Negativrekord in den Niederungen von −36,6 °C in Stift Zwettl (505 m Seehöhe) aus dem Jahr 1929 reicht an die im Jahr 1905 am Sonnblick-Observatorium (3106 m Seehöhe) gemessenen −37,4 °C heran.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Wetterrekorde. (16. März 2012). Experimentelle Einzelmessungen in räumlich nicht repräsentativen Ungunstlagen bestätigten noch wesentlich tiefere Werte: −52,6 °C im Winter 1932 in der Doline Grünloch (1270 m Seehöhe) bei Lunz sind auch alpenweiter und mitteleuropäischer Kälterekord.Universität Wien: Meteorologie: Österreichs geheimer Kältepol. (16. März 2012).
Die höchsten Temperaturen an den heißesten Tagen im Jahr werden meistens im äußersten Osten Österreichs, am Übergang zur Pannonischen Tiefebene, oder in tief gelegenen Alpentälern unter Föhneinfluss gemessen. Die österreichische Rekordtemperatur wurde in Bad Deutsch-Altenburg mit 41,2 °C am 5. August 2026 verzeichnet. Zuvor war der Rekord für einen Tag in Wien-Stammersdorf mit 41,0 °C gelegen. Erstmals über 40 Grad wurde im Jahr 2013 in Bad Deutsch-Altenburg mit 40,5 °C verzeichnet.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Neuer Hitze-Rekord: 40,5° C in Bad Deutsch-Altenburg. (9. August 2013). Am 31. Juli 2026 wurde in Wieselburg mit 40,3 °C der Österreichrekord für die höchste jemals in einem Juli registrierte Temperatur erreicht.
Niederschlag mini|350px|Mittlere Jahressumme des Niederschlags in ÖsterreichHiebl J., Frei C. (2018): Daily precipitation grids for Austria since 1961—development and evaluation of a spatial dataset for hydro-climatic monitoring and modelling. Theoretical and Applied Climatology 132, 327–345, doi:10.1007/s00704-017-2093-x Die Verteilung der Niederschlagssummen in Österreich ist von zwei grundlegenden Faktoren geprägt: Einerseits nehmen die Niederschläge mit steigender Seehöhe zu, andererseits spielt die Lage im Anstau (Luv) oder im Regenschatten (Lee) der vorherrschenden Strömungsrichtung eine Rolle. Diesbezüglich stellt der Alpenhauptkamm eine Klimascheide dar.
Bei den häufigen West- bis Nordwestlagen liegen der Bregenzerwald und die gesamten Nördlichen Kalkalpen (von den Lechtaler Alpen über den Karwendel, Hochkönig, Dachstein und das Tote Gebirge bis hin zu Hochschwab und Ötscher) im Luv. Ähnliches gilt an der Südgrenze Österreichs (in den Karnischen Alpen und den Karawanken), die bei Anströmung aus dem Mittelmeerraum intensive Stauniederschläge erhalten. Gemeinsam mit den zentralalpinen Hohen Tauern erreichen die gemessenen Jahresniederschlagssummen in den genannten Regionen im langjährigen Durchschnitt um 2000 mm, vereinzelt an die 3000 mm. Speziell im mittleren Bregenzerwald registrieren selbst die Tallagen im Mittel 2300 mm Jahresniederschlag.
Im Gegensatz dazu erhalten das östliche Waldviertel (bes. unteres Kamptal), das Weinviertel (bes. Laaer Ebene), das Wiener Becken und das Nordburgenland weniger als 600 mm Niederschlag im Laufe eines Jahres. Als niederschlagsärmster Ort Österreichs kann Retz mit knapp unter 450 mm genannt werden.
Das Flächenmittel Österreichs beträgt etwa 1100 mm für das Jahr. Auf das Sommerhalbjahr (April bis September) entfallen etwas mehr als 60 % der Jahressumme, auf das Winterhalbjahr (Oktober bis März) dementsprechend etwas weniger als 40 %. Diese Niederschlagsverteilung erweist sich in Hinblick auf die Vegetationsentwicklung als sehr günstig. Während im überwiegenden Großteil des Landes der niederschlagsreichste Monat konvektionsbedingt (Schauer und Gewitter) auf den Juni oder Juli fällt, bildet das Kärntner Lesachtal die einzige Ausnahme: Mit einem primären Niederschlagsmaximum im Oktober ist es dem mediterranen Niederschlagsklima zuzurechnen.
Schnee Der Schneereichtum ist hauptsächlich von der Seehöhe sowie von der Lage des Gebietes relativ zu den Hauptströmungsrichtungen abhängig und variiert dementsprechend stark. Unter 1200 m Seehöhe fällt die größte Schneemenge im kältesten Monat, dem Jänner. In den höheren Lagen verschiebt sich die Zeit mit den ergiebigsten Schneefällen wegen der dann milderen und wasserdampfreicheren Luftmassen auf März und April, in den höchsten Lagen auf Mai bis Anfang Juni.
Während im österreichischen Flächenmittel im durchschnittlichen Jahr (Bezugszeitraum 1961 bis 1990) etwa 3,3 m Neuschnee fallen, sind es bei Krems nur 0,25 m, am Sonnblick hingegen 22 m. Die Grenze mit ganzjähriger Schneebedeckung liegt in den Nördlichen Kalkalpen bei 2700 m, in den Hohen Tauern bei 2900 m und in den Ötztaler Alpen bei knapp über 3000 m Seehöhe.
Sonnenschein mini|350px|Mittlere Jahressumme der Sonnenscheindauer in ÖsterreichHiebl J., Bourgeois Q., Tilg A., Frei C. (2024): Daily sunshine grids for Austria since 1961—combining station and satellite observations for a multi-decadal climate-monitoring dataset. Theoretical and Applied Climatology 155, 8337–8360, doi:10.1007/s00704-024-05103-5 Winterliche Inversionswetterlagen sind oft durch zähe Hochnebeldecken gekennzeichnet. Über der typischen Nebelobergrenze liegen in der Regel die Orte mit der längsten Sonnenscheindauer, so etwa die Terrassen im Tiroler Mittelgebirge, in den Niederen Tauern und in den Eisenerzer Alpen sowie entlang der Südabdachung der Kärntner Mittelgebirge, mit bis zu 2100 Sonnenscheinstunden im Jahr und einem relativ hohen Anteil im Winter. Fast ebenso sonnenscheinreich aber mit relativ günstigster Besonnung im Sommerhalbjahr sind das Gebiet um den Neusiedler See, das Marchfeld, Teile des Weinviertels und das zentrale Waldviertel mit durchschnittlich rund 1850 bis 2100 Sonnenstunden. Während also im Winter in vielen tiefgelegenen Gebieten Österreichs Nebel die Einstrahlungsverhältnisse wesentlich einschränkt, ist dies im Sommer durch vermehrte Quellbewölkung im Gebirgsraum der Fall. Insgesamt am geringsten ist die jährliche Sonnenscheindauer mit unter 1500 Stunden in weiten Teilen der Nordstaugebiete. In stark abgeschatteten Nordwänden sind noch wesentlich kleinere Jahressummen möglich. Das österreichische Flächenmittel der jährlichen absoluten Sonnenscheindauer liegt bei 1650 Stunden.
Wind