Neubukow ist eine amtsfreie Landstadt im Nordwesten des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Sitz des Amtes Neubukow-Salzhaff, dem sechs Gemeinden angehören, ist selbst aber nicht amtsangehörig. Der Ort bildet für seine Umgebung ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015 Seit August 2021 trägt Neubukow offiziell den Namenszusatz „Schliemannstadt“.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt zwischen den Hansestädten Wismar und Rostock, etwa elf Kilometer von der Ostseeküste bei Rerik entfernt.
Stadtgliederung Zu Neubukow gehören folgende Gemeindeteile:§ 1 der Hauptsatzung der Stadt.
Neubukow Buschmühlen Malpendorf Panzow Spriehusen Steinbrink
Geschichte Name mini|Markt Der ursprüngliche Name Bukow kommt aus dem altpolabischen bukov und buk und bedeutet Buche. Erst 1260 wurde der Ort als novum oppidum bukow (neue Stadt Bukow) bezeichnet und 1270 als Nova Buchowe. Der Zusatz novum fehlte später, als der Ort Bucoywe (1278) und Bucowe (1304) genannt wurde. 1395 wurde wieder Nyen Bukowe geschrieben, was sich dann im Laufe der Zeit zu Neubukow wandelte. Altbukow, ein Dorf westlich von Neubukow, schrieb sich 1281 Bucoywe.Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.
Mittelalter mini|Ehemaliger Speicher im Ortsteil Spriehusen Im 12. und 13. Jahrhundert bestand eine slawische Siedlung. Die Gründung der Stadt erfolgte wohl am Anfang der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie lag an der Straße von Rostock nach Wismar. 1192 wurde die Pfarre (Alt) Bukow erwähnt und 1218 ein Walterus de Bukowe, der in einer späteren Urkunde als Pfarrer (plebanus) von Alt Bukow auftaucht. 1246 wird ein Heinricus de Bukowe erwähnt.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 9. 1260 wurde dann die Stadt als nouo opido Bukow erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt wurde, wie einige Städte, die in dieser Zeit in Mecklenburg gegründet wurden, mit einem nahezu rechtwinkligen, gitterförmigen Straßennetz, einem zentralen Markt mit Rathaus und einer Stadtbefestigung mit ursprünglich vier Stadttoren angelegt.
Mit dem Bau der gotischen, dreischiffigen Pfarrkirche als Hallenkirche wurde nach der Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. Damit ist die Stadtkirche das älteste erhaltene Gebäude Neubukows. Der Turm ist wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert.Dehio: Mecklenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1980, S. 242. Der älteste schriftliche Nachweis der Wassermühle stammt von 1304. Drei Angehörige der Familie von der Lühe auf Panzow gründeten 1326 in der Kirche eine Vikarie, die besagte, dass ein bestimmter Priester an einem bestimmten Altar, an einem festgelegten Tag eine Messe für das Seelenheil der Familienmitglieder zu lesen habe. Die Vikarie war mit Einkünften aus Lischow bewidmet.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 35. Neubukow wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.
Erster Pastor der neuen Lehre nach der Reformation war Georg Freudenberg, er wurde 1549 berufen und blieb bis 1594 in der Gemeinde. 1594 wurde auch auf dem Landtag zu Sternberg die Erhebung des lutherischen Bekenntnisses zur Landeskirche beschlossen.
1700 bis 1900 Seit 1709 gab es in der Stadt eine Apotheke. 1788 entstand das zweigeschossige, schlichte barocke Rathaus mit seinem Mansarddach und dem Mittelgiebel.
Von Mai 1814 bis April 1823 war Ernst (Johann Adolf) Schliemann, der Vater von Heinrich Schliemann Pastor in Neubukow.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 36. Am 22. Dezember 1883 erreichte der erste Zug Neubukow, und am 6. Oktober 1890 wurde die Neubukower Rübenbahn eröffnet. Zu dieser Zeit hatte Neubukow knapp 2000 Einwohner. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Deutschlands erste Gipsbindenfabrik von A. Moratzky gegründet. In den 1950er Jahren wurde dann die Produktion eingestellt.
Im 18. Jahrhundert siedelten sich Juden im Ort an, denen 1776 von der Landesregierung ein jüdischer Friedhof genehmigt wurde. Dessen Reste befinden sich noch heute in der Wismarschen Straße. In der Zeit des Nationalsozialismus 1934 wurde er geschändet, 1964 zu DDR-Zeiten wurde aus den Resten eine Gedenkstätte gestaltet, zu der 1983 eine Gedenktafel hinzukam. 2024 wurde eine längere Instandsetzung abgeschlossen.
Neuere Zeit mini|Markt Nach der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe 1926 erstarkte der Nationalsozialismus und führte dazu, dass sich die jüdische Gemeinde Neubukows in den 1930er Jahren unter politischem und wirtschaftlichem Druck auflöste. An einige ihrer Mitglieder, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, erinnern seit 2025 15 "Denksteine". Während des Zweiten Weltkrieges mussten Kriegsgefangene sowie zahlreiche Frauen und Männer aus von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit, u. a. bei der Deutschen Reichsbahn verrichten. 1942 wurde unweit des Schützenplatzes ein Barackenlager für diese Zwangsarbeiter gebaut.
Am 2. Mai 1945 zog die Rote Armee in Neubukow ein und übernahm den Ort, etliche Häuser und Wohnungen wurden geplündert. Vor der Kapitulation am 8. Mai 1945 hatte der Ort um die 2.000 Einwohner. Danach zogen Heimatvertriebene und Flüchtlinge durch das Land und suchten Unterkunft. Die Einwohnerzahl stieg um etwa das Doppelte an. Nach der Bodenreform bekamen viele dieser Einwanderer Land zugewiesen und wurden sesshaft. Der Mangel an Wohnraum war ein Problem, jede verfügbare Kammer wurde genutzt. Das ursprüngliche Problem der Arbeitslosigkeit konnte zum Teil durch den Wiederaufbau der Werften in Wismar gelöst werden, hier arbeiteten 1947 schon etwa 2.000 Menschen auf der Mathias-Thesen-Werft.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 16–23.
Innenstadt und das Rathaus von 1788 wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.
Von 1952 bis 2011 gehörte Neubukow zum Kreis Bad Doberan (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–2011 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 2011 liegt die Stadt im Landkreis Rostock.
Geschichte der Ortsteile
Buschmühlen Buschmühlen und Drüschow waren Güter. Drüschow wurde 1219, Buschmühlen 1305 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Zu beiden Gütern gehörten insgesamt 38 Bauern. Im Güter-Adressbuch von 1921 werden die Güter als Lehen mit einer Größe von 434 ha genannt, von denen 370 ha Gärten und Äcker waren. Buschmühlen war als ritterschaftliches Gut das Hauptgut in der Gemeinde, es war Eigentum der Familie von der Lühe, der auch Rakow, Spriehusen, Teßmannsdorf, Drüschow, Steinbrink und Klein-Strömkendorf gehörte.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow, 2000 S. 69–75.
Malpendorf mini|Burgwall am Wallberg mini|Panzower Bach Der heutige Ortsteil war früher ein Gut südöstlich von Neubukow. Früher waren für die Gegend Kopfweiden charakteristisch, 1891 wurden 968 Weiden gezählt, von denen teilweise noch morsche Reste erhalten sind. In Niekammer’s Adressbuch von 1921 ist Malpendorf als Dominalgut erwähnt, es hatte eine Größe von 240 ha. 205 ha wurden als Gärten und Äcker genutzt, 15 ha als Weiden und 7 ha als Hofplätze, Wege und Umland. Zu dieser Zeit wurden im Gut 30 Pferde, 90 Rinder und 20 Schweine gehalten. Es war das kleinste der an Neubukow angrenzenden Güter, von jeher war es als Teil des Domaniums eine Domäne im Eigentum des Landesherrn. Zum ersten Mal erwähnt wurde Malpendorf 1219 in einer Urkunde, in der dem Frauenkloster St. Maria im Sonnenkamp Land, Mühlenertrag, und Fischerei zuerkannt wurden. Eine Mühle wurde 1304 urkundlich erwähnt. Malpendorf hieß 1219 Malbodendorf, was Ort des Malbodo bedeutete. Nach Eintragungen in alten Kirchenakten war das Gut früher ein Amtsbauhof, also eine Einrichtung des Amtes. 1850 hatte Malpendorf 70 Bewohner, von denen 21 Kinder waren, davon neun im schulfähigen Alter. 1945 wurde über die Schulverhältnisse berichtet: „Malpendorf ist seit jeher in der Stadtschule eingeschult gewesen. Gesetzlich soll dahin gestrebt werden, Landkinder in Landschulen unterzubringen“.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 77–79. Zu DDR-Zeiten wurde der Hof Teil der Agrargenossenschaft Hellbach, von der ursprünglichen Anlage sind noch Reste zu sehen.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 96.
Panzow Panzow wurde 1295 urkundlich genannt, es ist nicht gesichert, ob der 1171, 1191 und 1211 erwähnte Ort Pancouiz in terra Ylowe mit dem heutigen Panzow identisch ist. 1295 wurde der Ort Pantzow genannt, der Name ist slawischer Herkunft, er bedeutet Ort des Pac. 1427 gehörte der Ort im Amt Bukow als Ritterschaft den Herren Herrmann und Hanneke von Lüthe. In Panzow lebten 1544 18 Bauern oder Kätner, eine Stelle wurde als wüst bezeichnet. Im 16. Jahrhundert umfasste das ritterliche Land noch die alten Hofhufen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die Einwohner von Langendorf und ein Teil von Einhusen hinzu, beide Ortsteile fielen später wüst. Einhusen befand sich dort, wo sich heute der Flurname Afrika, ein mit Pappeln bepflanztes Gelände erhalten hat. Langendorf lag südlich des Kuhberges in den Langendorfer Koppeln. Um 1782 geriet nach Angaben in Kirchenakten Panzow in Konkurs und wurde danach als Domäne verpachtet. Der ehemalige Gutshof lag auf einem heute unter Denkmalschutz stehenden Burgwall, die Anlage war von einem Grabensystem umflossen, das vom Hellbach gespeist wurde. Der Hof war durch mehrere Brücken erschlossen, unter anderem auch durch eine Zugbrücke, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts, ebenso wie die gesamte Hofanlage, verfallen war. Das spätere Gutshaus stand ebenfalls an dieser Stelle, es wurde 1949 durch einen Brand zerstört und anschließend zu Wohnungen für Umsiedlerfamilien umgebaut. Der Charakter des Gutshofes blieb dabei nicht erhalten.Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 80–86
mini|Gutshaus Spriehusen Spriehusen Spriehusen wurde als Lehngut 1390 zum ersten Mal erwähnt und in der Überlieferung Spriehuser Feld genannt. In einer Kirchenakte von 1653 gibt es eine Bezeichnung als Hof, der allerdings hinter Buschmühlen, dem Hauptgut, kaum Bedeutung aufweist. 1774 gab die Familie von der Lühe den Hof der Familie von Osten. Gutsbesitzer waren dann die Familien Franz Stanislaus Julius, Reichsfreiherr von Seld († 1793) und Erben (ab 1784), von Kleist (ab 1800), von Voß (ab 1805), Crelinger (ab 1812), von Post (ab 1820), Heinrichsen (ab 1827) und Nölting (1835–1948).Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000, S. 86–89 Das nach 2000 sanierte Gutshaus stammt von 1852.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden neben den bis dahin eigenständigen Gemeinden Malpendorf und Panzow auch Buschmühlen (aus Spriehusen-Buschmühlen herausgelöst – Spriehusen wurde in Rakow eingegliedert) eingemeindet.
Bevölkerung Für 1558 sind 46 Einwohner im Landbuch namentlich erfasst. Die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dürfte bei 200 bis 300 Personen gelegen haben. Hiervon waren 15 Bauern, 23 Kaufleute, Schmiede, Schneider, Schuster, Zimmerleute und Leineweber. 1580 gab es 11 große Bauersleute, 3 kleine Bauersleute und ungevehr 33 gemeine Bürger und empzer.