Die Grube Wolfgang Maaßen mit ihrem bekannten Pochwerksgebäude befindet sich an der B 169 gegenüber der ehemaligen Jägerkaserne am Südrand von Neustädtel, einem Ortsteil von Schneeberg im sächsischen Erzgebirgskreis. Die Grube gehört zum Schneeberger Bergrevier und war ein über mehrere hundert Jahre in Betrieb befindliches Bergwerk, in dem neben Silber vor allem Kobalt und Wismut gefördert wurden. Bei einer Teufe von 378 m wurden insgesamt 15 Hauptsohlen (Lachterstrecken) angeschlagen. Die Grube gab der zu Neustädtel gehörigen Siedlung Wolfgangmaßen ihren Namen.

Geschichte 1555 bis 1736 Die Fundgrube wurde erstmals im Quartal Crucis des Jahres 1555 im Schneeberger Rezessbuch unter dem Namen St. Wolfgang Hagemüllers Lehn erwähnt. Benannt wurde sie nach dem Bergbauheiligen St. Wolfgang, der auch Namensgeber der spätgotischen Hallenkirche St. Wolfgang in Schneeberg war. Nach den Angaben im Rezessbuch muss man davon ausgehen, dass die Fundgrube schon im Quartal Trinitatis an Wolfgang Hagemüller verliehen wurde, da bereits eine Forderung nach Zubuße erwähnt wird. Neben der Fundgrube wurden im Jahr 1555 auch drei untere und sieben obere Maaßen genannt.

In den folgenden Jahren wechseln sich Verleihung und wieder-in-das-Bergfreie-fallen der Fundgrube sowie der zugehörigen Maaßen ab. Ab 1563 war die Fundgrube zunächst ohne Unterbrechung in Betrieb. Im Jahr 1572 wurde das erste Silber gefunden und im selben Jahr 2 Gulden Ausbeute pro Kux gezahlt. Im Jahr 1590 waren auch drei untere und insgesamt neun obere Maaßen in Betrieb. Im Jahr 1608 förderten die Gruben auf dem Wolfgang Spat für lange Zeit letztmals Silber.

Bedingt durch die Lage der Fundgrube im Tal des Riesengrundes gab es von Anfang an Probleme mit der Wasserhaltung. Abhilfe schufen hier ins Grubengebäude eingebrachte Entwässerungsstolln. Im Jahr 1574 erreichte der Griefner Stolln in einer saigeren Teufe von 36 m und im Jahr 1590 der Fürstenstolln mit einer saigeren Teufe von 118 m das Grubengebäude. Besonders das Einbringen des Fürstenstollns hatte ein steigendes Silberausbringen zur Folge. Allein in den Jahren 1590/91 wurden 505 kg Silber gefördert. Ab dem Jahr 1595 wurden die neun oberen Maaßen zusammengeschlossen. Die gewinnbaren Silbervorkommen waren weitestgehend abgebaut. In der Zeit von 1572 bis 1606 wurden, belegt durch Ausbeutescheine, mindestens 1303 kg Silber ausgebracht, die tatsächliche Menge dürfte bei 1743 kg Silber liegen. Nach dem Verkauf von Wolfgang Maaßen im Jahr 1609 begann der gezielte Kobaltabbau.

Für die Jahre 1620 bis 1624 ist die Förderung von Kobalt auf der Fundgrube und den oberen Maaßen nachgewiesen. Im Jahr 1632 wird nur noch von der Fundgrube nebst nächstobere Maaß sowie von der oberen 2. bis 6. Maaß als Gruben berichtet. Es ist anzunehmen, dass die unteren drei Maaßen sowie die obere 8. und 9. Maaß ins Bergfreie gefallen sind.

Die zwischenzeitlich auch wieder ins Bergfreie gefallene Fundgrube wurde 1646 durch die Familie Schildbach wieder aufgenommen. Durch den 1641 abgeschlossenen Kobaltkontrakt lohnte sich die Förderung dieser Erze wieder. Im Jahr 1650 liefert die Fundgrube und im Jahr 1657 die oberen Maaßen erstmals wieder Kobalt. Ab dem Jahr 1652 konnte wieder Ausbeute gezahlt werden. Durch den Verbruch bzw. die mangelnde Funktionsfähigkeit des Fürstenstollns war man allerdings nicht in der Lage, den Abbau weiter in die Tiefe zu bringen. Der Bergbau wurde deshalb im Jahr 1688 auf viele Jahre eingestellt.

1737 bis 1817 Im Juni 1737 wurde die Fundgrube, samt der Oberen 1. bis 3. Maaß und Unteren 1. Maaß, an Johann Carl Lindemann verliehen. Im Januar 1741 folgte als Beilehn der St. Anna Fundgrube die Verleihung der Oberen 4. bis 8. Maaß (Wolfgang Maaßen) an Benjamin Schönfelder, Steiger auf der Grube St. Anna und Daniel Fundgrube. Durch die eingeschränkte Funktionsfähigkeit des Fürstenstollns mussten die Wässer aus den Tiefbauen mit Hilfe eines Kunstgezeugs auf das Niveau des Griefner Stollns gehoben werden. Zu diesem Zweck wurde auf der Stollnsohle eine Radstube ausgehauen. Am 11. August 1749 kam es während der Arbeiten an dieser Radstube zu einem Bruch, durch den fünf Bergleute verschüttet wurden. Während der Bergmann Carl Friedrich Schnedelbach lebend geborgen werden konnte, blieben die Bergleute Christian Heinrich Röder, Christian Georgi, Johann Gottlieb Georgi und Johann Gotthelf Lorenz im Berg und liegen noch heute in der Radstube. Nach diesem tragischen Unglück kam der Bergbau auf der Grube zum Erliegen und die Fundgrube fiel wieder ins Bergfreie.

Im August 1765 wurde die Fundgrube, samt der Oberen 1. bis 2. sowie der Unteren 1. bis 3. Maaß an Carl Gottlob Lindemann verliehen und der Kobaltabbau wieder aufgenommen. Im Quartal Crucis 1771 begann die St. Anna Fundgrube mit den Aufwältigungsarbeiten im Beilehn Wolfgang Maaßen. Im Quartal Crucis 1777 wurde Wolfgang Maaßen (Obere 4. bis 8. Maaß) selbständig. Ab 1776 wurde mit den Aufwältigungsarbeiten auf dem Fürstenstolln im Grubenfeld Auferstehung Christi begonnen. Im Jahr 1779 erreichten diese Arbeiten die Gruben auf dem Wolfgang Spat und ermöglichten so das Lösen der Grubenwässer aus den tieferen Bauen. Im Bereich der Oberen 6. Maaß wurde wahrscheinlich 1781 mit der Teufe eines Treibeschachtes begonnen. Im Jahr 1784 wurde von der Fundgrube und von Wolfgang Maaßen gemeinsam ein Kunstgezeug in einen Kunstschacht unterhalb des Fürstenstollns eingebracht und über eine Radstube auf dem Fürstenstolln angetrieben. Der Kobaltbergbau erreichte im Jahr 1785 ein Ausbringen von 137 Zentnern Kobalt pro Quartal. Auf dem Treibeschacht wurde zwischen 1789 und 1790 ein Pferdegöpel errichtet.

Auf dem Friedrich August Spat im Niveau der Fürstenstolln-Sohle erschloss man im Jahr 1797 ergiebige Kobalterze, die erstmals wieder eine Ausbeutezahlung ermöglichten. Die Grube stieg damit zur ertragreichsten Grube im Schneeberger Revier auf. Um den Transport der geförderten Kobalterze in das weit entfernte Siebenschlehener Pochwerk zu umgehen und Kosten zu sparen, wurde zwischen 1816 und 1818 neben dem Treibeschacht ein eigenes Pochwerk samt Radstube errichtet. Bedingt durch diese hohen Investitionskosten mussten die Ausbeuteauszahlungen wieder eingestellt werden. mini|Treibehaus des Wolfgang Maaßener Kunst- und Treibeschachtes

1818 bis 1850 Um den Grubenbetrieb effektiver zu gestalten, wurde im Jahr 1818 die St. Wolfgang Fundgrube mit Wolfgang Maaßen vereinigt. Der Wolfgang-Maaßen-Treibeschacht wurde zum Hauptschacht der Grube. Zur Grube gehörten noch zwei Blindschächte: der Kunstschacht ab der Fürstenstolln-Sohle auf dem Wolfgang Spat und der Wolfgangschacht ab der 51-Lachter-Strecke auf dem Friedrich August Spat. Der Friedrich August Spat und der Sidonie Spat entwickelten sich, besonders im Schaarungsbereich beider Gänge, zu den Haupterzlieferanten der Grube.

Offensichtlich galt die Grube als Musterbetrieb, denn nach dem Besuch von Prinz Johann von Sachsen, am 27. Juli 1826 besuchte auch Prinz Friedrich August II. von Sachsen, am 6. Juli 1829 mit großem Gefolge die Grube. Dazu gehörten neben dem Oberberghauptmann Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herder, auch Excellenz Geheimer Rat und Oberhofmeister Freiherr A. von Minckwitz und der Adjutant Oberst Clemens Franciscus Xaver von Cerrini di Monte Varchi. Laut den Aufzeichnungen hat Prinz Friedrich August II. die Grube auch befahren.

Zur Verbesserung der Vorratssituation übernahm die Grube 1830 die Grubenfelder von König David und Des Churfürsten zu Sachsen Ankunft Maaßen (Pucher Fundgrube). Während die im Jahr 1830 begonnene Aufwältigung der seit 300 Jahren ruhenden Grube König David im Jahr 1835 aus Kostengründen wieder abgebrochen wurde, konnte die Aufwältigung des Griefner Stollns zum Grubenfeld Pucher im Jahr 1831 beendet werden. Im selben Jahr wurde auch der zwischen der Oberen 4. und 5. Maaß der Pucher Fundgrube neu geteufte saigere Alexanderschacht auf den Griefner Stolln durchschlägig.

Der Fürstenstolln wurde von der gleichnamigen Gewerkschaft von Wolfgang Maaßen aus weiter auf dem Roland Morgengang unter dem Beitrag des 4. Pfennigs in das Grubenfeld Pucher vorangetrieben und erreichte den Alexander Spat im Jahr 1836. Bis 1839 wurde der Alexander Spat durch die Fürstenstolln-Gewerkschaft aufgefahren und dann wahrscheinlich aus Kostengründen der Betrieb eingestellt.

Infolge der Trockenheit im Jahr 1835 und dem dadurch entstandenen Mangel an Aufschlagwasser für die Kunstgezeuge konnten bei Wolfgang Maaßen die Wässer nicht mehr auf das Niveau des Fürstenstollns gehoben werden. Infolgedessen stiegen die Grubenwässer von der tiefsten Sohle, der 71-Lachter-Strecke, bis zur 31-Lachter-Strecke an.

Die Abbaue bewegen sich fast ausschließlich auf dem Friedrich August Spat und dem Sidonie Spat auf der 31-Lachter-Strecke, der 41-Lachter-Strecke, der 51-Lachter-Strecke, der 61-Lachter-Strecke und der 71-Lachter-Strecke. Im Jahr 1841 erreicht der Wolfgangschacht die 71-Lachter-Strecke in 50 Lachter Entfernung vom Wolfgang-Maaßen-Treibeschacht. Durch Trockenheit und fehlendes Aufschlagwasser stiegen zum Ende des Quartals Trinitatis (27. Juni bis 3. Juli) des Jahres 1842 die Wässer bis ½ Lachter über die 51-Lachter-Strecke.

Am Donnerstag in der 6. Woche des Quartals Crucis 1843 (10. August) wurde der Marx-Semler-Stolln ca. 5 Lachter unter der 31-Lachter-Strecke in den Friedrich August Spat durchschlägig und ermöglichte eine natürlich Wasserlösung 32 Lachter (64 m saiger) unterhalb des Fürstenstollns. Vom Wolfgang-Maaßen-Treibeschacht aus begann man im Jahr 1843 mit der Auffahrung von 20 Lachtern Gangstrecke und 53 Lachtern Querschlag zum Friedrich August Spat, um die entsprechende Teufe des Marx-Semler-Stollns in den Schacht einzubringen. Diese Auffahrungen wurden im Jahr 1848 mit dem Durchschlag zum Marx-Semler-Stolln abgeschlossen. Im Jahr 1844 wurde das Kunstgezeug im Kunstschacht umgebaut, da die Wässer nun nur noch bis zur 31-Lachter-Strecke gehoben werden mussten.

Mit der Übernahme der letzten in Fremdbesitz befindlichen Kuxe der Schneeberger Gruben durch das Blaufarbenwerkskonsortium im Jahr 1844 kam es auch zum Auslaufen des seit dem Jahr 1659 geltenden Kobaltkontraktes. Der Kobaltkontrakt schrieb zwar die maximale Fördermenge vor (bei Wolfgang Maaßen im Durchschnitt 800 Zentner im Jahr), garantierte aber gleichzeitig stabile Preise von 14,66 Groschen (5,11 RM)/Kg Kobalterz. Das sicherte der Grube bis 1841 durchschnittliche Einnahmen von 19.000 Talern (198.685 RM) pro Jahr. Aufgrund des Abnehmens der gewinnbaren Vorräte an Kobalterz begannen diese Einnahmen jedoch zu sinken.

Mit dem Einbringen des Kunstschachtes in die 96-Lachter-Strecke im Jahr 1845 begann auch die Untersuchung des Wolfgang Spates unterhalb der Marx-Semler-Sohle. Der Silbererzfall auf dem Wolfgang Spat im Jahr 1845 setzt sich auch auf der 106-Lachter-Strecke fort, die im Jahr 1847 über den Kunstschacht angeschlagen wurde. Im Jahr 1847 wurde Silber im Wert von 12.000 Talern (125.485 RM) gefördert.

Im Jahr 1848 erreichte der Wolfgang-Maaßen-Treibeschacht die 71-Lachter-Strecke und der Wolfgangschacht die 81-Lachter-Strecke. Der Abbau auf dem Sidonie Spat und dem Friedrich August Spat verlagert sich weiter in die Tiefe auf die 81-Lachter-Strecke und die 96-Lachter-Strecke.