mini|Schlosskirche Saarbrücken mini|Schlosskirche bei Nacht mini|Schlosskirche Saarbrücken im Stadtmodell

Die Schlosskirche ist eine ehemalige Kirche in Saarbrücken. Bis zur Einführung der Reformation im Jahr 1575 trug sie das Patrozinium des heiligen Nikolaus von Myra. Seit 2004 ist das Kirchengebäude ein Museum für christliche Sakralkunst.

Lage Die Schlosskirche liegt am linken Saarufer im Stadtteil Alt-Saarbrücken. Durch den Bau der Stadtautobahn (A620) wurde die zur Saarseite abschließende Häuserzeile abgerissen. Seitdem verläuft direkt östlich der Kirche an der Saar entlang die Autobahn A 620. Westlich schließt sich die Altstadt mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte an, südlich des Chores liegt das Schlossplateau mit dem Gebäude der Volkshochschule. Die Apsis liegt in südöstlicher Richtung.

Geschichte mini|Turm der Schlosskirche mit der im Jahr 2006 rekonstruierten barocken Turmhaube mini|Schlosskirche Saarbrücken, mit provisorischem Turmdach der Nachkriegszeit

Burgkapelle Vermutlich im 11. Jahrhundert wurde in der alten Saarbrücker Burg auf dem Saarfelsen, auf dem sich heute das Saarbrücker Schloss erhebt, eine Burgkapelle eingerichtet. Die capella castri Sarapontensis diente als Sakralraum dem gräflichen Hof und den Burgmannen; sie war vermutlich dem Ritterheiligen St. Georg geweiht. Die Einwohner der ursprünglichen Burgsiedlung Saarbrücken, des heutigen Stadtteils Alt-Saarbrücken, gehörten zur Pfarrei der Stiftskirche St. Arnual. Quellenmäßig erstmals belegt ist die Burgkapelle im Jahr 1228, als die Kapelle von Graf Simon III. neben anderen Gütern dem Deutschen Orden übertragen wurde. Diese Übertragung wurde dem Deutschen Orden im Jahr 1263 durch die Saarbrücker Gräfin Lauretta (1233–1271) bestätigt.

Graf Johann I. (1307–1342) ließ anstelle der alten Burgkapelle nach seiner Rückkehr aus Italien zu Ehren der Schutzheiligen Margarethe seiner Mutter eine Margarethenkapelle errichten, die am 2. Mai 1315 von Chorbischof Daniel von Metz eingeweiht wurde. Graf Johanns Nachfolger, Johann II., ließ 1356 in der Burgkapelle einen Altar zu Ehren des heiligen Jakobus des Älteren errichten. Johann II. hatte zuvor eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela gelobt, die er allerdings nicht angetreten hatte. Papst Innozenz VI. hatte von Avignon aus dem Saarbrücker Grafen erlaubt, das versprochene Gelübde in eine Altarstiftung zu Ehren des heiligen Jakobus umzuwandeln. Diese sah vor, dass zu Ehren des heiligen Jakobus ein Priester an drei Tagen in der Woche eine Messe „zu seinem (gemeint ist Graf Johann) Heile, dem seiner Frau, seiner Tochter und seiner Vorfahren“ zu lesen habe.Ralph Melcher: Die Saarbrücker Schlosskirche, Kirche und Museum. Mit Photographien von Gerd Marx. Dillingen/Saar 2009.

Aufgrund von Ablassversprechungen, die mit diesen Altarstiftungen verbunden waren, ist anzunehmen, dass die Burgkapelle auch von den Einwohnern der Burgsiedlung mitgenutzt wurde.

Nach dem Abriss der Kapelle im Jahr 1466 ging das Patrozinium auf eine zwei Jahre später neu errichtete Kapelle über, die vom Metzer Generalvikar Simon de Rubo geweiht wurde. Allmählich wurde der ursprüngliche Name der Margarethenkapelle in der Saarbrücker Burg durch das Jakobuspatrozinium ersetzt. Das Patrozinium der mittelalterlichen Burgkapelle wurde beim Bau der heutigen katholischen Jakobskirche auf diese übertragen.

Das Aussehen der Burgkapelle ist nicht überliefert. In einer Quelle aus dem Jahr 1358 ist belegt, dass sie auf der linken Hofseite der mittelalterlichen Burg stand.

St. Nikolauskapelle Der Metzer Bischof Philipp von Flörchingen (1261–1264) hatte am 23. August 1261 eine Erlaubnis zum Bau einer eigenen Kapelle für die Einwohner der Burgsiedlung Saarbrücken gegeben:Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150-jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908.

Zehnt- und Patronatsherr der Kapellengemeinde war das St. Arnualer Chorherrenstift. Diese Kapelle war dem hl. Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron Lothringens, geweiht worden. Vermutlich deutet das Patrozinium auch auf den in der Nähe gelegenen Saarübergang hin, da Nikolaus auch als Patron der Reisenden, Fuhrleute und Schiffer verehrt wird. Das Patrozinium des Heiligen ist hinsichtlich der Saarbrücker Kapelle erstmals für das Jahr 1325 überliefert. Vermutlich haben sich Reste dieses Gebäudes in der Taufkapelle und der Sakristei der heutigen Schlosskirche erhalten.

Konflikt mit dem St. Arnualer Chorherrenstift Da die seelsorgliche Tätigkeit der St. Arnualer Stiftsherrn nach Meinung des Saarbrücker Grafen Johann I. zu wünschen übrig ließ, versuchte dieser in den Orten St. Johann und Saarbrücken, das kirchliche Leben aus dem Einfluss des Stiftes St. Arnual herauszulösen. Bereits im Jahr 1309 war Johann I. im Auftrag König Heinrichs VII. als Chef einer königlichen Gesandtschaft zu Papst Clemens V. nach Avignon geschickt worden. Bei einer zweiten Reise zum Papst in Avignon im Jahr 1325, zu der Johann I. durch Johann von Böhmen beauftragt worden war, brachte der Saarbrücker Graf Papst Johannes XXII. sein Anliegen vor:

Papst Johannes XXII. gab daraufhin dem Saarbrücker Grafen Johann I. für den Bischof von Metz den schriftlichen Befehl mit, den Pfarrherrn zu St. Arnual durch Androhung von Kirchenstrafen anzuhalten, in Saarbrücken und St. Johann Taufbrunnen anzulegen und dort einen Priester zu bestellen, der die Sakramente spende. Dennoch blieben Saarbrücken und St. Johann weiterhin von St. Arnual abhängig. Erst im Jahr 1549 gab das Stiftskapitel seine Erlaubnis, dass ein von ihm bestellter Priester in Saarbrücken residierte.

Mehrfach überlieferte Messstiftungen, so im Jahr 1400 durch den Abt der Abtei Wadgassen und im Jahr 1412 durch Saarbrücker Bürger für die Jungfrau und Gottesmutter Maria, deuten indirekt auf das Fehlen einer kontinuierlichen Seelsorge in Saarbrücken hin. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde in der Kapelle eine Nikolausbruderschaft gegründet, die sich um die Stiftungen und Pfründen der Kapelle kümmerte. Die Gründung der Bruderschaft kann als Hinweis auf eine Intensivierung der Frömmigkeit in Saarbrücken am Ende des Mittelalters verstanden werden.

Der Bau der Nikolauskapelle war vermutlich in romanischen Formen gehalten. Ein staufisches Kapitell hat sich im Dachstuhl der Taufkapelle erhalten.

Gotische Schlosskirche Der heutige gotische Bau wurde im Jahr 1476 erstmals erwähnt. In diesem Jahr erstatteten drei der Baumeister zu viel gezahlten Lohn zurück. So kann angenommen werden, dass der Bau der Kirche bereits vor 1476 begonnen wurde. Der Saarbrücker Hofhistoriograph Johann Andreae vermerkte überdies, dass in diesem Jahr „die neue Kirche zu Saarbrücken gebaut worden, da vordem eine alte baufällige da gewesen.“ Es wird vermutet, dass der Kirchenbau von Graf Johann III. initiiert wurde.

Die Urkunde, die im Saarländischen Landesarchiv aufbewahrt wird, nennt als Baumeister Erhard Snyder, Peter Schryber und Nicklas Steynmetz. Eine weitere Rechnungsurkunde stammt aus dem Jahr 1478. Als führender Steinmetz ist ein Meister Hans überliefert. Seine Mitarbeiter trugen die Namen Philipp und Peter (Knechte), Herzog und Albrecht (Zimmerleute), sowie Hannemann und Peter (Knechte), die die Holzkonstruktion der Dächer errichteten.

Die Steine für den Bau wurden in Güdingen gebrochen und von Bauern aus Güdingen und Bübingen verladen. An die Baustelle transportiert wurden die Materialien durch Knechte des Abtes von Wadgassen und des Deutschen Ordens.

Die Fertigstellung des heutigen zweischiffigen, hallenartigen Baues mit erhöhtem Hauptschiff ist vermutlich um das Jahr 1518 zu datieren. Der Turm der Schlosskirche hat vermutlich ursprünglich so ausgesehen, wie er sich mit dem provisorischen Pyramidenhelm in der Nachkriegszeit bis zum Jahr 2006 darstellte.

Von der ursprünglichen Ausstattung der Schlosskirche hat sich durch die zahlreichen Zerstörungen der letzten Jahrhunderte nichts mehr erhalten, lediglich der Sockel der spätmittelalterlichen Kanzel wurde nach der Umwandlung in ein Museum wieder aufgestellt.

Erst im Jahr 1549 wurde die Kirche durch die Bestellung des Stiftsherrn Johannes Wald von St. Arnual als Ortspfarrer zur eigenständigen Pfarrkirche der Stadt Saarbrücken erhoben.

Reformation Im Jahr 1569 hatte sich das Stift St. Arnual praktisch selbst aufgelöst. Bereits im Jahr zuvor, 1568, sind protestantische Prediger in der Schlosskirche nachweisbar. Im Jahr 1575 wurde durch Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken die Reformation zwangsweise eingeführt, und bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Saarbrücken keine katholische Pfarrei mehr. Erst am 9. Mai 1803 wurde im damals zu Frankreich (Département de la Sarre) gehörenden Saarbrücken eine katholische Kantonspfarrei eingerichtet, die aber über keine eigene Kirche verfügte, sondern die Kirche in St. Johann benutzen musste. In den Jahren 1885–87 konnte ein eigener katholischer Kirchenbau nach Plänen des Architekten und Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig (Paderborn), dem Architekten der katholischen Hamburger Pfarrkirche St. Marien (1995 zur Kathedralkirche erhoben), verwirklicht werden: die heutige Alt-Saarbrücker St.-Jakobs-Kirche.Informationen zur Pfarrkirche St. Jakob Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 17. August 2012.

Späte Renaissance und Barockzeit mini|Schlosskirche (Saarbrücken), Jacques Pierrard de Coraille, Fragmente des Apostelzyklus von Pierrard de Coraille, geschaffen ca. 1686–1693 mini|Schlosskirche (Saarbrücken), Jacques Pierrard de Coraille, Apostelfragment (Johannes), geschaffen ca. 1686–1693

Im rechten Seitenschiff der Schlosskirche diente eine Empore vermutlich dem Sängerchor und als Loge für das Saarbrücker Grafenhaus. Der Chorbereich erhielt für die gräflichen Beamten ebenfalls eine Empore.

Im Jahr 1616 schuf der Bildhauer Hans Bast ein Chorgestühl (minimale Reste befinden sich heute im Depot des Saarlandmuseums) und im Jahr 1622/1623 eine Kanzel mit den Bildwerken der Kirchenväter Hieronymus, Ambrosius, Johannes Chrysostomus, Athanasius, Cyrillus und Augustinus. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist nur noch die Kanzelsäule erhalten. Die Kirche diente ab dem Jahr 1604 auch dem Vorgängergymnasium des heutigen Ludwigsgymnasiums als Prüfungsaula. Wenige Jahre später, im Jahr 1644, wurde die Kirche von Franzosen verwüstet, Gestühl und Türen zerschlagen.

Während des Holländischen Krieges wurde die Kirche bei einem Stadtbrand am 17. Mai 1677 weiter in Mitleidenschaft gezogen: Turmhelm und Dach brannten ab, die Glocken schmolzen und die Gewölbe stürzten ein. Durch ein Kollektenschreiben von Gräfin Eleonore Klara aus dem Jahr 1682 wurde genug Geld gesammelt, um die Kirche wiederherzustellen. Zwischen den Jahren 1683 und 1686 zog man eine flache Balkendecke ein, baute eine Doppelempore und veränderte die Fenster auf der Südseite. Im Jahr 1686 wurde aus Tholey eine Orgel beschafft, 1691 der Turmhelm aufgesetzt und noch im selben Jahr wurden wieder Glocken aufgehängt.

Vermutlich zwischen 1686 und 1693 schuf der Bildhauer Jacques Pierrard de Coraille aus Ton einen Apostelzyklus aus annähernd lebensgroßen Figuren, die auf die Kämpferplatten der nutzlos gewordenen Wandpfeiler gestellt wurden. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Figuren nahezu unversehrt. Bei den Wiederaufbauarbeiten der Schlosskirche in den 1950er Jahren stießen Bauarbeiter sämtliche Figuren von ihren Sockeln und zerstörten sie so. Nur Fragmente blieben erhalten und sind heute in der Schlosskirche ausgestellt.