Die Getzner Textil AG ist ein international tätiger, österreichischer Textilhersteller mit Hauptsitz in Bludenz. Als Teil der Holding Getzner, Mutter & Cie. ist sie seit der Gründung 1818 im Besitz der Gründerfamilien.

Geschichte Im Jahr 1818 gründeten Christian Getzner, Franz Xaver Mutter und Andreas Gassner unter dem Firmennamen Getzner, Mutter & Cie. in Bludenz ein Textilien produzierendes und handelndes Unternehmen. Getzner und Mutter hatten zuvor Kolonialwarenhandlungen in Feldkirch und Bludenz betrieben.

mini|links|190px|Großbrand des fünfstöckigen Fabrikgebäudes der Getzner, Mutter & Cie. in Feldkirch (1902) mini|links|190px|Maschinensatz des 1897 eröffneten und 1984 stillgelegten Mengbachwerks in Nenzing (1909) mini|links|190px|Stammwerk von Getzner Textil in Bludenz hinter der Heilig-Kreuz-Kirche (2005)

Ein Jahr später eröffnete das Unternehmen in Feldkirch eine Rotfärberei sowie seine erste Maschinenspinnerei. Im Jahr 1820 beschäftigte es rund 3000 Heimarbeiterinnen für die Spinnerei und Weberei im Raum Bludenz und den angrenzenden Tälern. 1827 wurde der heutige Standort in der Bleichestraße 1 in Bludenz begründet, als das Unternehmen die dortige städtische Bleiche übernahm. 1871 wurde die mechanische Buntweberei errichtet und der eingeschoßige Shedbau mit seiner klassizistischen Schaufassade galt als technisches Novum, da hier erstmals eine liegende Antriebswelle eingesetzt wurde.

1902 wurde bei einem Großbrand das fünfstöckige Fabrikgebäude der Getzner, Mutter & Cie. am Leonhardsplatz in Feldkirch vernichtet und nicht wieder aufgebaut.

Getzner in Bludenz und Bürs war, wie viele Textilbetriebe der damaligen Zeit, auch ein Pionier der regionalen elektrischen Energiegewinnung und Energieversorgung. Die ursprünglich mechanische Energieumwandlung wurde bei Getzner zum Ende des 19. Jahrhunderts auf Wasserkraftanlagen zur elektrischen Energiegewinnung umgestellt und es wurden neue Elektrizitätswerke gebaut. Als erstes Elektrizitätswerk der Getzner-Unternehmen ging 1897 das Mengbachwerk in Nenzing in Betrieb. Bis etwa 1980 konnte der gesamte Stromverbrauch des Betriebs durch eine eigene Energiegewinnung abgedeckt werden.Allgemeine Informationen zum Elektrizitätswerk der Firma Getzner, auf , abgefragt am 31. Mai 2026.

mini|Webmaschine bei Getzner Textil AG in Bludenz (1954) mini|Webmaschine bei Getzner Textil AG in Bludenz (2013)

1969 entstand das Unternehmen Getzner Chemie als Tochtergesellschaft (heute Getzner Werkstoffe). Von 1974 bis 1987 existierte als Tochterunternehmen der Getzner Datendienst. Im Jahr 1980 wurde der textile Bereich des Unternehmens in die Getzner Textil AG ausgelagert. Getzner, Mutter & Cie. wurde nun zur Holding für Getzner Textil, Getzner Werkstoffe, Getzner Datendienste und Getzner Energie.

Im März 2026 wurde von Getzner auch die Feinjersey Colours GmbH & Co. KG am Standort Rankweil übernommen, nachdem bereits zuvor eine 40-prozentige Beteiligung bestanden hatte.Getzner übernimmt Feinjersey Group-Tochter ( 24. März 2026)

Tochterunternehmen Die Getzner Textil AG verfügt über folgende Tochterunternehmen: Getzner Textil Weberei GmbH (Gera/Deutschland) Getzner Handel GmbH (Lustenau) seit 2013: TFE Textil GmbH (Bludenz/Nüziders) seit 2016: Kneitz GmbH (Bad Mitterndorf/Österreich) seit 2019: E. Schoepf (Stammbach, Deutschland)Die E.Schöpf GmbH gehört seit 19. März 2019 offiziell in die Getzner Gruppe: Zwei starke Marken unter einem Dach. 2013–2025: Meyer-Mayor AG bzw. WR Weberei Russikon AG (Russikon/Schweiz)

Produktion Getzner Textil produziert nach eigenen Angaben (2026) mit 610 Webmaschinen, vier Ausrüst- und zwei Färbereibetriebe jährlich etwa 72 Millionen Laufmeter Gewebe und erwirtschaftet damit einen Umsatz von 434 Millionen Euro. Der Exportanteil in über 60 Länder soll bei rund 98 Prozent liegen.

Produkte Getzner Textil ist Hersteller von Bekleidungsdamasten (Afrika-Damast), Modestoffen für Hemden und Blusen, Corporate Fashion sowie technischen Textilien, wie zum Beispiel Tactical/Guardiantex, Sport Equipments und Outdoor und Arbeitsbekleidung. Seit 2017 gibt es zudem acunic, welches sich auf Textile Akustiklösungen für Innenarchitektur und Raumgestaltung spezialisiert.

Zertifizierungen und Auszeichnungen Zertifizierungen Zertifizierungen der Getzner Textil im Bereich der Produktion und des Umweltschutzes:Zertifizierungen, Webseite der Fa. Getzner AG. bluesign Oeko-Tex „Standard 100 by Oeko-Tex“, „STeP by Oeko-Tex“, „Made in Green by Oeko-Tex“ ÖKOPROFIT

Auszeichnungen Bester Arbeitgeber Vorarlbergs (Kategorie: über 300 Mitarbeiter)Mehr Flexibilität für Handwerker bei Getzner Textil (15. Dezember 2025) Vorarlbergs Familienunternehmen des Jahres (Kategorie: über 300 Mitarbeiter), wannundwo.at/, abgerufen am 31. Mai 2026. Unternehmen des Jahres 2018 der Textilindustrie, eine vom Fachverband für Textil-, Bekleidung-, Schuh- und Lederindustrie vergebene Auszeichnung.Besondere Auszeichnung erhalten, Webseite: meinbezirk.at/bludenz vom 31. Oktober 2018. Die Prozessabwärmenutzung wurde vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus als klima:aktiv-prämiertes Projekt ausgezeichnet.Projekt: Getzner Textil AG, Webseite: klima:aktiv.Einzigartiges Erfolgsprojekt, Webseite: vol.at vom 4. Dezember 2018.

Energieversorgung & Nachhaltigkeit Elektrizität Die elektrische Energiegewinnung für das Unternehmen erfolgt ab 1897 in mehreren Wasserkraftwerken: Alvierwerk (seit 1911 mit zunächst 2 Maschinen zu je 1 MW, dritte Maschine ab 1925, Gesamtleistung im Jahr 2025: 4,8 MW / 5 MVA) Alvierwerk II (seit 1923, Neubau 2020, 455 kVA) Klarenbrunn Oberstufe (Umbau 1964, 767 kVA) Klarenbrunn Unterstufe (seit 1968, 797 kVA) Bleiche, Mengbachwerk (1897 bis 1984) Obere Spinnerei Nenzing (bis 1984) Untere Spinnerei Nenzing (bis 1984)Elmar Bereuter: Vorarlberg - Schwabenkinder-Wege, München 2012, Bergverlag Rother, ISBN 978-3-7633-4416-1.Durch die Wasserkraftwerke könnten 90 % des Energiebedarfs von Getzner Textil gedeckt werden. Der Strom wird direkt in das Netz der VKW eingespeist – Getzner kauft dann 100 % Ökostrom für den eigenen Verbrauch zurück.

Fernwärmenetz Seit 2001 hat Getzner ein eigenes Fernwärmenetz in Betrieb genommen.Best-Practice-Beispiele der Vorarlberger Wirtschaft. Case Study: Abwärmenutzung bei Getzner Textil AG, Mai 2014, , energieautonomie-vorarlberg.at, abgerufen am 31. Mai 2026. Damit werden neben dem Eigenbedarf, auch öffentliche Gebäude in der Umgebung versorgt. Unter anderem entstand zwischen 2016 und 2021 eine 900 Meter lange Fernwärmetrasse zur Beheizung des Frei- und Hallenbades ValBlu mit Produktionsabwärme.Verhandlungsschrift über die am 17. November 2016 stattgefundene 15. öffentliche Sitzung der Stadtvertretung Bludenz, S. 14, Herausgeber: Amt der Stadt Bludenz, 21. November 2016. Die Wärmequellen sind Kompressoren und Rauchgaswärmetauscher der Dampfkesselanlagen.

Technische Daten des Fernwärmenetzes: Wärmeeintrag ins Fernwärmenetz: 6.200.000 kWh/Jahr (100 %), davon für öffentliche Gebäude: 3.000.000 kWh/Jahr (48,4 %), Eigenverbrauch: 3.200.000 kWh/Jahr (51,6 %), Investitionskosten: 800.000 Euro (davon 170.000 Euro gefördert).

Photovoltaik

Auf dem Dach der Weberei in Bludenz wurden im Jahr 2024 (Inbetriebnahme der ersten Module im November 2024) 4.688 m² Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 1.100 kWp installiert. Die Anlage produziert jährlich rund 1,1 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Solarstrom – genug, um etwa 300 Einfamilienhäuser zu versorgen.

Literatur Manfred A. Getzner: Das historische Stoffmuster-Archiv der Firma Getzner Textil AG in Bludenz (1890 bis 1960). In: Andreas Raffeiner (Hrsg.): Aspekte der Vorarlberger Landesgeschichte. Festschrift für Franz Mathis zum 75. Geburtstag. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2023 (Schriftenreihe geschichtswissenschaftliche Studien; 9), ISBN 978-3-339-13562-9, S. 97–100.

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Webereiunternehmen Kategorie:Unternehmen (Bezirk Bludenz) Kategorie:Organisation (Bludenz) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Österreich) Kategorie:Unternehmensgründung 1810