hochkant=2|mini|Baptistengemeinden in Ostfriesland Die Anfänge der Baptisten in Ostfriesland reichen in die 1820er Jahre zurück, ihre eigentliche Geschichte beginnt allerdings erst 1845. Heute sind im ostfriesischen Raum 14 selbständige Baptistengemeinden mit vier Filialgemeinden beheimatet. Organisatorisch gehören sie zum Evangelisch-Freikirchlichen Landesverband Baptisten im Nordwesten und innerhalb dieses Landesverbandes zur regionalen Vereinigung Ems-Jade-Mission (EJM).

Geschichte mini|links|hochkant|Johann Gerhard Oncken mini|hochkant|Christian Bonk, „der erste Baptist Ostfrieslands“ mini|hochkant|Gottfried Wilhelm Lehmann Im Jahr 1827 reiste Johann Gerhard Oncken, der spätere Begründer des deutschen Baptismus von seinem Wohnsitz Hamburg in die Niederlande. Seine Reiseroute führte ihn durch Leer. Hier bestieg er bei Leerort die Emsfähre und verteilte unter den Passagieren christliche Traktate. Eine dieser Flugschriften fiel auch in die Hände des Leeraner Kaufmanns Christian Bonk, der spontan den Wunsch äußerte, Onckens nähere Bekanntschaft zu machen.Rudolf Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden. Kassel 1958, S. 108. Oncken, der zu dieser Zeit Secretair der Niedersächsischen Traktat-Gesellschaft war, nahm die Einladung an und verbrachte auf seiner Rückreise mehrere Tage im Haus der Leeraner Kaufmannsfamilie.

Zum Freundeskreis der Familie Bonk gehörte auch Gottfried Wilhelm Lehmann, der neben Johann Gerhard Oncken und Julius Köbner als einer der Gründerväter der deutschen Baptisten gilt. Lehmann stammte aus Berlin, hatte bei seinem Onkel in Leer das Sattlerhandwerk erlernt und sich unter dem Einfluss eines „erweckten“ Kreises junger Leute bekehrt. Danach war er in seine Berliner Heimat zurückgekehrt. Zwischen Oncken und Lehmann entwickelte sich ab 1830 – wohl durch die Vermittlung Bonks – eine Verbindung, die zunächst in einem Briefwechsel bestand und bald darauf zu einer persönlichen Begegnung führte. 1834 ließ Oncken sich von dem amerikanischen Theologieprofessor Barnas Sears in der Elbe bei Hamburg taufen und gründete anschließend mit sechs weiteren Getauften die erste deutsche Baptistengemeinde. Am 13. Mai 1837 taufte Oncken dann Gottfried Wilhelm Lehmann in Berlin und bestimmte ihn zum Ältesten der zwei Tage nach der Taufe konstituierten Berliner Baptistengemeinde.Rudolf Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden. Kassel 1958, S. 468; die Berliner Gemeinde ist danach die zweitälteste Baptistengemeinde in Deutschland.

Zwischen Lehmann und Christian Bonk bestand über all die Jahre ein enger Kontakt, der nicht zuletzt durch verschiedene Aufenthalte in Leer gepflegt worden war. 1840 reiste Lehmann nach London, um mit englischen Baptisten in Verbindung zu treten. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise von besuchte er bei dieser Gelegenheit wieder die Freunde in Leer und hielt bei dieser Gelegenheit sehr gut besuchte evangelistische Versammlungen ab, die unter den Teilnehmern eine „große Bewegung“ auslösten. Lehmann muss bei diesen Veranstaltungen auch über das Thema Gläubigentaufe gesprochen haben. Anlass dazu waren wahrscheinlich Mitglieder der Mennonitenkirche Leer, die bei der erwähnten Evangelisation anwesend waren. Die Versammlungen blieben nicht ohne Frucht. Es entstand ein kleiner Kreis Interessierter, der in der Folgezeit von den Jeveraner Baptisten Johann Ludwig Hinrichs und Anton Friedrich Remmers begleitet wurde. Am Neujahrstag 1842 war Lehmann wieder zu Gast in Leer und referierte im Hause der Familie Bonk über Fragen nach Taufe und Gemeinde. Es sollte aber noch drei Jahre dauern, bis Bonk sich für die Taufe entschied. Im Herbst 1845 kam Johann Gerhard Oncken nach Leer und taufte am 18. Oktober Christian Bonk und mit ihm Hinrich Coords, der ebenfalls zu dem erwähnten Kreis gehörte. Beide gelten als die ersten ostfriesischen Baptisten.

In der Folgezeit entstand die Baptistengemeinde Ihren, die im niederländischen und ostfriesischen Raum zahlreiche Predigtstationen eröffnete, die nur wenig später zu eigenständigen Gemeinden heranwuchsen. Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung waren der Jeveraner Dorfschullehrer Johann Ludwig Hinrichs, der mittelfränkische Handwerksgeselle Johann Carl Cramer, der rheiderländische Schmied Johann Pieter de Neui sowie der Theologe im Bauernrock Harm Willms.

Einen schmerzlichen Aderlass erlitt die junge baptistische Bewegung durch die Auswanderung vieler GemeindemitgliederMargarete Jelten: Von Ostfriesland nach Amerika. Baptisten ziehen übers Meer. Bremerhaven 2011; die Verfasserin beziffert die Zahl der Auswanderer mit 377. in die Vereinigten Staaten. Die Gründe für die Auswanderung sind vielschichtig, ein wesentliches Moment ist jedoch die Glaubensfreiheit, die den Baptisten und anderen Dissidenten in Ostfriesland bis in die 1870er Jahre verweigert wurde. Ihren Höhepunkt erreichte die Auswandererwelle in den Jahren 1865 bis 1869.Margarete Jelten: Von Ostfriesland nach Amerika. Baptisten ziehen übers Meer. Bremerhaven 2011, S. 10 (Tabelle).

Gemeinden In Ostfriesland existierten 2011 vierzehn Baptistengemeinden mit insgesamt vier nichtselbstständigen Filialen. Eine der ostfriesischen Filialen, die Baptistengemeinde Ostrhauderfehn, ist Zweigstelle der ammerländischen Baptistengemeinde Augustfehn. Mit den Baptistengemeinden in Wilhelmshaven, Barßel und im Landkreis Friesland sind die ostfriesischen Baptisten im Regionalverband Ems-Jade-Mission zusammengeschlossen. Darüber hinaus gehören sie zum evangelisch-freikirchlichen Landesverband Baptisten im Nordwesten sowie zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.

Landkreis Aurich mini|hochkant|Baptistengemeinde Norden mini|links|hochkant|Baptistengemeinde Jennelt mini|hochkant|links|Baptistengemeinde Moorhusen mini|hochkant|Baptistengemeinde Aurich-Rahe Die älteste Baptistengemeinde des Landkreises Aurich befindet sich in Jennelt. Sie wurde 1865 in Hamswehrum als Tochter der Ihrener Baptistengemeinde gegründet und verlegte zehn Jahre später ihren Sitz in das Krummhörner Dorf Jennelt. Die Jennelter Gemeinde wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zur Muttergemeinde der Norder, Emder, Moorhusener und Auricher Baptisten.

Die zweitälteste Baptistengemeinde des Landkreises Aurich ist die Gemeinde der Christuskirche Norden. Ihr Anfänge gehen auf Johann Carl Cramer (1825–1850) zurück. Als selbstständige Gemeinde konstituierten sich die Norder Baptisten im Jahr 1900. Aus demselben Jahr datiert auch die Errichtung ihrer Kapelle gebaut.Chronik. In: efg-norden.de. Abgerufen am 11. April 2017. Das Gebäude trägt seit 1957 offiziell die Bezeichnung „Christuskirche“. Auf Norderney besteht seit den 1990er Jahren eine Zweiggemeinde der Christuskirche Norden, die sich in den Räumlichkeiten des Nordneyer Seehospizes versammelt.

Zwar gehen die Anfänge der Baptistengemeinde Moorhusen auf die 1840er Jahre zurück, ihr Selbstständigkeit erlangte sie aber erst im Jahre 1908.Peter Seidel (Ostfriesische Landschaft): Rechtsupweg, S. 2. Abgerufen am 11. April 2017 (PDF; 851 kB). 1936 wurden die Räumlichkeiten zu klein, so dass ein Predigerhaus an die Kapelle angebaut wurde und die frei werdenden Räume der alten Wohnung als Gemeinderäume genutzt werden konnten. 1964 wurde die Kapelle erneut in größerem Umfang umgebaut. Dabei wurde der heute noch genutzte Gottesdienstraum an das Gebäude angebaut. In den Jahren 1973/74 statt wurde dem Predigerwohnhaus ein Stück vorgebaut. Die bislang letzten Baumaßnahmen fanden in den Jahren 2008 bis 2010 statt.

Die Gemeinde der Kreisstadt Aurich ist die jüngste des Landkreises. Ursprünglich war sie ein Zweig der Jennelter und danach der Moorhusener Baptistengemeinde. Schließlich wurde sie der Emder Gemeinde zugeordnet und verblieb deren Tochter bis zu ihrer Selbstständigwerdung im Jahre 1961.Albert West: Alles hat seine Zeit. Chronistische Anmerkungen eines Zeitgenossen zum 25. Jubiläum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Aurich. Aurich 1986, S. 19. Bis 1958 fanden die gemeindlichen Zusammenkünfte im Gymnasium Ulricianum statt. Die 1958 eingeweihte Kreuzkirche, eine so genannte Brauer-Kapelle, am Eickebuscher Weg diente zirka 40 Jahre als Gemeindezentrum. Seit 1998 hat die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Aurich ihr Domizil im neu erbauten Gemeindezentrum an der Oldersumer Straße in Aurich-Rahe.

Landkreis Wittmund mini|hochkant|Containerkirche Esens Die einzige Baptistengemeinde des Landkreises Wittmund befindet sich in Esens. Sie entstand in den 1990er Jahren und geht auf eine Gemeindegründungsinitiative der Ems-Jade-Mission zurück. Ihre Selbstständigkeit erlangte sie im Jahr 2007. Vorher war sie ein Zweig der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Norden. Ihre Gottesdienste fanden zunächst in Privathäusern und anschließend in der Esenser Peldemühle statt.Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Esens: , abgerufen am 5. Oktober 2024 Im Jahr 1994 erhielt sie ein eigenes aus zehn Containern errichtetes Gemeindezentrum am Hohekamp. Im Jahr 2011 wurde neben der Containerkirche der Grundstein für ein neues Gemeindezentrum gelegt. Die Einweihung des neuen Gotteshauses fand im Oktober 2012 statt.

Die in den anderen Orten des Landkreises Wittmund wohnhaften Baptisten gehören zu den umliegenden Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden. Wittmunder Gemeindemitglieder orientieren sich in der Regel nach Jever, Horstener nach Wilhelmshaven und Baptisten aus dem Großraum Friedeburg nach Firrel.

Stadt Emden Eine besondere Entstehungsgeschichte weist die Baptistengemeinde Emden auf. Sie ist keine genuin baptistische Gemeindegründung, sondern hat eine ihrer wichtigsten Wurzeln in der hugenottischen Gemeinde der „Abgeschiedenen unter dem Kreuz“ (auch als Französisch-reformierte Gemeinde bekannt), von der ein Teil sich dem baptistischen Tauf- und Gemeindeverständnis zuwandte – darunter ihr Prediger Samuel Cornelius de Haan. Eine erste Taufe von 13 ehemaligen Mitglieder der „Gemeinde unter dem Kreuz“ erfolgte am 7. Juni 1866. Sie bildeten eine Predigtstation der Baptistengemeinde Hamswehrum (später: Jennelt) und wurden ab 1868 seelsorgerlich von Prediger Mekke Willms Swyter betreut. Das Gotteshaus der französisch-reformierten Gemeinde kam ebenfalls in den Besitz der Emder Baptisten.Rudolf Donat: Das wachsende Werk. Ausbreitung der deutschen Baptistengemeinden durch 60 Jahre (1849 - 1909). Kassel 1960, S. 29. Die offizielle Konstituierung als selbständige Baptistengemeinde erfolgte 1902. Zur Zeit (2012) ist sie die größte unter den ostfriesischen Baptistengemeinden.

Landkreis Leer mini|hochkant|links|Baptistengemeinde Ihren mini|hochkant|Baptistenkapelle Flachsmeer (inzwischen abgerissen) mini|hochkant|Baptistengemeinde Ditzumerverlaat mini|hochkant|links|Baptistengemeinde Weener mini|hochkant|links|Inneres der Baptistenkirche Leer