Zams ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) und ein gleichnamiges Dorf im Oberinntal in Tirol.

Die Einwohnerbezeichnung lautet Zammer, nicht Zamser. Grund ist der rätoromanische Ursprung des Ortsnamens. Dieser endet mit der lateinischen Nominativendung -s, deshalb wird der Genitiv ohne -s gebildet.Lateinische Grammatik#Nominativ

Geografie Zams liegt in einem klimatisch begünstigten Talkessel nahe dem Zusammenfluss von Inn und Sanna genau an der Grenze der Nördlichen Kalkalpen und der Zentralalpen.

Der Ort ist von alters her Knotenpunkt der Verkehrswege: Hier kreuzen sich die Straßen aus dem Vinschgau, dem Engadin, Bayern und dem Bodenseeraum. An der Brücke über den Inn wurde schon im Mittelalter den Handelsfuhrwerken der Wegzoll abverlangt.

Flächenverteilung

Gemeindegliederung mini|hochkant|Der Ortsteil Grist (links) und die Kirche des Ortsteiles Falterschein (rechts) mini|hochkant|Der Ortsteil Falterschein vom Grat des Venetmassives gesehen mini|hochkant|Blick auf Zams, mit Rauer Kopf () und der Schlucht des Zammer Lochs Die Gemeinde besteht aus zwei Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Zams (²) Zammerberg ()

Das Gemeindegebiet gliedert sich in zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Zammerberg () mit den Dörfern Falterschein und Grist, den Weilern Kronburg und Schwaighof, den Rotten Lahnbach und Rifenal, der Ruine Kronburg sowie mehreren Einzelhöfen und Alpen. Zams () mit den Dörfern Zams und Lötz, der Siedlung Anreit, der Sommerhaussiedlung Madau sowie zahlreichen Schutzhütten, Alpengasthäusern, Jagdhütten und Alpen.Ortsverzeichnis Tirol 2001

Nachbargemeinden Drei der 13 Nachbargemeinden liegen im Bezirk Reutte (RE), weitere drei im Bezirk Imst (IM).

* Die Gemeindegrenzen von Schönwies, Imsterberg, Wenns und Zams treffen an einem Punkt in etwa Höhe nordnordöstlich des Kreuzkopfes zusammen.

Bevölkerungsentwicklung

Klima Das Klima ist geprägt von der inneralpinen Lage im Inntal. In den Nordstaulagen der Lechtaler Alpen gibt es viel Niederschlag, während im Ortsgebiet wenig Niederschlag fällt. Die windgeschützte Lage im Talkessel sorgt für ein für die Höhenlage mildes Mikroklima.

Geschichte Funde aus der vorchristlichen Zeit belegen, dass das Gebiet schon früh besiedelt war.Isabella Fritz-Egg:

In der Keltenzeit waren in Zams Räter ansässig. Um circa 500 v. Chr. hatten sie am Platz des heutigen Post-Gasthof Gemse schon eine Unterkunft, lange vor den Römern, die um 15 v. Chr. Raetia besetzten. Der Post-Gasthof war übrigens wahrscheinlich schon ab dem Jahr 726 n. Chr. eine Herberge.

Bevor die Römer in Raetia einfielen, gab es in Zams wahrscheinlich eine keltische Siedlung bei der heutigen Talstation der Venetbahn. Dort war früher vielleicht einmal ein kleiner See, der sogenannte Riefensee. In ihm wurde angeblich der Dorfbach natürlich gestaut, bevor er dann weiter in den Inn floss. Erst die Römer leiteten den Bach so um, so dass er seither entlang der heutigen Bachgasse fließt. Als die Römer hier ankamen, wurden wohl einige der Siedler als Sklaven nach Rom gebracht.

Zams ist erstmals urkundlich im Jahre 1150 als Zamis genannt. Vielleicht liegt lateinisch amnis (‚Wildbach‘) zugrunde. Das Z käme demnach von der deutschen Präposition ze.

Zams gehörte ursprünglich zur Pfarre Stanz, wurde jedoch bereits im 13. Jahrhundert eigenständig.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Zams bekannt für seine Textilproduktion. Die Firma Tammerl und Kompagnie beschäftigte 1837 um die 140 Weber und 300 Handspinner, die Seide und Baumwolle verarbeiteten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Burg Kronburg mini|hochkant|Kaplaneikirche Kronburg mini|hochkant|Expositurkirche Falterschein mini|hochkant|Pfarrkirche Zams mini|hochkant|Nymphenkopf im Zammer Wasserfall

Gebäude Burg Kronburg Katholische Kaplaneikirche Kronburg Mariahilf Katholische Expositurkirche Falterschein Mariä Reinigung Katholische Pfarrkirche Zams hl. Andreas: Das Wahrzeichen von Zams ist der freistehende Kirchturm. Die Ursache für seinen ungewöhnlichen Standort liegt in einem Brand, der 1911 die Hälfte des Dorfes in Asche legte und viel von der alten Bausubstanz zerstörte. Der Turm blieb erhalten, während die Kirche etwa 50 Meter entfernt neu errichtet wurde. Wehranlage, Sperrmauer Lötz () Ölberg () Klosterkirche hl. Josef mit Klosterfriedhof ()

Künstler Zams war und ist Heimat vieler bildender Künstler. Bekanntester Vertreter ist der Bildhauer Franz Xaver Hauser († 1999). Weitere sind Christine Ljubanovic (* 1939Christine Ljubanovic. In: kunstraum-innsbruck.at) und Roland Böck (* 1957Chronologie).

Die Musikkapelle Zams setzt mit ihrem Jugendorchester besondere Akzente in der Nachwuchsarbeit und spielt sinfonische Blasmusik.

Einer der bekanntesten Söhne der Gemeinde dürfte weiters wohl der Komponist Johann Josef Netzer sein, dem die Gemeinde einen eigenen Platz gewidmet hat und dem zu Ehren auch das Horizonte-Landeck Festival im Jahr 2024 sein Programm präsentierte.

Wasser Seit jeher ist Wasser für die einheimische Bevölkerung wichtig. Im Ortsteil Lötz sind die alten Waale zur Bewässerung der Felder und Wiesen immer noch intakt. Im Jahr des Wassers 2003 wurde in Zams die Wasserwelt („Zammer Lochputz“) gebaut, um das wichtige Element Wasser ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Im Jahr 2006 wurde die Wasserwelt durch ein Schaukraftwerk der TIWAG und durch eine Kneippanlage erweitert. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist eine Wasserfontäne, die die Kraft des Wassers aufzeigt. Die Region Tiroler Oberland ist auch ein Zentrum für den Wildwassersport wie Kajak, Rafting und Canyoning.

Wirtschaft und Infrastruktur Während die meisten anderen Orte im Bezirk Landeck vom Tourismus (besonders vom Wintertourismus) geprägt sind, gibt es in Zams viel Gewerbe, Handwerk, Handel und andere Dienstleistungen. Von der Landwirtschaft leben – meist im Nebenerwerb – noch etwa 5 % der Bevölkerung, besonders in den Weilern am Zammerberg.

Tourismus Seit 2001 wird Zams im Tourismusverband Tirol-West gemeinsam mit Landeck, Fließ, Grins, Tobadill und Stanz bei Landeck vermarktet. Die Venetbahn erschließt die Hänge des Venetmassivs für den Wintersport. Im Sommer ist er ein beliebtes Ziel zum Wandern und zum Paragleiten. Der Europäische Fernwanderweg E5, der von Oberstdorf zur Adria führt, kommt über die Memminger Hütte und das Zammer Loch nach Zams und geht dann weiter über den Krahberg und Venet in Richtung Pitztal. Vom Ortsausgang Zams in Richtung Imst führt der Anstieg zur Steinseehütte des OeAV, bis zur Alfuz-Alm befahrbar. Die Hütte ist ein Stützpunkt auf dem Lechtaler Höhenweg.

Verkehr mini|hochkant|Venetbahn Bahn: Durch den Bahnhof Landeck-Zams ist der Ort an die Arlbergbahn angebunden. Dieser ist Haltepunkt von sowohl internationalen Fernverkehrszügen (Wien, Bregenz, Zürich, Basel), als auch von Regionalzügen Richtung Innsbruck. Hier hält jeder Zug, denn von Zams aus kommt man durch das Obere Gericht in die Schweiz und auf den Reschenpass nach Südtirol (Italien). Straße: Zams ist zugleich Endpunkt der Inntalautobahn A 12 von Kufstein und Anfangspunkt der Arlberg Schnellstraße S 16 nach Bludenz. Radweg: Der Ort liegt am Fernradweg, der als Via Claudia Augusta entlang einer gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.

Gesundheit mini|hochkant|Krankenhaus St. Vinzenz Zams Das Krankenhaus St. Vinzenz Zams wurde vom Orden der Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul im 18. Jahrhundert gegründet und ist der größte Arbeitgeber in der Region. Die Bezirke Imst und Landeck werden medizinisch versorgt. Dem Krankenhaus angeschlossen ist eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule (GuKPS) für Krankenschwestern/pfleger. Ebenfalls in Zams stationiert ist der ÖAMTC-Notarzthubschrauber Christophorus 5.

Bildung Volksschule Zams (Grundschule) Volksschule Zammerberg in Schwaighof (Grundschule) Sonderpädagogisches Zentrum und Allgemeine Sonderschule Zams Sprengelhauptschule Zams-Schönwies (Mittelschule) Gesundheits- und Krankenpflegeschule St. Vinzenz Katharina Lins Schulen in Zams: Übungsvolksschule der Pädagogischen Akademie der Diözese Innsbruck Übungshauptschule der Pädagogischen Akademie der Diözese Innsbruck für Mädchen mit Hort „St. Vinzenz“ Katholisches Oberstufenrealgymnasium Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP)

Politik

Die Gemeinderat hat 15 Mitglieder. Nach den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen hatte der Gemeinderat folgende Verteilungen: 1998: 53,59 % - 9 – Bürgermeisterliste 24,39 % - 3 – Zammer Gemeinschaftsliste: Sozialdemokraten und Parteilose 22,01 % - 3 – Dorfliste Zams und Zammerberg 2004: 33,87 % - 6 – Zammer Gemeinschaftsliste: Sozialdemokraten und Parteilose 27,54 % - 4 – Bürgerliste (ÖVP) 21,31 % - 3 – Dorfliste Zams und Zammerberg (ÖVP) 12,04 % - 2 – Allgemeine Zammer Liste (AZL) 5,24 % - 0 – Die Zammer Freiheitlichen 2010: 44,20 % - 7 – Gemeinsam für Zams – Tiroler Volkspartei 26,06 % - 4 – Zammer Gemeinschaftsliste: Sozialdemokraten und Parteilose 18,88 % - 3 – Allgemeine Zammer Liste 10,87 % - 1 – Zammer Freiheitliche 2016: 50,15 % - 8 – Gemeinsam für Zams – Tiroler Volkspartei – ÖVP 21,82 % - 3 – SPÖ Zams 28,03 % - 4 – FPÖ – Die Zammer Freiheitlichen Seit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am 27. Februar 2022 sieht die Verteilung der Mandate folgendermaßen aus: 50,95 % - 8 – Unser Zams – Liste Benedikt Lentsch – ZAMS 49,05 % - 7 – Team Dominik Traxl – Gemeinsam für Zams – TRAXL

Bürgermeister ist seit den Bürgermeisterwahlen 2022 Benedikt Lentsch.

Bürgermeister

Wappen 100px|links Am 17. Dezember 1975 wurde der Gemeinde ein Gemeindewappen verliehen. Die Blasonierung (heraldische Wappenbeschreibung) lautet: Von Blau und Gold schräg rechts geteilt, oben eine goldene fünfzackige Krone, unten ein schwarzer springender Steinbock in den Farben der Gemeindefahne blau-goldgelb. Das Wappen erinnert an die zwei führenden Geschlechter, die im Mittelalter und in der Neuzeit die Kronburg besaßen. Mit der Krone wird an die Starkenberger und mit dem Steinbock an die Fieger erinnert.

Persönlichkeiten (in Zams geboren oder wohnhaft bzw. gewirkt)

Literatur Claudia Hammerle, Willi Hofer: Mountainbike Touren Kaunertal, Paznauntal, Stanzertal, Oberinntal, Zams. ISBN 3-7066-2167-3. Veit Metzler: Europäischer Fernwanderweg E 5: Bodensee-Alpen-Adria. Wanderbuch. 2007, ISBN 3-85491-711-2.

Weblinks

Webpräsenz der Gemeinde Zams

Einzelnachweise

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