Eine Taxi-App (auch Taxi-Bestell-App) ist eine mobile App zur Taxi-Bestellung ohne Telefonanruf.

Diese 2007/2008 mit dem Aufkommen moderner Smartphones entstandene Technik wurde durch die Verfügbarkeit genauer automatischer Ortsbestimmung und schneller mobiler Datenverbindungen, die Automatisierung im Taxigewerbe und die zunehmende Zahl von Smartphones möglich. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Taxi-Apps, von denen jedoch nur wenige eine größere Verbreitung gefunden haben. 2016 haben EU-weit 8 % der Bürger von Taxi-Apps Gebrauch gemacht. In Deutschland waren es 3 % und in Großbritannien 27 %.Jeder sechste EU-Bürger macht mit In: ahgz.de, 21. Dezember 2017, abgerufen am 26. Dezember 2017

Hintergrund Im Gegensatz zur früher verbreiteten Sprachvermittlung ist heute in Europa die Vermittlung eines Auftrages zwischen Funkzentrale und Fahrzeug weitgehend automatisiert. Dafür brauchen die Taxis ein GPS-gestütztes Vermittlungsgerät mit einer Datenverbindung zum Vermittlungs-Server, meist über das Mobilfunknetz (seltener per Betriebsfunk). Auch die Annahme der Kundenaufträge kann automatisiert werden, beispielsweise per Internet-Bestellung, Sprachcomputer, Rufnummernerkennung (Telebooking),Durch die Rufnummernübertragung eines Festnetzanschlusses wird dabei an die entsprechende Adresse ein Taxi bestellt. Die Adresse und Festnetz-Rufnummer müssen dafür bei der Funkzentrale gespeichert sein. Rufautomat (beispielsweise in Hotels) oder Smartphone-App. Viele Apps bieten zusätzliche Features wie ein „Taxiradar“ an, also eine grafische Übersicht der verfügbaren Taxis, Berechnung des Fahrpreises oder Live-Verfolgung des Taxis bei der Anfahrt. Mittlerweile gibt es ausschließliche App-Anbieter, die keine andere Bestellmöglichkeit – beispielsweise per Callcenter – mehr anbieten und in Konkurrenz zu den herkömmlichen Funkzentralen stehen.

Funkzentralen bekommen von den Taxi-Unternehmern üblicherweise einen monatlichen Beitrag. Dies geschieht entweder in Form eines festen Beitrags pro Fahrzeug oder abhängig von der Zahl der vermittelten Aufträge. Bei ausschließlichen App-Anbietern bezahlen die Unternehmer eine Gebühr pro vermittelter Fahrt. Einige Taxizentralen hatten in der Vergangenheit ihren Mitgliedern den Einsatz von App-Anbietern wie Mytaxi verboten. Dies wurde aber auf Betreiben von Mytaxi (heute Free Now) untersagt.Taxi-Zentrale darf Mitgliedern nicht Benutzung von "MyTaxi" verbieten Oberlandesgericht Nürnberg, Urteil vom 22. Januar 2016, sichtbar auf den Webseiten eines Rechtsanwaltes Da die Kosten der Vermittlung dem Taxi-Unternehmer berechnet werden, sind Taxi-Apps und die Taxi-Bestellung für Kunden meist kostenlos.

In der Regel wird bei der Bestellung auf einer Karte die Position ermittelt und diese Position einer Adresse zugeordnet, die verändert oder mit Anmerkungen versehen werden kann. Bei der Bestellung werden nur die Adressangaben und keine geographischen Koordinaten an die Zentrale und den Fahrer übermittelt.

Nachteilig ist: Diese Bestellung funktioniert bei einigen Apps nur bei eindeutigen Adressen und nicht an großen Örtlichkeiten ohne Adressierung, beispielsweise Flughäfen, manchen Industriegebieten etc. Viele komplexere Fahraufträge können nicht automatisch angenommen oder vermittelt werden, wie wenn beispielsweise unklare Adressen, spezielle Bezahlvorgänge oder Extradienstleistungen (z. B. Tiermitnahme), die mit dem Fahrer abgesprochen werden müssen, bestehen. Zumindest ist nach der Vermittlung ein klärendes Gespräch mit dem Fahrer vonnöten, der einen solchen unklaren Auftrag annimmt.

Eine Taxi-App bietet allerdings für jeden, der darauf Zugriff hat, Einblicke in das Verhalten des Nutzers. So berichtete der Nachrichtendienst Bloomberg.com von einem Schüler, der sich von einem app-basierten Fahrdienst nach Hause fahren lässt und die Eltern diese Fahrten in dessen Smartphone nachverfolgen können. Das gäbe ihnen ein Gefühl von Sicherheit.Busy Parents ‘Uber’ Kids Around for a Carpool Alternative auf bloomberg.com

Kritik Von Taxizentralen und dem Bundesverband Taxi und Mietwagen (BZP), einem Verband aus Taxizentralen und ähnlichen Unternehmen, gab es 2011 Kritik an denjenigen der App-Anbieter, die mit den Funk-Zentralen und deren Apps konkurrieren: Sie seien nicht günstiger. Andere, in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre aufkommenden Fahrdienste bieten jedoch auch Fahrten an, welche günstiger sind, als das klassische Taxi oder der herkömmliche Funkmietwagen. Diese (unwirtschaftlichen) Fahrten werden aber zur Markteinführung entweder durch Subventionen der Vermittler gestützt oder durch Fahrten, die an anderer Stelle, etwa bei Unwetter oder anderen hohen Bedarfen, deutlich oberhalb eines Taxipreises ausgeführt werden (Dynamic Pricing).Uber subventioniert eine Fahrt mit acht Euro in Wirtschaftswoche vom 1. November 2014 Viele Funkzentralen würden durch die Apps in ihrer Existenz gefährdet.

Kritik gab es 2012 durch den BZP auch an den Investoren wie Daimler, der Telekom und der KfW-Bank für die Millionen-Unterstützungen von „mytaxi“. Mittlerweile ist der BZP Kooperationspartner einer mit Mytaxi konkurrierenden Taxi-App.

Verbreitete Apps

Eigenständige Apps für Taxizentralen Einige Zentralen haben dem Namen nach eigene Apps, die technisch identisch mit überregionalen Apps sind (Branding).

International Bolt

Bolt ist ein 2013 unter dem Namen Taxify gegründetes estnisches Unternehmen, das unter anderem eine Taxi-App anbietet. Es hat seinen Hauptsitz in Tallinn und ist in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika tätig. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weltweit 75 Millionen Kunden und mehr als 1,5 Millionen Fahrer nutzen diese Plattform (Stand August 2021).

DiDi

Didi Chuxing Technology Co. (Eigenschreibweise: DiDi) ist ein chinesisches Dienstleistungsunternehmen, das Fahrdienstleistungen vermittelt. Es veröffentlichte im Juni 2012 unter dem Namen Didi Dache eine App zur Bestellung von Taxis. Im November 2012 wurde das Unternehmen erstmals durch Tencent unterstützt. Nach weiteren Finanzierungsrunden folgte 2015 die Fusion mit dem größten Konkurrenten Kuaidi Dache, der unter anderem durch Alibaba finanziert wurde. Durch die Fusion deckte DiDi nun 90 % des Markts für Taxi-Vermittlung in China ab.

eCab Die App eCab wurde von einem Zusammenschluss örtlicher Taxifirmen (eCab Alliance) e-cab.com, abgerufen am 6. Dezember 2016 in Frankreich entwickelt, und bei TAXIS G7, einem führenden europäischen Anbieter, eingebettet. Sie war 2016 in 16 französischen Städten verfügbar, einigen weiteren europäischen Großstädten in sechs Ländern, drei in Kanada und 24 in Indien, mit insgesamt um die 100.000 Taxis.

Verfügbar ist die App in Englisch, Französisch und Niederländisch. e-cab.com, abgerufen am 6. Dezember 2016

Gett

Gett wurde 2010 in Israel begründet. Gett hat nur zur Personenbeförderung lizenzierte Fahrer unter Vertrag und basiert auf einer Kommissionsbasis von 10 %. Daneben werden auch Lieferdienste und Logistikleistungen vermittelt. Ende 2016 waren 50.000 Fahrer in etlichen Großstädten, hauptsächlich in Israel und Russland, wie auch den USA und Großbritannien beschäftigt. 2016 stieg die Volkswagen AG bei dem Unternehmen ein, 2018 wieder aus. 2024 ist das Unternehmen in Großbritannien und Israel aktiv.

Die App ist für Android und iOS verfügbar.

Hailo Hailo ist eine Taxi-App mit Angeboten in Großbritannien, Irland und Spanien, die ursprünglich in London und Dublin begonnen wurde.MyTaxi und das britische Startup Hailo fusionieren. Marco Weimer, auf gruenderszene.de, 26. Juli 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016 Aus den USA zog sich die Firma 2014 nach Misserfolgen wieder zurück. James Cook auf businessinsider.de, 26. Juli 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016

Im Juli 2016 verkündeten die Unternehmen Mytaxi und Hailo, dass sie fusionieren werden. Der Name und die Technik von Mytaxi soll beibehalten werden, und Hailos Angebote zu Mytaxi migriert werden.

Free Now

Free Now (bis Anfang Juli 2019 „Mytaxi“) vermittelt zwei Arten von Fahrten: Reguläre Taxifahrten und in einigen Städten zusätzlich Taxifahrten, bei denen während der Fahrt fremde Fahrgäste zusteigen. Ab Ende Juli 2019 werden in einigen Städten darüber hinaus Mietwagen mit Fahrer vermittelt.

Mytaxi wurde 2010 in Hamburg vom Startup Intelligent Apps GmbH eingeführt, anfangs unter dem Namen 1TouchTaxi. Ab 2014 gehörte Intelligent Apps vollständig zur Moovel GmbH, einer Tochtergesellschaft der Daimler AG.Daimler-Tochter Moovel übernimmt MyTaxi-App www.sueddeutsche.de, 3. September 2014.

Die App wurde zuerst in Hamburg, dann in Köln, Bonn und Berlin eingeführt und war im Oktober 2014 in über 40 Städten in Deutschland verfügbar, sowie international in Österreich (Wien, Graz, Salzburg), der Schweiz (Zürich), Spanien (Barcelona, Madrid), Polen (Warschau) und den USA (Washington). Im Juli 2012 hatte Mytaxi rund 15.000 angeschlossene Taxis in Deutschland und war bereits etwa 1,7 Millionen Mal heruntergeladen worden. Das Angebot wurde sukzessive bis 2015 auch nach Australien (Lizenz), Italien, Portugal und Schweden ausgeweitet.

Im Juli 2016 verkündeten die Unternehmen Mytaxi und Hailo, dass sie fusionieren werden. Hailo war in Großbritannien, Irland und Spanien sowie in den USA aktiv. Der Name und die Technik von Mytaxi soll beibehalten werden, und Hailos Angebote zu Mytaxi migriert werden. Nach der Fusion sollen nach eigenen Angaben bei Mytaxi dann grob 100.000 Taxifahrer registriert sein, was ca. 40.000 Taxis entspricht. (Link nicht mehr verfügbar) Im Februar 2017 erfolgte die Fusion mit Taxibeat, dem größten Taxiapp-Anbieter in Griechenland (8000 angeschlossene Taxifahrer).

Andere Taxi-Apps arbeiten oft mit den bestehenden Taxi-Zentralen zusammen, wodurch sich weitere Servicemöglichkeiten (Rückfragen, Fundsachen, weitere Dienstleistungen) ergeben. Hierzu ist für den Kunden auch keine Registrierung nötig. Demgegenüber arbeitet Free Now nur mit einzelnen Taxiunternehmen zusammen, in dem jeder interessierte Taxiunternehmer und, in Folge, seine beschäftigten Fahrer sich bei Free Now registrieren.de.mytaxi.com Da Free Now nicht mit den bestehenden Funkzentralen zusammenarbeitet, müssen sich die Fahrer eine spezielle Fahrer-App herunterladen. Ebenso müssen Kunden sich registrieren lassen, wenn sie die App nutzen wollen. Die Daimler AG wurde für ihre Beteiligung durch einen Zusammenschluss von Taxizentralen und ähnlichen Unternehmen kritisiert. Mytaxi sagte dazu: .

Mitte 2012 wurden Möglichkeiten zur Vorbestellung und mobiler Zahlung integriert. Auf der CeBIT 2012 wurde Mytaxi unter 50 internationalen Teilnehmern als innovativste Geschäftsidee mit dem mit 25.000 Euro dotierten CODE_n12 Award ausgezeichnet. Im Mai 2015 kam als Neuerung, dass Fahrten mit Mytaxi-Fahrern auch dann mit der App bezahlt werden können, wenn man das Taxi nicht über die App bestellt hat, sondern man es z. B. am Straßenrand herbeigewunken hat oder einfach nur am Flughafentaxistand eingestiegen ist.plus.google.com

In Berlin benötigten via Mytaxi bestellte Taxifahrer in einem Test von vergleich.org durchschnittlich 4,6 Minuten Anfahrtszeit. (o. n. A.); wie viele getestet wurden, gibt vergleich.org nicht an. Netzwelt befand im Oktober 2017, nachdem sie drei Taxi-Apps getestet hatten, dass Mytaxi die erfolgreichste Taxi-App sei.

Seit dem 4. Dezember 2017 bietet Mytaxi den Dienst Match an. Durch diese Funktion ist es möglich, eine Taxifahrt mit einem oder mehreren fremden Fahrgästen zu teilen, der entlang der Route zusteigen und in die gleiche Richtung befördert werden möchten. Die Fahrtkosten werden dadurch für die Mitfahrer günstiger – so sollen neue, finanzschwache Kundengruppen angelockt werden, die bisher kaum ein Taxi nutzten. Das Angebot gilt zunächst nur in Hamburg, bald sollen weitere Großstädte wie Berlin oder München folgen.