Johann Conrad Wilhelm Mensing (* 9. November 1765 in Rinteln; † 12. November 1837 in Friemen) war Stabsoffizier im Dienst des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel und Retter des kurhessischen Staatsschatzes 1806 vor dem Zugriff Napoleons.

Biografie Wilhelm Mensing wurde 1765Das bei Strieder angegebene Geburtsjahr 1771 ist oft abgeschrieben worden, aber nachweislich falsch. (Auskunft: Stadtarchiv Rinteln, 2005) als sechstes von sieben Kindern in der damals zur Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörenden Universitäts- und Garnisonsstadt Rinteln an der Weser geboren. Er hatte zwei ältere Brüder, drei ältere und eine jüngere Schwester. Sein Geburtshaus in der heutigen Schulstraße 2 steht noch.

Unter seinen Vorfahren, die damals schon über 100 Jahre in Rinteln ansässig waren, finden sich Schlosser, Büchsenschäfter und Schmiede. Von den sieben Schmieden, die es 1750 in Rinteln gab, hatten zwei ein so geringes Einkommen, dass sie keine Steuern aufbringen konnten. Ob der Vater Johann Conrad Mensing,Der Vater, Schlossermeister Johann Conrad Mensing, war zunächst verheiratet mit Margarethe Struckmeyer. Mensings leibliche Mutter ist die 2. Frau seines Vaters. Beide sterben 1799, nur zwei Tage nacheinander. Die Familie Mensing wohnte in der Brennerstraße 281. Auch Mensings Großvater, Schlossermeister Gottfried Mensing, war außer mit seiner ersten Frau Anna Marie Bombeck ein 2. Mal verheiratet. Ob sie Mensings leibliche Großmutter ist, ist nicht sicher. Bereits der Urgroßvater, Schmied Arend Mensing, vermutlich geboren am 15. November 1633, wohnte in Mensings Geburtshaus. Vermutlich am 7. November 1681 heiratete er Marie Elise Clausing. Mensings Ururgroßvater war der Büchsenschäfter Gert Mensching, über den sonst nichts weiteres bekannt ist. (Auskunft: Stadtarchiv Rinteln, 2005) der laut Kirchenregister „starcken Eisenhandel“ betrieb, zu letzteren zu zählen ist, ist nicht bekannt.

Mit 13 Jahren wurde Mensing Soldat.Fikentscher: „Er war … in das hessische Militär eingetreten mit der Aussicht, es bis zum Offizier bringen zu können. Um das zu erreichen, wollte er sich im Krieg auszeichnen. Das gelang auch, nachdem er mit hessischen Truppen nach Flandern zog, weil der Kurfürst sie an die englische Krone „ausgeliehen“ hatte. Dort vollbrachte er einige Husarenstücke, bis schließlich die ganze Truppe von der französischen Revolutionsarmee gefangen genommen wurde. Eigentlich sollte sie zum Tode verurteilt werden, weil sie nicht für ihr eigenes Vaterland gekämpft hatte. Nach der Hinrichtung Robespierres wurde daraus nur eine milde Haft.“ (Fikentscher: Zwischen König und Bebel, 2006, S. 238) Zunächst war er Trossgehilfe, eine Art Knecht. Als Handwerkersohn war er eigentlich vom Militärdienst befreit. Während andere zum Militärdienst gezwungen werden mussten, meldete er sich freiwillig. Über die Hintergründe für diese Entscheidung ist nichts bekannt. Ebenso wenig wissen wir, ob er womöglich mit dem Rintelner Regiment von Loßberg in Amerika war.Wilhelm IX. von Hessen-Kassel vermietete hessische Soldaten an seinen Vetter, König Georg III. von England zum Kampf gegen die aufständischen Kolonien in Nordamerika. Für den Landgrafen waren die in Wechseln überwiesenen Subsidiengelder ein einträgliches Geschäft und auch in späteren turbulenten Zeiten eine nie versiegende Geldquelle.

Mensing zog 1793 mit hessischen Truppen nach Flandern, weil der Landgraf sie an die englische Krone „ausgeliehen“ hatte. Dort vollbrachte er einige Husarenstücke: Bei der Belagerung von Dünkirchen rettete Mensing am 24. August 1793 dem verwundeten General d’Alton das Leben. Bei der Belagerung von Ypern war er als Kurier eingesetzt und geriet in französische Gefangenschaft. Der Friedensvertrag von Basel 1795 ermöglichte die Heimkehr der gefangenen hessischen Soldaten des Flandernfeldzugs. Mensing war wieder in Freiheit und bekam (nach einem längeren Aufenthalt in Paris, wo er die französische Sprache erlernteFikentscher: Zwischen König und Bebel. 2006, S. 238 f.) Heimaturlaub, um seine Eltern in Rinteln zu besuchen. Zum Regiment Erbprinz nach Kassel versetzt, war er jetzt eine bekannte Persönlichkeit. Sein väterlicher Freund Strieder hatte sowohl seine Rettung D’Altons als auch seine wiederholten erfolgreichen Melderitte publik gemacht.

Um 1798 wollte der Gutsverwalter Mercker Mensing adoptieren, wenn dieser bereit wäre, seinen Dienst zu quittieren und ihm bei der Bewirtschaftung seiner Güter – neben Harmuthsachsen insbesondere Stölzingen – zu helfen. Nachdem Mensing von seinem Kommandeur mehrfach abschlägig beschieden worden war, wandte er sich direkt an den Landgrafen, fand aber auch dort kein Gehör.

Im Jahr 1806 brachte Mensing den kurhessischen Staatsschatz im Forsthaus Stölzingenlagis-hessen.de (bei Stolzhausen) vor dem Zugriff Napoleons in Sicherheit.

Mensing spielte auch eine bedeutende Rolle bei der ersten Hessischen Insurrektion im Winter 1806/1807, indem er zusammen mit dem Minister von Waitz für eine Niederlegung der von Bürgern und Soldaten ergriffenen Waffen sorgte.Unbekannter Chronist: „Auf diese Weise ging es zu, daß der Boden Hessens von keinem Bürgerblut befleckt ward, welches in Strömen geflossen seyn würde, wenn sich kein Mensing gefunden hätte. Der Kurfürst, der zu edel ist, als daß er, was wegen der Lage der Dinge unvermeidlich war, eines der edelsten von Tuiskons Völkern um seinet Willen unglücklich sehen möchte, und Lagrange haben es dem uneigennützigen Mensing gedankt, und es läßt sich erwarten, daß selbst der jetzige Regent, den man in den Herrschertugenden als den Abdruck seines erhabenen Bruders rühmt, diesen dem Lande geleisteten großen Dienst, der in den Jahrbüchern der Menschheit ewig unvergeßlich bleibt, in seinem Herzen erkennen wird.“ (Anonymus: Die Hessische Insurrektion im Winter 1806 bis 1807. In: Löscheimer. Ein Journal in zwanglosen Heften. Zweiter Band. Viertes bis sechstes Heft, herausgegeben von H. v. L.-n, Kiel 1808, S. 60 f.) Er überwarf sich 1814 wegen Stölzingen mit dem Kurfürsten und quittierte mitten im Vormarsch auf Frankreich den Dienst in der kurhessischen Armee.

Mensing erwarb 1816 das Gut in Friemen und verstarb dort 1837. Ein Steinkreuz hinter der Kirche in Friemen erinnert an ihn.kirchenkreis-eschwege.de

Militärische Laufbahn 1778: Trossgehilfe 1785: Unteroffizier im Grenadier-Regiment von Loßberg 29. November 1793: FähnrichStrieder: Grundlage …, 11. Band, S. 127 11. Juni 1796: Second-Lieutenant im Regiment Erbprinz 1. Dezember 1800: Premier-Lieutenant im Landregiment KasselD. Ludwig Wachler: Joh. Conr. Wilh. Mensing, Anmerkungen zu Fr. W. Strieders „Grundlagen zu einer Hessischen Gelehrten-Schriftsteller-Geschichte“, Band 11, S. 126. 19. März 1802: Stabskapitän im Landregiment Kassel, das später den Namen „Regiment Schenck“ führte 1806: Hauptmann im Regiment SchenckHandgeschriebene Karteikarte im Katalog des Hessischen Lesesaals der Murhardschen Bibliothek. 15. März 1807: Major, in den persönlichen Adelsstand erhoben, Ritter des Kurfürstlichen Ordens Pour la vertu militaireRolf Hocke: Die Rettung … Friemen 2006, S. 4. 19. März 1808: Entlassung aus dem aktiven Dienst in der kurhessischen Armee; der Kurfürst sichert Mensing in einem „Pensions-Rescript“ 600 Reichstaler jährlich zu. 1813: Brigademajor „in der Suite Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht“ 1814: Obristleutnant à la suite

Familie Am 8. November 1789, am Vorabend seines 24. Geburtstages, wurde Mensing von der 44-jährigen, schwerkranken Übersetzerin Antoinette la Porte geheiratet.Bereits am 14. April 1789 erwarb Mensing das Stadtrecht in Rinteln für sich und seine Frau Antoinette la Porte. Wohnung: Kirchplatz 374. (Auskunft: Stadtarchiv Rinteln 2005)

Antoinette la Portes Vater war der aus Genf stammende, seit 1762 an der Rintelner Ernestina Französisch lehrende Professor für Eloquence Jakob (Jacques) Andreas (la) Porte, ihre bereits verstorbene Mutter war die Schweizer Pfarrerstochter Louise Claudine Curchod.Der französische Finanzminister Jacques Necker (1732–1804), der unter Ludwig XVI. erstmals in der Geschichte Frankreichs einen Staatshaushalt veröffentlichte, hatte in jungen Jahren bei Jacques la Porte Französisch-Unterricht erhalten und später eine Nichte seiner Frau, Suzanne Curchod, geheiratet. Neckers einzige Tochter Germaine (1766–1817) wurde nach ihrer Ehe mit dem schwedischen Botschafter Baron Eric Magnus de Staël-Holstein (gest. 1802) als Madame de Staël bekannt. Sie vertrat als Schriftstellerin engagiert ihre ungewöhnlichen Ansichten und beeindruckte mit ihrem Esprit viele Männer – unter ihnen Talleyrand, Louis Vicomte de Narbonne-Lara, ein unehelicher Sohn Ludwigs XV. und August Wilhelm Schlegel – nur Napoleon kam nicht mit ihr klar. (Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004)

Jakob la Porte war Mensing bis zu seinem Tod am 8. Juli 1787 als väterlicher Freund zugetan gewesen. Der gemeinsame Freund sowohl Mensings als auch la Portes Friedrich Wilhelm Strieder erwähnt einige der Umstände der ersten Ehe Mensings mit deutlicher Hochachtung für die Courage dieser Frau in seiner „Hessischen Gelehrtengeschichte“. Er gewährt Antoinette (la) Porte zwar keinen eigenständigen Artikel, weist aber zumindest in einer Fußnote ausführlich auf ihre einzige größere schriftstellerische Arbeit hin: Sie hatte den von „Abt Jerusalem“ 1762 verfassten Nachruf für den Prinzen Albrecht Heinrich von Braunschweig und Lüneburg ins Französische übersetzt und noch im gleichen Jahr in Burg, wo sie aufgewachsen war, drucken lassen. Zu diesem Zeitpunkt war Mensing noch nicht geboren und Antoinette la Porte ein Teenager von 17 Jahren. Strieder schreibt:

Um 1790 wurde Mensing nach Nenndorf versetzt und begann dort eine außereheliche Beziehung. Am 16. September 1792 brachte die unverheiratete Marianne Brigitte Therese HeinrichBrigitte Heinrich ist zunächst Gehilfin und Gesellschafterin, später Nachfolgerin der Burggräfin Schumann zu Nenndorf. Das Amt der Burggräfin ist kein Adelstitel, sondern eine Art Kurdirektorin im Badebetrieb der Schwefelquellen zu Bad Nenndorf. Sie stirbt 1809 in Nenndorf. Es ist nicht bekannt, ob Mensing damals noch mit ihr in Verbindung stand. aus Rotenburg an der Fulda einen Sohn zur Welt, der am folgenden Tag auf den Namen Johann Gottlieb Wilhelm Mensing katholisch getauft wurde. Wilhelm Mensing jun. lebte bis zum 7. Lebensjahr bei seiner Mutter in Nenndorf, dann kam er nach Hannover zum Besuch einer katholischen Schule zu einer Familie in Logis.Rüdiger Fikentscher: „Neben zwei Kindern mit seiner Frau hatte er noch einen vorehelichen Sohn, der von ihm adoptiert wurde und in Göttingen studierte. Das war Wilhelm Mensing (1792–1864), der Vater meiner Urgroßmutter. Er war Mathematiker, hatte einige Zeit an den Franckeschen Stiftungen in Halle unterrichtet und dann als Professor in Erfurt.“ (Fikentscher: Zwischen König und Bebel. 2006, S. 239 f.)