Der Borneodelfin oder auch Fraser-Delfin (Lagenodelphis hosei) ist der einzige Vertreter der Gattung Lagenodelphis innerhalb der Delfine (Delphinidae). Die erst seit 1956 wissenschaftlich bekannte Art lebt überwiegend in tropischen Regionen und wird vor allem aus dem südlichen Indischen Ozean sowie dem westlichen und mittleren Pazifik und der Karibik regelmäßig beschrieben. Die Tiere erreichen eine maximale Körperlänge von etwa 2,70 Metern und ein Gewicht von bis zu 210 Kilogramm. Charakteristisch sind die im Vergleich zu anderen Delfinen sehr kurze Schnauze sowie die relativ kurze Rückenflosse, die breiten Brustflossen und die schwarz gefärbte Rückenpartie. Ein auffälliges äußerliches Merkmal ist der helle Streifen, der von der Stirn bis zur Schwanzwurzel verläuft und durch einen darunterliegenden schwarzen Streifen sowie weitere charakteristische Färbungen ergänzt wird. Die Bauchseite zeigt einen leichten Rosaschimmer. Die Kiefer sind mit 34 bis 44 Zähnen pro Kieferhälfte besetzt.

Über die Lebensweise dieser Delfinart ist bislang nur vergleichsweise wenig bekannt, da Beobachtungen vor allem auf Strandungen und vereinzelte Sichtungen zurückgehen. Borneodelfine leben vorrangig in größeren Schulen von meist über 100 Individuen und kommen oft gemeinsam mit anderen Kleinwalen vor. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Fischen, Tintenfischen und Krebstieren, die sie häufig nachts in Meerestiefen von 250 bis 500 Metern jagen. Zu den möglichen natürlichen Feinden zählen Haie und Schwertwale, wobei konkrete Nachweise bislang fehlen. Die Geschlechtsreife wird schätzungsweise im Alter von etwa sieben Jahren und bei einer Länge von 2,30 Metern erreicht, Jungtiere kommen mit rund 100 Zentimetern Länge zur Welt. Die Tiere sind international geschützt und werden nur selten gezielt bejagt. Die genaue Populationsgröße ist unbekannt, insgesamt gilt die Art jedoch als eher selten.

Merkmale Allgemeine Merkmale mini|Größenvergleich mit einem Taucher Der Borneodelfin erreicht nach Messungen an einigen Dutzend Exemplaren dieser Art eine Gesamtlänge von maximal 2,70 Metern und ein maximales Gewicht von etwa 210 Kilogramm. Die Weibchen bleiben wahrscheinlich etwas kleiner mit einer Körperlänge von etwa 2,60 Metern. Ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus in Bezug auf Gesamtlänge und Masse ist nicht nachgewiesen. Die Populationen des Atlantischen Ozeans sind in der Regel etwas größer und besitzen eine weniger ausgeprägte Streifung als die Tiere des Pazifischen und Indischen Ozeans.

Der Körper der Tiere ist im Vergleich zu anderen Delfinen gedrungen und kräftig gebaut. Die Schnauze ist mit einer Länge von 3 bis 6 Zentimetern auffällig kurz, jedoch deutlich am Kopf abgesetzt. Auch die vor allem bei den Männchen auffällig dreieckig geformte und leicht gefaltete Rückenfinne ist kurz, sie erreicht eine Maximalhöhe von etwa 22 Zentimetern und entspricht in ihrer Länge weniger als 9 % der Gesamtlänge. Die ebenfalls kleinen und vergleichsweise dünnen Brustflossen (Flipper) laufen in ein spitzes Ende aus. Die ausgewachsenen Männchen scheinen in der Regel größere und aufrechtere Rückenflossen zu haben als andere Alters- und Geschlechtsklassen, zudem können sie deutliche Auswölbungen hinter der Analregion aufweisen.

Der Rücken dieser Delfine ist dunkelgrau, braunschwarz oder schwarz, die Bauchseite mit der Kehle und dem unteren Kieferbereich ist weiß bis cremefarben mit einem leichten rosa Schimmer. Die Schnauzenspitze und die Lippen sind dunkel und ein ebenso dunkler Steifen zieht von der Schnauze zur Basis der Melone. Von hier bis zur Schwanzwurzel zieht sich ein heller Streifen über den Körper, der nach hinten hin breiter wird und zugleich an Deutlichkeit verliert. Darunter liegt ein breiter dunkelgrauer bis schwarzer Streifen, der auf dem oberen Bereich der Schnauze beginnt und sich dann in zwei Äste teilt. Einer dieser Äste färbt die Unterlippe und zieht hinunter zur Brustflosse, wo er in die schwarze Färbung derselben übergeht und sich durch dünne, blasse, cremefarbene Ränder von der helleren Körperfarbe abhebt. Der andere Ast führt über das Auge, wobei er eine Gesichtsmaske bilden kann, an der Seite entlang und endet im Bereich des Anus. Diese Seitenstreifen und die Gesichtszeichnung sind bei den blasseren Jungtieren noch undeutlich und werden im Laufe der Entwicklung deutlicher erkennbar, vor allem bei den ausgewachsenen Männchen sind sie kräftig ausgebildet. Die Brustflossen, die Rückenflosse und die Fluke sind dunkelgrau, obwohl bei einigen Individuen ein heller Fleck in der Mitte der Rückenflosse vorhanden sein kann.

Merkmale des Schädels und des Skeletts Der Schädel des Borneodelfins entspricht im Wesentlichen dem des Gemeinen Delfins (Delphinus delphis) und anderer verwandter Arten, hat jedoch eine deutlich breitere Schnauze als diese. Die Gesamtlänge (Condylobasallänge) vermessener Schädel ausgewachsener Tiere beträgt etwa 400 bis 456 Millimeter. Die Breite der knöchernen Schnauze entspricht dabei etwa 27 bis 31 % der Condylobasallänge und ihre Länge entspricht 53 bis 56 % derselben. Sie ist abgeflacht und die sich mittig (fast) berührenden Zwischenkieferknochen liegen gegenüber den Oberkieferknochen nur leicht erhöht.

Die Kiefer des Delfins besitzen sowohl im Ober- wie im Unterkiefer in jeder Kieferhälfte zwischen 34 und 44 gleichförmige, schlanke und scharfe spitze Zähne. Sie ähneln denen des Gemeinen Delfins und den Fleckendelfinen (Stenella). Die Gehörknöchelchen weisen dagegen eine gewisse Verwandtschaft mit denen der Fleckendelfine auf, ähneln aber am meisten denen der Kurzschnauzendelfine (Lagenorhynchus).

Die Wirbelsäule besteht aus sieben Hals-, 15 bis 16 Brust-, 20 bis 24 Lenden- und 34 bis 39 Schwanzwirbeln, dabei liegt die Gesamtzahl der Wirbel bei 78 bis 81. Der Atlas und der Axis sind verwachsen. Der Brustkorb besteht aus 15 Rippenpaaren, von denen vier bis fünf jeweils zwei Ursprünge haben (bicipital). Das Brustbein besteht aus drei Teilen.

Die Anzahl der Fingerknochen der Flipper beträgt in der Regel zwei Knochen am ersten, neun Knochen am zweiten, sechs bis sieben Knochen am dritten, drei Knochen am vierten und zwei Knochen am fünften Finger. Wie bei allen Walen sind die Finger über das umgebende Gewebe zu einer Flosse (Flipper) verbunden.

Verbreitung und Lebensräume 250px|mini|Verbreitungskarte des Borneodelfin Über die tatsächliche Verbreitung der Borneodelfine ist nur sehr wenig bekannt. Sie leben vor allem im Bereich der offenen Hochsee in den südlichen Bereichen des Indischen Ozeans sowie im Südpazifik, kommen jedoch auch im Atlantik vor. Vor allem aus dem östlichen tropischen Pazifik gibt es viele Berichte über Sichtungen von Borneodelfinen, was allerdings hauptsächlich auf die intensive Forschung im Zusammenhang mit dem Thunfischfang in diesem Gebiet zurückzuführen ist. Im Bereich des malaiischen Archipels, der Camotes-See und in der Straße von Cebu an den Philippinen wird er häufig beobachtet und ist aus dem östlichen und zentralen tropischen Pazifik und um die zentralen Visayas gut dokumentiert. Daneben wird er auch im tiefseenahen Küstengebiet der karibischen Inseln und im Golf von Mexiko regelmäßig beobachtet.

Die häufigsten Beobachtungen stammen aus tropischen und subtropischen Gebieten im Bereich zwischen 30 Grad nördlicher und 30 Grand südlicher Breite. Sichtungen und Strandungen in gemäßigten Regionen werden als Abweichungen betrachtet und stehen in der Regel im Zusammenhang mit anomal warmen Wassertemperaturen, etwa aufgrund des El Niño.

Der Borneodelfin lebt zudem hauptsächlich in Meeresregionen mit über 1000 Metern Tiefe, kann allerdings auch im Bereich des Küstenschelfs mit Tiefen von weniger als 100 Metern nahe von Tiefseebereichen angetroffen werden. Strandungen zeugen davon, dass sich die Delfine bei ihrer Beutejagd auch bis in die Küstenregionen vorwagen. Bei Untersuchungen in der Karibik wurden Borneodelfine vor allem in einem Tiefenbereich zwischen 500 und 1750 Meter identifiziert mit einem Vorhersagemaximum in einer Entfernung von 5 bis 15 Kilometer von der nächstgelegenen Schlucht. In äquatornahen Regionen ist das Vorkommen häufig assoziiert mit warmen aufsteigenden Strömungen und entsprechend warmem Oberflächenwasser und auch das warme Wasser des südafrikanischen Agulhasstroms beeinflusst das Vorkommen der Tiere.

Lebensweise mini|Gruppe von Borneodelfinen Die Borneodelfine sind gesellig und leben meist in Schulen von mehr als 100 Individuen. Die meisten Sichtungen waren Gruppen von 100 bis 1000 Tieren und im östlichen Pazifik wurden gemischte Schulen von schätzungsweise bis zu 2500 Individuen beobachtet; teilweise gibt es jedoch auch kleine Schulen von wenigen Exemplaren. Dabei trifft man die Tiere nicht selten gemeinsam mit anderen Kleinwalen an, vor allem mit Breitschnabeldelfinen (Peponocephala electra), Rundkopfdelfinen (Grampus griseus) und anderen Delfinen wie Fleckendelfinen. Beobachtet wurden sie zudem mit Kurzflossen-Grindwalen (Globicephala macrorhynchus), Kleinen Schwertwalen (Pseudorca crassidens) und auch Pottwalen (Physeter macrocephalus). Bei Untersuchungen in der Karibik im Bereich der Kleinen Antillen befanden sich die dort vergleichsweise häufig vorkommenden Borneodelfine bei 53 von 64 und damit in 83 % aller Sichtungen in Gesellschaft mit anderen Walarten. Besonders häufig kamen sie in Gesellschaft mit Schlankdelfinen (Stenella attenuata) vor, deutlich seltener mit Kurzflossen-Grindwalen, Pottwalen und anderen Arten. Diese Arten kommen ebenfalls häufig in den von warmen aufsteigenden Strömungen beeinflussten und damit häufig nahrungsreichen Meeresgebieten vor.

Die Schulen bewegen sich schnell, die einzelnen Tiere schwimmen dabei in niedrigen, weiten und spritzenden Sprüngen. Im östlichen tropischen Pazifik fliehen sie in der Regel vor sich nähernden Schiffen, wie dies auch die meisten anderen Delfine tun, die regelmäßig von Thunfischfängern bedrängt wurden, und auch auf den Philippinen weichen sie häufig Schiffen aus. Lautäußerungen dieser Art wurden bei den Philippinen, im östlichen tropischen Pazifik, im Golf von Mexiko und im Karibischen Meer aufgezeichnet, dabei wurden Klicks zur Echolokation und Pfeiftöne, die denen von der Fleckendelfine ähneln, beschrieben.

Ernährung Die Nahrung der Tiere besteht aus verschiedenen Fischen, Tintenfischen und Krebstieren aus mittleren Meerestiefen. Dabei handelt es sich meist um Beutetiere, die aus der Tiefsee in die oberflächennäheren Gewässerschichten kommen und bei Tauchgängen bis in Tiefen von 600 Metern gejagt werden. Es gibt zudem auch Beobachtungen für die Nahrungsaufnahme nahe der Oberfläche, diese sind jedoch seltener.